Pferdebesitzertypen – bist Du eher ein Kontrollfreak oder die Abwesende?

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Meine Bekannte Tina hat aufgeschrieben, dass sie am allerbesten selbst nach den Pferden schauen kann. Niemand versorgt die Pferde besser als sie, deshalb muss sie immer raus – auch, wenn sich die Arbeit häuft, und der Mann anbietet, die Pferde für sie zu versorgen.

Das brachte mich zum Nachdenken.

Ich habe ziemlich unterschiedliche Phasen in meinem Leben diesbezüglich durch. Sogar so viele, dass es für eine Kategorisierung reicht. Hier also ein kleines Lexika der Versorgungtypen – ich bin gespannt, wer sich wiederfindet.

a) Der Kontroletti

Dieser Typ muss alles selbst checken. Als Teenager ließ ich niemanden, und zwar wirklich niemanden, mein Pony reiten. Das hatte ich alleine mit meiner damaligen Reitlehrerin angeritten, und niemand anders als ich durfte in den Sattel. Nichts war gut genug. Ich konnte übrigens auch am besten kehren oder rechen. Eine Familienanekdote ist immer noch jene, in der ich meinem Bruder den Heuwender aus der Hand reiße, weil er das wohl meiner Meinung nach nicht ordentlich genug gemacht habe. Wahnsinnig sympathisch, nicht wahr? Der Stall war am Haus, ich und meine Eltern betreuten die Ponys täglich. Heiligabend genauso wie im Sommer. Wir machten Heu und stampften durch nasse Wiesen. Das war eine sehr nahe Zeit mit den Ponys.

b) Die Durchorganisierte mit einem Team um sich herum

Als Studentin mit zeitweise drei Pferden, die alle von mir betreut wurden, kam ich absolut an meine Belastungsgrenze. Ich habe immer im Studium gearbeitet, ich hatte diese Pferde, und obwohl sie in Vollpension standen war es, na sagen wir mal, anspruchsvoll. Ich erinnere mich wie heute an ein Gespräch mit meiner damaligen Reitbeteiligung, die sagte, nichts entspanne sie so sehr vom Studienstress wie das Reiten. Das kam mir damals total abstrus vor. In dieser Zeit hatte ich viel Hilfe, wie sollte es auch anders gehen. Jedes Pferd wurde noch von anderen Menschen geritten, und dennoch war es viel Verantwortung, Zeit und Arbeit: 20 Kilometer Radfahren zum Stall täglich, Hund, Pferde, studieren, abends am Wochenende kellnern und in den Semesterferien Praktika machen. Für mich waren die Pferde in dieser Zeit nicht entspannend. Sie waren meine tierische Familie und meine Verpflichtung – aber sehr selten eine Auszeit.

c) Die Abwesende

In meinen ersten Jobs in verschiedenen Städten lernte ich sehr schnell, dass Nähe nicht das wichtigste Kriterium ist. Wer zwölf Stunden am Tag arbeitet, der braucht vor allem verlässliche Leute im Stall. Ich optimierte es immer mehr, wo die Pferde untergebracht waren, damals waren es nur noch zwei, und sah sie dafür weniger. War scheiße, war notwendig. Übrigens war das meine erste Zeit in einem Aktivstall. Den hatte ich zu dieser Zeit auch wirklich nötig!

d) Die mit dem sorgsamen Umfeld

Die Ära, in denen meine Pferde nah und super versorgt stehen, begann mit der Geburt meiner Tochter und dem letzten Umzug. Sie wurden von Freunden versorgt, oder eben heute nur das Pony, und ich könnte es nicht besser machen. Ich bin ersetzbar – jederzeit. Und genieße das sehr, zum Pony zu kommen, und mich einfach nur um die Extras zu kümmern. Beziehung zum Pferd, Reiten, Ausbildung, all das.

e) Die Selbermacherin

Dennoch hat etwas gefehlt, und das gibt es jetzt wieder durch die Jungpferde in meinem Leben: Viel selbstmachen und mehrfach am Tag nach dem Rechten sehen. Seit diesem Frühjahr gibt es nämlich eine Sommerweide für Jungpferde bei mir. Wenn ich mal weg bin, übernehmen wieder Menschen meines Vertrauens. Tatsächlich genieße ich auch das sehr – vor allem abends, wenn meine letzte Runde vor dem Schlafengehen über die Wiese führt.

Nach Tinas Text dachte ich: mhhh, bin ich jetzt nachlässig, weil ich kein Kontroletti mehr bin? Was sagt mein Stresslevel, was sagt Tinas Stresslevel? Sind wir einfach unterschiedlich? Sie ist ein Tausendsassa, der immer wieder die tollsten Sachen ausgräbt, die es im Pferdeumfeld gibt. Einen Mann, der das absolute Gebiss-Know-How hat, zum Beispiel. Eine Firma, die Grassamenmischungen anbietet, die exakt auf die natürliche Flora der Region angepasst sind, zum Beispiel. Ich glaube, ich bin auch schon ein ziemlicher Freak mit dem Herausfinden von Pferdesachen, aber Tina ist da noch mal eine Spur krasser, was ich super finde (ihr findet sie und ihren Text HIER). Dieses hungrig nach Wissen und guten Lösungen sein hat aber auch die Kehrseite, hohe Ansprüche an sich und andere zu stellen. Vielleicht ist das die andere Seite davon? Schnüffelnase geht nicht ohne Kontroletti sein?

Ich weiß nicht, ob ich einfach andere Pferdemenschen in meinem Umfeld habe, oder ob meine Umzieh-Karriere mich etwas Demut gelehrt hat. Was allerdings stimmt: Ich weiß, worauf ich mich nicht mehr einlasse. Von Reitbeteiligung bis Stall sind alle sorgsam ausgesucht, und ich fange keine Halbheiten mehr an. Bei denen, die um mich rum sind, liegt es mir echt fern, zu denken, dass nur ich das am besten könnte. Obwohl ich mir hunderttausend Gedanken um das richtige Futter mache, Heu kritisch prüfe, überlege, wie was idealer gemacht werden könnte.

Fern von Supereasy

Was allerdings sein könnte: Dass meine Leutchen mich da vielleicht nicht so entspannt wahrnehmen, wie ich das gerade kommuniziere. Ich denk da an so manche Gespräche über Wurmkuren, Futter und Hufe. Vielleicht bin ich kein Kontroletti mehr, aber doch noch ein Diskutierer und Hundert-Mal-Überleger. Klingt anstrengend – danke also an all die Menschen, die das in Kauf nehmen, in meinem Umfeld. Ist jetzt nämlich nicht gerade viel besser, vermute ich!