Alkohol auf dem Pferd

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Letztens war ich auf einem Geburtstag eingeladen. Der ganze Tag vorher hatte irgendwie den Wurm drin, und ich schaffte es nicht, mir Zeit für die Pferde herauszuschlagen. Das machte mich schlecht gelaunt. Ich hasse das, generell. Also suchte ich nach einem Kompromiss.

Alternative A: Erst noch zum Pferd, dann zum Geburtstag. Das hätte bedeutet, dass ich ziemlich stinkend zum Geburtstag gekommen wäre. Also entschied ich mich für Alternative B: Zuerst zum Geburtstag zu gehen, mir Wechselsachen einzupacken und früher von dort wieder weg zu fahren. Schließlich mag ich es, abends zu reiten, im Sommer besonders.

Nun denn – der Geburtstag war sehr schön, im Garten, zwischen Blumen saßen wir. Ich trank ein Glas Weißweinschorle zum Essen. Dazu muss ich sagen, dass ich kaum etwas vertrage, weil ich so selten etwas Alkoholisches trinke. Ein Glas Wein wäre definitiv schon zu viel gewesen, daher eben die Schorle. Nach zwei Stunden ging ich und machte mich auf zum Pferd. Das steht um die Ecke, vom Geburstagskind aus gesehen. Ich fuhr dahin, im Auto, darf man ja, mit einem Glas Schorle intus. Ich merkte das auch nicht, ja auch nicht verwunderlich bei 0,1 Liter Wein.

Das grandiose Gefühl, wenn alles klappt

Als ich dann auf dem Pferd saß, freute ich mich schon wahnsinnig, weil die Stute letztes Mal einfach so gut war. Sie macht inzwischen so toll mit, möchte alles recht machen und es gibt immer wieder ein paar Momente, die sich ganz wunderbar anfühlen. In der Trainingseinheit zuvor hatte sie zum Beispiel super toll Tempiunterschiede im Trab hingelegt. Es fühlte sich großartig an, wenn sie zurückkam und dann wieder wenn sie auf ein kleines bisschen Schenkel und Gewichtshilfe die Tritte verlängerte. Ich habe sie gelobt, und ihr erzählt, was für ein großartiges Pferd sie sei. Danach erschien sie mir zwei Zentimeter größer, vor Stolz.

Das war die vorherige Einheit.

Diesmal war es anders.

Das Gefühl versoffen

Ich trabte an. Irgendwie war das so schnell, fand ich. Zack-zack ging das Leichttraben, schneller als sonst, ich musste mich anstrengen, mitzukommen. Seltsam, eilte die Stute so? Ich ritt ein paar Übergänge und fand die sehr unharmonisch. Ich merkte auch dabei, das alles um mich schneller war als ich. Ich war zu langsam mit der Hand, gab zu spät nach. Mist, dachte ich noch, der Wein, also reiß’ Dich mal zusammen, schön konzentrieren jetzt! Doch wenn ich runter schaute, an der Schulter des Pferdes vorbei zum Boden, hatte ich das Gefühl, ich krieg’ nix anderes mehr mit. Nur diese Bodenwellen sah ich noch, die Übersicht fehlte. Wenn ich am Spiegel vorbei ritt, fand ich, dass ich drauf saß, aber nicht drin. Ich merkte: Ich bin heute echt schlecht. Das mit dem Wein war wirklich keine gute Idee.

Noch ein, zwei Übergänge, dann hörst Du einfach auf, das bringt nichts, sagte ich mir. Aber auch das war einfach nur Mist. Es gelang kein einziger guter Übergang, und schuld war nicht das Pferd. Ich sprang irgendwann einfach ab.

Und wer jetzt glaubt: „Ja, ja, Jeannette, ein Glas Weinschorle, das kann ja gar nicht sein, wahrscheinlich waren es fünf!“, der liegt falsch. Es war eins, und dennoch fühlte ich mich auf dem Pferd wie amputiert.

Test: Auf einmal talentfrei

Die Weißweinschorle hatte mein Gespür inhaliert. Es war schlichtweg futsch. So muss es sich anfühlen, wenn man komplett talentfrei ist und ohne Gefühl fürs Pferd auf die Welt gekommen ist, dachte ich mir hinterher.

Eins ist seit gestern klar: Für mich gilt die Null Promille Grenze auf dem Pferd.

Bei der Stute entschuldigte ich mich.

Am Tag danach versuche ich, mich wieder zum Freund meines Pferdes zu machen. Es sieht so als, als ob sie mir diese Eskapade verziehen hätte. Gutes, gutes Pferd!