Buch: Kathrin Roidas „Gymnastizieren – an der Hand“

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Vom Boden klug arbeiten - mit diesem Buch namens "Gymnastizieren – an der Hand" zeigt Dressurausbilderin Kathrin Roida, wie das möglich ist. Von den Anfängen bis zu sämtlichen Seitengängen.

Diese Buch ist eine echte Überraschung. Denn Handarbeitsbücher kommen gern sperrig herüber – mit hübsch anzuschauenden  Bildfolgen zwar, aber selten taugen sie zu mehr als zur reinen Inspiration. Dieses hier ist anders, weil es mutig ist. 

  1. Es findet den Mut zur Lücke. Man kann ein ganzes Buch über Seitengänge an der Hand schreiben – oder sich trauen, sich auf essentielle Dinge zu beschränken, um einen Überblick über das, was gymnastizierend an der Hand möglich ist, zu schaffen. 

  2. Gleichzeitig bleibt die Autorin nicht vage. Es wird ganz genau beschrieben, wo der Mensch sich am Pferd postitioniert, wie er systematisch vor geht. Die Sprache des Buches ist dabei absolut nachvollziehbar und man merkt, das Buch ist aus der Praxis entstanden. 

  3. Es deckt die Grundlagen ab, und beginnt beim Führen des unerfahrenen Pferdes am Strick, und zeigt darauf aufbauend Ausbildungsschritte bis zu sämtlichen Seitengängen im Trabe und der Arbeit im Galopp. 
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Über die Autorin: Kathrin Roida ist eine Ausbilderin aus Bayern, die lange zu den Schülern Oliveiras gehörte. Inzwischen hat sie einen eigenen kleinen Stall, in dem sie Warblüter und iberische Rassen auf klassische Art und Weise ausbildet. Ihre aktuelle Mentorin ist Anja Beran, sie gehört auch zu dem handverlesenen Kreis von Ausbildern, den diese öffentlich empfiehlt. 

Das Buch passt zu der Ausbilderin – wer sie mal besucht hat, der stellt fest, da ist jemand unterwegs, der zackig weiß was er will, und nicht lange zögert. Genau so ist das Buch: Es redet Klartext, gibt Handlungsanweisungen, die nachvollziehbar sind. Vorher- Nachherfotos der Ausbildungspferde, die im Buch vorkommen, zeigen beeindruckende muskuläre Entwicklungen, die Kathrin Roida vor allem auf die Arbeit an der Hand zurückführt. 

Ein Beispiel für das Klartext reden, aus dem Kapitel ‚Seitliches Mobilisieren’: 

„Das Schließen und Versammeln der Pferde ist kein Hexenwerk. Versammelnde Seitengänge und die Piaffe kräftigen den Rücken und fördern die Hankenbeugung. Eine viel größere Herausforderumg im Laufe der Pferdeausbildung stellt das Wechselspiel zwischen dehnungsbereiter, entspannter Muskulatur und Anspannung durch höchste Versammlung dar.“

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Ein Beispiel für ihre Praxisnähe: Sie erklärt, dass sie um das Halten zu üben bei jungen Pferden den Weg auf Nüsternhöhe mit der Gerte versperrt. Und erläutert auch direkt, warum das in diesem Fall die richtige Position ist: 

„Da junge Pferde die Gertenhilfe noch nicht kenne, geschweige den mit dem Anheben eine Aufforderung zum Spanischen Schritt assoziieren, können wir sie getrost auf die beschriebene Art und Weise einsetzen“

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Natürlich fehlt auch eine Anmerkung zur Sicherheit bei der Arbeit mit jungen Pferden nicht: 

„.... Ziel soll sein, dass mein Pferd mir irgendwann bedingungslos folgt, sich mit mir verbunden fühlt, ohne meinen persönlichen Raum in Frage zu stellen. Ein Sicherheitsabstand sollte gerade zu Beginn der Arbeit immer eingehalten werden. Erst wenn sich Vertrauen und Wertschätzung abzeichnen, darf dieser Abstand aufgehoben werden.“

Trotz aller wohltuender Kürze sind die Anweisungen für den Menschen genau – zum Beispiel weist sie beim Anhalten des Pferdes darauf hin, dass der Mensch selbst die Schulterblätter leicht schließen soll, die Beine ebenso, der Oberkörper soll nicht nach hinten geworfen werden, die Füße sollen nicht stampfen. 

Schön ist auch, dass sie ihr Wissen im Buch stets begründet – der Leser erfährt, wo sie welche Handarbeitstechnik gelernt hat, welcher Ausbilder jeweils ihr Mentor war. Ein Beispiel zum Thema korrektes Stehen üben:

„Entlastet das Pferd immer wieder ein Hinterbein, so habe ich mir bei Richard Hinrichs abgeschaut den Widerrist des Pferdes zu fassen und einen leichten Zug oder Druck, je nachdem welches Hinterbein entlastet wird, auszuüben. Resultat war ausnahmslos eine Belastung beider Hinterbeine.“

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Der Praxisteil ist schön übersichtlich gegliedert, so dass der Leser schnell nachschlagen kann, um gute Übungsanleitungen für die eigene Arbeit zu finden. Stets ist aufgelistets, welche Schwerpunkte die Übung setzt, was sie also fördert, und welches Material man benötigt.

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Der Blick ins Buch...
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...mit Schritt-für-Schritt-Erklärungen.

>> Ein Buch für Praktiker, die die Arbeit an der Hand entweder frisch erlernen wollen, oder aber sich Trainingsinspirationen für den Aufbau der Einheiten wünschen. Das Buch ist im Kosmos Verlag erschienen und kostet 26,99 Euro. Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung des Kosmos Verlags dem Buch entnommen.