Zuchtschätze – über einen Geheimtipp-Vollblüter, der einen Fanclub besitzt

Zucht-der-Vollblüter

Gerade hat der Postbote geklingelt und mir ein Päckchen gebracht. Darin: Das Buch „Adel verpflichtet“, ein altes Schätzchen, dass ich antiquarisch gekauft habe. Claus Schridde ist der Autor, der Mensch, der Abstammungen ohne Ende auswendig kennt. In dem Buch geht es um Anglo Araber und Vollblüter, die in Deutschland eingesetzt wurden.

Ein altes Schätzchen

Die Seiten riechen nach altem Papier, und es sind ganz viele Schwarz-Weiß-Aufnahmen darin. Manche Hengste sehen erstaunlich modern aus; der kleine Matcho x zum Beispiel, und der edle Rubicon xx. Sofort habe ich Sachen darin gelernt, die ich noch nicht wusste. Wie wertvoll das Blut von Ramzes x ist, wird ja häufig betont, auch heute noch ziehen manche auf diesen. Doch dass er auch gerade mal 1,60 maß, wusste ich nicht, auch wenn es für einen Blüter und dazu noch in diesem Jahrzehnt, ja gar nichts Ungewöhnliches ist. Auch, dass er in Polen gezogen war, war mir total neu. 

Zuchtwelten, ich liebe sie! Schnell kreuzt dieses alte Wissen die Realität: Letztens habe ich mich bei einem Abendessen noch über die Reitponyzucht unterhalten, und freute mich, dass jemand noch mal den bewährten Nemax anpaarte. Diese Sache mit den Vollblütern, die läuft mir übrigens auch bei meiner Arbeit für pferdia tv häufiger über den Weg. Heute machen die Vogels, so heißt die Inhaberfamilie, Filme. Doch eigentlich sind das Reiter- und Züchterleute: Er hat für Hans Joachim Köhler gearbeitet, sie ist Züchtertochter. Und daher von Hause aus Blüterfan. Von einem sind sie ganz besonders angetan, von Sunlight xx. Der ist Vater zum Beispiel der Vielseitigkeitspferde So is et (Andreas Ostholt) und Lennox (Michael Jung) – und dabei immer irgendwie ein Geheimtipp geblieben.  

Zucht-Vollblüter
Vollbluthengst-Sunlight

Schon die Silhouette überzeugte

Der Hengst ist für sie ein Stück Familiengeschichte. Ihn entdeckte nämlich Inge Vogels Vater Heinrich Clüver. Der passionierte Züchter sollte vor vielen Jahren, im Kundenauftrag, einen guten Vollblüter finden. Er sah den jungen Sunlight xx als Jährling auf der Weide, 1987 war das. Nur aufgrund der Silhouette des Pferdes sagte er: „Das wäre auch einer für die Warmblutzucht!“, so erinnert das Inge Vogel. Seine Kunden kauften ihn, Sunlight lief einige Jahre Rennen, und dann, als klar wurde: für die Rennbahn ist nicht mehr drin, stellte Heinrich Clüver den Hengst dem Landstallmeister in Celle und Uwe Heckmann vor. Das war der Ritterschlag – denn Sunlight xx wurde nach seiner HLP für die Warmblutzucht anerkannt. Der Hengst deckte die meisten Jahre im Natursprung, und inmitten des Hochzuchtgebiets mit viel Konkurrenz um ihn herum. Dennoch schaffte er es, sich einen Ruf als Geheimtipp zu etablieren.

Der Sunlight-xx-Club

„Sunlight xx vererbte stets seine Schönheit, einen so einen guten Charakter und so eine gute Rittigkeit!“ sagt Inge Vogel. Elf gekörte Hengste hat er hinterlassen, Silberschmied und San Ciro sind zwei bekanntere. Mit einer Idee der Vogels, die beraten und die Parteien zusammenführen, wurde übrigens mit einer befreundeten Züchterin Silvia Streiff-Frech und Uta Gräf ein Sunlight-xx-Club gegründet. Silvie Streiff züchtet mit zwei Sunlight Stuten, zieht die Jungpferde auf und Uta Gräf verhilft zur guten Ausbildung. Aus diesem Programm stammt zum Beispiel Lenny. Und Siggi, das Privatpferd der Vogels, der öfter mal in Filmen auftaucht, zum Beispiel hier bei Nina Steigerwald, ist übrigens auch ein Sunlight-xx-Sohn.

Büro-Lieblingsthema: Der Blüter, der Dressurpferde wie Buschis macht

Manchmal klingelt  im Büro von pferdia das Telefon, und jemand möchte sich einfach kurz melden, und von seinem Sunlight-Kind erzählen, weil zu Ohren gekommen ist, das hier Sunlight-Fans wohnen. Manchmal sind das Dressurausbilder, und öfters noch Buschreiter. Dann geht da im Büro jemandem das Herz auf. Schön, oder? 

P.S.: Wo wir eben noch bei der kleinen Welt und den Begegnungen im Leben waren – in dem antiquarischen Buch ist ja auch von Matcho x zu lesen. Der hatte übrigens auch einen kleinen, feinen Anteil in der Reitponyzucht. Das steht zwar nicht in dem Buch, es geht ja da um die Warmblüter, aber ich weiß es aus erster Hand: Meine erste eigene gute Reitponystute, inzwischen verstorben, war übrigens auch von Matcho x –Blut geprägt. Diese Stute schaffte es dank  der hervorragenden Förderung der Familie, an die ich sie irgendwann verkaufte, dass sie bis  M ausgebildet war und im Kadertraining lief. Lange her. Geblieben ist der gute Kontakt zu dieser Familie. Letztes Jahr habe ich mir die Tochter der Stute auf der Elitestutenschau angesehen – ein wunderschönes Modell. Dieses Wochenende ist die ganze Familie übrigens beim Bundesjugendzüchter-Wettbewerb zugange. Schon seit Tagen bauen sie die Anlage in Wickrath um, damit da tagsüber geprüft und nachts gefeiert werden kann. Aus ganz Deutschland reisen Jugendliche und junge Erwachsene an, um da mit zumachen. Geht also durch alle Generationen, die Zuchtliebe.