Chapeau, liebe Anja Beran!

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Das hier wird eine Lobhudelei, und das äußerst verdient. Mit ihrem gerade erschienen Vortrag „Blickschulung“ hat Anja Beran etwas Außerordentliches vorgelegt: Sie kritisiert das Ausbildungssystem, das nach dem immer Spektakulärerem sucht. Doch sie bezieht nicht nur ganz klar Stellung (was ja eh schon rar ist), nein, sie hat auch Filmmaterial aus der Sportreiterei gesammelt und diese dann noch so verfremden lassen, dass zwar die Pferdebewegung sichtbar ist, nicht aber, wer da drauf sitzt. Weil es um die Sache geht, und nicht darum, mit dem Finger auf Einzelne zu zeigen.

Wie klar sich die Ausbilderin positioniert, wird in diesen Zitaten aus dem Film deutlich:

Ich sehe die Gefahr, dass die Akzeptanz der Reiterei in der Öffentlichkeit auf dem Spiel steht! Es sind zu viele schlechte Bilder, offensichtlich schlechte: Blut am Sporn, Blut am Maul, blaue Zungen und so weiter. Das ist das eine. Das andere ist das, was noch gar keiner gemerkt hat: Wir haben aus der Dressur, aus einer klassischen, natürlichen Ausbildung von einem Tier künstliche, artifizielle Abläufe gemacht, da kommen Bewegungen raus, die ein Pferd eigentlich gar nicht macht, die auch noch mit hohen Noten honoriert werden. Und die Pferde bezahlen dafür mit der Gesundheit. Und die Masse beklatscht das.“

Genau das ist auch der #betterhorsesport Gedanke: Verantwortung tragen, für das, was man tut. Natürlich für die Pferde, aber auch im Hinblick auf die Nichtreiter-Gesellschaft. Anja Beran nennt es anders, egal, wichtig ist, dass immer mehr Menschen aus der Reitsportszene aufstehen und sagen: So geht’s nicht. Das Zitat von ihr geht noch spannend weiter:

„Anstatt das jemand sagt, der da sitzt, Richter oder wer auch immer: Stopp, wir sind auf dem falschen Weg (...). Die ganze Richtung läuft in eine falsche Richtung, zum Schaden des Pferdes. Es geht nicht um Fehler suchen, sondern um die grobe Richtung der Reiterei, die längst, aus meiner Sicht, den richtigen Weg verlassen hat. Und es muss von uns Reitern, nicht von den Tierschützern, kommen, dass wir darauf pochen, dass etwas geändert werden muss.“

Dabei geht es hier nicht um klassische Reitkunst versus Sportreiterei. Bei Anja Beran stehen auch Warmbluthengste aus dem Haupt- und Landgestüt Schwaiganger, und sie sagt selbst, ebenso im Film zu hören:

Ich habe überhaupt nichts gegen Turnierreiten, es ist eigentlich eine gute Idee, dass man sein Leistungsniveau mit anderen vergleicht und daraus positive Schlüsse zieht (...). Aber wenn es nur noch darum geht, die Beine höher zu reißen, spektakulär zu wirken, und die Pferde danach immer früher verschlissen sind, dann stimmt irgendwas nicht mehr!“

Was genau inhaltlich in diesem neuen, spektakulären Vortrag zu sehen und zu hören ist, habe ich hier schon im Magazin aufgeschrieben.

Wir dürfen den Blick nicht verlieren, sagt die Ausbilderin mehrmals. Den Blick für das richtige Reiten. Denn auf so vielen Bildern, auf so vielen Videos, auf so vielen Turnieren wird eben etwas als korrekt dargestellt und benotet, was es eben nicht ist. Schon alleine, wie die gewünschte Jungpferdehaltung voneinander divergiert ist extrem!

Mögen diesen Film so viele Menschen wie möglich sehen. Ich bin gespannt, was er auszulösen vermag.