Gebisslose Zäumungen – Hackamore, Sidepull, Bosal & Co

Was ist ein Sidepull?

Ein Sidepull ist die vielleicht sanfteste gebisslose Zäumung. Es verläuft wie ein Halfter um den Pferdekopf, doch der Nasenriemen hat bei den meisten Modellen nochmal eine kurze Querverbindung zu den Backenstücken, so dass es noch besser sitzt. Ein Sidepull ist niemals so locker wie ein Halfter, sondern kann die Zügeleinwirkung genauer übermitteln. Sidepulls gibt es in diversen Ausführungen, und wie scharf oder weich das Sidepull ist, hat viel mit der Ausstattung des Nasenriemens zu tun. Eine Variante namens Equitrense Sidepull in braun-oliv ist unten auf dem Foto zu sehen, das Alizée Froment mit Mistral zeigt (Foto: Equiteam). Prinzipiell wirkt der Zügelzug beim Sidepull weich auf die Nase, ohne dass es eine Hebelwirkung gibt.

Was ist eine Bitless Bridle?

Unter dem Namen Bitless Bridle werden Zäume verkauft, die sich manchmal kaum vom Sidepull unterscheiden. So zum Beispiel bei dem Foto oben im Artikel mit Alizée Froment (dieser Zaum ist einer der Marke F.R.A. ). Bitless Bridles, bei denen die Zügel einfach ohne Umlenkung rechts und links ins Zaumzeug eingeschnallt werden, entsprechen in ihrer Wirkung einem Sidepull. Ursprünglich zeichnet eine Bitless Bridle eine Verschnallung mit Umlenkung der Zügel aus. So wird der rechte Zügel unter dem Kopf des Pferdes zur linken Kopfseite geführt und der linke zur rechten. Dadurch wirkt der Zügelanzug schiebend auf den Pferdekopf. Manche Bitless Bridles nutzen diese Umlenkung nicht auf Nasenhöhe, sondern beziehen das Genick mit ein. Wichtig bei dieser Art der Zäumung ist, dass das Material so gut und geschmeidig ist, dass die Zügel sich nicht während der Umlenkung verhaken oder nur zeitverzögert wieder nachgeben.

Was ist ein Hackamore?

Als Hackamore werden diverse Zäumungen bezeichnet, im folgenden geht es um das mechanische Hackamore. Äußerlich auffällig ist am mechanischen Hackamore das Eisenstück, welches beiderseits seitlich zwischen Genickriemen, Nasenriemen, Kinnriemen und Zügel eingeschnallt wird. Es hat verlängerte Hebel nach unten, Anzüge genannt. Diese gibt es in diversen Ausführungen: Kurz, lang oder gebogen zum Beispiel. Je nachdem, auf welcher Höhe die Zügel eingeschnallt sind, ist die Hebelkraft schwächer oder deutlicher. Es wird gern im Westernbereich oder bei Springpferden eingesetzt, die nicht so gut mit dem Gebiss klarkommen oder darauf reagieren. Ein Hackamore ist keine Zäumung für Einsteiger! Die Einwirkung ist deutlich und die Handhabung muss gelernt werden. Andere Hackamore-Varianten: Siehe Bosal.

Was ist ein Micklem?

Ein Micklem kann mit und ohne Gebiss genutzt werden. Es sieht aus wie eine Trense mit einem besonderen Reithalfter, auf dem zusätzliche Ringe angebracht sein können. Typisch ist der besondere Verlauf des Reithalfters, das Nervenregionen ausspart, aber auf zwei Ebenen des Pferdekopfes fixiert wird, nämlich einmal ziemlich weit oben am Oberkiefer und einmal ziemlich weit unten, dort wo Sperrriemen sitzen können. Das Micklem verrutscht durch diese Führung wenig. Schnallt man das Gebiss aus, kann es daher wie ein Sidepull genutzt werden oder auch zum Longieren als Kappzaum ohne feste Einlage genutzt werden. Dafür sind die Ringe auf dem Nasenstück des Micklem angebracht: Um hier zum Beispiel eine Longe einschnallen zu können. Manche Pferde mögen das Micklem sehr gern und gehen viel besser damit, andere reagieren gar nicht gut auf diese Art der Verschnallung rund um die Nase. Da hilft nur eins: Ausprobieren!

Wie wirkt ein Knotenhalfter?

Ein Knotenhalfter besteht aus dünnem Seil und ist nicht durch Metallteile verbunden, sondern erhält seine Passform durch Knoten. Genau diese Knoten geben auch eine sehr direkte Einwirkung auf die Pferdenase, zum Beispiel beim seitlichen Wenden. Das Knotenhalfter wird gern für die Bodenarbeit genutzt und manche Menschen reiten auch gern damit. Wichtig ist eine gute Passform, sonst können die Knoten auf Nervenbahnen drücken. Das Knotenhalfter darf nicht unterschätzt werden – die dünnen Seile haben eine sehr direkte Einwirkung und können scharf wirken! Wie sanft mit dem Knotenhalfter umgegangen werden soll, zeigen dir unser Peer und Jenny Filme gut. Die Pferde spüren nämlich schon beim durchhängenden Führstrick, ob du diesen ein paar Zentimeter anhebst oder nicht.

Was ist ein Kappzaum?

Der Kappzaum zeichnet sich dadurch aus, dass er die Nase des Pferdes sehr präzise führt und dadurch ein gebissloses Longieren in Stellung und Biegung erleichtert wird. Er ist nicht dafür gemacht, damit zu reiten. In unseren Filmen mit Anja Beran mit ihren jungen Pferden kann man sehen, wie sie ihn mit Trense nutzt. Die Trense liegt blind im Pferdemaul zur Gewöhnung, der Kappzaum ist das Arbeitswerkzeug. Auch in der Arbeit an der Hand ist ein Kappzaum ein wichtiges Werkzeug, Ausbilderin Kathrin Roida zeigt das in ihren Lehrfilmen. Wichtig ist die gute Passform, denn seitlich der Nase des Pferdes verlaufen viele wichtige Nervenbahnen. Die Grundregel zwei Finger breit entfernt vom Jochbein, das ist der eckige Knochen, der schräg unter dem Auge des Pferdes liegt, gilt auch hier!

Was ist ein Equizaum?

Der Equizaum ist ein Biothane-Zaumzeug, das verschiedene Verschnallmöglichkeiten anbietet. Dieser Zaum ist auf dem Bild mit dem Norweger zu sehen (der ganz bunte). Man kann ihn als Kappzaum mit weicher oder fester Einlage, Sidepull und Bitless Bridle nutzen.

Was ist ein Bosal?

Ursprünglich wurde in Kalifornien das Kopfstück Bosal genannt, das zusätzlich zu einem Gebiss genutzt wurde. Heute ist in Deutschland der Sprachgebrauch Bosal für die gebisslose Nutzung dieses Kopfstücks üblich. Wie es korrekt eingesetzt wird, zeigt Dir bei uns Peter Kreinberg. Charakteristisch für das Bosal ist ein recht festes, großes Nasenteil. Es hat die Form eines Tropfens, ist weit oben auf der Nase und fügt sich unter dem Kinn zusammen. Es sollte auf die Pferdenase gut passen, ohne punktuellen Druck zu erzeugen und dabei noch etwas flexibel sein. Das Nasenstück besteht bei guten Produkten aus Rohhaut, es ist vergleichsweise dick und wird aus diversen Strängen geflochten, bis eine Wulst entsteht. Rechts und links vom Nasenteil sind so genannte Nose-Buttons zu sehen, das sind die Punkte, an denen die Backenstücke, die zum Genick führen, angebracht sind. Die etwas dünneren Bosal-Stränge, die von dort aus unter das Kinn führen, nennen sich Cheeks. Damit wirkt das Kopfstück auch seitlich. Unter dem Kinn läuft das Nasenstück spitz nach unten hin zusammen. Charakteristisch für die Zäumung ist die Verknotung der Seilzügel, Mecante genannt, an dem unteren Stück des Nasenteils. Achtung, Namensverwirrung: Das Bosal wird auch klassisches Hackamore genannt. Zudem werden zum Beispiel im Parelli-Ausbildungssystem auch Knotenhalfter, die einhändig geritten werden und das Zügelseil, Lead Rope genannt, als unteren Knoten nutzen, als Hackamore bezeichnet.

Was ist ein Glücksrad?

Das Glücksrad ist eine sanftere Variante eines mechanischen Hackamores. Es gibt keine Anzüge, nur eine Metallscheibe mit diversen Speichen. Je nachdem, in welche Speiche der Zügel eingeschnallt wird, wird der Zügelzug mehr oder weniger auch auf das Genick des Pferdes und nicht nur auf die Nasenpartie weitergegeben.
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