Heuwiesenritte und ein Superfood namens Brennnesseln

heuwiesenritte

Warnung: das wird ein reiner Schwärm-Text. Denn ich komme gar nicht mehr raus aus dem Bewundern, Genießen und Machen dieser Tage. Es ist Hochsommer, und in der heftigsten Regenecke dieses Landes, in der ich nämlich wohne, sind das kostbare Tage. 

Morgens, kurz nach acht Uhr, bin ich am Stall und reite mit Fee ab in den Wald. Wir treffen zwei, drei Hundebesitzer, ansonsten haben wir den Wald für uns alleine. Es ist zwar warm, aber nicht heiß, es duftet, und helles Morgenlicht an lichten Waldstellen lässt mich an jeder Ecke denken: „Und jetzt ein Foto!“. Meine Fee freut sich, prustet, wir galoppieren einen meiner Lieblingswege entlang, der wie eine Wellenbahn leicht auf- und abführt. Dann noch ein wenig im Trab zulegen und wieder einfangen, nur ein paar Tritte jeweils. Herrlich, sie passt gut auf und macht Spaß, die Fee. Dann noch abwechselnd Schenkelweichen und Traversalen, hin- und her, von einer Seite des Weges zur anderen. „Play with it!“ ist mir noch in den Ohren, Alizée Froment sagte mir das im letzten Kurs. Damals fand ich die Einladung, mit diesen Bewegungen zu spielen, noch ziemlich kühn, denn ich eierte eher auf der Mittellinie herum, als dass es nach einem leichten Spiel aussah. Hier im Gelände ist das viel einfacher, weil: das Vorwärts ist ja automatisch da. Macht der Wald. Grins.

Anderer Tag. Ich liebe den Anblick der geernteten Heuwiesen, die sind hier herum nämlich sanft geschwungen. Am allerschönsten ist ihre Weite abends zu bewundern, dann gibt es gratis dazu diese unglaublichen Himmelsfarben, die nur Spätsommerabende zu Stande bringen. Wegen der Nässe in diesem Jahr ist unsagbar spät Heu gemacht worden, und daher gab’s Heuwiesenritte bei uns, als andere schon fast auf’s Stoppelfeld gingen. Außerdem mussten wir langsam tun, denn stellenweise war der Boden immer noch nicht durchgetrocknet (und wer sich jetzt fragt, wie man da vernünftiges Heu für den Winter bekommt, der stellt genau die richtige Frage.) Der Ritt auf der Heuwiese war dennoch schön. Weite, mal langsamer als sonst genossen.

Tagsüber, wenn das Kind mit dem Pony tüdelt, halte ich mal den Wasserschlauch auf mein Pferd. Beine kühlen. Mehr machen wir tagsüber nicht bei 30 Grad plus. Ganz anders war das in dem Jahr, in dem mein Pferd zuletzt tragend war. Da reichte der Wasserschlauch nicht mehr aus. Sie hatte dicke Beine, als sie in genau so einer Hitzewelle hochträchtig war. Der Tipp meines Tierarztes: Brennnesseln trocknen und füttern. Ich weiß ja, das Phytotherapie, Kräuter und Heilpflanzen was können, aber ich hätte nie für möglich gehalten, wie schnell und wie gut das half. Ein, zwei handvoll Brennesseln auf’s Futter, und die Beine waren wieder dünn. Daraufhin war mein Arbeitszimmer die ganzen Sommerwochen über der Trockenraum für diese Biester (welche Leiden Männer von Pferdefrauen durch solche Aktionen erdulden müssen, hatte ich übrigens mal hier aufgeschrieben). Irgendwann dachte ich, ach was, ist ja nicht mehr so heiß, und der Stute geht’s ja so super, kannst du weg lassen. Kurz darauf: waren die Beine wieder dick. Also wieder zugefüttert und TADAA: Beine dünn. Effizient, würde ich mal sagen. Brennnesseln sind also der absolute Tipp, wenn es darum geht, den Lymphfluss zu erleichtern. Übrigens hat die Brennnessel eine ganz hohe Nährstoffdichte: siebenmal mehr Vitamin C ist in ihr vorhanden im Vergleich zur Apfelsine, dazu mehr Kalzium als in vielen Milchprodukten. Ein echtes Superfood. Also: Grüner Smoothie mit Brennnesseln für mich, Brennnessel als Kraut oben auf ihrer Futterportion für Fee. Guter Plan.

Wenn ich abends noch mal zum Stall gehe, dann kommt’s mir momentan bei uns vor wie ein einem Pilcher-Film. Die Hochlandrinder, unsere Nachbarn, stehen bis zum Bauch im Teich, um sich abzukühlen. Am Rande ihrer Weide stehen Apfelbäume, die ihre ersten Früchte auf den Weg geschmissen haben. Kleine Kugeln, mal rot, mal grün. Am Stacheldraht der Kühe hat sich ihr rotbraunes langes Haar verfangen und bewegt sich im Wind. Es zwitschert (wie eigentlich den ganzen Tag über), und wenn ich am Stall angekommen bin, steht mit ganz viel Glück noch Pflaumenkuchen in der Küche des Reitstalls bereit. Von Annike, der Königin der Kuchen, mit Pflaumen von den Obstbäumen die rund um die Halle stehen, gebacken. Geht’s besser?