Kinder unterrichten: So geht’s im Gelände bergauf und bergab

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Geländereiten für Kinder – das klingt nach Abenteuer und Freiheit! Um genau diese Erlebnisse zu bekommen, aber die Sicherheit nicht zu vergessen, braucht es guten Unterricht für Kinder. In unserer neuen Serie für Kinder und Ausbilder von Kindern gibt es deshalb Elemente aus dem Theorieunterricht und aus der Praxis im Gelände. Zwei Übungen zeigen wir daraus heute im Magazin: Den Gesundheitscheck und das Bergauf- und Bergab-Reiten.

Der Pony-Gesundheitscheck ist ein Beispiel für alltagsnahen Theorieunterricht, der sich wunderbar ins Pony putzen und für die Stunde fertig machen integrieren lässt. Die zweite Übung ist für fortgeschrittene Reitkinder gedacht, denn der Unterricht findet schon frei im Gelände statt. In dieser Einheit lernen die Kinder, Hügel und Steigungen zu reiten: „Sie üben den Entlastungssitz und wie sie das Pony in Balance halten“, erklärt ihre Ausbilderin Malin Hansen-Hotopp. 

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Erfolge bis zur schweren Klasse

Sie ist von Hause aus Vielseitigkeitsreiterin bis zur schweren Klasse, hat selbst drei Jungs vom Kindergartenalter bis zum Grundschulalter. Malin Hansen-Hotopp bildet Vielseitigkeitspferde aus und betreibt eine Pferdepension zwischen Rostock Greifswald. Ihr zehnjähriger Sohn Jasper, der älteste, ist im Film übrigens als Kinder-Kameramann zu sehen. Der mittlere Sohn Frode reitet die Übungen mit. Mitgewirkt am Film haben übrigens auch die Töchter von Ingrid Klimke. Die beiden Vielseitigkeitsreiterinnen kennen und schätzen sich nämlich schon lange, und beide brennen für das Thema Geländereiten für Kinder. 

Kindgerechte Theorie

Nun, zum Gelände später, jetzt erst mal die schöne Übung für eine kindgerechte Theorie am Pferd.  Der Pony-Gesundheitscheck dreht sich um die Frage: ‚Wie geht’s dem Pony eigentlich?’ Ist es fit, so dass es geritten werden kann? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten für Einsteiger! Zum Glück ist das alles erlernbar – und deshalb fängt damit auch die Reitstunde an – oder sollte sie zumindest anfangen. Deshalb ist im Film zu sehen, wie so ein Gesundheitscheck aussehen kann. Die achtjährige Thea übernimmt diesen Part mit dem Deutschen Reitpony Muffi.  „Bevor man sich auf das Pony setzt, guck, ob es froh und munter ist!“, erklärt Malin Hansen-Hotopp.

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Thea lernt, woran sie erkennt, dass es dem Pony gut geht. Dafür bekommt sie eine Checkliste an die Hand, die sie daran erinnert, sich das Pony ganz aufmerksam anzusehen. Sie soll auf folgendes achten:

  1. Das Gesicht
  2. Das Fell
  3. Die Beine

Im Gesicht geht’s um den allgemeinen Ausdruck. Guckt das Pony munter? Ist es aufmerksam? Verfolgt es Dinge, die um es herum passieren? Oder ist es ausdruckslos und lässt den Kopf hängen? 

Wenn etwas nicht stimmt

Genau soll sich Thea dann – und eben auch alle anderen Kinder, die ein Pony zum Reiten vorbereiten -  sich dann die Augen und die Ohren ansehen. Sind die Augen trocken und schauen wach? Oder laufen sie eventuell? Das wäre kein gutes Zeichen. Auch die Nüstern des Ponys sollten trocken sein. Bei den Ohren können die Kinder beobachten, ob das Pony die Ohren mit nimmt? Oder ob es sie hängen lässt?

Wenn etwas nicht stimmt, soll das Kind seinem Reitlehrer oder einem Elternteil Bescheid sagen. Das Fell soll glänzend und glatt sein. Im Film prüft das Thea, bei dem Pony Muffi. Denn wenn Pferde sich wohlfühlen, gesund und gut gepflegt sind, dann glänzt das Fell. 

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Malin Hansen-Hotopp möchte, dass die Kinder schon früh lernen, die Gliedmaßen der Pferde zu kontrollieren. „Das können sie prima von ihren Reitlehrern lernen – wie man die Beine abtastet und fühlt, ob es da Schwellungen oder Miniverletzungen gibt.“ Wenn die Kinder das regelmäßig üben, wird es für sie bald normal werden, aufmerksam nach diesen Auffälligkeiten zu schauen. 

Für sattelfeste Kinder

Die zweite Übung ist etwas für sattelfeste Kinder: Beim Bergauf- und Bergab-Reiten lernen sie, sicher zu sitzen und das Pony nicht aus der Balance zu bringen. Malin Hansen-Hotopp hat für diese Filmszenen drei Kinder mit ins Gelände genommen, die schon in allen Gangarten ihr Pony selbstständig reiten können. Schneller ausreiten, also nicht nur in Schritt und Trab, steht auf der Wunschliste vieler Kinder ganz weit oben.  Damit das klappt, wird der leichte Sitz und der Entlastungssitz geübt. „Dazu gehört auch, zu lernen, wie man bergauf und bergab reitet, und weiß, wie man sitzen muss und das Pony in Balance halten“, erklärt die Trainerin.

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Ein typischer Fehler wäre, dass die Kinder den Po im leichten Sitz noch nicht konstant schwebend über dem Sattel halten können. Dann klatscht das Kind mit dem Gesäß immer mal wieder in den Sattel, „der Körperschwerpunkt kommt nach hinten, und gleichzeitig sind die Zügel zu lang“, erklärt sie. Die richtige Sitzposition zu finden, das richtige Zügelmass außerdem, das sei anfangs, bei den ersten Übungen zu dem Thema, das Hauptlernziel für die Kinder. 

Den Rücken frei halten

Aber keine Sorge, es fängt langsam an: Im Schritt üben die Kinder, wie sie den Hügel so hoch reiten, dass der Rücken des Ponys entlastet wird, und sie selbst in Balance über dem Rücken des Pferdes bleiben. „Das ist Übungssache, die Kinder müssen ein Gefühl dafür bekommen, wie sie am besten sitzen“, erklärt die Ausbilderin. Vielen hilft eine Zügelbrücke. Malin Hansen-Hotopp erinnert die Kinder an die wichtigsten Eckpfeiler des leichten Sitzes: „Ganz wichtig ist, dass das Gewicht wirklich auf deinen Fußballen, auf dem Steigbügel bekommst. Dabei stellst Du die Hände auf Mähnenkamm“, erklärt sie, „so dass sie wie ein drittes Bein funktionieren, auf das Du Dich stützen kannst!“ Die Kinder verstehen schnell, dass es darum geht, den Rücken des Ponys zu entlasten, damit es den Rücken frei hat, um den Berg hoch zu klettern.

Im Schritt klappt das schon gut, im Trab und Galopp wird es schwieriger für die Kinder, das Gesäß über dem Sattel zu halten und die schwungvollere Bewegung auszubalancieren. 

Überraschung: Bergab ist schwierig! 

Schwieriger ist aber scheinbar Leichte, das Bergabreiten. Das erklärt Malin Hansen-Hotopp den Kindern gern so: „Die Ponys sollen beim Bergabreiten hinten viel Last aufnehmen und auf das Tempo zurück nehmen, damit sie sich nicht auf den Zügel legen und nach vorn-unten trudeln.“ Die Kinder sollen ihr Gewicht gut im Bügel abfedern, so dass sie nicht schwer einsitzen. Der Oberköprer soll gerade oder ein kleines bischen nach hinten genommen werden, denn: „Auch wenn es lehrbuchmäßig heißt, den Oberkörper nach vorn zu nehmen: Das macht kein Buschtrainer mehr so!“, erklärt die Vielseitigkeitsreiterin. Die Zügel sollen die Kinder recht kurz fassen, das Genick der Ponys soll oben bleiben. Dann wird’s difizil: Die Kinder sollen die Pferde „weich und kurz parieren, damit die Ponys nicht eilen und das Hinterbein unter sich bekommen, so dass es Last aufnimmt.“ Das mit Gefühl zu machen fällt vielen Kindern anfangs schwer, nämlich immer wieder auch loszulassen, und sich nicht fest zu ziehen. Das kann für Kinder auch ein Überraschungsmoment sein: Dass bergauf reiten so leicht ist, und das für sie auf zwei Beinen einfachere bergab gehen viel schwieriger.

>>> Der Film ist als DVD bereits im DVD- und Bücher-Shop von wehorse vorbestellbar. Er kostet für 2 Filme á 90 Minuten 39,90 Euro.