Wie lange gelten Deine eigenen Pferde-Grundsätze?

das-eigene-Pferd

Im Grundsatz sind wir uns einig. Das Pferd braucht Bewegung, Sozialkontakt, bestes Futter, beste tierärztliche Versorgung. Gute Ausbildung. So sehen das die Menschen um mich herum. War schwer genug, diese Menschen zu finden. Privat, beruflich, überall. 

Nur: Wie lange sind diese Grundsätze gültig? Und zwar nicht nur bei diesen (aber da fällt es einem ja als erstes auf, ist ja einfacher, vor fremden Haustüren zu kehren!), sondern auch bei einem selbst?

Mal ein paar Beispiele:

Beispiel A. Das Pferd ist richtig krank. Die ersten Klinikrechnungen von 3.000 Euro zahlt man noch, nun ja, fast, gern. Doch das zweite Mal, das dritte Mal? Gibt es eine Schmerzgrenze? Eine natürliche, oder eine selbst gesetzte? Und wenn ja, wo liegt diese?

Beispiel B. Das Raufutter kostete im vergangenen Jahr durch die schlechte Ernte fast doppelt so viel. Ich kenne Stallbesitzer, die beide genau die gleichen Grundsätze haben, siehe oben. Doch im Extremfall entscheiden sie komplett unterschiedlich: Der eine entscheidet sich fürs wirtschaftlichere, billigere, schlechtere Futter, und der andere fürs überteuerte, gute, unwirtschaftliche Futter. 

Was kostet ein krankes Pferd?

Nun, die eigene Türe, schauen wir mal die an. Ich kann mich noch sehr gut an die Frage einer Kollegin, Späteinsteigerin, eher der realistische Typ, vor zehn Jahren erinnern. Sie spielte mit dem Gedanken, sich ein Pferd zu kaufen. Sie wußte, ich habe Zwei. Sie rechnete durch, was sie ein Pferd kosten würde, und fragte mich erstaunt: „Was würdest Du tun, wenn Deine Pferde so wirklich richtig krank werden? Hast Du eine finanzielle Grenze?“ Ich sagte: Nö. Ich würde mich wirtschaftlich ruinieren, damit es meinen Pferden gut geht, kommt es hart auf hart, das war damals meine Antwort. Danach hat sie mich nicht mehr nach Ratschlägen gefragt. Ich war wohl eher nicht so der realistische Typ. 

Heute würde ich das schon nicht mehr so eindeutig beantworten. Denn wie war das gleich? Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz, und wer mit 30 immer noch einer ist, der hat keinen Verstand? Voilá. Ich würde sehr, sehr, sehr viel geben, für meine Tiere, weiterhin. Aber es gibt eine Grenze, und die gab es damals nicht. Damals, als es noch mich allein ohne Kind und Anhang und ein klein wenig mehr Lebenserfahrung gab.

Ehrgeiz: Merkst Du ihn noch?

Beispiel C, der Sport und die Reiterei. Was tun, wenn der Ehrgeiz da ist, aber das Pferd dem nicht stand hält? Natürlich nicht den Ehrgeiz bedienen. So simple Antwort. Doch: Solche Fragen tauchen nicht in dieser Totalität auf. Nicht in so eindeutigen Situationen wie Pferd platt, und dennoch das Springen nennen. Solche Sachen sind schleichend, und es ist verdammt schwierig, wenn man selbst betroffen ist, die Situation noch gut einzuschätzen. Und das geht nicht nur den Sportreitern so. Beispiel: Ist es noch okay, auf dem unbemuskelten Rentner herumzujuckeln? 

Wenn man so nah dran ist, als Pferdebesitzer und Reiter, dann hat das große Vorteile: Einerseits ist man mit Bauch und Herz am nähesten dran (und niemandem ist Dein Pferd so wichtig wie Dir selbst). Es hat aber auch große Nachteile: Denn andererseits sieht manchmal der Blick mit etwas Abstand schärfer.

Es hilft wohl nur immer wieder hinschauen, sich selbst überprüfen, und ein, zwei Pferdeleute um sich herum zu haben, mit denen man sich auch mal beraten kann.

Sonst ist man irgendwann jemand anders, als man werden wollte. Sonst ist man jemand, den man mit 20 Jahren nicht gemocht hätte.