Buch: Eine Rarität neu aufgelegt – die kommentierte H.Dv.12

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Auf eine Neuauflage der Heeresdienstvorschrift von 1912 warten viele Reiter schon lange. Sie ist die Vorlage der heutigen FN Richtlinien. Nun ist sie als kommentierte Version neu erschienen, das bedeutet: mit Erläuterungen von Gerd Heuschmann und dem mittlerweile verstorbenen Kurd Albrecht von Ziegner.

Was ist die H.Dv.12?

Die H.Dv.12, die Heeresdienstvorschrift von 1912,  ist das Originalschriftstück, das die deutsche Reitlehre begründet. Daraus entstanden die Richtlinien der FN. Die Heeresdienstvorschrift erklärt die Ausbildungsschritte des Gebrauchs- und Reitpferdes, wie es die Kavallerie ausbildete. Es ist für viele Reitausbilder heutzutage noch das Standardwerk, das die sinnvolle, geduldige Ausbildung von Remonten beschreibt.

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Kommentare von Experten

Viele Jahre lang gab es die H.Dv.12 nur antiquarisch. Diese Neuauflage hat noch etwas Besonderes zu bieten: Sie enthält Kommentare von Gerd Heuschmann und Kurd Albrecht von Ziegner. 

Gerd Heuschmann ist Tierarzt mit Schwerpunkt Orthopädie, außerdem ist er bekannt für seine biomechanischen Analysen. Er hat sich vor allem mit seiner Analyse fehlerhafter Reitweisen einen Namen gemacht. Besonders populär ist sein Buch „Finger in der Wunde“, das 2006 erschien. 

Das letzte Werk von Kurd Albrecht von Ziegner

Zugleich ist dieses Buch das letzte Werk von Kurd Albrecht von Ziegner. Er ist einer der wichtigsten Vertreter der klassischen Reitkultur im deutschsprachigen Raum und in den USA, wo er viel lehrte. Kurd Albrecht von Ziegner starb 2016 kurz nach Beendigung seiner Arbeit an diesem Buch. Er ist der H.Dv.12 besonders verbunden, denn er erlebte die Umwandlung in die Richtlinien für Reiten und Fahren selbst, war er doch einer der Korrekturleser des ersten Entwurfes. 

Gesundheit für das Pferd

Im Vorwort der neuen, kommentierten H.Dv.12 betont er, wie sehr diese Reitvorschrift auf die Gesundheit von Reiter und Pferd Rücksicht nimmt, und wie wichtig die Liebe zum Pferd ist. Er zitiert einen Satz aus der Reitvorschrift: 

„Dauernden Erfolg wird sie (die Ausbildung) nur haben, wenn alle (Vorgesetzten und Untergebenen) von der Freude am Reiten und der Liebe zum Pferd beseelt sind.“  

 

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Richtig verschnallen

Die Kommentare der beiden Autoren sind in den Originaltext eingelassen. Hilfreich ist das vor allem, um die damaligen Gegebenheiten zu verstehen. Warum zum Beispiel die Geländeausbildung wichtig war oder welche Fehler beim Longieren häufig gemacht werden. Beim Longieren verweist zum Beispiel Kurd Albrecht von Ziegner auf die Position des Longenführers, Gerd Heuschmann auf die korrekte Verschnallung der Ausbinderzügel.

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Warum das Wort >Beizäumung< altmodisch ist

Interessant auch, wie Kurd Albrecht von Ziegner die in der Originalschrift verwendeten Fachwörter erläutert. So tritt er dafür ein, den Begriff der ‚Beizäumung’ nicht mehr zu nutzen: 

„Den Begriff der >Beizäumung< führen wir heute nicht mehr. Es verleitet, mit der Hand den Hals des Pferdes >heranzuziehen<, um das Pferd >zusammenzustellen<. Das ist ein total falscher Ansatz. Gemeint ist hier >An-die-Hilfen-stellen<.“ 

Filme als Extra

Gespickt ist das Buch mit Verweisen auf Video-Material. Das gehört zum Buch, jeder Leser kann zusätzlich zum Beispiel Kurd Albrecht von Ziegner dabei zuhören, wie er erklärt, warum die H.Dv.12 im Jahr 1936 aktualisiert wurde, oder welcher Zusammenhang zwischen Takt und Losgelassenheit des Pferdes besteht.

 Sehr schön: Die Zeichnungen im Buch. Es wird zum Beispiel in mehreren Bildern dargestellt, wie Remonten gehen sollen. Das Genick ist deutlich geöffnet, die Nase äußerst deutlich vor der Senkrechten.

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Tabellen zum Trainingsaufbau

Ein spannendes Detail sind auch die Originaltabellen, die den Trainingsplan eines Rekruten zeigen. Schritt, Trab und Galopp kommen abwechselnd immer mal wieder ohne Bügel darin vor. Das Springen von kleinen Hindernissen unter 0,50 Metern wird als ein Monatsziel genannt, oder auch die Galopparbeit erklärt. Es gibt jedoch auch nette Details, die aus heutiger Sicht auffallen. So ist sogar aufgelistet, welche Kleidung wann getragen wird. Da es eine militärische Vorschrift ist, sind auch Einheiten wie ‚Reiten mit Gasmaske’ aufgeführt. 

>> Ein Standartwerk, das in keiner Reiterbibliothek fehlen sollte. Für jeden, der die Wurzeln der Reitlehre in Deutschland verstehen möchte und zugleich auch Anleitungen für den Alltag und ein abwechslungsreiches Training sucht. Zudem wertig vom Äußeren her gestaltet, ein Buch, das man sicherlich oft in die Hand nehmen kann, ohne, dass man es ihm ansieht. Es ist im kosmos-Verlag soeben erschienen und kostet 29,90 Euro. Diese Rezension entstand mit Unterstützung des kosmos-Verlags. Alle Bilder sind mit freundlicher Genehmigung des Verlags dem Buch entnommen.