Warum ein älteres Pferd ein Genuss ist

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Ich weiß nicht, wie viele Jungpferde es waren, aber gefühlt bestand meine ganze Jugendzeit daraus: Jungpferden beizubringen, wie das Leben mit Menschen so funktioniert. Anbinden lassen, Hufe geben, ans Gelände gewöhnen, anlongieren, erstes Satteln, erster Trab, erster Galopp, erster Ausritt. Eine Mischung aus stets achtsam sein, schnell sein und unerschütterliches Vertrauen geben oder wenigstens so tun, als ob.

Als ob es gestern war, erinnere ich mich an manche Kandidaten. Erster Ausritt im Feld mit einer jungen Ponystute, ich sehe mich noch säuselnd im Sattel, die Stute stockt vor jeder Pfütze und tapert dann doch mutig dem Führpferd hinterher. Ich lobe mit der Stimme und gebe das bisschen an Hilfen, was sie schon versteht. Es machte mich stolz und glücklich, dass der erste Ausritt ein gutes Erlebnis für die Stute wurde. Und es ist ja auch ein irres Gefühl, diese rasante Lernkurve bei den Jungen zu begleiten. Mein Selbstbild als Reiter hatte viel mit jungen Pferden zu tun. Einfach wunderschön, zu sehen, wie ein junges Pferd beginnt zu vertrauen, zu begreifen, neue Dinge als Teil seines Alltags zu akzeptieren.

Heute hat mein Reiteralltag damit gar nichts mehr zu tun. Statt viele junge Hüpfer zu begleiten, bin ich zum Ein-Pferd-Reiter mutiert. Und das ist deutlich dem Jungpferdealter entwachsen. Wahrscheinlich hätte ich ihn vor Jahren langweilig hoch zehn gefunden: Nur ein Pferd und das grottenbrav.

Heute denke ich eher: Was für ein Glück, dass das alles so easypeasy ist mittlerweile. Es sind hunderte Kleinigkeiten, die einfach funktionieren, statt riesige Hindernissse zu sein. Zum Beispiel:

  • Aufladen: Hänger auf, das Pferd geht rein. Geht auch ganz alleine, ohne zweite Person. Ich kann einfach losfahren, wann und wohin ich will.

  • Ausreiten: Sie kennt alles, geht zum Beispiel an gestapelten Baumstämmen oder Traktoren vorbei und erschrickt nicht, wenn Fahrradfahrer angebraust kommen.

  • Stehenbleiben: An jeder Aufstiegshilfe, die ich mir so vorstellen kann, von Mauer über Rampe, Bänkchen oder großen Feldsteinen, bleibt mein Pferd artig stehen. Sogar mit automatischer Einparkhilfe: sie schert auf Gertenzeig mit der Hinterhand so heran, dass sie absolut parallel zur Aufstiegsmöglichkeit steht. Sehr praktisch.

  • Päuschen machen: Ein, zwei Tage keine Zeit zum Reiten? Kein Thema, dann eben einfach nur Weide. Hätte ich das gemacht, als sie noch 5,6 Jahre alt war, hätte ich mich direkt für heftige Buckler bereit machen können.

  • Unterwegs sein: Turnierplatz, Fahrten zu einem Kurs, eine neue Box, neue Umgebung? Ach, klar! Wenn Pferd könnte, würde es mit den Schultern zucken.

  • Träumen dürfen: Ich muss nicht in jedem kleinsten Moment die ganze Gegend abchecken, wo mögliche Erschreck-Gefahren wären. Ich kann auch mal meinen Gedanken nachhängen – macht Pferd gar nix.

So ist das eben, wenn aus dem Jungpund ein Profi geworden ist.

Genießt Eure Pferde, egal wie alt sie sind. Jedes Alter ist besonders und auf seine Art das Beste.