Buch: 111 Lösungswege für das Reiten

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Wer ein praxisnahes Lehrbuch sucht, sollte sich das hier mal ansehen. Wieviel Zügelgewicht der Reiter in der Hand haben darf, wird zum Beispiel anhand der Butter gezeigt: nicht mehr, als das Gewicht von zwei Packungen. Dieses Buch kann sogar noch mehr. Es zeigt nicht nur, wie etwas im Sattel aussehen sollte. Die Autorin traut sich ebenso, zu zeigen, was schief gehen kann. Und wie man das Problem löst.

Sofort springt ins Auge, dass sich hier jemand getraut hat, für ein Foto mal so richtig falsch auf dem Pferd zu sitzen. Die Autorin selbst ist in vielen Bildern als Modell auf dem Pferd zu sehen. Und sie vermag es, eine Lektion in mehreren Varianten zu zeigen: Falsch, anders Falsch und richtig. Das tut gut, denn andere Lehrbücher konzentrieren sich häufig nur auf das korrekte Bild – und lassen den Ratsuchenden mit seinen Fehlern dabei alleine. 

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Nicht hier. Das Buch von Kartin Lührs ist extrem praxistauglich. Was nicht mit ‚leicht zu konsumieren’ zu verwechseln ist. Der Anspruch ist machbar, aber verlangt etwas Hingabe beim lesen. So beginnt das Buch sportpsychologisch und erklärt auf 45 Seiten zunächst die Methodik im Reitunterricht. Meint: Wie lernt der Schüler verbal, visuell, praktisch? Wie sieht anweisungsorientierter, wie erfahrungsorientierter Unterricht aus?

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Ein weiteres Kapitel widmet sich der Ausrüstung. Das Herzstück des Buches sind dann die Methodischen Übungsreihen. Hier wird konkret beschrieben, wie man einem Reiter zum Beispiel die Gewichtshilfen erklären kann und ihn diese erfühlen lassen kann, oder welche Übungen für die Handunabhängigkeit des Reiters sinnvoll sind. Diese Erläuterungen sind genau, es werden stets mehrere Übungen zu einem Thema vorgestellt und es sind viele Ideen dabei, die man nicht schon an zehn anderen Ecken gehört hat.

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So knapp wie möglich, so vielfältig wie möglich:
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Karin Lührs gibt Ausbildern & Reitern viele Infos an die Hand

Gut ist die Bildauswahl, es werden sowohl positive Fotos gezeigt, bei denen explizit genannt wird, warum das ein korrektes Bild ist.

In den Problembeschreibungen zeigt sich, wie sehr das Buch aus dem Alltag einer Ausbilderin und Richterin beeinflusst ist. Was tun, wenn der Reiter mit dem Oberkörper treibt? Was, wenn er die eigene Schulter in der Wendung falsch führt? Was, wenn der Reiter unruhige Hände hat?

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Richtig: das Pferd trägt sich.
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Falsch: Das Pferd sucht eine Stütze, kommt zu tief und zu eng, ist auf der Vorhand.

Bleiben wir bei den unruhigen Händen: Stichwortartig wird hier das Problem und Lösungsansätze genannt. Traut der Schüler sich nicht, seinen Körper zu bewegen, und hat daher unruhige Hände? Wenn ja, dann folgen viele Übungsideen dazu, wie mit Wasserglas in der Hand reiten. Hingewiesen wird darauf, wie wichtig es ist, dem Schüler zu sagen, dass er sich bewegen darf und muss, dass er nicht versuchen soll, stille zu halten. Wenn die Ursache in mangelnder ‚Federung’ in den Armen liegt, wird eine Übung beschrieben, bei der der Reiter auf dem Pferd sitzend ein weiteres Zügelpaar erhält. Das läuft in die Hände des Ausbilders, der vor dem Kopf des Pferdes steht (und nicht ins Pferdemaul). Der Ausbilder mimt nun zum Beispiel ‚Maultätigkeit’, und der Schüler soll dies erfühlen.

Dieses Buch ist sicherlich für Reiter, die viel alleine reiten, besonders geeignet. Explizit wendet es sich auch an Autodidakten. 

Die Autorin Karin Lührs reitet selbst bis Grand Prix und richtet bis zur Klasse S. Vielleicht ist die Vorliebe für den didaktisch-methodischen Aufbau auch dieses Buches ihrem ursprünglichem Lehramts-Studium zu verdanken. Heute unterhält sie einen Pferdebetrieb in Schleswig-Holstein. 

>> Ein äußerst praktisches Buch für Unterrichtende und Dressurreiter, das sicherlich im Alltag gute Dienste leisten kann. Es ist im fn-Verlag soeben erschienen und kostet 22,90 Euro. Diese Rezension entstand mit Unterstützung des fn-Verlags. Alle Bilder sind mit freundlicher Genehmigung des Verlags dem Buch entnommen.