Abwechslungsreich longieren mit Cavaletti & Co

Es wird richtig herbstlich da draußen, ob wir wollen, oder nicht! Überlegst Du Dir auch, wie Du Deinem Pferd gerade jetzt Abwechslung im Training bieten kannst?

Über Stangen und Cavaletti zu longieren ist gymnastisch besonders wertvoll – Dein Pferd wird angeregt, eifriger abzufußen, im Idealfall schwingt die Bewegung schön durch den ganzen Körper, es geht über den Rücken und hebt den Brustkorb an.

Sinnvolle Übungsaufbauten

Nur welche Übungsaufbauten machen denn Sinn? Und wie steigt man ein? Ganz klassisch fällt wahrscheinlich jedem von uns dazu ein, im Trab über drei, vier Cavaletti zu longieren. Es gibt da aber noch mehr Varianten!

Die Adresse für gutes Cavaletti-Training ist natürlich Ingrid Klimke. Ein Mal in der Woche gehen alle ihre Pferde an der Longe über Cavaletti – sie hat das fest in den Trainingsplan integriert. Tipps aus ihrem Stall und Grafiken aus ihrem Cavaletti-Booklet findest Du in diesem Artikel ebenso wie ganz andere Ansätze von Springausbilderin Eva Deimel und Varianten der Dressurausbilderin Claudia Butry. Sie gehört zu Anja Berans empfohlenen Reitlehrern, Du findest sie demnächst auch auf wehorse.

Welche Abstände sind richtig?

Schritt-Stangen und Cavaletti sollten zwischen 0,80 bis 0,90 Meter auseinanderliegen. Dieses Maß gilt für das innere Ende, das zum Zirkel hin ausgerichtet ist. Nach außen hin sollten die Aufbauten etwas auffächern. Diese Angaben gelten für Großpferde. Trab-Stangen und Cavaletti liegen 1,20 Meter bis 1,30 Meter auseinander. Auch hier gilt, dass dies für das innere Ende gilt und sie nach außen hin auffächern. Möchtest Du im Galopp arbeiten, nutzt Du Abstände von 2 Metern innen, nach außen hin aufgefächert auf 3 Meter.

Achtung! Je nach Pferdetyp sind diese Angaben anzupassen – ein 1,55 Meter großes Pferd mit wenig Bewegung braucht natürlich kleinere Abmessungen, als ein 1,75 Meter großes Pferd mit viel Bewegung. 

Für komplette Neueinsteiger: So fängst Du an!

Dressurausbilderin Claudia Butry führt junge Pferden gern an die Cavaletti-Arbeit heran, indem sie zunächst nur Stangen und Blöcke nutzt. Sie legt die Seite je eine Stange auf einen Cavaletti-Block auf, die andere Seite der Stange bleibt auf dem Boden liegen. Welche Seite erhöht ist, wechselt sich ab, so dass immer abwechselnd rechts-links versetzt eine Stange hoch und niedrig eingestellt ist. „So müssen die Pferde unterschiedlich abfußen.“ Sie beginnt im Schritt mit zwei Stangen, wenn die Pferde das noch nicht kennen und nimmt nach einiger Zeit weitere Stangen hinzu. So lernen die Pferde erst im Schritt, gut hinzuschauen und sich zu koordinieren. Danach erst startet die tatsächliche Cavaletti-Arbeit.In diesem Film hier findest Du einen prima Einstieg in das Thema Cavaletti-Arbeit für junge Pferde - hier aus dem Sattel heraus.

Verschiedene Zirkellinien ausprobieren

Bei Ingrid Klimke lernt jedes Pferd viele Varianten der Cavaletti-Arbeit kennen. Die Pferde werden im Training immer mal wieder darüber geritten und auch beim wöchentlichen Longentraining werden die Cavaletti miteinbezogen. Schön ist es dabei, Cavaletti auf zwei Zirkellinien aufbauen zu können! So kann der Longenführer von einem Zirkel, auf dem Trab-Cavaletti aufgebaut sind, auf einen Zirkel wechseln, auf dem Schritt-Cavaletti aufgebaut sind. Gerade die Übergänge zwischen den Gangarten sind für das Ab- und Anspannen der Muskulatur sehr hilfreich, um den Trainingseffekt zu steigern.

 

Übergänge Trab-Galopp für Fortgeschrittene

Die Übergänge zwischen Trab und Galopp an der Longe übst Du am besten erst mal ohne Cavaletti. Geht das gut und geschmeidig, kannst Du zum Beispiel nach drei Trab-Cavaletti eine halbe Zirkelrunde galoppieren lassen, um dann zeitig genug vor den Trab-Cavaletti wieder durchzuparieren. Das ist schon ganz schön anspruchsvoll!

Wenn das wirklich gut sitzt, kannst Du auch auf einem Zirkel Trab- und Galoppcavaletti aufbauen. Zum Beispiel drei Trab-Cavaletti an der einen Zirkelseite und erst eins, dann zwei, dann drei Galoppcavaletti auf der gegenüberliegenden Zirkelseite. Diese Abfolge ist schon etwas für wirklich Fortgeschrittene an der Longe! Cavaletti-Aufbauten für Fortgeschrittene siehst Du auch in diesem Ingrid-Klimke-Film, sie nutzt sie im Sattel.

Höhe der Cavaletti

Wichtig ist auch, das eigene Trainingsziel zu beachten! Möchte ich erreichen, dass das Pferd mit weiten Bewegungen in Dehnungshaltung trabt? Dann wähle ich einen größeren Trabstangen-Abstand, als wenn mein Ziel heißt: Deutlicheres Abfußen bei mehr Hankenbiegung in Arbeitshaltung. Dafür müssen die Abstände kleiner sein und eine höhere Cavaletti-Höhe regt das Pferd an, die Gelenke mehr zu beugen. Für das Ziel weite Bewegungen sollte das Cavaletti eher kleiner aufgestellt werden.

Longieren am Halfter

Am Halfter longieren ist für einige Reiter ganz normal, für andere eine Todsünde. Schließlich fehlt die äußere Begrenzung, das Halfter kann sich in Richtung Auge verziehen und die Einwirkung ist eingeschränkt. Doch es gibt auch Gründe für das Longieren am Halfter. Unsere Springausbilderin Eva Deimel lässt ihre Pferde zum Beispiel gern an der Longe mit Halfter joggen. „Ich mache das für’s Gemüt meiner Pferde, das ist ein Teil der Freizeitgestaltung für sie!“ Es zählt für die Ausbilderin nicht als Training, nicht als Arbeit, sondern als Auflockerung des Alltags. Dennoch laufen sie physiologisch ordentlich an der Longe: „Die jagen da nicht im Galopp her, sondern lassen joggend den Hals fallen. Auch ohne Trense und ohne Hilfszügel!“ Longieren mit Cavaletti ist nicht so ihr Ding. Schließlich ist so etwas auch Typsache. „Ich reite meine Pferde lieber ins Gelände, reite Dressur oder mache Springgymnastik mit ihnen“, erklärt sie. „Dazu gehen sie auf den Paddock oder galoppieren im Gelände – auch Freispringen ist nicht so meins, ich springe lieber unter dem Sattel eine Reihe!“ Eva Deimel nutzt Cavaletti allerdings gern, um Reiter an das Springen heranzuführen. Wie sie das macht, kannst Du in ihrem Lehrfilm ansehen.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass alles kann und nichts muss – jeder muss für sich und seine Pferde das richtige Trainingsprogramm finden. Und Abwechslung lässt sich auf viele Arten herstellen.

Übungen für die Körperwahrnehmung

Ausbilderin Claudia Butry arbeitet ihre Pferde überwiegend auf Kappzaum an der Longe – „es kommt aber auf’s Pferd an, was das mag“. Manches ihrer Pferde wird zum Beispiel am Nasenring des Micklems longiert. Das Gebiss liegt gern mal blind darunter, ist aber nicht in die Longe eingeschnallt. Sie nutzt Cavaletti auch mal gern als Ankerpunkte und nicht, um das Pferd darüber treten zu lassen. Sie verteilt zum Beispiel vier Cavaletti an den Zirkelpunkten und longiert das Pferd dann abwechselnd auf dem Zirkel oder um die aufgestellten Cavaletti in Volten herum. Diese Aufgabe ist recht anspruchsvoll! „Das Pferd soll vor der Volte im Tempo zurückgeführt werden und kann dann auf die große Linie wieder gehen, um Schwung zu holen.“ Dabei bewegt sich der Longierende mit dem Pferd mit, steht also nicht inmitten des Zirkels. Diese Übung des Wechsels zwischen Volte und einer größeren Linie dient explizit der Verbesserung der Längsbiegung und grundsätzlich der Gymnastizierung des Pferdes.

Gelassenheitstraining an der Longe

Um die Gelassenheit zu stärken, lässt sie die Pferde auch gern im Schritt über eine Plane an der Longe schreiten. Die Plane wird mit Hütchen fixiert. „Das Pferd lernt so, sich mit Außenreizen auseinanderzusetzen“, erklärt sie, es ist also eine Art Anti-Schrecktraining. „Je nach Mut des Pferdes mache ich das im Schritt oder auch im Trab und Galopp“, erklärt die Ausbilderin. Um es den Pferden anfangs zu erleichtern, wird die Plane zunächst nur schmal ausgelegt, „so dass die Pferde mit einem Schritt darüber gehen können.“ Dann wird sie zunehmend breiter gemacht, so dass die Plane raschelt, wenn die Pferde darauf treten.

So longieren Philippe Karl, Kathrin Roida, Anja Beran und Klaus Schöneich

Du siehst – es gibt eine Menge Ideen, wie man Kopf und Körper des Pferdes an der Longe schulen kann! Wir haben übrigens ganz tolle Lehrfilme zum Thema Longieren. Du kannst Dir sehr unterschiedliche Ansätze angucken, zum Beispiel wie Philippe Karl oder Anja Beran vorgehen, oder wie die Schiefen-Therapie von Klaus Schöneich das Longieren einsetzt, oder aber wie Kathrin Roida es nutzt.

Viel Spaß beim Entdecken! 

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