Das erste Date: Fünf Reitlehrer und der Dressurreitsimulator

Dressurreiten-auf-einem-Simulator

Fünf Reitlehrer und das automatische Pferd – so sah’s aus! Wir haben uns alle gemeinsam auf den Weg gemacht, dieses Ding zu testen. Auf der vorherigen Equitana, 2015, tauchten die ersten Reitsimulatoren in Deutschland auf, und kurz darauf kaufte Anja Schade einen. Der steht nun in der Nähe von Frankfurt und man kann ihn für einen Ritt mieten. Das schwarze Pferd ist ausgestattet mit einer Menge Sensoren, die die Zügel-, Schenkel- und Gewichtshilfen des Reiters messen. Zudem ist es richtig gut ausgebildet: Black Beauty geht alle möglichen Lektionen bis hin zu den Einerwechseln. 

Wir haben ihn zu fünft besucht. Das Besondere: Jeder von uns hat eine Trainer- oder Reitlehrerausbildung. Vom Trainer C über den Übungsleiter VFD und den Trainer B bis zur Pferdewirtin war an Qualifikationen alles dabei. Der schwarze Plastikhengst wurde also fachmännisch ausprobiert. 

Was an Black Beauty anders ist

Der Reitsimulator steht in einem Ladengeschäft. Uns empfängt in Hessen also kein Stallgeruch, dafür aber Milchkaffee und Cappucinoduft – sehr gut! Anja Schade gehört der Simulator, und sie erzählt uns, was an ihm anders ist, als an leibhaftigen Pferden. So einige Probleme des Reiterlebens gibt es bei Black Beauty nicht:  „Ihr reitet geradegerichtet auf der Stelle!“, erzählt seine Besitzerin. Es gibt bei diesem Pferd keine natürliche Schiefe, keine Koordinations- oder Konditionsprobleme.  Sie erzählt, in welchen Fällen er besonders gut hilft. So hätte ein Kunde ein großes Erfolgserlebnis bei der Hilfe zu den Einerwechseln gehabt: Der Dressurreiter habe die Hilfen zuvor immer zu langsam, zeitverzögert, gegeben, und habe daher den Sprung hin zu den Einerwechseln mit seinem lebendigen Pferd nicht hinbekommen. Nach wenigen Übungsstunden auf Black Beauty konnte er es. Das ist ein Vorteil am Simulator: Man kann nicht nur mal eine lange Seite lang üben, sondern quasi endlos, solange der Reiter fit ist. Bis es schließlich klappt.

Ohne Nickbewegung, mit viel Raumgriff

Philippa testet das Pferd zuerst. Ein grüner Kreis auf dem Monitor stellt ihre Sitzfläche dar. Kleine Punkte zeigen Gewichsverlagerungen an. „Du kannst jetzt zum Beispiel sehen, was es ausmacht, wenn Du mal den rechten, mal den linken Gesäßmuskel anspannst“, erklärt Anja Schade, „Das siehst Du bei keinem Pferd!“

Black Beauty fühlt sich schon anders an, als ein normales Pferd. „Der Schritt wackelt ganz schön“, sagt Philippa, „das würde man von außen nicht vermuten!“ Der Simulator zeigt keine Nickbewegung. Ansonsten vermittelt er dem Reiter große Bewegungen. Der Schwarze hat zwar nur 1,58 Stockmass, erklärt seine Besitzerin Anja Schade, aber große Bewegungen wie ein 1,80er Pferd. „Das ist ungewohnt für mich“, sagt Philippa, „ich reite überwiegend kleinere Gangpferde.“

Jeder von uns kommt für eine Sitzanalyse aufs Pferd. Anja Schade steuert per Knopfdruck Schritt, Trab, Galopp an, damit man sich einfühlen kann. Das kann der Reiter auch selbst erzeugen, durch ganz normale Hilfengebung, aber hier soll es im ersten Schritt darum gehen, einfach zu messen, wie der Reiter beim ganz normalen Sitzen einwirkt. 

Dafür ist der Monitor so eingestellt, dass der Reiter während des Reitens seine Analyse nicht sieht.  Black Beauty lässt sich gut sitzen, er hat eine richtig schöne Bergaufgaloppade. Danach sehe ich in Diagrammen, wie ich zum Beispiel im Sattel mein Gewicht verteilt habe. Im Galopp ist bei mir deutlich zu sehen, dass ich den hinteren Sattelteil mehr belaste als es gut wäre. Um festzustellen, warum das so ist, schaltet Anja Schade die Kameraansicht auf dem Monitor ein. Denn rings um Pferd und Reiter sind Kameras installiert, so dass man sich selbst von allen Seiten betrachten kann. Das ist sehr aufschlussreich – denn es macht schon einen Unterschied, ob man nur in Reithallenspiegel blicken kann, oder sich tatsächlich auch mal selbst von hinten beim Reiten sieht.  Der Monitor kann alle vier Kameraansichten nebeneinander anzeigen, – von vorn, hinten und beiden Seiten . So kann der Reiter sich selbst sehen, analysieren und vor allem sein Reitgefühl mit dem Bild in der Realität überein bringen.

Zweite Etappe: Unterricht auf dem elektrischen Pferd

Nachmittags kommt eine externe Ausbilderin noch dazu: Ljudmila Schmid unterrichtet Centered Riding, wendet die Alexandertechnik an und ist auch Dressurausbilderin. Denn nachdem wir unsere Baustellen selbst sehen konnten, will sie uns jetzt helfen, diese zu verändern. Wir starten aber nicht auf dem Pferd, sondern mit Alexandertechnik-Übungen im Stehen und auf Stühlen. 

Auf dem Pferd übt sie mit mir, den Oberkörper besser zu stabilisieren, zum Beispiel soll ich den Bauchnabel in Richtung der Wirbelsäule ziehen und den Brustkorb anheben, „wie beim Luftholen!“ Ich werde stabiler, und kann auch im Galopp besser darauf achten, die Sitzbeinhöcker lotrecht zu halten. 

Fazit der Reitlehrer

In unserer Gruppe hätten zwei Reitlehrer als Note ein Sehr Gut verteilt, zwei ein Gut und eine ein Befriedigend. Die sehr guten Noten gab es zum Beispiel für eine Einheit, in der es um die Galopparbeit ging, und einer, bei der es ums Aussitzen ging. Besonders positiv fiel auf, dass man auf einem unechten Pferd eben ewig weiterüben kann: Es wird nicht müde oder verlangt nach Abwechslung. Die guten Noten gab es für die tolle Überprüfung des eigenen Sitzes durch die Videokameras, kombiniert mit der Kraftmessung durch den Simulator: Es ist eine super schöne Möglichkeit, sich selbst zu korrigieren und den Ist-Zustand festzustellen. Viele waren sich einig, dass die zusätzliche Trainingseinheit mit der Centred-Riding-Trainerin noch mal einen guten Impuls hinzugefügt hat. Doch da es auch ein bisschen Glückssache ist, ob die Chemie zwischen einem fremden Reitlehrer und dem neuen Schüler passt, sind hier die Beurteilungen unterschiedlich, und es gab auch eine nicht so ganz zufriedene Schülerin. Alle fanden es bereichernd, den Sitz mit dieser Analyse zu überprüfen und einen Ausflugs-Tag mit diesem Thema miteinander zu verbringen.

Meinerseits kann ich sagen: das war eine gute Erfahrung. Gerne hätte ich noch etwas drangehangen - denn tatsächlich verpufft so eine einzelne Einheit ganz schön schnell. Damit sich langfristig etwas ändert, braucht es mehr Wiederholung. Gut funktioniert es bestimmt, mehrere Einheiten an aufeinanderfolgenden Tagen zu machen oder sogar den eigenen Trainer mitzunehmen, der den Reiter eben auch auf dem echten Pferd daheim kennt. Allerdings muss der sich mit diesen speziellen Simulatoren auskennen, damit so eine Kooperation funktioniert. 

Gewinnspiel

Ihr könnt einen Ritt auf dem Dressurreitsimulator für Euch und eine Freundin oder einen Freund gewinnen. Schaut einfach bei www.alifewithhorses.de vorbei und hinterlasst einen Kommentar im Dressursimulator-Beitrag dort, wenn Ihr mitmachen möchtet!