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Einstieg in die Working Equitation: 4 Reiter erzählen

Die Working Equitation begeistert immer mehr Reiter. Warum eigentlich? Wir haben nachgefragt, was Umsteiger und Einsteiger an ihr besonders schätzen. Oben im Bild siehst Du jemanden, der ganz zu Hause ist in der Working Equitation: Das ist Stefan Schneider, der Mann von Dressurreiterin Uta Gräf.

 

Nina Naudet, klassische Dressurausbilderin, mit Lippizaner Favory

"Vom Herzen her bin ich die klassische Dressurreiterin. Bei Freunden in Südtirol lernte ich deren Arbeitsreitweise kennen. Die nennen das dort nicht Working Equitation, aber es ist ähnlich: einhändig reiten, Labyrinthe bewältigen, Ringstechen, mit einer Garocha reiten und Tore auf- und zumachen. Das macht Spaß, sowohl dem Reiter wie dem Pferd. In der Working Equitation habe ich beides vereint: Den Spaß, die Aufgaben mit dem Pferd bewältigen zu können und ein gut gymnastiziertes und dressurmäßig gut gearbeitetes Pferd zu zeigen. Ich finde es schön, mit dem Pferd etwas zu machen, statt die Dressur als Selbstzweck zu betreiben.

Vor drei Jahren habe ich einen Kursplatz bei Mihai Maldea ergattert, der für Deutschland im Nationalteam der Working Equitation ritt. Das war meine erste Erfahrung mit der Disziplin. Er hat den Kurs sehr ruhig und gut aufeinander aufgebaut, das war toll. Meine Dressurarbeit ist dadurch vielfältiger geworden. Ich baue nun Trailhindernisse immer mal wieder mit in die normale Arbeit ein, wie den Sidepass. Das ist das Übertreten lassen über eine Stange, die am Boden liegt. Das Pferd steht mit den Vorderbeinen vor, mit den Hinterbeinen hinter der Stange und soll seitwärts übertreten. Wenn ich ein Pferd habe, das das Schenkelweichen schon kann, probiere ich das gern mal. Dabei habe ich den Eindruck, dass die Pferde es so viel besser durch die Stange verstehen! Es ist, als ob sie sagen würden: 'Ahhh, das kann man mit Schenkelweichen machen!' Das Ziel bei der Working Equitation ist es, auf blanker Kandare zu reiten. Mir ist es immer schon ein Anliegen gewesen, fein zu reiten. Aber das Reiten auf blanker Kandare hat mir noch mal einen Ticken mehr bewusst gemacht, wie sehr es nötig ist, Dein Pferd am Sitz zu haben und es noch viel leichter und feiner ausbilden.

Das Wichtigste für den Einstieg ist, keine Scheu zu haben! Einfach trauen. Ab und zu sonntags baue ich auf meinem Hof einen Trailparcours auf, mit Brücke, Stier, Stangen-L mit Glocke. Die typische Reaktion ist, dass die Leute es sehr interessant finden, aber erst mal sagen 'oh, ich bin dafür noch zu schlecht!'. Man muss ja nicht direkt alles einhändig im Galopp reiten. Es bringt auch Spaß, wenn man erst mal im Schritt anfängt." Nina Naudet ist unten mit ihrem Lipizzaner im Bild zu sehen. 

Die Working Equitation begeistert immer mehr Reiter. Warum eigentlich? Wir haben nachgefragt, was Umsteiger und Einsteiger an ihr besonders schätzen. Oben im Bild siehst Du jemanden, der ganz zu Hause ist in der Working Equitation: Das ist Stefan Schneider, der Mann von Dressurreiterin Uta Gräf.

 

Nina Naudet, klassische Dressurausbilderin, mit Lippizaner Favory

"Vom Herzen her bin ich die klassische Dressurreiterin. Bei Freunden in Südtirol lernte ich deren Arbeitsreitweise kennen. Die nennen das dort nicht Working Equitation, aber es ist ähnlich: einhändig reiten, Labyrinthe bewältigen, Ringstechen, mit einer Garocha reiten und Tore auf- und zumachen. Das macht Spaß, sowohl dem Reiter wie dem Pferd. In der Working Equitation habe ich beides vereint: Den Spaß, die Aufgaben mit dem Pferd bewältigen zu können und ein gut gymnastiziertes und dressurmäßig gut gearbeitetes Pferd zu zeigen. Ich finde es schön, mit dem Pferd etwas zu machen, statt die Dressur als Selbstzweck zu betreiben.

Vor drei Jahren habe ich einen Kursplatz bei Mihai Maldea ergattert, der für Deutschland im Nationalteam der Working Equitation ritt. Das war meine erste Erfahrung mit der Disziplin. Er hat den Kurs sehr ruhig und gut aufeinander aufgebaut, das war toll. Meine Dressurarbeit ist dadurch vielfältiger geworden. Ich baue nun Trailhindernisse immer mal wieder mit in die normale Arbeit ein, wie den Sidepass. Das ist das Übertreten lassen über eine Stange, die am Boden liegt. Das Pferd steht mit den Vorderbeinen vor, mit den Hinterbeinen hinter der Stange und soll seitwärts übertreten. Wenn ich ein Pferd habe, das das Schenkelweichen schon kann, probiere ich das gern mal. Dabei habe ich den Eindruck, dass die Pferde es so viel besser durch die Stange verstehen! Es ist, als ob sie sagen würden: 'Ahhh, das kann man mit Schenkelweichen machen!' Das Ziel bei der Working Equitation ist es, auf blanker Kandare zu reiten. Mir ist es immer schon ein Anliegen gewesen, fein zu reiten. Aber das Reiten auf blanker Kandare hat mir noch mal einen Ticken mehr bewusst gemacht, wie sehr es nötig ist, Dein Pferd am Sitz zu haben und es noch viel leichter und feiner ausbilden.

Das Wichtigste für den Einstieg ist, keine Scheu zu haben! Einfach trauen. Ab und zu sonntags baue ich auf meinem Hof einen Trailparcours auf, mit Brücke, Stier, Stangen-L mit Glocke. Die typische Reaktion ist, dass die Leute es sehr interessant finden, aber erst mal sagen 'oh, ich bin dafür noch zu schlecht!'. Man muss ja nicht direkt alles einhändig im Galopp reiten. Es bringt auch Spaß, wenn man erst mal im Schritt anfängt." Nina Naudet ist unten mit ihrem Lipizzaner im Bild zu sehen. 

Ann Brab, ambitionierte Freizeitreiterin, mit Connemarawallach Lian

"Übliche Sportturniere kamen für mich nicht mehr in Frage. Dennoch suchte ich etwas, das mich und mein Pferd fördert. Als ältere Ponyreiterin fühle ich mich auf einem konventionellen Turnier völlig deplatziert. In Working-Equitation-Prüfungen ist es jedoch völlig normal, mit verschiedenen Rassen da anzukommen. Auf den kleinen Working-Equitation-Turnieren, auf denen ich bisher war, herrschte immer eine sehr offene Einstellung, eine tolle Gemeinschaft. Man bekommt Tipps und Hilfestellung, auch von den Profis. Generell mag ich die Vielseitigkeit der Disziplin. Mich fasziniert an der Working Equitation, dass sie eine Arbeitsreitweise ist, die gescheites Reiten fördert, aber auch die Mitarbeit des Pferdes benötigt. Die Partnerschaft mit dem Pferd ist hier zentral!" Ann Brab ist auf dem Foto oben mit ihrem Connemarapony zu sehen.

Lehrfilme über Working Equitation

Bei wehorse findest Du den wahrscheinlich bekanntesten Working-Equitation-Lehrer weltweit: Pedro Torres. Wir haben bei ihm daheim gedreht, im Blog kannst Du lesen, wie es bei Pedro Torres daheim so ist. Seine Filme findest Du zum Beispiel hier. Beeindruckend ist auch sein bestes Pferd Oxidado, ein Portrait über dieses Pferd findest Du auch im Blog, hier. In Deutschland ist Uta Gräfs Mann Stefan Schneider bekannt dafür, dass er in der Working Equitation zuhause ist. Er ist auf dem Rothenkircher Hof, auf dem beide zuhause sind, für die Grundausbildung am Boden zuständig. Besonders bei jungen Hengsten hilft er seiner Frau da sehr – es sei durch diese solide Vorarbeit weitaus einfacher im Sattel, erklärt Uta Gräf.

Philipp Renker, ambitionierter Freizeitreiter,
mit Camarguepferd Octobre de Layalle

„Ich bin zuvor auf Camargue-Turnieren gestartet, was recht ähnlich zur Working Equitation ist. Irgendwann haben wir auf unserem Hof einen Kurs mit Ausbilder Fritz Kümmel organisiert, das war mein erster wirklicher Kontakt mit der Disziplin. 2012 bin ich das erste Turnier geritten. Zu glauben, dass es in der Working Equitation mehr Männer gibt, als in anderen Pferdedisziplinen, ist jedoch falsch! Auf meinem letzten Turnier, einer L-Prüfung, waren wir zwei Männer unter 13 Teilnehmern. Die Turnieratmosphäre ist immer familiär und locker. Das ist etwas für anspruchsvolle Freizeitreiter, die mit ihrem Pferd viel erleben wollen und sich das Vertrauen erarbeiten möchten. Durch ein Tor vor- und rückwärts zu gehen macht ein Pferd nicht unbedingt freiwillig für ein Leckerli, da muss man schon etwas für tun. Jedes Turnier ist anders, weil die Hindernisse durchaus variieren, zum Beispiel ist die Brücke unterschiedlich dekoriert. Deshalb kann man nicht komplett vorbereitet sein, das macht es spannend. Auch für Leute, die Spaß an der Dressur haben, aber sich auf FN Turnieren nicht so wohl fühlen, ist das was, sowie für Reiter von Barock- und Arbeitspferderassen. Es geht aber auch mit Warmblütern – nur wenn die zu groß sind, kann das zu einem Nachteil werden, weil so viel Wendigkeit gefragt ist. Man merkt in den Prüfungen der Working Equitation gut, wie die Pferde mitdenken. Wenn ich mit meinem Octobre Rinder sortiere, dann merke ich, dass er immer einen Schritt voraus ist. Den Camargues wird ja Cowsense nachgesagt, das macht schon Spaß! Für die Rinder ist das nicht stressig, man achtet ja darauf, dass man das sehr ruhig macht. Man reitet im Schritt in die Herde, sortiert und bringt sie dann erst dazu, dort hinzugehen, wo man sie hinhaben möchtest.“ Auf dem Bild oben ist Philipp Renker im Geländetrail mit Octobre de Layalle zu sehen.

Die Klassen in der Working Equitation

In Deutschland sind die Klassifizierungen von der Bezeichnung ähnlich dem FN-System: E und A sind die Disziplinen für die Einsteiger. Hier geht es nur um den Stil, die Korrektheit der Aufgaben. Working Equitation ist generell in Dressur, Trail und Rinderarbeit gegliedert. Die Rinderarbeit ist jedoch nicht immer ausgeschrieben. Ab Klasse L kommt der Speedtrail hinzu. Der Dachverband ist die WED, die Working Equitation e.V. Deutschland. Bevor Reiter auf einem Turnier mit Rindern arbeiten dürfen, müssen sie in einem Kurs einen so genannten „Rinderschein“ erwerben. Dieser dient der Gewöhnung des Pferdes an die Kühe, ist aber auch aus Tierschutzgründen für die Rinder erforderlich, damit die Reiter wissen, wie sie die Rinder möglichst stressfrei behandeln.

Annika Schon, Leiterin der Kampageschule Löwenzahn, reitet privat eine Trakehner- und eine PRE-Stute

„Ich interessiere mich besonders für die Vielseitigkeit und für Working-Equitation. An beiden Disziplinen mag ich, dass man verschiedene Aufgaben bewältigen muss. In der Working Equitation reicht es nicht, dass das Pferd nur brav in der Rinderarbeit ist, oder nur gut in der Dressur ist. Beides muss stimmen. Grundsätzlich finde ich die Idee total gut, das dressurmäßige Arbeiten mit einer Aufgabe zu verbinden. Du bekommst in der Working Equitation sofort eine Rückmeldung: Wenn Du beim Parallelslalom Dein Pferd nicht richtig gebogen hast, kommst Du nicht korrekt ans nächste Hütchen. Den Aufbau vom Parallelslalom muss man sich wie eine Zick-Zack-Linie aus Hütchen vorstellen. Das Ziel ist, ganz gleichmäßig, also mit demselben Abstand, um die Hütchen zu reiten. Wenn das Pferd nicht gleichmäßig um den inneren Schenkel gebogen ist, verliert man die Linie. Die Abstände werden ungleichmäßig. Es gibt viele Fehlermöglichkeiten: Das Pferd schwenkt mit der Kruppe aus der Biegung, oder der Weg zum nächsten Hütchen wird zu eng und man schafft es kaum mehr, die nächste Wendung gut einzuleiten. Anfangs macht man das im Schritt, dann im Trab. Das Ziel ist, dass man das einhändig im Galopp reiten kann. Dann muss es noch akkurater sein, damit der fliegende Galoppwechsel klappt. Es ist sehr wenig Platz da, um den Moment abzupassen, in dem Du das Pferd gerade richtest für den Wechsel. Reitest Du das nicht akkurat, dann springen die Pferde nach, landen im Kreuzgalopp oder wechseln gar nicht. Durch den Aufbau merkt man sehr stark die Händigkeit des Pferdes. Zum Beispiel bei Tonnen, die umritten werden sollen. Ich nutze die Elemente der Working Equitation für mich selbst und auch für meine Reitschüler. Auch meine Schulpferde profitieren davon: Sie lernen, Brücken zu überqueren und entspannt und gelassen in jeglicher Situation zu bleiben. Wir haben vom Isländer bis zum Sportpferd alles auf dem Hof. Du merkst zwar, dass sie nicht in allem gleich gut sind, aber allen tut das gut. Es gibt bei uns kein Pferd, das in fremder Umgebung oder im Gelände parkt und sagt: ‚Da gehe ich nicht entlang’. Die Pferde sind alle sehr unerschrocken und gelassen. Das hat auch etwas mit dieser vielseitigen Ausbildung und den Elementen aus der Working Equitation zu tun.“ Auf dem Foto oben ist sie mit ihrer Trakehnerstute inmitten der Rinder zu sehen.

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#wehorsewednesday | Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen

Weit mehr als ein Wegschmeißen der Zügel am Ende der Reitstunde: Ein richtig gerittenes Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen eignet sich optimal, um die innere und äußere Losgelassenheit deines Pferdes zu überprüfen und hat sich bei vielen Top-Reitern, wie zum Beispiel den wehorse-Trainern Uta Gräf, Ingrid Klimke oder Anja Beran, zu einem sehr wichtigen Bestandteil jeder Trainingseinheit etabliert. Sie nutzen es nicht nur am Ende des Trainings, sondern auch zwischendurch als Belohnung und Pause nach einzelnen Lektionen. Um genau zu verstehen, was wirklich hinter dem Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen (im Folgenden "ZadHkl") steckt und wie du es richtig einsetzt, solltest du vor allem zwei Fragen beantworten können:

1. Warum ist es sinnvoll, das ZadHkl während des Trainings immer wieder einzusetzen?

2. Was bedeutet ein richtig gerittenes ZadHkl und wie sieht es aus?

 

Effektives Training und Muskelaufbau durch den Wechsel aus Anspannung und Entspannung

Das ZadHkl ist eine Übung, die du immer wieder in dein eigenes Training mit einbauen kannst. Nicht nur als Abschluss einer Trainingseinheit, sondern schon zu Beginn in der Lösungsphase überprüfst du damit immer wieder die Losgelassenheit. Das ist aber noch lange nicht alles. Während des Trainings dient ein korrekt gerittenes ZadHkl zum Beispiel als Belohnung und Entspannung nach einer schwierigen Lektion. Dein Pferd darf sich dehnen, du gibst ihm ein gutes Gefühl und es entspannt sich nicht nur mental, sondern auch körperlich. Letzteres ist ein wichtiger Aspekt für den Muskelaufbau. Nur bei dem Wechsel aus Anspannung und Entspannung können sich Muskeln aufbauen, ohne dass dein Pferd verkrampft oder sich langfristig verspannt.  Das ist vergleichbar mit uns Menschen: Vielleicht kennst du die Situation, wenn du beim Sport eine anstrengende Rückenübung gemacht hast und das Bedürfnis entsteht, den Rückenmuskel hinterher erst mal ordentlich zu strecken und ihn so zu entspannen.

In den folgenden zwei Videos erklärt Anja Beran dir noch einmal die Bedeutung der Pausen und des Streckenlassens.

Rüdiger Teil 3 - Muskelaufbau & Kontrolle von Vor- und Hinterhand (ab 05:19 Min.)

Ballentines Teil 1: Schonende Ausbildung des dreijährigen Pferdes (ab 05:45 Min.)

Wie du dein Training der schwierigen Lektionen mit dem Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen verbindest und warum ihm eine so wichtige Rolle zukommt, siehst du in diesem wehorse-Video mit David de Wispelaere.


So sieht es richtig aus: ZadHkl in die Dehnungshaltung

ZadHkl verbinden viele Reiter mit dem Hingeben der Zügel. Die Verbindung einfach wegzuschmeißen, ist allerdings nicht der Sinn der Übung. Im Gegenteil ist es essentiell, eine reelle Verbindung zum Pferdemaul zu bewahren und sich den Zügel im wahrsten Sinne des Wortes nur so weit "aus der Hand kauen zu lassen", dass das Pferd noch im Genick nachgibt und sich an die Reiterhand dehnt. Nur wenn die Verbindung zum Pferdemaul gewahrt bleibt, kann das Pferd mit den Hinterbeinen untertreten, den Rücken aufwölben und das ZadHkl wird zu einer wertvollen gymnastizierenden Übung.

In unserem Video "Feines Reiten - Ein Seminar mit Christoph Hess und Uta Gräf Teil 2: Damon Jérôme als Idealbild eines perfekt ausgebildeten Pferdes" kannst du dir ein ZadHkl und eine Dehnungshaltung in Perfektion anschauen. Genauso wie bei Uta Gräf ab Minute 01:30 sollte es aussehen!

In diesem Video zeigt dir Ingrid Klimke auf Dresden Mann an der Seite von Major a. D. Paul Stecken auch noch einmal, wie das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen richtig geritten aussieht. Ab Minute 16:30 kannst du sehen, wie optimal Dresden Mann sich am langen Zügel selbst trägt, über den Rücken schwingt und unter seinen Schwerpunkt tritt.

In diesem Blogartikel erklärt dir Britta Schöffmann noch einmal gut zusammengefasst, wie ein korrektes Vorwärts-abwärts aussieht, was die häufigsten Fehler beim ZadHkl und bei der Dehnungshaltung sind und wie du sie vermeiden kannst.

 

Ein korrektes Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen entwickeln

Um die Verbindung zum Pferdemaul zu behalten, ist es wichtig, das Treiben nicht zu vergessen. „Zügel raus kauen ohne treiben ist immer falsch“ sagt Paul Stecken, Mentor von Ingrid Klimke, in der oben beschriebenen Sequenz unseres wehorse-Videos. Das Pferd muss weiter frisch vorwärts laufen, damit es den Weg in die Tiefe suchen kann und den Rücken aufwölbt. Dafür ist es notwendig, dass dein Pferd losgelassen geht und die Anlehnung an den Zügel sucht.

Deine Anlehnung ist noch nichts konstant und das mit dem Zug zur Reiterhand klappt noch nicht?

Wir empfehlen dir unser wehorse-Video „Anlehnung und Durchlässigkeit verbessern“ mit Ingrid Klimke, in dem sie dir zeigt, wie du mit deinem Pferd die reelle und konstante Anlehnung erreichen und fördern kannst.

Im Video "Philippe Karl & High Noon Teil 3: Eine korrekte Dehnungshaltung erarbeiten" zeigt dir der französische Reitmeister, wie du ein Pferd Schritt für Schritt zu einer richtigen Anlehnung und Dehnung bringst. Schau dir an, wie er den Zug zur Hand und das tatsächliche "Aus-der-Hand-kauen-lassen" entwickelt. Für jeden Reiter eine wertvolle Horizonterweiterung, auch wenn du nicht nach der Légèreté reitest.


Es lohnt sich, es richtig zu machen!

Du siehst, die Zügel aus der Hand kauen zu lassen bedeutet weit mehr als sie lediglich lang zu lassen und kann für dich und dein Pferd eine wertvolle gymnastizierende Methode sein. Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung sorgt nicht nur für ein aufgewecktes Pferd, sondern sorgt langfristig für seine Gesunderhaltung.

Wie Christoph Hess es so schön sagt: "Gutes Reiten ist das Perfektionieren der kleinen Dinge. Nicht die Piaffe mit der 10,0 Dynamik ist für mich perfektes Reiten, sondern, wenn man zum Beispiel die Zügel aus der Hand kauen lassen und wieder aufnehmen kann, ohne dass sich der Takt und die Qualität der Gangart und der Anlehnung ändern."

Probiere es doch gleich mal aus, viel Spaß beim Besserwerden!

Vom Korrekturpferd zum Traumpferd – und zweimal zurück

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Es gibt so einige Geschichten von sauer gemachten Pferden, die wieder zu motivierten und guten Reitpferden wurden. Aber kaum jemand erzählt davon, wie es auch nach diesem Wandel wieder zu Phasen kommen kann, die ganz und gar nicht gut sind.

Sauer gemachte Pferde

Genau so eine Geschichte hat meine Freundin Philippa mit dem Pferd ihrer Tochter erlebt. Es klingt wie im Pferderoman: Junger gekörter Islandhengst wird versaut. Gilt als nicht mehr reitbar. Blockiert, sobald ein Gebiss im Maul liegt. Dreht den Menschen am Boden blitzschnell das Hinterteil zu, wird böse unterm Sattel. Er wird kastriert, soweit wieder hergestellt, dass er sich freizeitmäßig reiten lässt. Dann wird er als Wallach zum Verkauf angeboten. Mit der Ankündigung, er sei nur „mit Einschränkungen“ reitbar: Nämlich ohne Gebiss und manchmal die Zusammenarbeit verweigernd. Er wird von einem Menschen gekauft, der ihn wieder vollends repariert.

Isländer mit feinen Signalen reiten

Das ist in der Kurzfassung das, was mit dem Isländer Dyri passierte. Vor einigen Jahren kam er zu Philippa. Sie ist eine erfahrene Pferdefrau und machte aus ihm, damals siebenjährig, ein gutes Schulpferd für ihre Ponyreitschule. Bald ging er auch wieder mit Gebiss, machte einen super Job ohne zu parken und vermittelte seinen Reitern das allerfeinste Reitgefühl. Er war jahrelang in keiner Weise gefährlich für irgendeinen Reiter. Dyri konnte Gedanken erahnen und auf kleinste Signale hin umsetzen.  

Das blieb auch so in der Reitschule. Dyri wurde der Liebling von vielen Schülern dort. Ein Traumpferd, zuverlässig in jeder Situation.

Zügelhilfen vorsichtig nutzen

Einige Jahre vergingen. Als er Philippas damals achtjährige Tochter auf einem Wanderritt über Stock und Stein, durch Flüsse, über Autobahnbrücken und durch den Verkehr trägt, entscheidet sie: Er wird das Pferd ihrer Tochter. Er wird nicht mehr im Schulbetrieb gehen. Jahre vergehen, er macht das Mädchen glücklich und sie lernt, ihn komplett über den Sitz zu reiten. Denn Dyri duldet keine deutlichen Zügelhilfen, da ist er empfindlich, das Thema aus seinem vergangenen Leben ist geblieben.

2018, die Tochter ist nun zwölf Jahre alt und mit Dyri, 13, gibt es erst einen enormen Höhepunkt und dann, wieder Monate später, den Absturz in Verhaltensmuster, die seit etlichen Jahren scheinbar verschwunden waren.

Zaumlos gymnastizieren

Dieser Höhepunkt war ein Reitkurs bei Lisa Röckener. Ein Bild davon ist in meinem Adventskalender zu sehen und es ist aus einem bestimmten Grund mit einem Zitat von Horsemanship-Trainer Ian Benson gekoppelt. Dazu aber später mehr, das hängt mit der Geschichte zusammen, wie sie ihn wieder hinbekommen haben.

Den Halsring richtig nutzen

Der Kurs hatte nichts mit dem Absturz zu tun. Er ist aber wichtig, um zu verdeutlichen, welche gute Bindung da war: Dyri ging mit Philippas Tochter erst mit Trense und Halsring, dann nur mit Halsring und letztlich ohne alles. Und zwar nicht nur geradeaus, sondern es waren sogar Galoppvolten möglich. Völlig frei. Das sind ganz wichtige Erinnerungen für die Besitzer von Dyri, die sie auch durch die schwierige Zeit später trugen. Die Tochter beschreibt dieses Kurserlebnis so: „Dyri war so gut am Sitz, ich musste nur denken, dass er dahin geht und dann ein bisschen mich in die Richtung setzen und dann hat er das gemacht.“ Die beiden ritten gemeinsam auf der Mittellinie über drei Trabstangen, oder absolvierten einen Hütchenslalom im Trab – komplett ohne Zaumzeug.

Ohne alles reiten wird möglich, wenn das Pferd ehrlich am Sitz ist

Lisa Röckener schaffte dafür den richtigen Raum: Erst durch Bodenarbeit, so konzentrierten sich alle gut aufeinander. Sie erklärte, wie der Biothane-Halsring genutzt werden muss, damit das Pferd versteht. Dann vermittelte sie dem Reiter-Pferd-Paar das Gefühl: Das geht, ihr könnt das. Und es war tatsächlich möglich. Da galoppierte ein imposanter Isländer zaumlos durch die Halle und machte all das, worum ihn seine kleine Reiterin bat.

Die Ausbilderin machte Mut: „Ohne den Lisa-Kurs hätten wir es nicht versucht“, erzählt Philippa, sie seien nur schon mal außen herum, auf dem Hufschlag ohne Zaum oder nur mit Halsring geritten, aber nie mit gymnastischem Anspruch. „Ich hätte schon gedacht, dass der auch mal irgendwo hinschießt und Mist baut“, sagt sie. Durch das Erlebnis wurde ihr bewusst, dass ihre kleine Tochter gelernt hatte, den Isländer weitgehend nur über den Sitz und nicht über die Hand zu reiten. Eben weil Dyri diese Geschichte hatte, war ihr das Reiten mit feiner Hand in Fleisch und Blut übergegangen. Und eben das war dann auch ohne Zaum abrufbar.

Ein feines Schulpferd

„Ich hätte nicht gedacht, dass man diese Pferde so fein und präzise reiten kann ohne Zaum“, erzählt Philippa. Es  war außerdem auch eine Bestätigung für ihre bisherige Arbeit: „Die Feinheit, Kooperation, Freude an Mitarbeit ist ungebremst vorhanden, obwohl Dyri längere Zeit als Schulpferd ging und nun meiner Tochter gehört!“

Der Rückfall in alte Muster

Auf diesen Höhepunkt folgten einige ganz normale Monate – und dann ein Rückfall in alte Muster. Über den ganzen Sommer hinweg wurde Dyri nicht mehr händelbar für die Tochter. Nach vier gemeinsamen Jahren ohne solche Vorkommnisse. Ohne, dass er zuvor überbeansprucht wurde. Ohne, dass eine reiterliche Ursache gefunden werden konnte. Woran das lag und wie die beiden ihren alten Dyri wieder bekommen haben, das liest Du auf dem Blog. Dieses Erlebnis im Kurs war eine Erinnerung, die seine Besitzer durch diese schwierige Zeit trug. 

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So lernst Du, Distanzen zu sehen

Heute geht es um das Springen-Erlernen! Die größte Sorge von unerfahrenen Reitern ist, beim Springen die Distanzen nicht zu erkennen und das Pferd so unpassend zum Sprung zu bringen.

Spring-Ausbilderin Eva Deimel erklärt Dir ihren erprobten Weg, wie sie junge Reiter an das Springreiten heranführt und sie quasi nebenbei lernen, Distanzen zu sehen.

Vom Leichten zum Schweren

Der Grundsatz vom Leichten zum Schweren ist zentral für sie. Das bedeutet: Anfangs nur ganz kleine Sprünge, auch einzelne Stangen und Cavaletti. Höhe kommt viel später erst dazu. Zudem soll der Trainer stets passende Distanzen aufbauen, so dass alle erst mal Sicherheit gewinnen können. Das Erkennen und Sehen von Distanzen ist etwas, das mit einem Gefühl zusammenhängt, das ausgebildet werden muss. Daher hilft kein Geheimrezept, sondern nur ein Training, dass kleinschrittig Sicherheit vermittelt. Wie so etwas aussehen kann und wie Eva Deimel bei einem jungen Menschen, der Springen von der Pike auf lernen möchte, vorgeht, erfährst Du in diesem Artikel.

Schritt 1: Cavaletti nutzen

„Ich beginne zum Beispiel gern mit zwei Cavaletti in passendem Abstand“, erklärt sie. „Der Reiter bekommt so das Gefühl: Wenn ich über das eine Cavaletti gut komme, dann auch über das andere“. Die Abstände und der Rhythmus müssen stimmen, damit das gelingt. Dafür ist zum Beispiel ein Aufbau von zwei Cavaletti, die 25 Meter, also 6 Galoppsprünge, auseinanderliegen, geeignet. Für die Abstände ist der Trainer verantwortlich, für den Rhythmus der Schüler, durch den Ausbilder angeleitet. „Den Rhythmus muss ich erarbeiten, indem ich mit dem Schüler zum Beispiel Zulegen und Einfangen im Galopp erarbeite und ihm so vermittele, was das passende Tempo ist“, erklärt die erfahrene Springausbilderin. Sie festigt das Gefühl für das korrekte Tempo beim Reiter, indem sie ihm in die richtige Situation verhilft und dann darauf aufmerksam macht, wenn das Tempo korrekt ist: „Wenn ich sehe, das ist Parcourtempo, dann sage ich: Das ist ein guter Rhythmus, den versuchst Du jetzt mal zu halten!“ Aus diesen Rückmeldungen soll sich schließlich das eigene Gefühl für das richtige Tempo beim Reiter herausbilden. Der Trainer soll ihn in positive Situationen führen und diese dann rückmelden.

Die 25-Meter-Distanz wählt Eva Deimel gern, weil „der junge Reiter das Pferd noch nicht geschlossen halten kann. Daher ist die Distanz etwas weiter, damit sich der Reiter nicht über das Aufnehmen Gedanken machen muss. Er soll zunächst einfach lernen, ein normales Tempo zu halten“, erklärt sie. Damit das gelingt, braucht der lernende Reiter ein Pferd, das schön gleichmäßig seinen Ablauf im Galopp hält „und nicht selbstständig seinen Ablauf verändert, anfängt zu rennen oder stehen bleiben will.“

Angst vor dem Springen verlieren

Vor dem eigentlichen Springen baut Eva Deimel Mut für den Galopp auf. Sie übt, fleißig im Parcourstempo zu galoppieren. Der häufigste Fehler bei Spring-Anfängern ist nämlich, dass sie im Untertempo zum Sprung kommen „und da passiert dann deutlich schneller was, als wenn der Grundrhythmus fleißig gehalten wird.“ Die Angst vor der falschen Distanz führe dazu, „dass die Reiter immer langsamer werden, sobald der Sprung näher kommt, weil sie ihre Pferde zurück halten“. Stimmen hingegen Tempo und Rhythmus, dann „hat das Pferd immer die Chance, etwas aus der Situation zu machen“. Hier hilft es, wenn die Reiter Erfahrung sammeln, immer wieder spüren, welches Tempo richtig ist, und positive Erlebnisse abspeichern. „Die Reiter werden selbstbewusster und lässiger, können bald nicht nur zwei Cavaletti im guten Tempo anreiten, sondern auch mehrere Sprünge anreiten und behalten dabei den gesunden Rhythmus, das passende Tempo.“

Auch das kann schon kleinschrittig entwickelt werden:  Zum Beispiel, indem der Reiter erst über Stangen reitet, die wie ein kleiner Parcours in der Bahn verteilt sind (sie müssen befestigt sein, so dass sie nicht wegrollen können, daher ist auch eine niedrige Cavaletti-Einstellung gut geeignet). Dann übt man das im Trab. Dadurch hat der Anfänger das Gefühl, dass er sein Pferd gut kontrollieren kann, da der Ablauf nicht zu schnell ist. Klappt das gut, kann man es im Galopp angehen. 

Schritt 2: Kreuz mit Cavaletti kombinieren

Eva Deimel empfiehlt für den nächsten Schritt etwas, das sie erst kürzlich mit einer Auszubildenden im Stall von Ingrid Klimke geübt hat. Dort unterrichtet Eva Deimel nämlich unter anderem und hilft bei der Ausbildung des Teams. Diese Auszubildende, Lea, ist auch in unseren wehorse-Lernvideos mit Eva Deimel zu sehen.

Um Rhythmus und Tempo zu erfühlbar zu machen, legt sie ein Cavaletti vor einen Kreuzsprung. Der Abstand beträgt 9 Meter 20, also zwei Galoppsprünge. „Ich lasse die Schüler darüber galoppieren, so dass sie ganz gleichmäßig an dem Kreuz ankommen sollten. „Im Sprungablauf merkt die Reiterin dann: War das Tempo gut? So entwickelt man langsam seinen Rhythmus“, erklärt sie. Viel passieren kann nicht, „kommt sie da unpassend hin, gibt es einen kleinen Rumpler.“

Was man anfangs vermeiden sollte

Komplizierte Linienführungen und Aufgaben, bei denen abgekürzt werden muss, damit es passt, sollten anfangs nicht genutzt werden. „Bitte nur geradeaus zum Sprung und ebenso geradeaus nach dem Sprung!“, sagt Eva Deimel. „Alles andere geht bei Anfängern zu Lasten des Pferdes. Ich brauche dafür schon ein gut zwischen den Hilfen eingerahmtes Pferd, eine gute diagonale Hilfengebung.“ Damit die geraden Linien anfangs leichter fallen, stellt sie auch schon mal gern links und rechts der freien Linie Cavaletti auf, wie eine Gasse. „Das hilft zum Beispiel bei Distanzen von sechs Galoppsprüngen, seitlich einen Halt zu geben.“ Wendungen werden so platziert, dass sie länger gezogen sind, damit es besonders freundlich anreitbar ist.

Das Wichtigste: Rhythmus und Verbindung

Dass der Reiter sein Pferd mit positiver Körperspannung und es gut eingerahmt von seinen Hilfen reitet, das ist Eva Deimel am wichtigsten. „Die positive Körperspannung ist notwendig, damit das Pferd gut abfußen kann, egal in welcher Situation“, erklärt sie. Diese positive Körperspannung überträgt sich nämlich auf das Pferd und das ist ein wichtiger Punkt für den gelungenen Sprung und auch die Sicherheit: „Kommt das Pferd zu lang zum Sprung, kann es gefährlich werden!“, mahnt sie.

Schritt 3: Kreuze springen

Klappt das gut, geht Eva Deimel dazu über, kleine Kreuze aufzubauen. Wieder achtet sie darauf, dass die Abstände auf jeden Fall passen. „So machen sich die Reiter keine Gedanken über die Höhe.“ Auch, wenn es mal nicht so passt, bekommen sie ein Feedback, das sie nicht entmutigt: „Sie merken, dass sie dem Pferd nichts tun, auch wenn sie mal hinter die Bewegung oder mal unpassend zum Sprung kommen.“ Diese Fehler passieren einfach am Anfang. Die kleinen Kreuze baut Eva Deimel dann auf großen Linien auf, mit zum Beispiel vier Galoppsprüngen zwischen den Kreuzen, bis der Reiter sich wie in einem kleinen Parcours darin bewegen kann.

 

Genau durch diese aufbauende Arbeit, in der der Reiter immer mehr positive Erlebnisse beim Springen sammelt, entsteht Sicherheit und letztlich auch das Sehen von Distanzen.

Ganz viele tolle praktische Tipps für einen gelungenen Einstieg ins Springreiten findest Du übrigens in diesem Lernfilm von Eva Deimel.

Viel Erfolg für Dein nächstes Training!

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#wehorsewednesday | Die ganze Parade

#wehorsewednesday - heutiges Thema: Die ganze Parade

Die ganze Parade führt immer zum Halten. Das Anhalten ist eine Lektion, die man scheinbar gleich zu Beginn lernt. Egal ob man blutiger Reitanfänger ist, ob man ein junges Pferd das erste Mal reitet oder Halsringreiten ausprobiert, anhalten sollte man aus jeder Situation können.

Nun gibt es aber einen großen Unterschied zwischen "einfach anhalten" und "eine korrekte ganze Parade reiten". Einfach an beiden Zügeln ziehen, dann hält das Pferd schon an. Das mag in manchen Situationen klappen, in vielen aber auch nicht. Egal, ob das Pferd durchgeht oder du es aus einer normalen Trainingssituation heraus anhalten möchtest: Du benötigst immer auch Gewicht- und Schenkelhilfen und es geht immer darum, wie durchlässig dein Pferd ist und wie gehorsam es auf deine Hilfen reagiert. Ziele sind eine prompte Reaktion auf die Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen, ein Untertreten mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt, ein daraus resultierendes Aufwölben des Rückens und ein ruhiges, ausbalanciertes und geschlossenes Stehenbleiben.


Von der halben zur ganzen Parade

Um eine korrekte ganze Parade reiten zu lernen, solltest du erst einmal die halben Paraden verstehen und richtig ausführen können. Jede ganze Parade bereitest du mit halben Paraden vor. Zwei entscheidende Aspekte für eine erfolgreiche halbe und auch ganze Parade:

  1. Die richtige Reihenfolge deiner Hilfen: Kreuz - Bein - Hand.
  2. Die Unabhängigkeit deiner Hände gegenüber des restlichen Körpers.
  3. Das gefühlvolle Stehenlassen der Hand, das kein durchgängiges Ziehen werden darf.

Unser Video "Die gelungene Parade Teil 1: Technik und Gefühl" hilft dir, die wichtigsten Grundlagen für eine gelungene Parade zu verinnerlichen. Zusammen mit der Olympiasiegerin Ingrid Klimke, ihrem Mentor Major a. D. Paul Stecken und der bekannten Physiotherapeutin Helle Katrine Kleven erklärt und zeigt dir Reinhart Koblitz die genauen Zusammenhänge und den korrekten Ablauf der Hilfengebung beim Reiten einer Parade.

Schau dir unbedingt die vorbildliche Parade von Ingrid Klimke ab Minute 02:06 an, sowie die treffende Erklärung von Paul Stecken im Anschluss ab Minute 02:42!
Hier kommst du direkt zum Video.

Im Video "So lernen Pferde Reiterhilfen, Teil 4: Konsequenzen fürs Reiten – Reitersitz" zeigt und erklärt dir Dr. Britta Schöffmann ab Minute 09:40, was passiert, wenn du bei der ganzen Parade zu viel mit der Hand einwirkst. Unbedingt beim Reiten beherzigen!
Hier geht es direkt zu Teil 4.


Die ganze Parade im Training üben

Wenn du die Technik und die Reihenfolge der Hilfen verinnerlicht hast, ist der nächste Schritt, die ganze Parade in das eigene Training zu integrieren. Die richtige praktische Umsetzung der ganzen Parade und wie du nach und nach das Gefühl für eine gelungene Parade entwickelst, wird dir im zweiten Teil von „Die gelungene Parade“ mit Reinhart Koblitz gezeigt. Im Video siehst du anhand von Beispielreitern genau, wie du mit Hilfe der halben und ganzen Parade harmonische Übergänge und Tempo-Unterschiede reiten kannst und deine Hilfengebung koordinierst. Das richtige Timing der Hilfen in Verbindung mit dem richtigen Reitersitz steht dabei im Fokus.
Hier geht es zu Teil 2.

Abgestumpft?!

Die Feinheit und Weichheit der halben und ganzen Parade sollte das Ziel eines jeden Reiters sein. Alle Lektionen bauen auf halben Paraden auf und das Pferd wird nur durchlässig genug für eine korrekte ganze Parade, wenn es die Hilfen der halben Parade fein annimmt.

Funktioniert nicht? Das Pferd reagiert kaum, macht sich im Rücken fest oder lehnt sich auf den Zügel?
Was du machen kannst, wenn du ein abgestumpftes Pferd wieder mit feinen Hilfen vertraut machen möchtest, erklärt dir unser "Frag Ingrid"-Beitrag "#33 Frage an Ingrid Klimke: Wie pariere ich weicher durch?". Ihre Videobotschaft gibt dir gute Tipps, um die halbe und ganze Parade Step-by-Step aufzubauen und die Feinheit der Hilfen wieder herzustellen.
Hier kommmst du direkt zum Blogbeitrag.


Geschlossenes Stehen

Das geschlossene Stehen bedeutet, dass das Pferd ausbalanciert und gleichmäßig auf allen vier Füßen steht und Vorder- und Hinterbeine jeweils parallel nebeneinander positioniert sind. Die Hinterbeine treten dabei unter den Schwerpunkt und "schließen" das Pferd von hinten nach vorne.
Geschlossen zu stehen, muss jedes Pferd erst erlernen. Die richtige und vor allem konsequente Korrektur im richtigen Moment ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Dr. Reiner Klimke erklärt dir im Video "Dressur im Detail Teil 3: Durchlässigkeit & ganze Paraden verbessern" anhand von Zeitlupenaufnahmen die Korrekturmöglichkeiten und wie du sie vom Sattel aus anwendest. Lass dir von der Dressurlegende zeigen und erklären, welche Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen du bei einer ganzen Parade geben musst und wie du aus einem „Ziehen“ ein richtiges „Annehmen“ machen kannst.
Hier kommst du zum Video.

Vorbereitung an der Hand

Mit dem Achal Tekkiner Degni Shael zeigt Anja Beran dir in diesem wehorse-Video, wie du das geschlossene und ruhige Stehen an der Hand üben kannst. Der Vorteil: Dein Pferd ist mit der Aufgabe schon vertraut, bevor du die Hilfen vom Sattel aus gibst und du bekommst wichtige Ruhe in die Arbeit und in das Halten.
Direkt zum Video: "Degni Shael Teil 2: Handarbeit in der klassischen Grundausbildung"


Wie kannst du als Reiter für halbe und ganze Paraden trainieren?

  • Kannst du dein Kreuz gezielt anspannen?
  • Kannst du deine Beine aus der Hüfte heraus im Sattel bewegen, um die richtige Schenkellage zu finden?
  • Kannst du bewusst darauf achten, mit den Knien niemals zu klemmen?
  • Kannst du mit deinen Händen unabhängig von der Hand präzise einwirken?

Eine korrekte Hilfengebung kann man trainieren! In ihrem Reiterfitnessprogramm "Fit wie Hoy" zeigt dir Vielseitigkeitsstar Bettina Hoy speziell auf Reiter zugeschnittene Fitnessübungen, die deinen Sitz und deine Einwirkung nachhaltig positiv beeinflussen.
In "Fit wie Hoy Teil 3: Übungen für gelungene Paraden" bekommst du vier wertvolle Übungen, die genau die Fähigkeiten trainieren, die du für die halbe und ganze Parade benötigst.
Starte jetzt und warte nicht darauf, dass es von alleine besser wird! Trainiere nicht nur dein Pferd, sondern auch dich - dein Pferd wird es dir danken.

Hier kommst du zum Warm-up aus Teil 1.
Hier geht es direkt zu Teil 3 mit den Übungen für gelungene Paraden.


Der lange Weg lohnt sich: Pure Harmonie durch gute Paraden

Dass es einfach ist, gute und richtige halbe und ganze Paraden zu geben, hat nie jemand behauptet. Es kann viele Wochen, Monate oder Jahre lang, viele Pferde lang dauern, bis man "den Dreh raus hat", das richtige Gefühl entwickelt und das Timing der korrekten Hilfen wirklich beherrscht. Warum sich die Mühe lohnt? Na, weil gelungene Paraden dein ganzes Reiten beeinflussen! Das harmonische "Tanzen" mit dem Pferd, bei dem die Hilfen unsichtbar scheinen und man meint, nur über Gedanken mit dem Pferd kommunizieren zu können, das durchlässig, losgelassen und in Selbsthaltung durch das Viereck schwebt, basiert nicht zuletzt auf richtigen Paraden.

Das war ganz schön viel Input und du brauchst eine Motivation? Dann schau dir den Auftritt von Alizée Froment an: Nur mit Halsring schafft sie es, mit ihrem "Mistral" über feinste Hilfen zu kommunizieren und ihn im Finale problemlos aus dem vollen Galopp mit einer korrekten ganzen Parade zum Stehen zu bringen. Unbedingt reinschauen!
Hier geht es zum Video "Mit dem Pferd eins sein: Motivierendes Dressurtraining & Halsringreiten".
(Auftritt ab Minute 31:00)

Viel Spaß beim Anschauen, Üben und Besserwerden!

Warum es keine absoluten Wahrheiten bei Pferden gibt

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Ich werfe mal vier Thesen in den Raum. Für die würde ich sicher von einigen Leuten Applaus bekommen. Den ich mir jedoch nicht abhole. Denn sie haben alle einen fetten Haken.
  1. Sperrriemen gehören abgeschafft.
  2. Ein Sattel muss so passen, dass kein Pad nötig ist.
  3. Pferde brauchen keine Decke, die zerstören nur die Thermoregulation.
  4. Die Dehnungshaltung bringt Pferde auf die Vorhand und ist daher schädlich.
Stell’ Dir einen dieser Sätze auf einem dekorativem Foto vor. Dieses dann gepostet auf Facebook oder Instagram. Ich würde garantiert Zustimmung und Likes erhalten. Das funktioniert, weil es eine einfache Botschaft ist, die emotional trifft (wir wollen die Pferde schützen!). So kann man sich auf einfache Weise eine Anhängerschaft schaffen. Und bestimmt auch gut Workshops, Seminare oder Bücher verkaufen. Nur: Stimmt das alles nicht. Keine dieser Thesen ist komplett richtig. Und keine ist komplett falsch. Überraschung: Es ist nicht ganz so einfach. Problem an der Sache: Für ein „Ja, aber“ oder ein „kommt drauf an“ erhält man weniger Zuspruch. Die Meinung ist weniger plakativ und lässt sich nicht flott konsumieren. Und sich damit auch weit weniger einfach verkaufen.

Was ist wahr?

Allerdings sind differenzierte Meinungen näher an dem dran, was man Wahrheit nennen könnte. Wahrheit ist häufig nicht so ganz eindeutig - sie kann von verschiedenen Seiten anders aussehen (Kennt Ihr die Illustration mit einer 6, die auf dem Boden gezeichnet ist? Je ein Mensch schaut von Kopf- und Fußseite darauf und jeder behauptet „Klar eine 9!“ bzw. „Klar eine 6!“. Beide haben recht). Und, noch komplizierter: Sie verändert sich!

Welches Gebiss ist richtig?

Zwei Ausbilderinnen haben mich letztens daran erinnert. Das eine war Sara Oliveira, die Enkelin von Nuno Oliveira. Ich zeigte ihr mein neues Gebiss, eine Nathe-Stange. Ich bin sehr begeistert davon, meine Ponystute mag es. Es war sehr schwierig, ein ihr angenehmes Gebiss zu finden. Zuvor habe ich ziemlich viele Varianten ausprobiert, von doppelt gebrochen, einfach gebrochen, Olivenkopf, Wassertrense bis zu Schenkeltrense aus diversen Materialien war alles mögliche dabei, was der Markt an Gebissen für empfindliche Pferde bereit hält. Mit dieser Stange aus diesem biegsamen Kunststoff kaut sie auf angenehme Art. Nicht hektisch-ruppig, sondern so, wie es sein soll. Die Stange liegt schön ruhig im Maul und ist nicht zu dick, das Ponymaul bietet nämlich nicht viel Platz. Sara war zunächst interessiert-skeptisch. Dann hat sie uns ein paar Runden zugesehen und sagte: „Ja, momentan ist das wirklich das bessere Gebiss für sie. Vielleicht müssen wir das in einiger Zeit nochmal wechseln, aber momentan ist es die beste Wahl!“ Finde ich auch. Und ich fand, das war eine kluge, differenzierte Antwort. Denn das, was heute richtig ist, kann morgen schon wieder falsch sein. Weil wir mit Lebewesen arbeiten, die sich verändern und die sich hoffentlich positiv durch die Arbeit mit uns verändern.

Welches Reithalfter ist vertretbar?

Die andere Ausbilderin war Claudia Butry, deren Wahlspruch „it depends“ ist. Meint: Es kommt drauf an, was richtig ist, das Pferd entscheidet. Zum Beispiel auch beim Thema Reithalfterwahl. Letztens bin ich in einem Text gegen Sperrriemen verlinkt worden. Einerseits freut es mich, verlinkt zu werden, wenn es um Tierschutz geht. Denn ja, ich finde es wichtig, den Lebewesen, die keine eigene Stimme haben, eine zu geben. Immer wieder neu zu überlegen: Ist das fair? Ist das richtig? Deshalb ja auch die Aktion #betterhorsesport.

Sperrriemen können böse sein, müssen es aber nicht

Andererseits bin ich eben kein totaler Gegner von Sperrriemen an sich. Ich bin ein Gegner von Sperrriemen, die zu fest angezogen werden, ja. Aber es sollte je nach Pferd entschieden werden: Habe ich einen Kandidat, dem es gut tut, rund um die Maulpartie einen Kontakt zu fühlen? Und wenn ja, welchen mag er? Ein hannoversches Reithalfter? Oder ein englisches? Ein kombiniertes? Wie kommt Ruhe in die Zäumung rein, womit liegt das Gebiss möglichst ruhig im Maul, worauf reagiert das Pferd positiv? Tatsächlich nutze ich selbst seit Jahren keinen Sperrriemen. Wohl schon mal ein hannoversches Reithalfter. Doch ich finde es einfach zu kurz gedacht, korrekten Umgang mit dem Pferd daran fest zu machen, ob man einen Sperrriemen benutzt oder nicht.

Gut gemeint und oft daneben: Über Thermoregulation und Pferdedecken

Im zweiten Teil dieses Textes auf www.alifewithhorses.de liest Du über die Kritik an der Dehnungshaltung, die überall im Netz momentan herum geistert, über die Thermoregulation des Pferdes und warum es Sinn macht, sich genauer damit zu beschäftigen, ob das Pferd eine Decke braucht und wenn ja, welche Dicke richtig ist. Auch zum Thema Pad oder keine Unterlage unterm Sattel findest Du da ein Erlebnis (eine Richterin, die an der Bande lästerte). Wenn Du mit mir zu dem Thema diskutieren willst, ist das ebenso drüben auf dem Blog in den Kommentaren möglich.
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#38 Frage an Ingrid Klimke: Wie kann ich das Umspringen im Galoppieren verhindern?

Zu Beginn der Ausbildung oder bei Pferden, die keine abgeschlossene Grundausbildung haben, kann das ungewollte Umspringen im Galopp kniffelig werden. Doch wie gut, dass unsere versierten Ausbilder da Lösungen zur Hand haben! Diesmal hat wehorse-Zuschauerin Nele die Ausbilderin Ingrid Klimke gefragt:

"Warum fällt mein Pferd immer wieder in den Außengalopp?"

Nele selbst hat schon richtig erkannt, dass sie daran arbeiten möchte, ihr Pferd besser in Balance zu halten. Ingrid Klimke erklärt, wie Nele diesem Ziel näher kommen kann. 

Die wichtigsten Infos zum schnellen Nachlesen:

  • Vorsicht vor kleinen Linien, es ist schwierig für Pferde, hier die Balance zu halten!
  • Daher: große Linien nutzen!
  • Auf dem Zirkel Übergänge Trab-Galopp reiten.
  • Variieren, zum Beispiel an der offenen Zirkelseite die Galoppsprünge verlängern.
  • Auf eine deutliche Stellung auch auf der geraden Linie achten!
  • Auf der großen Linie darauf achten, dass das Pferd den Galoppsprung hält.
  • Wie man das macht: Galopphilfe erneuern, bevor das Pferd umspringt und in den Außengalopp fällt.
  • Timing ist wichtig: Nicht darauf warten, dass der Fehler passiert!
  • Fünf, sechs Sekunden im Voraus erahnen und die Hilfe neu geben (genauso, wie neu Angaloppieren).
  • So unterstützt Du das Pferd darin, im richtigen Galopp zu bleiben

Die Balance im Galopp verbessern

Die Übergänge im Galopp können ein Pferd sehr schön in der Balance verbessern. In diesem Lehrfilm kannst Du Ingrid Klimkes Springpferd Parmenides als 5-jähriges Pferd sehen, und zwar bei genau so einer Grundlagenarbeit. Parmenides fällt der Galopp an sich leicht. Bei Minute 1:40 kannst Du gut erkennen, wie er im Galopp auch auf der geraden Linie gestellt ist. Genau das empfiehlt Ingrid Klimke ja in der Videobotschaft von heute. Eine weitere schöne Basis-Folge zur Galopparbeit ist dieses Ingrid-Klimke-Lehrvideo mit Just Paul. Hier ist die Ausbildung schon ein Stückchen weiter, es geht um die Schritt-Galopp-Übergänge. Das ist ein Beispiel dafür, wie es dann ausschauen kann, wenn Balance und Sicherheit erarbeitet sind.

Stelle eine Frage an Ingrid Klimke

Wenn Dir Ingrid Klimkes konkrete Antworten per Videobotschaft auch gut gefallen – dann frag’sie ruhig mal selbst! Wir reichen die spannendsten Fragen weiter und nehmen die Videobotschaft für Euch auf. Ganz regelmäßig, jeden Monat eine!

Alle Themen rund um die Pferdeausbildung sind erwünscht. Fülle dazu einfach dieses Formular aus. 

Ingrid Klimke packt wirklich jedes Ausbildungsthema in dieser Serie an! Sie erzählte zum Beispiel schon an dieser Stelle, wie der Trainingsplan ihrer Pferde aussieht, welchen Ausgleichssport sie selbst nutzt und wie Du die Versammlungsfähigkeit im Trab unterstützen kannst. Auch was der Reiter tun kann, wenn das Pferd auf dem Turnier scheut oder wie man das Pferd vor den Schenkel bekommt, war schon Thema. Wie man nach einer Pause wieder Muskulatur aufbaut, hat sie ebenso schon hier im Magazin beantwortet. Diese Videonachrichten sind immer kostenlos in unserem wehorse-Blog zu sehen.

Wenn Du tiefer ins Thema einsteigen möchtest, dann schau Dir die Ausbildungsvideos mit Ingrid Klimke an. Du findest auf wehorse mehr als 100 Lerneinheiten mit Ingrid Klimke!

 

#wehorsewednesday | Working Equitation

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#wehorsewednesday: Working Equitation – so verbesserst du mit der traditionellen Arbeitsreitweise dein Reittraining

Working Equitation - die in Südeuropa entstandene, traditionelle Arbeitsreitweise scheint in aller Munde zu sein und das nicht nur bei spezialisierten Working Equitation-Reitern, sondern auch bei Dressur-, Western- oder Freizeitreitern. Längst ist sie keine reine Arbeitsreitweise und auch keine allein für sich stehende Sportdisziplin mehr - sie kann auch als abwechslungsreiche Trainingsalternative dienen, dessen Ergebnisse sich sehen lassen können.

Dir ist noch nicht ganz klar, wie das gehen soll? Was dir das für deine Reiterei bringt? Wie du einen Zugang findest? Ob dein Pferd das überhaupt kann? Ob man nicht total komplizierte Geräte dafür benötigt? Macht nichts, wir bringen für dich ein wenig Licht ins Dunkel.

Eins ist sicher: Working Equitation kann für Reiter-Pferd-Paare jeder Disziplin einen positiven Effekt auf ihre Kommunikation und die Motivation haben. Für den Einstieg gibt dir unser Blogbeitrag "Working Equitation - 10 Fakten" einen guten Überblick.

Zurück zur Einbindung von Working Equitation in dein Training:


Wer kann Working Equitation reiten?

Working Equitation kann für viele Reiter eine spannende Möglichkeit sein, das eigene Training abwechslungsreicher zu gestalten und das Pferd vor neue Herausforderungen zu stellen. Im Zentrum stehen neben den Aufgaben, die gelöst werden müssen, vor allem die Harmonie zwischen Reiter und Pferd und die Freude, die beide beim Erledigen der Aufgaben empfinden.

Working Equitation ist für alle Pferde geeignet, da das Gangwerk eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die Einstellung des Pferdes hingegen, also wie viel Spaß das Pferd an den gestellten Herausforderungen hat, kann über die zu erreichenden Leistungen in einem Turnier entscheiden. Working Equitation ist gerade deshalb eine Reitsportdisziplin, die offen für alle Pferderassen ist.

Was müssen du und dein Pferd für Working Equitation können?

Die aus den alten Arbeitsreitweisen Südeuropas entstandene Working Equitation setzt sich aus vier Teildisziplinen zusammen:

  • Die Dressur ist die Basis für alle anderen Teilprüfungen und wird in 5 Leistungsklassen unterteilt. Die schwereren Klassen werden nur im Schritt und Galopp geritten. In der schweren Klasse (WS) werden Lektionen bis Grand-Prix gefordert.
  • Der Stiltrail beinhaltet 10-15 Hindernisse, wie z.B. Parallel-Slalom, Gatter oder Tor, Brücke, Tonnen zum Umrunden, Sidepass, Gasse oder Glockengasse, die in einer bestimmten Reihenfolge absolviert werden müssen. Bewertet werden die korrekte Ausführung und der „Stil“, in dem geritten wird. Je entspannter und lockerer Pferd und Reiter wirken, desto besser fällt die Bewertung aus.
  • Im Speedtrail soll Geschwindigkeit mit Geschicklichkeit verbunden werden. Es wird der gleiche oder ein ähnlicher Parcours wie beim Stiltrail geritten. Dieses Mal aber auf Zeit, jeder Fehler ergibt Strafsekunden. Doch auch in dieser Teildisziplin wird von den Teams „stilvolles“ Reiten erwartet.
  • Die Rinderarbeit ist der Ursprung der Working Equitation und häufig die publikumswirksamste Disziplin. Der Reiter muss ein Rind von der Herde separieren und in einen abgesperrten Bereich treiben. Pferd und Reiter müssen ein weiteres Mal beweisen, wie sicher und harmonisch ihre Kommunikation funktioniert. Am Ende zählt jedoch die Zeit, die gebraucht wird, um das Rind von der Herde zu trennen.
In den fortgeschrittenen Levels wird grundsätzlich einhändig auf Kandare geritten, die Einsteigerlevels können beidhändig auf Kandare mit Unterlegtrense oder Trense geritten werden. Um die verschiedenen Teildisziplinen erfolgreich absolvieren zu können, benötigt man ein rittiges und williges Pferd, das über eine solide Grundausbildung verfügen sollte. Da Schwächen in einer Disziplin durch Stärken in einer anderen ausgeglichen werden können, werden bei der Working Equitation keine Spezialisten, sondern Allrounder benötigt.

Natürlich musst du aber nicht all das mit deinem Pferd können, um mit der Working Equitation zu beginnen oder Elemente davon in dein alltägliches Training aufzunehmen. Beginne zum Beispiel mit einigen wenigen Hindernissen und nicht gleich mit der Rinderarbeit oder einem ganzen Parcours einhändig auf Kandare.

In deinem Dressurtraining können kleine Working Equitation-Parcours zum Beispiel einfach eine willkommene neue Herausforderung für dich und dein Pferd oder auch eine Überprüfung deiner feinen Hilfengebung und der Kommunikation mit deinem Pferd darstellen.

Übrigens: Auch bekannte Dressurausbilder, wie zum Beispiel wehorse-Trainerin Anja Beran, reiten hin und wieder mit einigen ihrer Pferde durch einen Working Equitation-Parcours. Es kann den Spaß an der Arbeit fördern und eine ganz neue Motivation beim Pferd erkennen lassen. Manchen Pferden sieht man förmlich an, wie viel Freude es ihnen macht und mit wie viel Eifer sie bei der Sache - und damit auch beim Reiter - sind, um die Aufgaben zu lösen. Probiere es doch einmal mit deinem Pferd aus, vielleicht ist es auch etwas für euch und du entdeckst ganz neue Seiten an deinem Pferd?!



Was benötigst du für Working Equitation in deinem Trainingsalltag?
Du brauchst gar nicht sofort einen eigenen Trail. Du kannst dir fast alle Hindernisse auf dem eigenen Platz nachbauen. Einen Pferch kannst du dir ganz einfach aus Pylonen kreieren. Mit Cavaletti-Stangen kannst du sehr viele in der Working Equitation geforderte Hindernisse imitieren z.B. dir eine Gasse bauen oder sie für den Sidepass überqueren. Für den Slalom ist es überhaupt nicht notwendig, um eine Tonne oder Stange zu reiten. Für den Anfang reicht auch ein Futtereimer, ein Futtersack oder eine Aufstiegshilfe, um die herumgeritten werden kann.


Jetzt aber los?
Dann haben wir hier noch eine besonders gute Inspirationsquelle für dich - unsere besten Videoempfehlungen, mit denen du gleich loslegen kannst:

In unserer wehorse-Serie „Working Equitation mit Pedro Torres Teil 1-5“ zeigt dir der Welt- und Europameister, wie du Working Equitation erlernen kannst. Von der Dressur als Grundlage über eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Trailparcours bis hin zur Rinderarbeit, erklärt er dir im Detail alle Teildisziplinen und seine Trainingsphilosphie. Eine klare Vorstellung davon, was man im Training erreichen möchte und eine eindeutige und für das Pferd verständliche Hilfengebung führen zu der Leichtigkeit und dem Ausdruck, den man bei diesem Pferd-Reiter-Paar beobachten kann. Die Videos von Teil 1 bis 5 findest du hier:

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 1: Dressurmäßige Arbeit & Trainingsphilosophie

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 2: Den Trail-Parcours Schritt für Schritt erarbeiten

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 3: Galopparbeit im Slalom

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 4: Stiltrail & Masterclass

Working Equitation mit Pedro Torres Teil 5: Rinderarbeit & Speedtrail

Das einhändige Reiten ist in den schwereren Klassen der Working Equitation Pflicht, stellt aber hohe Anforderungen an die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd, da es eine enorme Präzision und Feinheit der Hilfen erfordert. Wenn du das einhändige Reiten üben möchtest, können wir dir unsere wehorse-Videos "Einhändig reiten mit Uta Gräf: Voraussetzungen & Unterschiede der Hilfengebung" und "Einhändig reiten mit Uta Gräf: Dressur und Working Equitation - das eigene Reiten auf dem Prüfstand" mit Stefan Schneider und Uta Gräf empfehlen. Beide trainieren ihre Pferde regelmäßig einhändig. Du kannst lernen, inwiefern sich die Hilfengebung im Vergleich zum Beidhändigreiten unterscheidet und wie viel ein Grand-Prix-Pferd und ein Working Equitation-Pferd gemeinsam haben.

Hier geht’s zu den Videos:

Einhändig reiten mit Uta Gräf: Voraussetzungen & Unterschiede der Hilfengebung

Einhändig reiten mit Uta Gräf: Dressur und Working Equitation - das eigene Reiten auf dem Prüfstand

Wir wünschen dir und deinem Pferd viel Spaß und Erfolg bei den neuen Herausforderungen!

„Chris Bartle ist es total egal, ob Du dicht oder weit zum Sprung kommst!“

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Mit Vielseitigkeitsreiterin Juliane Barth habe ich über den britischen Nationaltrainer der Vielseitigkeitsreiter, Chris Bartle, gesprochen. Ihr seht sie oben links im Bild. Juliane hat letztens bei ihm ein Training in Deutschland geritten und ich habe ihn für eine Reportage der Reiter Revue in England besucht und so seinen Unterricht dort angesehen (Schnappschüsse davon mittig und rechts oben im Bild).

Er unterrichtet jeden mit gleicher Inbrunst

Ich war und bin begeistert von diesem Unterricht, denn Chris Bartle lehrt mit Inbrunst. Ich habe nur ordentliches, pferdefreundliches Reiten gesehen und er hatte für jedes Reiter-Pferd-Paar speziell passende Ideen. Doch eins war bei allen ähnlich: Der Sitz vor und über dem Sprung. Das unterrichtet er nämlich schon sehr anders als üblich und daher ist es sehr interessant! Unbedingt wollte ich daher von Juliane wissen, wie sie das als Reiterin erlebt hat.

Neue Live-Interview-Serie

Dies hier ist übrigens der erste Teil einer neuen Live-Interview-Serie. Denn das Gespräch mit Juliane habe ich live auf Instagram geführt, heute könnt ihr es Euch dort auch noch ansehen, bevor es sich automatisch löscht (hier, unter Storys).

Juliane bloggt auf www.julis-eventer.de, wofür sie in diesem Jahr mit dem Medienpreis Silbernes Pferd ausgezeichnet wurde. Außerdem ist sie für den Vielseitigkeitssport in Tryon gewesen, um von den Weltreiterspielen dort zu berichten und Videos zu senden – denn beruflich ist sie Producerin, beschäftigt sich also mit Filmen.

Meine Live-Interviews werden von nun an Sonntags auf Instagram auf meinem Account alifewithhorses_de zu finden sein!

Juliane, die häufigste Frage, die meine Blogleser an Dich haben ist: Wie schafft man das bitte, bei Chris Bartle zu reiten?
Das ist gar nicht so kompliziert, ich habe mich einfach angemeldet! Ich wohne in der Nähe von Luhmühlen und  habe mich dort für einen Lehrgang mit ihm angemeldet. So wie jeder andere normale Mensch auch. Das ist wohl nicht ganz billig.

Sag kurz, was hast Du denn bezahlt?
140 Euro für zwei Mal reiten.

Finde ich okay.
Ja, das ist oberes Segment, aber für so jemanden bezahle ich das gern.

Die Preise für Reitunterricht bei Chris Bartle in seinem Stall, dem Yorkshire Riding Center, findet man auch ganz einfach auf seiner Homepage und die sind auch wirklich human für einen Trainer dieses Formats. Beeindruckend fand ich auch, wie er unterrichtet. Als ich da war, gab er zum Beispiel auch einem 18jährigen Jungen auf A-Niveau Unterricht, und das mit Inbrunst.
Das war bei uns auch so. Nessi kann nun mal auch nicht mehr als A. Von Reiten her war es bei unserem Lehrgang auch sehr unterschiedlich, manche saßen ganz sicher oder hatten gerade ihr 3-Sterne Pferd bei Michael Jung abgeholt, das ist auch ein ganz anderes Niveau, als ich und Nessi. In unserem Lehrgang war es sehr fair, er hat keinen sehr gern gehabt und es gab auch keinen, dem er nix gesagt hat.

Gab es denn irgendeine Klasse ab der man da mitreiten durfte, oder hätte ich mich auch als Jeannette mit Purzelpony anmelden können?
Voraussetzung war, dass man ab A sicher reitet. Der Lehrgang kam per Newsletter, wenn man da drin ist und wenn man schnell genug ist, bekommt man einen Platz. Am Ende der Saison ist das natürlich anders als zu Beginn der Saison. Mir wäre das aber egal, wann der ist, ich würde immer mitreiten! Aber es waren zuletzt sogar noch ein paar Plätze zu haben, wohl weil das nicht am Anfang der Saison war, sondern nach Tryon.

Dazu muss man sagen, Chris Bartle hat in Tryon bei den Weltreiterspielen Gold mit dem Team und Gold mit seiner Einzelreiterin als Trainer geholt!
Ja, sie hat die ganze Reitweise umgestellt und Chris stellt auch echt viel um, muss man sagen!

Ross Canter, die Einzel-Goldmedaillengewinnerin in der Vielseitigkeit bei den Weltreiterspielen, hat in mehreren Medien erwähnt, dass er ihr Reiten so stark verändert habe. Ich habe ihn in England gefragt, was genau er denn gemacht habe. Erst wollte er - ganz gentlemanlike - das nicht selbst erzählen. Aber dann hat er mir doch sein eisernes Pferd gezeigt, das ihr auch sehr geholfen hat. Das ist eine Waagenkonstruktion, ein Rumpf und ein Kopf verbunden mit einer beweglicher Achse. Im leichten Sitz geht das Ding mit Kopf und Hals runter, der Reiter kann es nicht im Gleichgewicht halten. Doch im „Oh shit“- Sitz nach Chris Bartle, also Füße vor die Knie, der Oberkörper soll aufrecht bzw. nach hinten gelehnt sein bei schwierigen Situationen, erhält der Reiter einen größeren Hebel. Du bekommst das Pferd wieder hoch, aber nicht über das Maul, sondern aufgrund der Stabilität des Sitzes. Das war wohl auch für Ross Center ein wichtiges Lernerlebnis.War das ähnlich bei Dir, was Du bei ihm über den Sitz gelernt hast?
Er ist auf jeden Fall ein Sitzfanatiker! Alle mussten erst mal die Bügel zwei Löcher kürzer schnallen und am ersten Tag so zehn Runden galoppieren. Jeweils mit allen vier Sitzpositionen mit diesen kürzeren Bügeln (welche das sind, erfährst Du in diesen Lehrvideos mit Chris Bartle). Erst im Rennsitz, nah am Hals, dann Aufrichten vor dem Sprung. Bei mir hat er viel das mit den Augen gesagt.

Dass man nach oben schauen soll vor und über dem Sprung und nicht auf den Sprung schauen soll?
Ich habe das zwar schon 800 Mal gehört, nicht auf den Sprung zu sehen, aber es war nochmal ein extremer Unterschied. Ich sollte nicht mal waagerecht mit den Augen über den Sprung hinwegschauen, sondern nach oben gucken, in die Bäume. Dadurch gibst Du den Pferden noch mehr Raum. Am zweiten Tag habe ich einen extremen Unterschied gemerkt. Du sitzt so viel stabiler! Mit dem Sitz bist du immer ausbalanciert dran.

Wie hat sich das anfangs für Dich angefühlt?
Man muss das schon ein bisschen üben, deshalb war es schade, dass der Lehrgang im Oktober war. In diesem Rennsitz mit den kurzen Bügeln bist Du nicht direkt im ersten Galoppsprung ausbalanciert. Du wackelst erstmal da oben drauf. Wir reiten ja nie so, in so einem Jockeysitz. Das müsste man jetzt ein, zwei Mal die Woche üben, um den ausbalancierten Sitz zu erlangen. Nach den zwei Tagen im Lehrgang ging das schon halbwegs, aber wenn ich das den ganzen Winter über jetzt nicht mache, dann fange ich im März von vorne an!

Wann hast Du den Rennsitz denn das letztes Mal geübt?
(Juliane lacht und sagt: ) Gar nicht! In einer 40er Halle kommt das nicht so gut!

Brauchst Du dafür eine Galoppstrecke?
Schon, die müssen richtig galoppieren, nur so kannst Du die Balance finden, bei vielen Wendungen bist Du da schnell raus.

Ich wüsste gern, wie bei Dir das Gefühl war, während Du das ausprobiert hast mit dem nach oben gucken. Lass' mich kurz ausholen: Ich habe diese Themen im Unterricht bei ihm in England angesehen, wir standen da alle im Unterricht im strömenden Regen, obwohl er eine Halle hat. Wie unfassbar toll, wenn man auf dem Level unterweg ist, der stand da einfach mit Schirmmütze und Parka im Regen und alle Besitzer standen glücklich auch im Regen. Dieses „Guck nach oben“ habe ich mir gut eingeprägt. Ich bin jetzt nicht der geborene Springreiter, aber tatsächlich springe ich schon mal kleine Kreuze und Oxer. Ich habe eine ganz tolle Springreiterin, die mir dabei hilft, Isabelle. Letztens fragte sie mich: „Wo guckst du denn da eigentlich hin?“ Ja nach oben, habe ich gesagt, das hab’ ich bei Chris Bartle gelernt. „Guck den Sprung an, damit Du weißt, wo Du hinreitest“, hat sie gesagt.  Da habe ich gemerkt, dass ich viel schneller Angst bekomme, wenn ich auf den Sprung gucke. Wenn ich hingegen nach oben gucke, habe ich keine Angst. Ich nehme mal an, Du bist nicht so ein Schisser, aber kennst du das Gefühl?
Ich bin eher auch ein nach unten Gucker. Ich gucke die Distanz an und dann den Sprung. Ich habe auch immer gelernt: guck geradeaus, guck über den Sprung hinweg, dann bleibst Du gerader im Oberkörper. Bei Chris bedeutet nach oben gucken jedoch sich komplett zu lösen vom Sprung und von der Distanz. Chris ist kein Distanzgucker, das ist dem egal ob Du da dicht dran kommst oder groß. Eigentlich ist das auch richtig: Im Gelände ist das egal, wenn Dein Sitz und Dein Galopp stimmen. Solange Du im Gelände nicht schiebst oder ziehst,  bekommt das Pferd das auf die Reihe. Diesen Moment fand ich schwer, sich von der Distanz lösen mit dem Auge und im Sitz dabei stabil zu bleiben.

Den zweiten Teil des Interviews, Themen sind Trainingseinteilung, Faszination Geländestrecke und Mutter-Tochter-Pferde, findet Ihr direkt auf www.alifewithhorses.de!

Foto oben links Laura Gause, mittig und rechts alifewithhorses.

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Abwechslungsreich longieren mit Cavaletti & Co

Es wird richtig herbstlich da draußen, ob wir wollen, oder nicht! Überlegst Du Dir auch, wie Du Deinem Pferd gerade jetzt Abwechslung im Training bieten kannst?

Über Stangen und Cavaletti zu longieren ist gymnastisch besonders wertvoll – Dein Pferd wird angeregt, eifriger abzufußen, im Idealfall schwingt die Bewegung schön durch den ganzen Körper, es geht über den Rücken und hebt den Brustkorb an.

Sinnvolle Übungsaufbauten

Nur welche Übungsaufbauten machen denn Sinn? Und wie steigt man ein? Ganz klassisch fällt wahrscheinlich jedem von uns dazu ein, im Trab über drei, vier Cavaletti zu longieren. Es gibt da aber noch mehr Varianten!

Die Adresse für gutes Cavaletti-Training ist natürlich Ingrid Klimke. Ein Mal in der Woche gehen alle ihre Pferde an der Longe über Cavaletti – sie hat das fest in den Trainingsplan integriert. Tipps aus ihrem Stall und Grafiken aus ihrem Cavaletti-Booklet findest Du in diesem Artikel ebenso wie ganz andere Ansätze von Springausbilderin Eva Deimel und Varianten der Dressurausbilderin Claudia Butry. Sie gehört zu Anja Berans empfohlenen Reitlehrern, Du findest sie demnächst auch auf wehorse.

Welche Abstände sind richtig?

Schritt-Stangen und Cavaletti sollten zwischen 0,80 bis 0,90 Meter auseinanderliegen. Dieses Maß gilt für das innere Ende, das zum Zirkel hin ausgerichtet ist. Nach außen hin sollten die Aufbauten etwas auffächern. Diese Angaben gelten für Großpferde. Trab-Stangen und Cavaletti liegen 1,20 Meter bis 1,30 Meter auseinander. Auch hier gilt, dass dies für das innere Ende gilt und sie nach außen hin auffächern. Möchtest Du im Galopp arbeiten, nutzt Du Abstände von 2 Metern innen, nach außen hin aufgefächert auf 3 Meter.

Achtung! Je nach Pferdetyp sind diese Angaben anzupassen – ein 1,55 Meter großes Pferd mit wenig Bewegung braucht natürlich kleinere Abmessungen, als ein 1,75 Meter großes Pferd mit viel Bewegung. 

Für komplette Neueinsteiger: So fängst Du an!

Dressurausbilderin Claudia Butry führt junge Pferden gern an die Cavaletti-Arbeit heran, indem sie zunächst nur Stangen und Blöcke nutzt. Sie legt die Seite je eine Stange auf einen Cavaletti-Block auf, die andere Seite der Stange bleibt auf dem Boden liegen. Welche Seite erhöht ist, wechselt sich ab, so dass immer abwechselnd rechts-links versetzt eine Stange hoch und niedrig eingestellt ist. „So müssen die Pferde unterschiedlich abfußen.“ Sie beginnt im Schritt mit zwei Stangen, wenn die Pferde das noch nicht kennen und nimmt nach einiger Zeit weitere Stangen hinzu. So lernen die Pferde erst im Schritt, gut hinzuschauen und sich zu koordinieren. Danach erst startet die tatsächliche Cavaletti-Arbeit.In diesem Film hier findest Du einen prima Einstieg in das Thema Cavaletti-Arbeit für junge Pferde - hier aus dem Sattel heraus.

Verschiedene Zirkellinien ausprobieren

Bei Ingrid Klimke lernt jedes Pferd viele Varianten der Cavaletti-Arbeit kennen. Die Pferde werden im Training immer mal wieder darüber geritten und auch beim wöchentlichen Longentraining werden die Cavaletti miteinbezogen. Schön ist es dabei, Cavaletti auf zwei Zirkellinien aufbauen zu können! So kann der Longenführer von einem Zirkel, auf dem Trab-Cavaletti aufgebaut sind, auf einen Zirkel wechseln, auf dem Schritt-Cavaletti aufgebaut sind. Gerade die Übergänge zwischen den Gangarten sind für das Ab- und Anspannen der Muskulatur sehr hilfreich, um den Trainingseffekt zu steigern.

 

Übergänge Trab-Galopp für Fortgeschrittene

Die Übergänge zwischen Trab und Galopp an der Longe übst Du am besten erst mal ohne Cavaletti. Geht das gut und geschmeidig, kannst Du zum Beispiel nach drei Trab-Cavaletti eine halbe Zirkelrunde galoppieren lassen, um dann zeitig genug vor den Trab-Cavaletti wieder durchzuparieren. Das ist schon ganz schön anspruchsvoll!

Wenn das wirklich gut sitzt, kannst Du auch auf einem Zirkel Trab- und Galoppcavaletti aufbauen. Zum Beispiel drei Trab-Cavaletti an der einen Zirkelseite und erst eins, dann zwei, dann drei Galoppcavaletti auf der gegenüberliegenden Zirkelseite. Diese Abfolge ist schon etwas für wirklich Fortgeschrittene an der Longe! Cavaletti-Aufbauten für Fortgeschrittene siehst Du auch in diesem Ingrid-Klimke-Film, sie nutzt sie im Sattel.

Höhe der Cavaletti

Wichtig ist auch, das eigene Trainingsziel zu beachten! Möchte ich erreichen, dass das Pferd mit weiten Bewegungen in Dehnungshaltung trabt? Dann wähle ich einen größeren Trabstangen-Abstand, als wenn mein Ziel heißt: Deutlicheres Abfußen bei mehr Hankenbiegung in Arbeitshaltung. Dafür müssen die Abstände kleiner sein und eine höhere Cavaletti-Höhe regt das Pferd an, die Gelenke mehr zu beugen. Für das Ziel weite Bewegungen sollte das Cavaletti eher kleiner aufgestellt werden.

Longieren am Halfter

Am Halfter longieren ist für einige Reiter ganz normal, für andere eine Todsünde. Schließlich fehlt die äußere Begrenzung, das Halfter kann sich in Richtung Auge verziehen und die Einwirkung ist eingeschränkt. Doch es gibt auch Gründe für das Longieren am Halfter. Unsere Springausbilderin Eva Deimel lässt ihre Pferde zum Beispiel gern an der Longe mit Halfter joggen. „Ich mache das für’s Gemüt meiner Pferde, das ist ein Teil der Freizeitgestaltung für sie!“ Es zählt für die Ausbilderin nicht als Training, nicht als Arbeit, sondern als Auflockerung des Alltags. Dennoch laufen sie physiologisch ordentlich an der Longe: „Die jagen da nicht im Galopp her, sondern lassen joggend den Hals fallen. Auch ohne Trense und ohne Hilfszügel!“ Longieren mit Cavaletti ist nicht so ihr Ding. Schließlich ist so etwas auch Typsache. „Ich reite meine Pferde lieber ins Gelände, reite Dressur oder mache Springgymnastik mit ihnen“, erklärt sie. „Dazu gehen sie auf den Paddock oder galoppieren im Gelände – auch Freispringen ist nicht so meins, ich springe lieber unter dem Sattel eine Reihe!“ Eva Deimel nutzt Cavaletti allerdings gern, um Reiter an das Springen heranzuführen. Wie sie das macht, kannst Du in ihrem Lehrfilm ansehen.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass alles kann und nichts muss – jeder muss für sich und seine Pferde das richtige Trainingsprogramm finden. Und Abwechslung lässt sich auf viele Arten herstellen.

Übungen für die Körperwahrnehmung

Ausbilderin Claudia Butry arbeitet ihre Pferde überwiegend auf Kappzaum an der Longe – „es kommt aber auf’s Pferd an, was das mag“. Manches ihrer Pferde wird zum Beispiel am Nasenring des Micklems longiert. Das Gebiss liegt gern mal blind darunter, ist aber nicht in die Longe eingeschnallt. Sie nutzt Cavaletti auch mal gern als Ankerpunkte und nicht, um das Pferd darüber treten zu lassen. Sie verteilt zum Beispiel vier Cavaletti an den Zirkelpunkten und longiert das Pferd dann abwechselnd auf dem Zirkel oder um die aufgestellten Cavaletti in Volten herum. Diese Aufgabe ist recht anspruchsvoll! „Das Pferd soll vor der Volte im Tempo zurückgeführt werden und kann dann auf die große Linie wieder gehen, um Schwung zu holen.“ Dabei bewegt sich der Longierende mit dem Pferd mit, steht also nicht inmitten des Zirkels. Diese Übung des Wechsels zwischen Volte und einer größeren Linie dient explizit der Verbesserung der Längsbiegung und grundsätzlich der Gymnastizierung des Pferdes.

Gelassenheitstraining an der Longe

Um die Gelassenheit zu stärken, lässt sie die Pferde auch gern im Schritt über eine Plane an der Longe schreiten. Die Plane wird mit Hütchen fixiert. „Das Pferd lernt so, sich mit Außenreizen auseinanderzusetzen“, erklärt sie, es ist also eine Art Anti-Schrecktraining. „Je nach Mut des Pferdes mache ich das im Schritt oder auch im Trab und Galopp“, erklärt die Ausbilderin. Um es den Pferden anfangs zu erleichtern, wird die Plane zunächst nur schmal ausgelegt, „so dass die Pferde mit einem Schritt darüber gehen können.“ Dann wird sie zunehmend breiter gemacht, so dass die Plane raschelt, wenn die Pferde darauf treten.

So longieren Philippe Karl, Kathrin Roida, Anja Beran und Klaus Schöneich

Du siehst – es gibt eine Menge Ideen, wie man Kopf und Körper des Pferdes an der Longe schulen kann! Wir haben übrigens ganz tolle Lehrfilme zum Thema Longieren. Du kannst Dir sehr unterschiedliche Ansätze angucken, zum Beispiel wie Philippe Karl oder Anja Beran vorgehen, oder wie die Schiefen-Therapie von Klaus Schöneich das Longieren einsetzt, oder aber wie Kathrin Roida es nutzt.

Viel Spaß beim Entdecken! 

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#wehorsewednesday | Aussitzen

Aussitzen Reiten Lernen Ingrid Klimke

#wehorsewednesday - heutiges Thema: Aussitzen

„Mein Pferd lässt sich im Trab nicht sitzen“ oder „Aussitzen ist einfach nur anstrengend und unbequem“ sind Aussagen, die man in Reitschulen, im Stall oder unter Reiterfreunden häufig hört. Natürlich gibt es, wie bei jedem Problem, eine Menge Ursachen, die zu diesem Gefühl beim Reiter führen können. Umso wichtiger, dieses „Grauen“ vor dem Aussitzen gleich im Keim zu ersticken und Lösungen aufzuzeigen.

Erster Tipp: Ein Verständnis für das Aussitzen entwickeln.

Warum sitzen wir überhaupt aus?

Eins ist sicher – nicht, weil „man es halt so macht“. Im Aussitzen können wir präzisere Gewichtshilfen geben, die wir für fast alle Lektionen benötigen. Wir sind näher am Pferd und können es bei einer locker mitschwingenden Hüfte harmonisch dabei unterstützen, mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt zu treten. Mit einem losgelassenen Pferd und einem geschulten Sitz kann das Aussitzen nicht nur Spaß machen, sondern auch die gesamte Trabarbeit verfeinern.

Woran kann es jetzt liegen, wenn man nicht richtig aussitzen kann?

Zwei Ansatzpunkte: Der Reiter und das Pferd

Wenn ein Reiter das Gefühl hat, dass sein Pferd unbequem zu sitzen ist, liegt das häufig daran, dass das Pferd nicht reell über den Rücken schwingt, sich festmacht und nicht losgelassen geht. Ein locker mitschwingendes Pferd lässt sich „bequem“ sitzen und saugt den Reiter beinahe in den Sattel. Ein Pferd, das sich im Rücken fest gemacht hat, erzeugt beim Reiter ein „unbequemes“ Sitzgefühl.

Überprüfe also zuerst, ob dein Pferd wirklich losgelassen geht und hole dir unbedingt die Meinung deines Trainers dazu ein. Um zu erfahren, wie du an der Losgelassenheit deines Pferdes arbeiten kannst, um in der Folge auch besser aussitzen zu können, schau dir unseren letzten #wehorsewednesday noch einmal genau an.

Ein Tipp: Wenn Du die Möglichkeit hast, das Aussitzen auf einem gut ausgebildeten Lehrpferd zu üben, nutze sie unbedingt! Es kann Gold wert sein, überhaupt erst einmal das Gefühl dafür zu bekommen, wie ein richtig schwingender und losgelassener Pferderücken im Trab sich anfühlt.

Wenn das Pferd losgelassen trabt und im Rücken mitschwingt, heißt das aber noch lange nicht, dass der Reiter auch alle Voraussetzungen erfüllt, um richtig auszusitzen.

Der Reitersitz im Trab wird maßgeblich von unserer Balance, Beweglichkeit und Geschmeidigkeit beeinflusst. Je lockerer die Reiterhüfte den Bewegungen des Pferdes folgen kann, ohne von klemmenden Beinen blockiert zu werden, desto einfacher fällt das Aussitzen.

Das Ziel ist ein durchlässiges und fließendes Mitschwingen mit einer guten Beweglichkeit in Hüften und Becken. Häufige Fehler sind das Schieben von hinten nach vorne und das Klemmen mit den Knien.

Ein wirklich gutes Aussitzen zu erreichen, kann mehrere Jahre dauern. Die gute Nachricht ist aber, dass du es mit gezielten Übungen stetig verbessern kannst und es dir leichter fallen wird. Wir möchten dir zwei unserer wehorse-Videos vorstellen, die dir hilfreiche Übungen auf dem Pferd und auf dem Boden verständlich erklären:

1. Die Physiotherapeutin Marlies Fischer-Zillinger und die Reitlehrerin Claudia Weissauer erklären dir in unserer Videoserie „Die Körpersprache des Reiters“, wie du als Reiter richtig sitzt und somit optimal auf das Pferd einwirken kannst. Teil 3 gibt dir Übungen im Sattel und auf dem Holzpferd an die Hand, mit denen du deinen Sitz verbessern und dich für die Bewegung deines Pferdes sensibilisieren kannst. Um im Aussitzen richtig mitzuschwingen, müssen die Reiterhüften der Bewegung des Pferdes sowohl nach rechts und links, als auch nach vorne und hinten geschmeidig folgen können. Probiere es gleich einmal aus. Sitzt du geschmeidig genug für ein richtiges Aussitzen?

Hier geht es direkt zum Video (ab Minute 09:50).

2. Weitere Übungen, am Boden und im Sattel, die dich auf die Anforderungen für das Aussitzen vorbereiten, zeigt dir wehorse-Trainer Eckart Meyners Video „Aufwärm- & Lockerungsübungen im Sattel: Vorher – Nachher". Trainiere deine Beweglichkeit und verbessere gleichzeitig deinen Sitz und deine Zügelführung im Aussitzen und im Leichtraben.

Wie die Übungen aussehen und wie du sie direkt anwenden kannst, siehst du hier.

Elaine Butlers Tipps für ein geschmeidiges Aussitzen klingen im ersten Moment vielleicht etwas kurios, sind aber sehr effektiv. Erfahre, wie Räuspern und Husten deinen Sitz verbessern und wie du die Übungen in dein Training auf dem Pferd einbinden kannst.

Hier geht’s zum Interview mit Elaine Butler.

Erfahrungen zur Anwendung findest du hier.

Wir wünschen dir und deinem Pferd viel Spaß beim Ausprobieren und Aussitzen-lieben-lernen!

Horsemanship: Erste Schritte zur Freiarbeit

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Eine gute Freiheitsdressur sieht oft so unerreichbar aus: Wenn zum Beispiel Lisa Röckener ihren Valoo ruft und er auf sie zugaloppiert kommt, wenn er sie im Galopp umkreist und kein Strick, kein Zaum dabei ist.

Wichtig: Der Gesichtsausdruck des Pferdes bei der Freiheitsdressur

Ihr Pferd hat zudem eine entspannte Mimik, er sieht nicht automatisiert oder gezwungen aus, das gefällt mir daran besonders gut. Was man nicht von allen Freiheitsdressur-Pferden, die man so auf Shows sieht, sagen kann. Wer ist Lisa? Eine junge Trainerin und Reiterin, die mir als erstes durch die Zusammenarbeit mit Alizée Froment auffiel. Dann sah ich was sie alles sonst noch so macht - in allen drei Disziplinen reiten, auch auf Turnieren, und schöne Showbilder auf Halsring und in der Freiarbeit zeigen. Dass sie beides zum Teil mit den gleichen Pferden macht, gefällt mir sehr gut, denn es zeigt, dass gute Ausbildung viele Gesichter hat. Warum mich das so interessiert? Ich bin von den Wurzeln her ein stink normaler Reiter, der in der FN-Schule groß geworden ist und irgendwann dank eines Pferdes, das mental ausstieg, viele alternative Wege gesucht hat (das war Fee, hier steht einiges über sie). Schon immer habe ich danach gesucht, dass das Pferd motiviert ist und genauso viel Lust auf’s Reiten hat wie ich. Oder auf eben andere Dinge, die man gemeinsam  macht. Danach suche ich immer noch, ich glaube, man kann in Richtung Motivation nicht genug lernen.

Mal ehrlich: Hat Dein Pferd Lust auf's Reiten?

Ganz ehrlich: Viele Jahre war das nicht so. Viele Momente waren da, die ich gut fand, aber ehrlich angeschaut, hat das Pferd sie eben mitgemacht oder für mich mitgemacht, aber es war kein Enthusiasmus dabei. Das habe ich erst in den letzten Jahren gelernt, Pferde so zu motivieren, dass sie begeistert sind und anbieten und Sachen zeigen wollen, Neues lernen wollen.

Geniestreich oder erlernbar?

Natürlich hat es mich immer begeistert, wenn ich eine gute Freiheitsdressur sah. Und ich glaube, das geht den meisten Reitern so. Wir wollen das Beste für’s Pferd und wir wollen sehen, dass das Pferd auch das Beste für uns gibt. Nur erschien mir das immer wie ein Geniestreich, wie etwas, das für den Normalo nicht erlernbar ist.

Horsemanship ist erlernbar, Freiheitsdressur genauso

Die gute Nachricht ist: Das ist erlernbar. Wahrscheinlich nicht für jeden in dieser Perfektion, aber doch mehr davon, als man gemeinhin denkt. Lisa Röckener war bei uns um zu unterrichten und hat mir genau das gezeigt. Wir hatten sie ja schon mal Anfang des Jahres da zu einem öffentlichen Reitkurs, diesmal war es ein Unterricht im kleinen Kreis. Mein erstes Aha-Erlebnis war, dass es wichtig ist, die Pferde auf bestimmte Wörter zu konditionieren und dass sie fähig sind, diese ganz genau zu unterschieden (das habe ich hier erklärt). Genau da haben wir weiter gemacht und Neues hinzugenommen: Rückwärtsgehen ohne Körpersprache, nur auf Stimme, zum Beispiel. Ganz besonders gut klappte es mit Ailena, sie mit dem eigenen Körper in die Volte einzuladen.

Es entsteht ein fühlbares Band zwischen Pferd und Mensch

Ich bin noch ganz, ganz am Anfang mit solchen Sachen, aber dennoch passierte es ab und an, dass ich spürte, dass sie mir folgen wird und folgt. So, als ob da ein neues Band zwischen uns ist. Das klingt kitschig, ich weiß. Aber es war einfach so, wenn auch nicht immer und nicht auf Kommando abrufbar. Es kam und ging. Das passierte immer wieder mal im Laufe des Jahres, wenn wir gemeinsam übten.

Volten mit der Körpersprache einleiten

Beim Volten gehen dreht der Mensch die Schulter in die Richtung, in die er das Pferd zur Volte einladen möchte, lockt mit der Stimme und achtet vor allem darauf, dass der Pferdekopf vor seinem Kopf bleibt. Denn ansonsten sieht man das Pferd nicht mehr und bemerkt zu spät, wenn es die Volte verlässt. Es ist übrigens überhaupt nicht schlimm, wenn das Pferd die Volte unerwünscht vergrößert oder verlässt! Wichtig ist nur, zu reagieren: Dann ist es am Anfang korrekt, es anzufassen. Ich habe Ailena dann zum Beispiel mit einem sanften Impuls am Halsring wieder in die Volte geholt und sofort wieder mit einem Lob die positive Rückmeldung gegeben, dass es hier bei mir in der Volte korrekt ist, zu bleiben. Später sollte das auch einfach per Körpersprache funktionieren, anfangs stuft man jedoch zurück.

Was gute Konzepte im Sattel und am Boden eint

Klingt logisch? Genau das macht jedes gute Konzept mit Pferden aus. Dass man denkt: „Ja klar!“ (und: warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?). Diesen Gedanken hatte ich ganz häufig bei Lisa. Es ist kleinschrittig, logisch und die Pferde sind eifrig bei der Sache, weil ihnen ermöglicht wird, zu verstehen, was wir möchten. Das kann man genauso in den Sattel mitnehmen. Auch das konnten wir bei Lisas Besuch am eigenen Leib erfahren: Wie wir später auf dem Equizügel sogar im Galopp und Trab, ohne Zaumzeug, geritten sind, habe ich Euch im Blog aufgeschrieben. Mit Beweisfotos diesmal sogar!
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15 Minuten Fitness für Dich zaubern ein besser gehendes Pferd

Der Effekt ist verblüffend: Du sitzt aufrechter, Deine Schultern arbeiten besser, Du bekommst ruhigere Hände & das Pferd läuft einfach besser. All das kann passieren, wenn Du Reiterfitness in Deinen Alltag einbaust. Wir zeigen Dir Übungen, mit denen Du heute noch loslegen kannst! 

So langsam spricht es sich nämlich unter den Reitern um: Wer außerhalb des Reitens etwas für seine Fitness tut, hat es so viel leichter im Sattel! Du machst schneller Fortschritte im Sattel, wenn Du Deine Balance, Deine Beweglichkeit und Deine Muskulatur trainierst.

Wir haben auf wehorse genau dazu etwas ganz Neues für Dich, nämlich die Serie „Fit wie Hoy“ mit Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy. Aus dieser neuen Fitnessserie stellen wir Dir heute drei Übungen vor. Ganz vielen Reitern helfen zudem die Übungen von Sportpädagoge Eckart Meyners. Du findest viel Lehrmaterial bei wehorse zu seiner Bewegungslehre. Wir haben mit Sibylle Wiemer, die nach Eckart Meyners unterrichtet,  auch eine Übung ausgesucht, die Du super einfach beim Schrittreiten machen kannst.

Probiere mal in der kommenden Woche aus, einige dieser Übungen in Deine Stallroutine einzubauen und berichte uns, was sich reiterlich dadurch verändert hat! Das kannst Du zum Beispiel gern in unserer facebook-Gruppe machen.

Warum Cross-Fit Reiter besser macht

Einen messbaren Effekt erzielst Du, wenn Du zwei Mal die Woche 15-20 Minuten die Übungen aus unseren Fit-wie-hoy-Filmen ausführst! Die international erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy hat am eigenen Leib festgestellt, wie sehr dies der eigenen Reiterei weiterhilft. Sie arbeitet mit Cross-Fit-Übungen, da diese besonders helfen, wenn eine Körperhälfte besser trainiert ist als die andere. Denn auch wir Menschen haben eine natürliche Schiefe, nicht nur die Pferde. Durch diese Cross-Fit-Übungen konnte Bettina Hoy selbst viel effektiver und schneller im Sattel agieren. Auch bei ihren Schülern stellte sie fest, dass Cross-Fit hilft, damit der Schüler die richtigen Muskeln ansteuern kann.

Da der innere Schweinehund ja leider manchmal laut ist: Alles, was man tut, hilft schon mal ein bisschen! Auch wenn es nur ein paar Minuten Aufwärmen vor dem Reiten sind. Das kann etwas ganz einfaches sein, zum Beispiel ein Hampelmann. Wer den 30 Mal springt, geht schon mal aufgewärmter ans Pferd oder aber in seine Gymnastikeinheit.

 

Übung 1: Shoulder Dislocates

Diese Übung hilft, um die Schulter beweglich zu bekommen und zu mobilisieren. Und nur wer die Schulterpartie gut locker hat, kann mit feiner Hand im Sattel agieren und aufrecht sitzen. Du brauchst dafür einen Stiel, da tut es zum Beispiel ein Besen oder eine Heugabel. Denk’ bei der Übung daran, sie nicht zu schnell auszuführen, es soll angenehm bleiben! Stelle Deine Füße etwas auseinander, ungefähr schulterbreit (hilfreich dazu ist das Bild oben im Artikel). Nun mit den Händen den Stiel quer greifen, dabei greifen die Hände von oben auf die Stange. Die Hände recht weit auseinander greifen lassen. Dann den Besen hinter den Rücken führen, über den Kopf führen und nach vorn. Bettina Hoy macht das auch schon mal vor dem Reiten mit einer Gerte, und merkt schon dabei, dass sie danach aufrechter im Sattel sitzt. Wiederhole es mehrfach in einer flüssigen Bewegung. In unserem Film gibt es noch zwei weitere effektive Übungen mit dem Besenstil!

Übung 2: Mobility 

Das Sprunggelenk, Kniegelenk und Hüftgelenk wird auf die Belastung durchs Reiten vorbereitet. Dafür musst Du einen guten Untergrund haben, eine Pferdedecke auf dem Stallboden tut es aber auch (wie in unserem Foto oben). Du startest im Knien, die Hände sind aufgestützt. Nun bringst Du ein Bein nach vorn, so dass ein Fuß genau vor dem anderen Knie liegt. Dann rutschst Du mit dem aufgestützten Knie etwas nach hinten und drückst dabei die Hüfte nach unten, bis Du eine Dehnung spürst. Nun halten. Für eine Dehnung der Sehnen und Bänder muss die Position länger gehalten werden! Nicht nur 10 Sekunden, sondern für mindestens eine Minute halten. Innerhalb dieser Zeit die Hüfte nach unten schieben, so wie es möglich ist. Wem das zu einfach ist: Den Fuß weiter nach vorn schieben, im Extremfall sogar bis zur Kopfhöhe. „Das dehnt super auf“ erklärt Bettina Hoy in unserem Film, während sie die Übung ausführt. "Ich merke megagut, wie meine Hüfte sich öffnet, was ich brauche, um im absoluten Gleichgewicht zu sitzen.“ Jede Übung wird effektiver durch kleine Varianten – das erklärt zum Beispiel Eckart Meyners, der Papst wenn es um Reiterfitness geht, auch immer wieder. Daher werden auch in unserem Lehrfilmen mit Bettina Hoy weitere Varianten einer Übung gezeigt.

Übung 3: Leg swings

Diese Übung kannst Du an der Boxentür machen! Halte Dich mit einer Hand auf Hüfthöhe irgendwo fest (zum Beispiel an einer Boxentür). Dann schwingst Du das rechte Bein gestreckt vor das andere, so weit wie es geht! Dann bitte die Beine wechseln. Wie weit das Bein genau schwingen soll, siehst Du hier bei Minute 3:33 im ersten Cross-Fit-Film der Serie "Fit wie Hoy".

 

Wassereimer als Trainingshilfe

Für alle Übungen in unserer Fitness-Serie gibt es übrigens Ideen, wie man die Übungen direkt im Stall machen kann! Zum Beispiel lernst Du, mit welcher Körperhaltung Du Gewichte hebst, um Deinen Rücken und Körper zu kräftigen. Am Stall kannst Du das dann mit Wassereimern üben. Bettina Hoy zeigt Dir, worauf Du dabei achten musst, um das rückengesund umzusetzen (und ohne dabei nass zu werden!).

Übung 4: Beim Schrittreiten warm werden

 

Diese Übung von Sibylle Wiemer ist super einfach und sehr effektiv. Also: Du sitzt im Schritt im Sattel, die Bügel sind übergeschlagen. Dann schwingst Du ein Bein aus der Hüfte heraus nach hinten. Also das ganze Bein, nicht nur den Unterschenkel. Das bewegt Deine tiefe Lendenmuskulatur. Es verhilft Dir dazu, einen größeren Bewegungsradius zu bekommen, die Beckenmuskulatur bewegt sich und der Hüftbeuger wird gestreckt. Stell Dir vor, für einen kurzen Moment mit dem Bein hinter das Sattelblatt zu kommen. Lass es nicht da liegen, sondern bleib in Bewegung. Du schwingst wechselseitig das rechte und linke Bein nach hinten (Vorsicht bei Pferden, die das nicht kennen! Im Zweifel lass’ Dich führen, während Du die Übung ausführst.). „Meist können Reiter ein Bein schlechter bewegen kann als das andere“, sagt Sibylle Wiemer (das macht unsere eigene Schiefe, daher ist Cross-Fit auch so eine gute Idee).

Den birnenförmigen Muskel ansprechen

„Außerdem tut es irgendwann am Po weh – ein Muskel beschwert sich da, das ist der Piriformes, der birnenförmige Muskel“, erklärt die Ausbilderin. Diesen Muskel sollte man nicht zu sehr reizen, wenn der sich entzündet, drückt er auf den Ischias. Also kleine Pausen dabei einlegen und nicht zuviel auf einmal wollen. „Dieser Muskel quakt halt, weil die Menschen im Becken nicht locker genug sind für Reiterei“, sagt Sibylle Wiemer. Sie selbst macht die Übung auch stets vor dem Reiten. „Mein Minimal-Aufwärmprogramm sind der Hopserlauf und dieses Beine schwingen vor dem Reiten“, sagt sie. Denn das wäre ihr nicht nur das Reiten, sondern vor allem auch der Partner Pferd wert: „Wir reden von Liebe zum Pferd und muten den Pferden zu, dass wir da mit fester Muskulatur draufhocken!“

Das kann man ja anders machen – also, wann beginnst Du damit, Sport vor dem Reiten zu machen? Heute? 

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#wehorsewednesday | Losgelassenheit

#wehorsewednesday - heutiges Thema: Losgelassenheit

Die Losgelassenheit des Pferdes ist eine der wichtigsten Bedingungen für den Erfolg der gesamten Ausbildung. Egal ob Gangpferde-, Western- oder Dressurreiter: Losgelassenheit ermöglicht das harmonische Reiten und sollte immer ein Thema sein.

❓ Könntest du auf Anhieb genau beschreiben, was Losgelassenheit bedeutet?

➡️ Das Pferd läuft entspannt vor sich hin?
❌ Das allein ist keine Losgelassenheit.

➡️ Das Pferd geht vorwärts-abwärts?
❌ Auch das trifft nicht den Kern der Losgelassenheit.

Nehmen wir als Beispiel ein losgelassenes Pferd im Trab:
✅ Im Bewegungsablauf spannt es seine Muskeln ohne Verkrampfung an und entspannt sie so auch wieder.
✅ Es hält den Takt.
✅ Es trabt mit raumgreifenden Tritten vorwärts, ohne eilig zu werden.
✅ Es hat das Bestreben, seinen Hals mit vorwärts-abwärts gestreckter Nase an die Reiterhand heran zu dehnen.
✅ Es schwingt federnd aus dem Rücken.
✅ Es trägt den Schweif entspannt in natürlicher Haltung.

💡 Doch Losgelassenheit hat nicht ausschließlich mit der äußeren Haltung des Pferdes zu tun - auch innerlich muss es gelassen und zufrieden sein, um im Training körperlich optimal gefördert werden zu können und aufnahmefähig für feine Hilfen und neue Übungen zu sein.

🎥  In unserem wehorse-Video „Mit lösender Arbeit zu innerer und äußerer Losgelassenheit“ zeigt dir Reinhart Koblitz, worauf es bei der Lösungsphase ankommt und warum sie essentiell ist, um Losgelassenheit zu erreichen. Du lernst Übungen kennen, mit denen du dein Pferd animieren kannst, den Hals fallen zu lassen und die Hinterhand mehr zu aktivieren:
https://www.wehorse.com/de/videos/show/16/mit-loesender-arbeit-zu-innerer-und-aeusserer-losgelassenheit-reinhart-koblitz.html


Ihren Pferden sieht man die Losgelassenheit bis in die höchste Klasse an: wehorse-Trainerin Uta Gräf erklärt in diesem Video die Grundlagen der Losgelassenheit - unter anderem die Bedeutung des „An-den-Zügel-Heranreitens“, insbesondere bei einem Pferd, das sich noch im Wachstum befindet. Uta Gräf zeigt dir, wie du dein Pferd in der Trabarbeit dabei unterstützt, von hinten durch den Rücken an die Hand zu schwingen und im Schritt Losgelassenheit durch das Zulassen der Nickbewegung förderst:

🎥  Die Ausbildungsskala - Losgelassenheit Folge 1: Durch den Körper an die Hand schwingen
https://www.wehorse.com/de/videos/show/254/die-ausbildungsskala-losgelassenheit-folge-1-durch-den-koerper-an-die-hand-schwingen-uta-graef.html

Im zweiten Teil zeigt Uta Gräf dir, wie du die Losgelassenheit deines Pferdes auch in den schwereren Lektionen erhalten kannst. Konkrete Übungen zwischen und vor einzelnen Lektionen helfen dir, Spannungen zu vermeiden und Takt, Losgelassenheit und Anlehnung zu festigen:

🎥  Uta Gräf: Losgelassenheit Folge 2: Losgelassenheit erhalten, wenn es schwieriger wird
https://www.wehorse.com/de/videos/show/257/losgelassenheit-folge-2-losgelassenheit-erhalten-wenn-es-schwieriger-wird-uta-graef.html


In der Lösungsphase beginnt die Entwicklung von Losgelassenheit, alleine deshalb sollte sie ein fester Bestandteil jeder Trainingseinheit sein. Wehorse-Trainerin Ingrid Klimke zeigt dir in diesem wehorse-Video, worauf es dabei im Detail ankommt:

➡️ wie lange das Pferd am langen Zügel laufen sollte
➡️ welche Unterschiede es in der Lösungsphase, abhängig vom Alter und Ausbildungsstand, gibt
➡️ wie du die Länge der Lösungsphase richtig einschätzt (das zeigen dir Ingrid Klimke und Carmen Thiemann auf zwei unterschiedlichen Pferden)

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Gelassenheit des Pferdes. Auf „Firlefranz“ zeigt Ingrid dir, wie du den „Löwen unter der Decke“ Schritt für Schritt verschwinden lassen kannst.


🎥  Ingrid Klimke: Symposium Teil 1: Die Lösungsphase
https://www.wehorse.com/de/videos/show/318/ingrid-klimke-symposium-teil-1-die-loesungsphase-ingrid-klimke.html


❓ Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einem ehrlich losgelassenen Pferd und einem Pferd, das versucht wird, in die Losgelassenheit zu drängen?

🎥 Das zeigt dir Dressurlegende Dr. Reiner Klimke im Video „Dr. Reiner Klimke: Dressur im Detail Teil 1: Lösende Arbeit & Entwicklung der Anlehnung“ durch eine absichtlich fehlerhafte Durchführung der Zügelaufnahme und der halben Parade. Natürlich siehst du auch, wie es richtig geht und wie du mit Schritt-Trab-Übergängen und Biegungen die korrekte Anlehnung erarbeiten kannst:
https://www.wehorse.com/de/videos/show/511/dressur-im-detail-teil-1-loesende-arbeit-entwicklung-der-anlehnung-dr-reiner-klimke.html


Losgelassenheit kannst du natürlich nicht nur im Dressurviereck erarbeiten. Das abwechslungsreiche Gelände und das ständige Bergauf und Bergab auf der Hangbahn trainieren die Bauchmuskeltätigkeit des Pferdes und fördern die Rückentätigkeit. Besonders in der Arbeit mit einem jungen Pferd fördert es die Losgelassenheit und zeigt den Weg in die korrekte Dehnungshaltung. Kurd Albrecht von Ziegner zeigt dir in diesem wehorse-Video, anhand von zwei unterschiedlichen Pferden, das korrekte Training auf der Hangbahn:

🎥 Kurd Albrecht von Ziegner: Das junge Pferd auf der Hangbahn: Losgelassenheit & Dehnungshaltung erarbeiten
https://www.wehorse.com/de/videos/show/190/das-junge-pferd-auf-der-hangbahn-losgelassenheit-dehnungshaltung-erarbeiten-kurd-albrecht-von-ziegner.html

Viel Spaß beim Ausprobieren und Besserwerden!

Flohsamenschalen richtig einsetzen

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Flohsamen gelten als ideale Vorbeugung gegen Sandkoliken. Doch wie genau werden sie verfüttert? Und was sind Flohsamen überhaupt? Flohsamen sehen aus wie kleine Kerne, auf dem ersten Blick ähneln sie dem Leinsamen. Besonders macht sie ihre unglaubliche Quellfähigkeit: Vermengt mit Wasser, quellen sie enorm auf und werden sofort zu einem dickflüssigen Brei. Ein noch höheres Quellvermögen hat die Flohsamenschale, die wie feiner, leichter Getreidestaub oder Sägemehl aussieht.

Flohsamen füttern

Genau diese Eigenschaft, das Aufquellen, macht den Flohsamen interessant für die Gesunderhaltung des Pferdes. Denn obwohl die Wirkungsweise noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte, zeigt die Erfahrung vieler Kliniken und Tierärzte, dass Flohsamen Sand aus dem Pferdedarm transportieren können. Im Dickdarm kann sich durch sandige Weiden, dreckiges Futter oder Füttern auf Sandböden Sand ablagern. Wenn sich Sand im Darm anhäuft, kann das zu Problemen wie Durchfall oder sogar zu Koliken führen. Die Flohsamen oder Flohsamenschalen bilden im Verdauungstrakt des Pferdes einen zähen Schleim, der den Sand aus dem Organismus heraus transportiert.

Schalen oder Samen füttern?

Flohsamen werden im Handel als Flohsamenschalen oder ganzer Flohsamen angeboten. Seit kurzer Zeit gibt es ganzen Flohsamenschalen auch in pelletierter Form. Ob Flohsamen nun mit Wasser angerührt oder trocken verfüttert werden sollen, ob als Kur oder ständig und in welcher Menge gefüttert werden soll, all das ist vielen Pferdebesitzern unklar. Generell kann man sagen: Samen als auch Schale wirkt und kann genutzt werden. Die Schalen haben die vierfache Quellfähigkeit im Vergleich zum ganzen Samen. Bei der Auswahl geht es darum, wie man die erforderliche Menge am besten ins Pferd bekommt. Ganzer Samen kann trocken gefüttert werden, Schalen werden eingeweicht. Wichtig ist immer, dass das Pferd genug Wasser aufnimmt.

Wieviel Flohsamen füttern?

Tierkliniken setzen bei akuten Sandkoliken 250 bis 500 Gramm Flohsamen für ein 500 Kilogramm Pferd ein, mit fünf bis acht Litern Wasser. Das wird mehrfach wiederholt. Damit es nicht zu Verstopfungen kommt, soll zugleich Paraffinöl mitgefüttert werden. Das Öl ist in Apotheken zu kaufen oder über den Tierarzt zu beziehen. Flohsamen und Öl sollten über zwei bis vier Wochen lang gefüttert werden.

Mash plus Flohsamen?

Ungünstig ist es, ganzen trockenen Flohsamen zum Beispiel unter Mash mischen. Das feuchte Futter lässt den Samen sofort quellen und damit wird die Akzeptanz beim Pferd gesenkt. Besser ist dann, ein schmackhaftes Müsli zu nehmen. Nicht jeder Pferdebesitzer ist ein Müsli-Freund, kritisch wird der oft  hohe Melasse-Anteil gesehen und die offene Struktur, die Pilzen und Schimmelsporen schneller anzieht. Doch fast alle Müsliarten sind sehr schmackhaft und damit auf jeden Fall in Zeiten ideal, in denen den Pferden eine Medizin oder ein Heilmittel unters Futter gemischt werden soll. Pferdebesitzer, die sich aufgrund der Quellfähigkeit vor Verstopfungen fürchten, und deshalb unbedingt aufgequollenen Samen bzw. Schalen füttern möchten, können sich mit schmackhaften Zusätzen helfen: Den aufgequollenen Flohsamenschalen-Brei mit Apfelmus vermischen, Möhren- oder Apfelsaft hinzugeben, Salz darüber streuen oder Honig zugeben. Allerdings ist es schwierig, die notwendige Menge an Flohsamenschalen im aufgequollenem Zustand ins Pferd zu bekommen.

Vorsicht bei Herstellerangaben

Kritisch sollte man sich auch die Fütterungsempfehlungen der Hersteller ansehen: Fast alle geben zu geringe Mengen an, die verfüttert werden sollen. Eine prophylaktische tägliche Fütterung von 50-100g Flohsamen kann bei Haltung auf sandhaltigen Böden oder auf Sandpaddocks eventuell helfen eine Sandablagerung im Darm zu verringern oder zu vermeiden. Eine bereits bestehende starke Ablagerung von Sand im Dickdarm wird mit diesen geringen Mengen jedoch vermutlich nicht zu beseitigen sein.   P.S.: Wer wissen möchte, wie der Sattelgurt-Test auf meinem Blog gelaufen ist, findet den Vergleich von fünf Sattelgurten für empfindliche Pferde hier.
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Wann darf das Kind auf’s Pferd?

Wir haben unter unseren Ausbildern bei wehorse eine echte Spezialistin für die ganz kleinen Reitschüler: Kolly Holland-Nell mit ihrem Team Pony Concept.  Sie unterrichtet so, dass die Allerkleinsten mitmachen dürfen, aber dennoch ihre noch empfindlichen Körper nicht überlastet werden durch die Bewegungsübertragung des Pferdes. Wie das geht, erfährst Du gleich! Lass' uns kurz mal einen Einblick in ihren Stall wagen, damit Du einen Eindruck davon bekommst, was daran so besonders ist!

Pony Team Concept: Mit Stundenplan

In ihrem Stall hängt ein Tagesplan aus Bildern. Für die Dreijährigen. Jedes Bild zeigt eine Etappe des Unterrichts: Auf einem ist ein Mädchen zu sehen, dass ein Pony an der Schulter streichelt. Dieses Bild steht für die Begrüßung. Dann gibt es noch Bilder für’s Holen der Putzkiste, für’s Putzen selbst, für’s Hufe auskratzen, für’s Sattelzeug holen. Das letzte Bild zeigt den Reithelm. „Dadurch werden die Kinder sehr selbstständig, sie können selbst nachschauen, was als Nächstes zu tun ist“, erklärt Kolly Holland-Nell.

Ponys alleine pflegen

„Mit vier, fünf Jahren bereiten die Kinder die Ponys schon komplett alleine vor und sind sicher darin, die Körperteile des Ponys, Putzzeug und Futtermittel zu benennen.“ Wie das Körperteile-Spiel ausschaut, kannst Du Dir hier anschauen im Film "Pferdeliebe von Anfang an". Eine ungewöhnliche Ponyschule ist das, diese hier in Hessen namens „Team Pony-Schule Oberwetz“. Kolly Holland-Nells Schwerpunkt liegt darin, dass schon kleine Kinder verstehen sollen, wie Ponys und Pferde von Natur aus sind. Sie werden darin pädagogisch geschult, mit Liedern und Gruppenspielen.

Im Spiel gelernt: Wie reagiert ein Pferd?

Später auf dem Sandplatz sieht man acht Kinder, zwei sitzen auf je einem Shetty, die anderen springen um Hula-Hoop-Reifen herum, die auf dem Boden liegen. Zwei Reitpädagogen leiten ein Spiel an, das ‚Ponyherde’ heißt. Es lehrt die Kinder, wie Fluchttiere reagieren und welche Bedürfnisse sie haben.

Wann ist das richtige Alter, um Reiten zu lernen?

In dieser Reitschule startet der Unterricht schon für Zweijährige mit Mutter-Kind-Reiten. Tatsächlich sitzen diese Kinder aber nur fünf bis zehn Minuten in einer Einheit auf dem Pferd. Ab sechs Jahren darf es deutlich länger sein, die Kinder in einer Gruppe wechseln sich mit dem Reiten ab. Deshalb gibt es im Unterricht auch nur zwei Shettys für acht Kinder. Mit sieben, acht Jahren werden Hufschlagfiguren geübt und an der Longe galoppiert. Vom medizinischen Standpunkt aus ist dies auch das ideale Alter, um mit dem Reiten zu beginnen.

Reiten lernen ohne Angst

Das Konzept dieser Ponyschule von Kolly Holland-Nell, die auch VFD-zertifiziert Schulungen für Trainer anbietet, zielt darauf ab, Pferde zu verstehen und die besten Grundlagen zu legen. So soll das Reitenlernen ohne Angstmomente funktionieren. Bei dieser Ponyschule endet das Unterrichtsangebot in einem Alter, in dem andere Schulen erst anfangen: Neun Jahre sind die ältesten Schüler, danach wechseln sie in herkömmliche Reitschulen.

Achtung: Die Wirbelsäule ist noch empfindlich

„Ich konnte eher reiten als laufen!“ – das erzählen berühmte Reiter gern augenzwinkernd über sich selbst. Tatsächlich ist damit nicht zu spaßen: „Wir kommen mit einer C-förmigen Wirbelsäule auf die Welt. Die S-förmige-Schwingung der Wirbelsäule, die nötig ist, um die Bewegungen des Pferdes zum Beispiel auch im Trab problemlos abfangen zu können, ist erst mit vier bis sechs Jahren abgesichert“, so erklärt es Physiotherapeutin Stefanie Tetzner. „Bis zu diesem Alter können bis zu einem gewissen Grade gesunde Bandscheiben die Aufgabe der Wirbelsäule übernehmen. Das bedeutet aber auch: Bis der Körper so weit ist, ist es zwar völlig okay, dass kleine Kinder gelegentlich mal eine Runde im Schritt auf dem Pferd zu sitzen, regelmäßiges Reiten oder auch längere Touren im Sattel sind aber noch nicht zu empfehlen.“

Reiten lernen für die Kleinsten

Doch es gibt auch Unterschiede: „Man sollte aber immer auch den individuellen Entwicklungsstand eines Kindes beachten. Manche Vierjährige sind körperlich schon zwei Jahre weiter, wohingegen manch ein Sechsjähriger körperlich eher auf dem Stand eines Dreijährigen ist."

Das Pony muss zum Kind passen

Experten betonen, dass die Größe und das Kaliber des Ponys unbedingt zum Kind passen muss. Zum einen, um das selbstständige Handling zu lernen, zum anderen aber auch, um dem kindlichen Körper gerecht zu werden: „Für ein jüngeres Kind ist ein gut ausgebildetes Shetlandpony besser als ein Großpferd - schon deshalb, weil die Beschleunigung bei so einem Pony, wenn es dann mal stolpern sollte, weitaus geringer ist. Auch später sollte man darauf achten, dass das Pferd nicht zu breit ist, da das die Knie übermäßig belasten kann“, so erklärt die Physiotherapeutin, die mit dem Schwerpunkt Neuropadiatrie und Frühförderung arbeitet und außerdem als Ausbilderin für Hippotherapie beim Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten tätig ist.

Vorteile des Reitens

Reiten ist eine sehr koordinative Sportart und schult den Gleichgewichtssinn. Reiter lernen, die Körperteile separat voneinander zu bewegen, das Zusammenspiel von Händen, Körper und Beinen ist diffizil. Natürlich spielt das Erlernen des Reitersitzes bei den älteren Kindern auch in diesem Konzept eine große Rolle. In diesem wehorse-Film aus der zehnteiligen Reihe "Pferdeliebe von Anfang an" gibt es dazu einen guten Einblick.  

Gefahren fürs Kind

Zuviel Ehrgeiz und Verbissenheit ist natürlich nicht gut. Denn dabei können leicht Probleme wie leichte Fehlstellungen der Hüfte übersehen werden, was zu Überlastungen führen kann. Reiten, so erklärt Physiotherapeutin Stefanie Tetzner,  kann aber bei Kindern und Jugendlichen leider auch die Entstehung von Langzeitschäden an Wirbelsäule oder Hüfte begünstigen, die dann erst Jahrzehnte später Probleme machen. Die Gefahr dafür ist immer besonders groß, wenn man zu viel vom Kind verlangt, Probleme durch Wachstumsschübe oder leichte Fehlstellungen ignoriert. Betreibt ein Kind oder Jugendlicher Reiten als Leistungssport, sollte man sich bewusst sein, dass dann wie bei jedem Leistungssport auch das Unfall- und gesundheitliche Risiko steigt, erklärt sie.

Ponys pflegen, streicheln, entdecken

Bei welchen Aufgaben rund ums Pferd Kinder miteinbezogen werden, ist heute eine Frage, die eher selten gestellt wird. Denn: die meisten Reitschulbetriebe sind so ausgerichtet, dass die Reitstunde in der Bahn beginnt und das ganze Drumherum wenig Beachtung findet. Das Konzept der Team Ponyschule Oberwetz von Kolly Holland-Nell hingegen bezieht das Füttern und Versorgen von Anfang an mit ein. Ein großer Meilenstein ist es, wenn die Kinder fit fürs Pflegepony werden - wie das gelingt, siehst Du hier im wehorse-Film. Es ist einer von insgesamt 10 Teilen - damit bekommst Du einen hervorragenden Einblick in dieses System und Du bekommst bestimmt viele gute Inspirationen, was guten Unterricht für kleine Kinder ausmacht. 

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#wehorsewednesday | Der Reitersitz

#wehorsewednesday - heutiges Thema: Der Reitersitz

Er ist wichtig, vielseitig, wandelbar, entscheidend, manchmal schwierig, er kann stabil oder flexibel, sicher oder wackelig, steif oder federnd, harmonisch oder kontraproduktiv sein. Der Reitersitz hat unglaublich viele Facetten und wir Reiter arbeiten oft ein Leben lang daran.

❓ Wie soll er aussehen und wie komme ich zum perfekten Sitz?

Darauf eine allgemein- und alleingültige Antwort zu geben, wäre töricht. Keine zwei Pferde und Reiter sind gleich, sie unterscheiden sich im Alter, im Körperbau, im Trainingszustand, in der Größe - und das sind nur einige Faktoren. Natürlich gibt es ein Idealbild des Reitersitzes, das zum Beispiel in der H.Dv.12 verschriftlicht wurde. Hier ein Ausschnitt:

"(...) Der Oberkörper, vornehmlich auf den beiden Gesäßknochen ruhend, erhebt sich senkrecht aus den Hüften, die sich gleich hoch über dem Sattel befinden und nicht einseitig eingeknickt werden dürfen. (..) Das Kreuz wird mäßig angezogen. Ein Durchbiegen des Rückens (hohles Kreuz) macht den Sitz steif. (...)"

Die gesamte Beschreibung findest du im Buch ab Seite 29. Fall du dieses Grundlagenwerk noch nicht hast, kannst du die H.Dv.12 auch ganz einfach hier bei uns im Shop bestellen.

❗️ Trotzdem setzt jeder Reiter den Sitz anders um, bei jedem sieht er etwas anders aus, jeder hat andere „Baustellen“ - und wenn es nur Nuancen sind. Das ist natürlich kein Freifahrtschein, um zu sagen „Ich bin halt so wie ich bin und ich sitze halt so, punkt.“

💡 Seinen Sitz immer wieder zu analysieren und mit Übungen gezielt an den eigenen Schwächen zu arbeiten, kann dein Reiten deutlich verbessern. Wir möchten dir einige unserer besten Trainingsvideos zum Thema Reitersitz vorstellen, mit denen du direkt loslegen kannst - finde die Übungen, die für dich am besten funktionieren.

🎥  Unsere wehorse-Serie: „Die Körpersprache des Reiters“ gibt dir in fünf Teilen einen wichtigen Überblick über die zentralen Elemente eines Reitersitzes, der die Bewegung des Pferdes aufnehmen und fördern kann. Physiotherapeutin Marlies Fischer-Zillinger und Reitlehrerin Claudia Weissauer verbinden ihr Wissen und zeigen anhand von Bewegungsanalysen unterschiedlicher Reiter auf, wie du optimal an deinem Reitersitz arbeiten kannst.

Du lernst unter anderem in diesen Videos:

  • Die Balance aus stabilem Oberkörper und dem Mitschwingen der Pferdebewegung
  • Das in allen Gelenken nach unten federnde Bein
  • Hilfreiche Atmung
  • Übungen für das richtige Leichttraben
  • Die korrekte Hilfengebung beim Wenden
  • Balance aus Gewichtshilfen und der Spannung der äußeren Hand bei eitengängen und Galopphilfen

Hier geht’s zu Teil 1.

🎥  Wanless-Methoden-Coach Elaine Butler verdeutlicht in der wehorse-Serie „Sitzschule nach der Wanless-Methode“ in drei Teilen, wie sich selbst kleine Sitzveränderung auf die Haltung und die Bewegung des Pferdes auswirken. Anhand von Beispielen werden typische Sitzfehler, die wir als Reiter ganz unbewusst machen, und typische Fehler beim Leichttraben gezeigt, sowie Übungen um sie zu vermeiden.

Beginne am besten mit diesem Video, in dem du genau erfährst, worum es in der Wanless-Methode geht.

🎥  Bewegungsgefühl für Reiter Teil 1: Durch gezielte Übungen zur besseren Einwirkung

Für unsere Pferde haben wir meist ein ausgefeiltes Aufwärmprogramm und achten darauf, das Pferd nicht zu überfordern. Aber was ist mit uns Reitern?

Unsere wehorse-Serie „Bewegungsgefühl für Reiter" vom Sportwissenschaftler Eckart Meyners bietet dir in vier Teilen einfache und effektive Übungen zum richtigen Aufwärmen vor dem Reiten. Sein 6-Punkte-Programm ist individuell auf das Reiten angepasst und hilft dir bei der Lockerung des Kopf- und Nackenbereichs, zeigt dir Übungen für den Brustbeinbereich und den Brustkorb, die Selbstbehandlung der Schulter-, Hüft-, Bein- und Brustmuskeln sowie die Mobilisierung des Kreuzdarmbeins und des Beckens.

Hier geht’s zu Teil 1.

🎥  Im 6. Teil des Ingrid Klimke Symposiums geht es der wehorse-Trainerin um den Reitersitz als Grundlage für genaues Reiten und eine feine, präzise Ausführung der Hilfen. Sie geht speziell auf die Körperlinien „Hinterkopf-Gesäß-Ferse“ und „Ellbogen-Reiterhand-Zügel“ ein. Wenn du dieses Video anschaust, weißt du wieder wie wichtig es ist, sich immer wieder zu fragen: Wann, wie und warum mache ist etwas?

🎥  „Der korrekte Reitersitz ist praktizierter Tierschutz und wesentlicher Beitrag zur Gesunderhaltung des Pferdes.“ wehorse-Trainerin Anja Beran erklärt im Video „Sitz und Hilfengebung der klassischen Reitkunst“, warum die Kontrolle über den eigenen Körper in der klassischen Reitkunst so elementar ist. Sie zeigt dir, wie nur aus der eigenen Körperbeherrschung heraus feine und verständliche Hilfen entstehen können.

🎥  Wichtiges Basiswissen zum Sitz und zur Hilfengebung im Westernreiten lehrt wehorse-Trainer Peter Kreinberg seinen Schülern in der Videoserie „Grundkurs Westernreiten“. Ziel ist es, die drei wichtigsten Vorraussetzungen für das Reiten mit feinsten Hilfen zu verbessern: das Gleichgewicht, den Rhythmus und das Einfühlungsvermögen.

Du lernst unter anderem in diesen Videos:

  • ein feine und verständliche Hilfengebung
  • bestimmte Sitzfehler mit Hilfe von Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu korrigieren
  • in direkter und indirekter Längsbiegung zu reiten
  • wie du einen weichen Übergang zwischen den Gangarten reitest

Hier geht’s zu Teil 1 von 4 Teilen.

🎥  Für alle Springreiter oder die, die es werden wollen, erklärt wehorse-Trainer Karsten Huck im Video "Sitzschule für Springreiter", warum ein stabiler und ausbalancierter Sitz, der das Pferd auch über dem Sprung nicht stört, sondern optimal unterstützt, eine der wichtigsten Voraussetzungen für gutes Springreiten ist und immer wieder trainiert werden muss. Du siehst sowohl Übungen im Dressursattel, als auch im Springsattel an der Longe, die deinen leichten Sitz und deine Balance über kleinen Sprüngen schulen.

🎥  DAS Sitzvideo für alle Vielseitigkeits- aber auch Springreiter:

"Chris Bartle's Geländetraining - der sichere Sitz"

Vom Rennsitz bis zur „Oh Shit“-Position - Mit diesem Film möchte wehorse-Trainer Christopher Bartle das Vielseitigkeitsreiten sicherer machen. Der Schlüssel sind die Sitzpositionen im Geländekurs. Seine Analysen von Beispielszenen aus Training und Profisport decken gängige Fehlerquellen auf und erklären den Weg zum erfolgreichen Geländereiten. Ein Muss für Anfänger und Profis.

Sattelgurte für empfindliche Pferde – der Test

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Das Pferd kräuselt das Maul beim Angurten. Es verschmälert die Nüstern, legt die Ohren nach hinten und signalisiert so deutlich sein Unwohlsein beim Angurten. All das sind Anzeichen von Gurtzwang. Nicht schön. Wer das Problem bei seinem Pferd hat, sucht nach Gurten, die besonders angenehm sind.

Hat das Pferd Gurtzwang?

Ich habe fünf Gurtmodelle in Lang- und Kurzgurtversion mehrere Monate lang getestet und an drei Pferden ausprobiert, die vor dem Test heftiges Unwohlsein (bis hin zum Schnappen), mittleres Unwohlsein (Gesichtsausdruck verändert sich deutlich, Ohren angelegt) und leichtes Unwohlsein (nur leichte Mimik-Veränderung) beim Gurten zeigten.

Die Sattelgurt-Testwoche

Die Ergebnisse lest ihr in dieser Woche auf meinem Blog – jeden Tag stelle ich Euch ein Gurtmodell genau vor (welche das sind, steht ganz unten in diesem Artikel). Abschließend könnt Ihr dann das gesamte Testergebnis aller Modelle im Vergleich lesen. Die Gurte sind so speziell, zum Beispiel mit Klettverschluss-Wechselbezügen, mit Gummiringsystemen oder speziellen Gurtplatten ausgestattet, dass ein einziger Artikel ihnen nicht gerecht würde. Besonders interessant fand ich den Blick unters Pferd –  deshalb haben wir jeden Gurt auch so fotografiert, dass man genau die Auflagefläche am Brustkorb erkennen kann.

Sanftes Angurten

Es gibt aber noch einen Schritt vor der Auswahl eines Gurtes: Das eigene Angurten hinterfragen. Nicht denken „Ich gurte doch schon so langsam an“, sondern das Gurten bei empfindlichen Pferden in noch weitere kleine Schritte zerlegen. Also auf der Seite, die den Gurt hält, das erste Loch nutzen, dann auf der noch zu schließenden Seite ebenfalls ein Loch nutzen, das den Gurt noch ganz locker hängen lässt. Dann Loch für Loch beidseitig nachgurten. Dabei darf viel Zeit vergehen! Dafür vielleicht die Putzroutine etwas umstellen: Erst satteln, dann Hufe auskratzen, Gamaschen anlegen, Schweif und Mähne ordnen, Kopf putzen, eben alles tun, was Zeit braucht und nicht direkt mit dem Putzen der Sattellage oder dem Satteln zusammen hängt. Damit man so sanft angurten kann, wie oben beschrieben, muss der Gurt dafür lang genug sein – wenn ich schon kräftig ziehen muss, um ins erste Loch zu kommen, ist das garantiert unangenehm für’s Pferd.

Tipp: Schabracke & Gurtverlängerung

Bei Kandidaten, die sich so sehr aufblasen, dass ein Gurt, der lang genug wäre fürs sanfte Angurten, dann im angegurteten Zustand zu lose ist, kann man probieren, eine Sattelgurtverlängerung für das Angurten zu nutzen. Bei uns hat auch geholfen, einfach mal Schabracken lose drauf zu legen beim Putzen – damit der konditionierte Zusammenhang 'Satteln = gleich wird es unangenehm' durchbrochen wird. Als Kriterien, wann Pferde einen Gurt akzeptabel und angenehm finden, haben sich in unserem Testzeitraum herausgestellt:

Druckverteilung des Gurtes

Wie der Gurt geformt ist, entscheidet, auf welcher Fläche das Pferd den Zug des Gurtes verspürt. Das ist neben dem Material ein zentraler Punkt, indem sich die Testgurte unterscheiden. Mehrere arbeiten mit einer Brustplatte und versuchen außerdem, die Flexibilität zu erhöhen, um der Bewegung des Brustkorbs bei der Atmung gerecht zu werden. Bei manchen Gurten wird kaum Druck seitlich verteilt. Wichtig ist außer der Form im Brustbereich, wie die Verarbeitung und Form rund um den Schnallenbereich bei Kurzgurten gestaltet ist. Manche Modelle sind hier unter den Schnallen vom Materialschnitt her stark verbreitert, was nur bei Pferden funktioniert, die an dieser kritischen Stelle ihres Körpers genug Platz haben. Das ist nicht immer gegeben. Inwiefern die Ellbogenfreiheit gegeben ist, liegt sehr daran, wie der Gurt im oberen Bereich geschnitten ist.

Wie wichtig die Schnallen sind

Die Sattelgurtschnallen sind wesentlich wichtiger, als man zuerst annimmt. Sie entscheiden nämlich, wie gleichmäßig Du nachgurten kannst. Sobald es ruckelt, reagieren empfindliche Pferde. Im Test hatten wir aufwendig aussehende Schnallen mit soliden Rollen und Dornschnallen, die sich selbst schlossen ebenso wie sehr einfach aussehende Schnallen mit verlängertem Kopf. Soviel sei schon verraten: Das gleichmäßige Rollen kann man nur ausprobieren, man sieht es den Schnallen nicht an. Ich hätte mich vertan, rein vom Aussehen der Schnallen und hätte einen anderen Favoriten gehabt, als den, der sich in der Praxis als beste Wahl herausstellte.

Sattelgurtstrippen

Genauso wichtig ist die Geschmeidigkeit der Gurtstrippen. Je nachdem, wie dick, geschmeidig oder ungleichmäßig sie gearbeitet sind, ruckelt es beim Angurten oder eben nicht. Besonders deutlich wurde das bei einem der Testpferde. Es ist ein Schulpferd und hat einen Sattel aus Kunstleder. Die Gurtstrippen waren ebenso aus Kunststoff und rollten extrem ungleichmäßig ab. Es ist so kaum möglich, nachzugurten, ohne dabei zu ruckeln. Strippen lassen sich leicht vom Sattler austauschen, das lässt sich also ganz einfach verbessern.

Material des Sattelgurtes

Wie hautsympathisch der Gurt ist, ist ebenfalls ein Kriterium. Aber auch Verrutschbarkeit (oder eben nicht), wie anschmiegsam oder fest das Material ist, spielte eine Rolle. Die Pferde haben sehr schnell gespiegelt, was sie als besonders angenehm empfanden.

Ellbogenfreiheit beim gesattelten Pferd

Besonders bei Kurzgurten ist die Ellbogenfreiheit zu beachten. Die Schnallen des Gurtes liegen bei ihnen ja unterhalb des Sattelblattes. Daher muss besonders auf die Länge des Gurtes geachtet werden: Er sollte im angegurteten Zustand bis ans Sattelblatt heranreichen, so dass die Schnallen möglichst oberhalb und damit fern vom Ellbogen sind. Das Material des Gurtes spielt bei Kurz- und Langgurten eine wichtige Rolle: Es sollte nicht zu dick auftragen, damit eben der Ellbogenbereich genug Platz hat. Dabei ist auch immer zu beobachten, wie der Ellbogen in der Bewegung an den Gurt kommt oder eben nicht. Das Standbild gibt nur eine erste Information. Wir haben im Test auch die Ellbogenfreiheit besonders aufmerksam beobachtet und die Gurte so fotografiert, dass man diese erkennen kann (oder Schwachstellen sieht). Folgende Gurtbesprechungen lest Ihr diese Woche auf www.alifewithhorses.de:
  1. Stübben Equisoft Gurt (heute schon online, hier)
  2. Pferdefaible Tapestry Komfort Gurt (Dienstag online)
  3. USG Tekna Gurt (Mittwoch online)
  4. Eric le Tixerant Gurt (Donnerstag online)
  5. Mattes Gurt (Freitag online)
  6. Resümee & Vergleich (Samstag online) Viel Freude beim Lesen und ich freue mich über Rückmeldungen und Erfahrungen von Euch! Schreiben könnt Ihr mir entweder über die wehorse-Kommentarfunktion auf facebook oder direkt auf meinem Blog.
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Filmdreh bei Uta Gräf: Spannende Themen, neue Pferde und alte Stars

Es sah fast aus wie im Märchen. Die Morgensonne blitzte durch die hohen Bäume am Bachlauf und tränkte die riesige Weide dahinter in goldenes Licht. Ein kleiner Schimmel genoss die ersten Grashalme des Tages und freute sich seines Lebens. Einen Eindruck, den man von allen Pferden auf dem Gut Rothenkircherhof bekommt, den Dressurreiterin Uta Gräf zusammen mit ihrem Mann Stefan Schneider führt. Grand Prix und artgerechte Haltung schließen sich hier nicht aus. (Mehr über die Philosophie und den Hof der beiden erfährst du im Video „Dressurreiten mit Begeisterung Teil 1“).

Ein neues Pferd im Stall - und was für eins!

Das war nur der Beginn eines vielversprechenden Drehtags in dem kleinen Ort Kirchheimbolanden. Als es mit dem ersten Pferd „Sisco de Luxe“ in das Viereck ging, wurde es fast noch besser. Uta Gräf hatte uns schon berichtet, dass der Wallach „unheimlich talentiert und bemüht“ sei und sehr schnell lerne. Sie hatte nicht zu viel versprochen: Die beiden schwebten über den Platz und wir waren uns einig, dass man von den beiden noch eine Menge lernen kann (du siehst ihn mit Uta auf dem Foto unten). Ab sofort begleiten wir Sisco in seiner Entwicklung mit der Kamera und sind gespannt, was Uta noch alles aus ihm herausholen wird. Es ist eine Freude, den beiden zuzuschauen! Davon kannst du dich bald selbst überzeugen.

Was das Ganze noch interessanter macht: Sisco sieht auf den ersten Blick gar nicht wie ein Superstar aus – er ist relativ lang gebaut und könnte etwas „eckig“ wirken. Sobald Uta ihn reitet, verschwindet dieser Eindruck wie von Zauberhand. Ein erneutes Zeichen dafür, was gutes Reiten ausmachen kann!

"Rooky" macht sich manchmal noch zu eng

Das gute Reiten hilft auch bei „Rooky“, einem anderen Wallach, der seit einigen Monaten bei Uta im Stall steht. Er ist manchmal noch etwas eng in der Anlehnung und hatte sich übereifrige Wechsel angewöhnt. Sein eifriger Trab mit sehr guten Veranlagungen fällt gleich ins Auge. Uta gelang es in kurzer Zeit, mehr Zug zu ihrer Hand zu entwickeln und ihm mit ihrem Sitz und der richtigen Hilfengebung Sicherheit zu geben. Wie sie das macht und was du in solch einer Situation auf keinen Fall tun solltest, erklärt sie dir in einem der kommenden Videos – und zwar direkt vom Sattel aus. Unheimlich spannend und sicherlich hilfreich für alle Reiter, die dieses Problem auch schon einmal versucht haben, zu lösen oder sogar regelmäßig daran verzweifeln.

Wie läuft ein Drehtag ab?

Mit Uta Gräf und ihrer Freundin und Co-Autorin Friederike Heidenhof treffen wir uns meistens morgens um 9 Uhr. Uta reitet mehrere Pferde an einem Tag, die wir entweder in ihrer Entwicklung filmerisch begleiten oder mit denen wir bestimmte Themen behandeln, die zu ihrem Ausbildungsstand passen. Mittags essen wir alle gemeinsam und besprechen die weiteren Videos, die für den Tag noch auf dem Plan stehen (Manchmal schweifen wir auch ab, quatschen über Gott und die Welt, über Pferde, die uns gerade beschäftigen oder über Neuigkeiten in der Reitszene. Für einen Lacher und ein herzliches Gespräch ist bei Uta immer Zeit). Manchmal schaffen wir fünf oder sechs Pferde am Tag, manchmal auch nur drei, das geht immer nach Tagesform. Hier wird nichts erzwungen oder "schnell noch in den Zeitplan gepresst", das würde nicht unserer Überzeugung entsprechen und ist auch genau richtig so. Wir drehen Uta und die Pferde im Fluss, bei ihrer Arbeit, spielen quasi "Mäuschen" am Viereck. Keine Szene wird 50 mal gedreht, damit jedes Haar richtig liegt. Wir möchten die Entwicklung aufnehmen und die authentische, alltägliche Dressurarbeit.

Deliano, der bekannte Filmstar

Den Wallach "Deliano" begleiten wir schon eine Weile mit der Kamera, du kennst ihn bestimmt aus vorherigen Videos. Der gutmütige Rappe hat sich in seiner edlen Gestalt zu einer wahren Grand Prix-Hoffnung entwickelt. Uta hat ihm mittlerweile auch die fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung ("Einerwechsel") beigebracht und arbeitet jetzt an dessen Verfeinerung. Mal wieder eine spannende Trainingseinheit, die wir natürlich aufgenommen haben. Nach dem Dreh geht es mit "Deli" (unten auf dem Bild) noch eine kleine Runde ins Gelände. "Ich finde es eigentlich schade, wenn jemand meint, dass es etwas besonderes ist, mit einem Grand Prix-Pferd auszureiten.", verrät Uta, als sie langsam im Wald verschwindet, der nicht weit vom Hof beginnt. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Zum aktuellen Video mit Uta und Deliano kommst du hier.

Unsere alten Stars: ein fröhliches Wiedersehen

Nach dem Mittagessen durften wir - neben der sympathischen, jungen Stute „Hermine“ aus der Thüringeti (ein Ort in Thüringen, an dem Pferde wild in einer Herde aufwachsen), mit der Uta genau erklärte, wie Biegung funktioniert - alte Stars wieder treffen: Utas Erfolgspferd „Le Noir“ und den talentierten „Damon Jérôme“. Was aus den beiden Top-Pferden geworden ist, erfährst du auch demnächst in Videoform (Vorfreude ist die schönste Freude). So viel können wir aber schon verraten: Le Noir, fit wie eh und je, genießt sein Rentnerdasein mit gelegentlichen Show-Auftritten, während „DJ“ als Wallach und Herdenchef weitere Erfolge sammelt.

Zur Erinnerung an Damon Jérôme können wir dir das Video vom Seminar „Feines Reiten“ mit Christoph Hess und Uta Gräf empfehlen (Was für eine Dehnungshaltung!).

Le Noir zeigt seinen einzigartigen Charakter und sein Können vor allem in den oben erwähnten Videos „Dressurreiten mit Begeisterung“.

Die wichtigsten Gesamteindrücke zum Drehtag:

  • Täglicher, mehrstündiger Weidegang, regelmäßiges Ausreiten und druckfreies Trainieren sollten für Dressurpferde Normalität bedeuten: Hier sieht man lauter ausgeglichen und zufrieden wirkende Top-Pferde!

  • Gutes Reiten macht gesund und erlaubt den Pferden, ihr Potential zu entfalten. Das sieht man nicht nur an dem heimlichen Black Beauty „Le Noir“. Wie auch wehorse-Ausbilderin Anja Beran es so schön sagt: Die Dressur ist für das Pferd da und nicht das Pferd für die Dressur.

  • Jedes Pferd ist anders und braucht individuelles Training. Uta Gräf lässt sich auf jedes Pferd voll und ganz ein und ist unheimlich gut darin, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Es gibt kein „Jetzt muss die Piaffe aber perfekt klappen“, sondern nur ein „Ich glaube, er braucht noch Zeit, er ist noch nicht soweit, wir warten noch“ oder ein „Er lernt so schnell und ist so entspannt dabei, da können wir ruhig schon einmal einen Wechsel probieren“.

  • Freude statt Verbissenheit: Auf dem Gut Rothenkircherhof hört man immer ein Lachen. Etwas klappt nicht? Na und! Kommt vor. Spielerisch die Lektionen zu erarbeiten, sich keinen Druck zu machen und die Angebote und Talente der Pferde dankbar anzunehmen und zu fördern, anstatt sie zu überfordern, ist eine der großen Stärken von Uta Gräf – hier möchte man Pferd sein.

Fazit: Nicht nur die Morgensonne sorgt hier für ein Lächeln im Gesicht. Sicherlich gibt es auch bei Uta Gräf ab und zu weniger gute Tage und nicht alles klappt auf Anhieb. Es bleiben aber immer ihre positive Einstellung, ihr gutes Reiten und die vorbildliche Haltung der Pferde. Eben doch ein wenig wie im Märchen.


Vielen Dank an Friederike Heidenhof für das Bereitstellen der Fotos.

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#wehorsewednesday | Mitteltrab

#wehorsewednesday - heutiges Thema: Mitteltrab

Einfach auf der Diagonalen zulegen und etwas mehr treiben, dann klappt das schon mit dem Mitteltrab? So einfach ist es nicht und das ist auch nicht der Sinn der Lektion.

🔄 Oft hört man es so herum: „Mein Pferd und ich möchten jetzt Mitteltrab lernen, was müssen wir dafür tun?“. Doch eigentlich sind die Lektionen ja für das Pferd erschaffen worden, zur Gymnastizierung, zur Kräftigung, zur Überprüfung des Ausbildungsstandes.

💡 Man lernt also nicht „die drei Sachen“ und dann kann man es, sondern die Lektion ergibt sich aus der vorherigen Ausbildung und entwickelt sich nach und nach. So prüft der Mitteltrab zum Beispiel die Durchlässigkeit des Pferdes und die Einwirkung des Reiters, er gymnastiziert das Pferd, kann als Entspannungslektion dienen und stärkt die Hinterhand (vor allem beim Wechsel zwischen Mitteltrab und Arbeitstrab oder versammeltem Trab).

Eine wichtige Regel von wehorse-Trainerin Dr. Britta Schöffmann: Passe deinen Mitteltrab an dein Können und das deines Pferdes an! Viele Reiter wollen zu viel, weniger ist mehr. Ein „Zu-viel-wollen“ kann schnell zu Übereiltheit, einem Fallen auf die Vorhand oder sogenanntem „Strampeln“ führen und damit erreichst du genau das Gegenteil eines fördernden und korrekten Mitteltrabs.

 Wie soll er sein?

➡️ Trabverstärkung bei gleichbleibendem und gleichmäßigem Zweitakt
➡️
 Das Pferd sollte mit aktiver Hinterhand unter den Schwerpunkt treten, den Rücken wölben und sanft an die Hand des Reiters herantreten
➡️
 Daraus ergeben sich Schwung und raumgreifende Tritte
➡️
 Das Genick bleibt der höchste Punkt
➡️
 Das Pferd geht an oder leicht vor der Senkrechten

▶️
 Einen korrekten Mitteltrab kannst du dir sehr gut in folgenden Videos von Dressurlegende Dr. Reiner Klimke anschauen: Die Dressurausbildung Teil 4 (ab Minute 09:00):
🎥 https://www.wehorse.com/…/die-dressurausbildung-teil-4-die-…

Die Dressurausbildung Teil 7 (ab Minute 04:05):
🎥 https://www.wehorse.com/…/die-dressurausbildung-teil-7-das-…

Die Dressurausbildung Teil 8 (ab Minute 07:08):
🎥 https://www.wehorse.com/…/die-dressurausbildung-teil-8-vorb…

⁉️ Wie entwickelt man den Mitteltrab nun selbst?

Für einen guten Mitteltrab sollte dein Pferd eine stete und reelle Anlehnung entwickelt haben, relativ ausbalanciert sein und Schub- und Tragkraft entwickeln können. Es sollte fein auf deine Schenkelhilfe reagieren und du solltest seine Hinterhand aktivieren und fleißiger machen können.

▶️ In diesen beiden Videos zeigt Olympiasiegerin Ingrid Klimke dir in unterschiedlichen Ausbildungsniveaus, mit welchen Übungen sie genau diese Voraussetzungen überprüft, trainiert und verfeinert:

Anlehnung und Durchlässigkeit verbessern:
🎥 https://www.wehorse.com/…/anlehnung-und-durchlaessigkeit-ve…

Königssee Folge 6 (von Beginn an, besonders ab Minute 07:12):
🎥 https://www.wehorse.com/…/koenigssee-folge-6-lektionen-auf-…

Bereitest du den Mitteltrab im Viereck vor, gibst du halbe Paraden und nimmst dein Pferd zum Beispiel in der Ecke davor etwas auf und aktivierst die Hinterbeine. Entgegen dem ersten Gedanken, den man haben könnte, das Pferd „loslaufen zu lassen“, denkst du auch während des Mitteltrabs an Versammlung und federst jeden Tritt ganz leicht mit Kreuz und Hand fein ab, du „schmeißt also nicht einfach alles weg“. Für das Zurückkommen brauchst du fast noch mehr Energie, du nimmst also keinesfalls einfach nur vorne auf. Die Schubkraft muss sich wieder in Tragkraft umwandeln und die Hinterhand bleibt aktiv.

▶️ Wie du den Mitteltrab in dieser Art in dein Training einbauen kannst, was du beachten musst und wie der Wechsel zwischen Arbeits- oder versammeltem Trab und Mitteltrab funktioniert, kannst du sehr gut in diesem Video mit Uta Gräf sehen (vor allem Minute 02:00 bis Minute 05:10):

Trabarbeit und halbe Tritte vorbereiten:
🎥 https://www.wehorse.com/…/trabarbeit-und-halbe-tritte-vorbe…

Weitere Informationen zum richtigen Reiten des Mitteltrabs findest du unter anderem auch im Buch von Dr. Britta Schöffmann: „Lektionen richtig reiten“.

Viel Spaß beim Üben und Weiterbilden!

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