10 Sitz-Übungen, die Du heute noch umsetzen kannst

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"Ja, eigentlich und überhaupt und irgendwann müsste ich noch mal was tun an meinem Sitz!" - wer kennt solche Gedanken nicht? Einfach anfangen hilft da sehr. Wir haben die besten Sitzübungen, die jeder schon beim nächsten Besuch beim Pferd testen kann, zusammengestellt. Viel Erfolg!

1. Für diese Übung braucht ihr freie Hände. Entweder, jemand nimmt Euch dabei an die Longe, oder Ihr habt ein braves Pferd und keine Mitreiter, verknotet die Zügel und reitet einfach so ganze Bahn. Ihr trabt leicht und hebt dann die Hände wie beim Jonglieren an. Auf und nieder, wechselseitig. Die Hände haltet ihr flach, Finger beieinander, die Handflächen zeigen dabei nach oben. Diese Übung schult Rhythmus, Koordination, Zügelunabhängigkeit und Stabilität des Oberkörpers. Profis wie Uta Gräf machen das genauso wie Reitschüler. Hier im Film seht ihr eine trockene Variante ohne Bälle, und außerdem die schwierigere Version mit Bällen ab Minute Drei. Damit diese nicht Fallen, werden sie in Socken gesteckt und mit einer Schnur verbunden. Die legt Ihr Euch locker um den Nacken, so dass die Bälle bei Euch bleiben. Tastet Euch voran – erst nur minimal hochwerfen, dann ein wenig mehr.  

2. Sehr simpel, effektiv und das bekommt niemand mit: Dreht Euren Kopf bewusst in alle Richtungen. Schaut Euch in der Halle um. Hebt das Kinn dabei bewusst an.

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3. Stellt Eure Steigbügel mehrmals neu ein während einer Reiteinheit. Wer die Steigbügellänge variiert, trägt viel zu einem dynamischen Sitz bei. Grundsätzlich gilt:  Zu lange Bügel blockieren die Hüfte, bringen in den Spaltsitz, zu kurze bringen den Reiter in den Stuhlsitz.

4. Das fällt auch unter die Kategorie: Bekommt keiner mit, hilft aber sehr! Atmet bewusst aus, denn das lässt tiefer sitzen, erklärt Marlies Fischer-Zillinger in ihrem Lehrfilm „Die Körpersprache des Reiters“. Mit der richtigen Atemtechnik kann der Reiter seine positive Körperspannung verbessern und sogar das Tempo bestimmen. Diese Übung hilft dabei, dies zu erlernen: Die Lippen locker aufeinander legen. Beim Ausatmen die Luft zwischen diese locker liegenden Lippen pusten. Lippen dabei nicht zum Kussmund verziehen! Darauf achten, dass im Rumpf die Spannung erhalten bleibt. Um das besser fühlen zu können, hilft auch ein Theraband, das um Bauch und Rücken gewickelt ist. Im Film hat es die Ausbilderin noch mit Bandagierkissen unterlegt, um den Druck flächiger zu bekommen.

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5. Nochmal Ausatmen üben: Nutzt die Ausatem-Luft um Zahlen zu sprechen. Und zwar nicht sanft, sondern zackig, damit die Körperspannung stimmt. Ihr fangt bei den zwölf an, also „Zwölf-Dreizehn-Vierzehn“ und so weiter. Wie das genau wirkt, wird hier im Film genau erklärt ab Minute elf. 

6. Diese Übung hilft, die Beweglichkeit des Beckens zu schulen und gleichzeitig den Rumpf stabil zu halten. Ihr reitet dabei einhändig. Den freien Arm streckt ihr nach oben, so dass die Fingerspitzen an die Hallendecke oder den Himmel zeigen. Dadurch wird der Bewegungsablauf zwischen Brustkorb und Becken etwas getrennter voneinander. Der Brustkorb bleibt stabil, das Becken kann los gelöster arbeiten. Geht im Schritt, Trab, Galopp. Die ganz genaue Erklärung zu dieser Übung findet Ihr in der pferdiathek bei Marlies Fischer-Zillinger.

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7. Du trabst leicht und legst vorher die Gerte quer über die Zügelfäuste. Sie liegt jetzt waagerecht vor Dir. Den Daumen legst Du oben auf, so dass sie nicht so schnell wegrutschen kann. Ist das schwierig? Oder gar nicht? Du siehst so sehr gut, ob Deine Hände schon komplett unabhängig von der Aufstehbewegung sind.

8. Geh’ auf den Zirkel im Trab. Eine halbe Zirkellänge trabst Du leicht, die andere halbe Zirkellänge gehst Du in den leichten Sitz. Immer abwechselnd. Konzentriere Dich auf Deine Knie: wie locker bewegen sich die Gelenke im Leichttraben mit? Wie gut liegen sie am Pferd an? Durch die ständige Bewegungsveränderung kannst Du Dich einerseits gut selbst beobachten und kontrollieren, und andererseits Deinen Sitz in diesem Punkt verbessern. (9.40). 

9. Um im Pferd sitzen zu können, braucht der Reiter durchlässige Gelenke, die die Bewegung des Pferdes gut aufnehmen. Doch oft nehmen wir unseren Körper nicht gut wahr, und wissen daher gar nicht so genau, ob ein Gelenk locker und durchlässig ist oder nicht. Diese Übung von Marlies Fischer-Zillinger schult die Selbstwahrnehmung und verbessert die Beweglichkeit: Zunächst bewusst die Ferse nach unten drücken. So soll es nicht sein – denn auch wenn das „Absatz tief“ damit erfüllt scheint, blockiert der Reiter so all seine Gelenke. Dann bewusst die Ferse ein kleines bisschen weniger durchdrücken, also etwas weiter nach oben nehmen und von dort aus mit federn, auch in Knie und Hüfte. Erst im Schritt testen, dann im Trab. Hier stets zwischen fest durchdrücken und leicht anheben und mitfedern wechseln!

10. Tipp für das Sofa: Wer Schwierigkeiten hat, in den Seitengängen gut zu sitzen (zu viel treiben ohne Effekt, verdreht, müßig), der sollte unbedingt diesen Film ansehen! Marlies Fischer-Zillinger zeigt ganz genau, wo der Reiter sitzen muss und wie er die Qualität seiner Seitengänge durch den Sitz verbessert. Sie arbeitet dabei mit Übungen ohne Pferd und auf dem Pferd. Sehr gut erklärt, vielfältige Übungen (die aber hier den Rahmen sprengen): absolute Empfehlung!

Viel Freude und Erfolg beim Üben!