Horsemanship: Erste Schritte zur Freiarbeit

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Eine gute Freiheitsdressur sieht oft so unerreichbar aus: Wenn zum Beispiel Lisa Röckener ihren Valoo ruft und er auf sie zugaloppiert kommt, wenn er sie im Galopp umkreist und kein Strick, kein Zaum dabei ist.

Wichtig: Der Gesichtsausdruck des Pferdes bei der Freiheitsdressur

Ihr Pferd hat zudem eine entspannte Mimik, er sieht nicht automatisiert oder gezwungen aus, das gefällt mir daran besonders gut. Was man nicht von allen Freiheitsdressur-Pferden, die man so auf Shows sieht, sagen kann. Wer ist Lisa? Eine junge Trainerin und Reiterin, die mir als erstes durch die Zusammenarbeit mit Alizée Froment auffiel. Dann sah ich was sie alles sonst noch so macht - in allen drei Disziplinen reiten, auch auf Turnieren, und schöne Showbilder auf Halsring und in der Freiarbeit zeigen. Dass sie beides zum Teil mit den gleichen Pferden macht, gefällt mir sehr gut, denn es zeigt, dass gute Ausbildung viele Gesichter hat. Warum mich das so interessiert? Ich bin von den Wurzeln her ein stink normaler Reiter, der in der FN-Schule groß geworden ist und irgendwann dank eines Pferdes, das mental ausstieg, viele alternative Wege gesucht hat (das war Fee, hier steht einiges über sie). Schon immer habe ich danach gesucht, dass das Pferd motiviert ist und genauso viel Lust auf’s Reiten hat wie ich. Oder auf eben andere Dinge, die man gemeinsam  macht. Danach suche ich immer noch, ich glaube, man kann in Richtung Motivation nicht genug lernen.

Mal ehrlich: Hat Dein Pferd Lust auf's Reiten?

Ganz ehrlich: Viele Jahre war das nicht so. Viele Momente waren da, die ich gut fand, aber ehrlich angeschaut, hat das Pferd sie eben mitgemacht oder für mich mitgemacht, aber es war kein Enthusiasmus dabei. Das habe ich erst in den letzten Jahren gelernt, Pferde so zu motivieren, dass sie begeistert sind und anbieten und Sachen zeigen wollen, Neues lernen wollen.

Geniestreich oder erlernbar?

Natürlich hat es mich immer begeistert, wenn ich eine gute Freiheitsdressur sah. Und ich glaube, das geht den meisten Reitern so. Wir wollen das Beste für’s Pferd und wir wollen sehen, dass das Pferd auch das Beste für uns gibt. Nur erschien mir das immer wie ein Geniestreich, wie etwas, das für den Normalo nicht erlernbar ist.

Horsemanship ist erlernbar, Freiheitsdressur genauso

Die gute Nachricht ist: Das ist erlernbar. Wahrscheinlich nicht für jeden in dieser Perfektion, aber doch mehr davon, als man gemeinhin denkt. Lisa Röckener war bei uns um zu unterrichten und hat mir genau das gezeigt. Wir hatten sie ja schon mal Anfang des Jahres da zu einem öffentlichen Reitkurs, diesmal war es ein Unterricht im kleinen Kreis. Mein erstes Aha-Erlebnis war, dass es wichtig ist, die Pferde auf bestimmte Wörter zu konditionieren und dass sie fähig sind, diese ganz genau zu unterschieden (das habe ich hier erklärt). Genau da haben wir weiter gemacht und Neues hinzugenommen: Rückwärtsgehen ohne Körpersprache, nur auf Stimme, zum Beispiel. Ganz besonders gut klappte es mit Ailena, sie mit dem eigenen Körper in die Volte einzuladen.

Es entsteht ein fühlbares Band zwischen Pferd und Mensch

Ich bin noch ganz, ganz am Anfang mit solchen Sachen, aber dennoch passierte es ab und an, dass ich spürte, dass sie mir folgen wird und folgt. So, als ob da ein neues Band zwischen uns ist. Das klingt kitschig, ich weiß. Aber es war einfach so, wenn auch nicht immer und nicht auf Kommando abrufbar. Es kam und ging. Das passierte immer wieder mal im Laufe des Jahres, wenn wir gemeinsam übten.

Volten mit der Körpersprache einleiten

Beim Volten gehen dreht der Mensch die Schulter in die Richtung, in die er das Pferd zur Volte einladen möchte, lockt mit der Stimme und achtet vor allem darauf, dass der Pferdekopf vor seinem Kopf bleibt. Denn ansonsten sieht man das Pferd nicht mehr und bemerkt zu spät, wenn es die Volte verlässt. Es ist übrigens überhaupt nicht schlimm, wenn das Pferd die Volte unerwünscht vergrößert oder verlässt! Wichtig ist nur, zu reagieren: Dann ist es am Anfang korrekt, es anzufassen. Ich habe Ailena dann zum Beispiel mit einem sanften Impuls am Halsring wieder in die Volte geholt und sofort wieder mit einem Lob die positive Rückmeldung gegeben, dass es hier bei mir in der Volte korrekt ist, zu bleiben. Später sollte das auch einfach per Körpersprache funktionieren, anfangs stuft man jedoch zurück.

Was gute Konzepte im Sattel und am Boden eint

Klingt logisch? Genau das macht jedes gute Konzept mit Pferden aus. Dass man denkt: „Ja klar!“ (und: warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?). Diesen Gedanken hatte ich ganz häufig bei Lisa. Es ist kleinschrittig, logisch und die Pferde sind eifrig bei der Sache, weil ihnen ermöglicht wird, zu verstehen, was wir möchten. Das kann man genauso in den Sattel mitnehmen. Auch das konnten wir bei Lisas Besuch am eigenen Leib erfahren: Wie wir später auf dem Equizügel sogar im Galopp und Trab, ohne Zaumzeug, geritten sind, habe ich Euch im Blog aufgeschrieben. Mit Beweisfotos diesmal sogar!
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