Buch: Halla, meine Pferde und ich

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Weltklassereiter, Pferdekenner, Frauenheld, Geschäftsmann, Förderer junger Springreiter und zu Lebzeiten eine Legende: Hans Günter Winkler (Mitte).

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Sein erstes Pferd hieß Walküre, „eine eine müde Mähre und reif für die Abdeckerei“. So schreibt Hans Günter Winkler selbst, und erzählt weiter, was er alles tat, um dieses Pferd herauszuputzen, schließlich sei sie etwas Besonderes gewesen, als sein erstes Pferd überhaupt, die alte Dame.

HGW, so sein Rufname in der Reiterszene, drückt sich gern klar aus, und genau das macht seine Autobiografie amüsant und lesenswert. Er wird in diesem Monat 90 Jahre alt, in wenigen Tagen wird es eine große Gala ihm zu Ehren auf dem Aachener Turnier geben. Für alle Winkler-Fans ist das Buch namens „Halla, meine Pferde und ich“ aus dem FN-Verlag ein Lese- und Augenschmaus. 

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Seinem Vater ist die Autobiografie gewidmet. Er fiel im Krieg, als HGW 19 Jahre alt war.
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Das berühmte Bild: HGW mit Halla in Stockholm, schmerzgebeugt. Sein Ritt trotz Verletzung in der Lende sicherte Olympisches Gold und ging in die Geschichte des Reitsports ein.

Viele historische Bilder nehmen den Leser mit in die 40er, 50er und 60er Jahre: Da ist Halla im Flugzeug zu sehen, das nackte Blech der kleinen Maschine schimmert rund um das Pferd, da sieht man Menschen Kopf an Kopf auf dem Marktplatz in Warendorf im Jahr 1956, die die Medaillenträger begrüßen. Ein Bild aus der Zeit der olympischen Spiele, in denen Winkler aus Halla die Wunderstute machte, weil sie ihn nahezu bewußtlos ins Ziel trug.

Ganz genau erzählt Winkler in diesem Buch von seinen Pferden, jedem einzelnen. Falkner war zum Beispiel ein Pferd, das er noch vor Walküre gemeinsam mit einer Freundin erwarb. Wieder schlägt der ehrlich-harsche Winkler-Ton zu: Falkner war „unablässig bemüht, sein Bestes für uns zu tun; nur war sein Bestes eben kaum mehr als Durchschnitt“, so charakterisiert er diesen Wallach.

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Die Queen gratuliert Hans Günter Winkler 1965 zum Sieg beim King George V. Cup in England.

Wer dieses Buch liest, versteht Winklers Ehrgeiz. Dieser Ehrgeiz, der von Zeitgenossen auch schon mal als rücksichtslos beschrieben wurde, erklärt sich aus seiner Lebensgeschichte heraus:

„Ich musste siegen, ich musste auf jedem Turnier jedenfalls so viele der ausgesetzten Geldpreise gewinnen, dass ich einen Teil der Unkosten, die mir durch meine Pferde entstanden, damit decken konnte, um überhaupt auf die nächsten Turnier gehen zu können.“ 

Das Jahr 1950 war für Winkler prägend. Damals verlor Winkler Orient, der als Militarypferd ausgebildet werden sollte. Er wohnte in Frankfurt, und erhielt plötzlich folgendes Telegramm:

„Sehr geehrter Herr Winkler, bitte kommen sie am 16.07.1950 nach Hersfeld, um das Pferd ‚Halla’ in der dort stattfindenden Vollmilitary zu reiten.“

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Mit Dr. Gustav Rau, Oberstalllandmeister und Equipechef zu Winklers Zeiten mit Halla in den Stallungen des Madison Square Gardens in New York.
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Ein Bild aus späten Jahren - Halla wurde 34 Jahre alt. Schon 15jährig verabschiedete sie Winkler aus dem Sport, danach bekam sie noch acht Fohlen.

Dies war das erste Mal, dass Winkler von Halla hörte. Sie sei nicht einfach, hieß es, und war auf dem Gelände des DOKR in Warendorf untergebracht. Das Turnier ritt Winkler, es fand auf einer Rennbahn statt, die beiden kamen miteinander klar, aber es sollte noch dauern, bis Halla und Winkler tatsächlich ein festes Paar wurden. Er durfte sie zwar weiter reiten, ab und an nur zu Prüfungen, aber dann sollte Halla zunächst als Militarypferd gefördert werden.

Winkler schreibt: „Es stellte sich heraus, dass die Dressurprüfung ein Tatalausfall war. Aufgrund ihrer hohen Sensibilität war sie für die Reiter im Springen zudem nicht kontrollierbar. ‚Halla’ wurde von unserem Oberlandstallmeister Dr. Rau dem Besitzer Herrn Vierling als untauglich für den großen Sport wieder gegeben.“ Gleichzeitig zog Winkler in diesem Jahr nach Warendorf. Ein vages Versprechen, dort als Reiter zu arbeiten, lockte ihn dorthin, samt drei Pferden. Vor Ort gab es keine Arbeit für ihn – und nur einen Unterstand für die Pferde. Winkler suchte sich Arbeit in einem Holzbetrieb und trainierte seine Pferde.

Diese Beharrlichkeit beschreibt auch einen beliebten Satz, den er gern zitiert: "Glück ist meistens nur ein Sammelbegriff für Tüchtigkeit, Klugheit, Fleiß und Beharrlichkeit."

Erst zwei Jahre später kam Hallas Besitzer wieder auf ihn zu. Er sagte, so erinnert sich HGW: „Herr Winkler, Sie waren der Einzige, der mit dem Pferd fertig geworden ist. Wollen Sie die Stute haben?“ Winkler schlug vor, die Stute zu übernehmen, alle Unkosten zu tragen, aber alle Gewinne ebenso zu erhalten. Der Deal wurde besiegelt. Kühn war dies damals, denn Winkler war kein reicher Mensch, er schreibt sogar: „Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr knapp bei Kasse und hatte kaum die Möglickeit, ein Pferd zu unterhalten, aber der Wille versetzt Berge.“ 

Zwei Jahre brauchte er, um die Stute auf seine Seite zu bekommen – der Rest ist Geschichte. 

 

>>> Empfehlung für alle Menschen, die Winklers Werdegang aus seinen ganz persönlichen Erinnerungen kennenlernen wollen. Ein historischer Schmöker, der amüsant und kurzweilig ist.

Das Buch ist im FN-Verlag erschienen. Es kostet 19,90 Euro. Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung vom FN-Verlag entnommen aus „Halla, meine Pferde und ich".

* = Diese Rezension ist mit Unterstützung des FN-Verlags entstanden.