Außengalopp – wo gehört die Gewichtshilfe hin? Tipps & Trainingsanregungen

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Das ist ein Meilenstein - wenn von Klasse A zu L der Außengalopp hinzukommt. Wir haben die besten Trainingsideen und Vorgehensweise zusammengetragen. Wie sitzt der Reiter, was tun bei falschem Einspringen? Gefunden haben wir zum Teil sehr unterschiedlichen Ansätze der Ausbilder Ingrid Klimke, Philippe Karl, Kurd Albrecht von Ziegner und Alizée Froment. Außerdem haben wir nachgeschlagen, was die H.Dv.12 und die Richtlinien dazu sagen. Also: Lesen und mitdiskutieren, wie es richtig geht! 

Vorweg: Galopp-Schritt-Übergänge

Viele Ausbilder stellen den Anfängen des Außengalopps Übergänge vom Schritt zum Galopp zum Schritt voran. Es ist sogar eine Grundbedingung in vielen Reitlehren, dass diese Übergänge gut beherrscht werden, bevor an die Arbeit am Außengalopp gedacht werden kann. Hier im Magazin sind viele wichtige Punkte für die Arbeit an den Übergängen nachzulesen. Grundsätzlich gilt, dass auch der Außengalopp selbst eine förderliche Wirkung für die Versammlung hat.

In dieser Trainingseinheit mit Ingrid Klimke und Soma Bay ist genau das gut zu beobachten. Die Reitmeisterin achtet vorher darauf, dass die Stute gut vor ihrem Schenkel ist. Dafür legt sie zu und lässt die Stute wieder zurückkommen – Tempiunterschiede sind hier das Stichwort. Vom Handgalopp linker Hand aus legt sie eine große Kehrtvolte an, so dass die Stute danach im Außengalopp ganze Bahn geht. Sie erklärt ihre Hilfengebung: „Bügel austreten, rechter Zügel ist der vorherrschende, erneuere mit dem rechten Schenkel die Galopphilfe geben“. Die Ecken werden beim jungen Pferd gut abgerundet, und die Ausbilderin pariert zum Schritt durch, bevor das Pferd schlechter werden kann.

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Just Paul

Dass Ingrid Klimke gern Schritt-Galopp-Übergänge der Arbeit am Außengalopp voran stellt, ist auch schon bei ihrem Ausbildungspferd Just Paul gut zu sehen gewesen, den sie einige Jahre vor Soma Bay ausbildete. In dieser Sequenz schiebt sie dazwischen noch ein wenig Zügel aus der Hand kauen lassen im Trab ein, bevor es wieder an die Konzentration geht. Sie sucht die freie Linie für den Außengalopp, reitet also auf dem zweiten oder dritten Hufschlag. 

Wenn das Pferd ausfällt

Als Just Paul ungewollt wechselt, lässt sie ihn unaufgeregt wieder in den Handgalopp einspringen und achtet im Anschluss darauf, die Galopphilfe weisender, anleitender, weiter bei jedem Galoppsprung aufrecht zu erhalten. Sie reitet einen großen Zirkel im Außengalopp, und dann wieder Schritt.

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Damit das Einspringen korrekt gelingt – so macht es die Schule der Légèreté

Schließlich soll das Pferd auch von vorneherein korrekt im Außengalopp einspringen. Hier kann es zu Schwierigkeiten kommen. Philippe Karl, der sich der Schule der Légèreté verschrieben hat, erklärt in diesem Ausbildungsvideo genau, wie der Reiter sicherstellen kann, dass das Pferd korrekt einspringt. Er hat einen Tipp für Pferde, die auf einer Hand besonders große Schwierigkeiten haben, richtig anzugaloppieren. Er arbeitet im Schritt auf dem Zirkel, und lässt das Pferd im Travers gehen. So wird die Hinterhand nach innen geführt. Der Reiter sitzt außen, „und dadurch wird das Pferd in 90 Prozent aller Fälle innen korrekt angaloppieren!“ 

Unterschiede der Hilfengebung im Sitz

Auffällig ist, dass Philippe Karl und Ingrid Klimke unterschiedliche Wege haben, die Gewichtshilfen einzusetzen. Ingrid Klimke nutzt den deutschen klassischen Weg: „Das Gewicht des Reiters ruht vermehrt auf dem inneren Gesäßknochen“, so heißt es wortwörtlich zum Angaloppieren in der H.Dv.12. Auch Ingrid Klimke wendet dies an, im Film spricht sie vom „vermehrt den inneren Steigbügel austreten“, und genau dies bewirkt eine innere Gewichtshilfe. Philippe Karl hingegen, der seine Ausbildung in der Hofreitschule Saumur genoss und daraufhin seine Schule der Légèreté entwickelte, sitzt bewusst außen, verlagert also das Reitergewicht auf den äußeren Gesäßknochen. Seine Begründung: Damit das Beinpaar, das vorgreifen soll, auch genügend Raum dafür erhält. Somit erleichtert der Reiter dem Pferd das korrekte Einspringen durch diese Hilfengebung. Ganz genau, mit Skizzen, erklärt er dies in diesem Film.

Einspringen in den Galopp nach der H.Dv.12

Eine völlig andere Lehre als die Schule der Légèreté, ein komplett anderer Ansatz: Ein Blick in die H.Dv.12, die Heeresdienstvorschrift, die das erste Regelwerk der deutschen Reitkultur darstellt, ist ebenso spannend. In der neuesten Auflage mit Kommentaren des inzwischen verstorbenen Kurd Albrecht von Ziegner finden sich auch gute Argumente für eine – wieder andere – Hilfengebung. Das Angaloppieren an sich wird folgendermaßen beschrieben: „Mit einer halben Parade wird das Pferd aufmerksam gemacht und auf das Auffußen des inneren Hinterfußes die Galopphilfe ausgelöst. Nur wenn das Pferd in diesem Moment mit dem äußeren Hinterbein anspringt (das ist der Takt 1 vom Dreitakt des Galopps), kann das Angaloppieren als gelungen bezeichnet werden.“, schreibt er. Kurd Albrecht von Ziegner empfiehlt jedoch, dass das Angaloppieren in Stellung geschehen soll, die Vorhand wird eine Hufbreite nach innen geführt, der innere Hinterfuß soll in Richtung zum inneren Vorderfuß spuren, der äußere Hinterfuß in Richtung zwischen beide Vorderfüße, „so dass er mehr unter den Schwerpunkt tritt und ein Ausfallen der Hinterhand vermieden wird.“

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Gemeinsamkeiten verschiedener Ausbildungsphilosophien

Philippe Karl nutzt den Außengalopp auf dem Zirkel bewusst, um die Galoppsprünge zu vergrößern. So unterrichtet das übrigens auch seine Frau Bea Borelle. Spannend ist es immer, Gemeinsamkeiten völlig unterschiedlicher Philosophien zu entdecken. Die Französin Alizée Froment nutzt diese Übung nämlich genauso, und auch viel für junge Pferde, um den Galopp zu verbessern und zu entwickeln. Zu sehen ist das zum Beispiel hier mit dem jungen Aslan (bei ungefähr Minute neun), dabei wird der Zirkel anfangs als Acht angelegt, so dass das junge Pferd sofort nach einem Außengalopp-Zirkel wieder auf den Handgalopp-Zirkel kommt, ohne dass es wechseln muss.

 

Viel Erfolg beim Üben!