Eine Horsemanship-Übung, die vieles im Alltag erleichtert

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Diese Übung kann Dir im Alltag mit Deinem Pferd so einiges erleichtern: Sie heißt „das Stachelschweinspiel“ und kommt aus dem Parelli-System. Ich habe vor einigen Tagen die Ausbilderin Sarah Brummer in einem Kurs besucht, und war begeistert: Sie unterrichtet dieses System äußerst feinfühlig und ohne eine Spur Grobheit. Sarah Brummer ist einfach eine großartige Horsemanship-Frau, die den richtigen Blick für jede Situation hatte, die Pferde gut gelesen hat und die Menschen so unterrichtete, dass diese sich selbst vertrauten, Mut fassten und sich einfach darin verbesserten, ein guter Mensch für’s Pferd zu werden. (Außerdem kann Sarah Brummer sehr lustig sein, fast tänzerisch vorführen, was Pferd und Mensch machen sollen und dadurch sehr gute Laune verbreiten!)

Weichen auf Berührung hin

Diese Stachelschweinspiel-Übung lehrt das Weichen auf Berührung hin. „Das Pferd beginnt dadurch, alle Berührungen, Energien und jeden Druck, der vom Menschen ausgeht, zu verstehen", sagt Sarah Brummer. In vielen Alltagssituationen mit dem Pferd brauchen wir das: Beim Führen, beim Reiten durch unseren Kontakt mit dem Schenkel oder durch die Zäumung. „"Je besser ein Pferd das Stachelschweinspiel an der Nase verstanden hat, desto besser wird es sich beim Reiten bremsen und lenken lassen." Diese Übung kann an jeder Körperstelle des Pferdes ausgeführt werden, anfangs hat Sarah Brummer die Kursteilnehmern die Übung am Kopf des Pferdes ausführen lassen. Das ging mit sehr viel Ruhe einher – eine Druckverstärkung war kaum zu sehen und es gab rein gar keine unschönen Situationen dabei (Das Foto oben zeigt Sarah übrigens in einer anderen Übung mit einem Kurspferd). Das Pferd soll Raum zum Mitdenken haben. Es soll mental angesprochen werden, nicht durch körperliche Kraftaufwendung. 

So geht’s:

In der Übung stehst Du vor dem Pferd und dieses soll rückwärts gehen. Dafür legst Du Deine Hand auf seine Nase.

Doch bevor Du mit der Übung beginnst, überlege Dir, mit welcher Intensität Du Dein Ziel später mal erreichen willst. Später, wenn Ihr sie schon super gut könnt. Möchtest Du, dass Dein Pferd schon auf Deinen Blick hin rückwärts geht? Oder auf Deine Energie, also Körperspannung reagiert? Oder dass es rückwärts geht, sobald Deine Hand seine Haare berühren? Diese Zielvorstellung der minimalsten Energie, die Du aufwenden möchtest, nennt Sarah Brummer Phase Eins. Welche das ist, „das ist sehr individuell, bei dem einen mag es ein Gedanke sein, beim nächsten ein Blick.“ Du solltest für Dich festlegen, was Deine Phase Eins ist. Auf die arbeitest Du hin.

Körperspannung erhöhen

Jetzt geht's los. Stelle Dich frontal vor Dein Pferd. Seil oder Strick in die rechte Hand. Hier auf dem Kurs, der auf dem Hof Grube in Adelheidsdorf bei Celle stattfand, waren alle Pferde auf Knotenhalfter mit Seil gezäumt. Mit Deiner linken Hand umfasst Du die Nase Deines Pferdes. Gleichzeitig erhöhst Du Deine Körperspannung, sendest auf diese Weise Energie in Richtung Pferd.

Deine Aufgaben beim Horsemanship

Damit das Pferd sich angesprochen fühlt, musst Du Deinen Bauchnabel in Richtung Pferd drehen, so dass er auf Dein Pferd zeigt. Für die richtige Energie und Körperspannung gilt: Das Brustbein anheben, Deinen eigenen Muskeltonus erhöhen, Du atmest ein. Denke an die Rückwärtsbewegung, die Du Dir von Deinem Pferd wünschst. Sobald das Pferd sein Gewicht zurück verlagert und einen Schritt tut, bitte sofort Deine Energie wieder hinunter fahren. Meint: Ausatmen, Arme sinken lassen, Muskeltonus abschwächen, weicherer Blick. Das Pferd nicht mehr frontal ansehen, sondern sich daneben stellen. Gern ein Bein locker abknicken lassen, also eine entspannte Haltung einnehmen. Die Hände sanft um die Pferdenase legen, aber ohne dieses mit Energie und einer Handlungsaufforderung zu verknüpfen. Diese Berührung soll angenehm für das Pferd sein. Der Sinn dahinter ist: Das Pferd soll nicht auf die Idee kommen, dass jegliche Berührung der Nase mit Rückwärtstreten in Verbindung steht. Kurz einen Moment so verbleiben, dann ein paar Schritte zur Seite gehen, sich vom Pferd wegdrehen und es nachdenken lassen.

Erleichtert Umgang mit dem Pferd und das Reiten

Nach ein paar Wiederholungen geht das Pferd sehr einfach rückwärts. „Je besser das Stachelschweinspiel verstanden ist, desto einfacher wird alles“, erklärt Sarah Brummer. Auch Reiten, Halsringreiten, ebenso der tägliche Umgang.

Häufige Fehlerquellen bei dieser Übung sind:

  • Der Mensch vergisst die Körperenergie einzusetzen
  • Der Mensch intensiviert seine Berührung
  • Der Mensch verkrampft seine Finger
  • Das Pferd wird aufgrund der oben genannten Fehler nasensauer

Beobachte Deine eigene Körpersprache

Die Übung ist für den Menschen – obwohl sie so simpel klingt! – eine gute Schule, den eigenen Körper wahrzunehmen. Sie funktioniert nämlich durch bewusstes Einsetzen Deiner Körpersprache, obwohl Du scheinbar einfach nur vor dem Pferd stehst. „Der Mensch lernt bei diesem Spiel den Unterschied zwischen Entspannung und positiver Anspannung", erklärt Sarah Brummer. „Die positive Anspannung beginnt in der mentalen Vorstellung des Menschen, welche dann im Körper widergespiegelt wird." Oft senden wir Menschen den Pferden komplett unbewusst Signale. Schon in dieser kleinen Übung lernst Du, durch Deine Körpersprache Energie hoch oder herunter zu fahren, auf die jedes Pferd reagiert. Bestandteile des „Energie Wegnehmens“ sind:

  • Bauchnabel vom Pferd wegdrehen
  • Hüfte locker geknickt
  • Atem fließt
  • Arme hängen

Selbst das, was Du denkst, ist wichtig!

Die Intention, die jeder Mensch hat, hat ebenso große Auswirkungen auf das Pferd. Deshalb ist es auch wichtig, sich das rückwärts gehende Pferd vorzustellen, während man einen Rückwärts-Schritt verlangt. Solch konkrete Anweisungen sind hilfreich, aber auch die generelle Einstellung zum Pferd macht etwas mit Dir, dem Pferd und Eurer Arbeit. Sarah Brummer formulierte es so: „Die Pferde fühlen Eure Absichten. Ob sie gezwungen werden sollen, zum Beispiel in den Hänger zu gehen, oder ob ihr so lang bei Ihnen mit Geduld bleibt, bis sie den Mut haben, selbst hinein zu gehen.“ Je mehr Zeit Du Dir für eine kleine Übung nimmst, desto besser und schneller ist diese für das Pferd verständlich. Weil Du dann mehr bei Dir bist, mehr in Ruhe bist und Deine Sprache klarer ist. Und Pferde mögen Klarheit so sehr!

Wenn das Pferd nicht rückwärts geht

Falls Du noch nie so gearbeitet hast, klingt das vielleicht seltsam für Dich. Ohne Druckverstärkung zum Ziel kommen? Ja, das ging. Zumindest in diesem Kurs ging jedes Pferd nach diesem Rezept rückwärts. Bei manchen dauerte es etwas. Doch der Mensch blieb bei seiner Fragestellung und so suchte jedes Pferd nach einer Lösung. Sobald sie verstanden hatten, dass die Lösung im rückwärts lag, war der Knoten wie geplatzt und jedes Pferd wurde eifriger darin, diese Lösung anzubieten. "Jedes Pferd hat ein individuelles Empfinden, wann und wie viel Energie für es einen Anreiz bedeutet", erklärt die Ausbilderin. "Deshalb benötigt der Mensch ein sensibles Einfühlungsvermögen, um zu merken, ab welcher Energie das Pferd beginnt mitzureden. Manch enttäuschtes, von Menschen abgestumpftes Pferd benötigt einen intensiveren Kontakt als ein junges, noch sehr natürliches Pferd, welches intuitiver, unbeschriebener, handelt." 

Wie sehr diese Intuition bei der Ausbilderin selbst zu beobachten war, habe ich auf meinem Blog aufgeschrieben. Wenn Du also noch mehr über den Kurs und Sarah Brummer lesen willst, kannst Du das hier direkte auf www.alifewithhorses.de tun!

banner-wehorse