Buch: Der Hannoveraner

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Wer hätte gedacht, dass es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Diskussionen darüber gab, wie viel Blutanteil der Rasse Hannoveraner gut täte? Oder, dass dem Hannoveraner zwischen den beiden Weltkriegen, der damals einen hohen Prozentanteil von Vollblutanteil führte, mehr Stärke zugefügt werden sollte?

Der imposante Band „Hannoveraner – Zucht und Entwicklung der weltweit gefragten Pferde“ erklärt genau solche Dinge. Mit diesem 400-Seiten starkem Buch ist ein umfangreiches Standardwerk geschaffen. Das einerseits einen Überblick über die Zuchtgeschichte des Pferdes schafft, andererseits aber auch von interessanten Details erzählt und diese zeigt. Die eine Hälfte des Buches beschäftigt sich mit der Historie, die andere mit der Gegenwart des Verbandes und der Zucht.

Zum Beispiel sind Original-Deckscheine aus den Anfängen der schriftlichen Aufzeichnungen abgebildet. Zum Schmunzeln: 1923 betrug der Mitgliedsbeitrag beim Verband pro Stute ein Pfund Hafer. Auf einer ganzen Seite wird der Hippologe Gustav Rau mit seinen kritischen Äußerungen zum damaligen Anpaarungsgeschehen zitiert. Denn durchaus gab es damals Versuche, wieder Kaltblüter in die Hannoveraner Zucht einzuführen, um dem Pferd mehr Substanz zu geben – etwas, wogegen sich Gustav Rau absolut aussprach.

Die Zucht des Hannoveraners war zu Ende des 19. Jahrhunderts und Beginn des 20. Jahrhunderts durchaus politischen Schwankungen unterworfen. Mal stand ein wendiges Militärpferd im Fokus, dann wieder ein Pferd, das den Menschen auf dem Lande den Acker bestellen konnte. Parallel dazu gab es immer wieder das Bedürfnis nach Reit- und Sportpferden.

Besonders wertvoll ist sicherlich, dass im Buch Stammstuten der Hannoveraner Zucht abgebildet sind und ihre Leistungen schriftlich eingeordnet werden. Die Anfänge der Hannoveraner Zucht sind schon im 17. Jahrhundert begründet.

Manch Name aktueller Hengste klärt sich – so wird zum Beispiel von den Brüdern von Spörcken erzählt, die eine wichtige Ära in der hannoverschen Pferdezucht als Landstallmeister leiteten. Von 1816 bis 1866 waren sie nacheinander jeweils in dieser Stellung tätig. 

„Die Brüder v. Spörcken galten pferdezüchterisch als ausgezeichnete Kenner und Könner, womit die reichtunggebende Grundlage für die Entstehung des Hannoveransers gelegt wurde. August Freiherr von Spörcken setzte die starke Erhöhung des Hengstbestandes kontinuierlich fort. (..) Im Herbst 1818 war der etatmäßige Bestand von 100 Hengsten erreicht. Daneben wurden jährlich noch 60 Marstallhengste auf den Stationen eingesetzt. Es wurden klare Anweisungen für den Dienst auf Deckstellen erarbeitet.“ 

So heißt es im Buch, und klar ist spätestens jetzt, wem der aktuelle Hengst Spörcken (Landgestüt Celle, v. Sir Donnerhall – Lauries Crusador xx - Weltmeyer, geb. 2008) seinen Namen zu verdanken hat.

Prägende Vererber, die sich heute in den hinteren Reihen der Papiere vieler Pferde finden, sind zu sehen. Exemplare, von denen Fotografien eher ungekannt sind, wie zum Beispiel Flügeladjutant, geb. 1938; oder auch Vertreter wie Gotthard, geb. 1978, dessen Aussehen wohl vielen im Gedächtnis ist.

Imposant auch die Fotografien prägender Veredlerhengste wie Der Löwe xx, Lugano I, Pik As xx oder dem typstarken Cardinal xx. Die Umzüchtungsperiode hin zum edleren Warmblut in den 1960er Jahren wird anhand der hier eingesetzten Vollbluthengste beschrieben. Auch Hengste, die im Vergleich zu einem Prince Thatch xx eher den Status eines Geheimtipps hatten, wie Sunlight xx werden hier besprochen. Kaum einer dieser Hengste jedoch hinterliess solch einen Einfluss wie Lauries Crusador xx, weshalb dieser auch mitsamt seiner Kinder ausführlich besprochen wird.

Ein weiteres Beispiel für ein interessantes Detail: wie modern der Halbblüter Dreiklang v. Dreikampf xx aussah, der in den 50er Jahren mit 22.500 Euro das teuerste Verdener Aktionspferd war.

Natürlich wird aktuellen Vererbern ebenso Platz gewidmet. Schön auch hier die Fotoauswahl, denn es sind viele Fotos im Buch enthalten, die selten zu sehen sind. Grundsätzlich sind nur wenige großformatige Bilder zu sehen, es wird mehr Wert auf Information und viele kleinere Fotos gelegt, was eher einem Lexika-Charakter entspricht als einem Bildband. Schön zum Beispiel das Siegerbild von Hotline (siehe oben). Insgesamt ein Buch zum Stöbern und informieren, dass der Leser sicherlich immer wieder mal zu rate ziehen wird.

>> Für Zuchtliebhaber und Freunde des Hannoveraner Pferdes. „Der Hannoveraner - Zucht und Entwicklung der weltweit gefragten Pferde“ , diverse Autoren. Das Buch ist im fn Verlag erschienen und kostet 49,90 Euro. Diese Rezension entstand mit Unterstützung des fn Verlags. Alle Fotos dankend dem besprochenen Band entnommen.