Horsemanship: Warum Klarheit der Weg zur Feinheit ist

Was viele gute Horsemanship-Trainer eint, ist der faire, klare Umgang mit dem Pferd. Hier zwei Beispiele: Eins aus dem Unterricht mit Lisa Röckener, eins aus einem Kurs mit dem Neuseeländer Ian Benson.

 

Hier kommt eine gute Nachricht: Mit Pferden arbeiten ist dann gut, wenn es klar und einfach ist. Das kann es nämlich sein! Immer wieder.

Ausbilderin Lisa Röckener

Daran musste ich denken, als ich letztens noch mal das Grundschulprogramm von Lisa Röckener durchging. Sie war ja Anfang des Jahres bei uns, um einen Kurs zu geben. Uns meint: in der Nähe von Aachen, dort wo ich mit einer Freundin Kurse mit guten Ausbildern organisiere. Dieser Lisa-Röckener-Kurs sollte den Weg zum Halsringreiten ebnen. Vormittags gab es einen Ausflug in die Bodenarbeit, nachmittags ritten wir. Es gibt ja zahlreiche Ansätze für Horsemanship und Bodenarbeit – was damit genau gemeint ist, wird oft erst klar, wenn man mittendrin steckt!

Letztlich geht es bei jedem Moment des Zusammenseins mit dem Pferd um Kommunikation. Diese erst mal am Boden zu verfeinern, darum ging es Lisa. (Ein Vorgriff auf Zitate weiter unten im Text: „Sobald wir von A nach B führen, sind wir mitten drin in der Bodenarbeit“, sagt Ian Benson, ein hervorragender Horsemanship-Ausbilder.)

Antreten und Stehenbleiben auf das Sprechen hin war die erste Übung bei Lisa Röckener – wie verblüfft ich davon war, das Pferde wirklich innerhalb kurzer Zeit einzelne neue Wörter unterscheiden können, habe ich hier beschrieben.

Körpersprache und Bodenarbeit

Das Ding ist: Das funktioniert relativ schnell – wenn, ja wenn man absolut konsequent ist! Meint: Nicht mit der Körpersprache etwas vorweg nehmen! Und die Reihenfolge einhalten: Erst ein freundliches Wort, dann ein Warnwort ("NA!" in unserem Fall), passiert daraufhin nichts, dann das freundliche Wort mit einem zusätzlichen Impuls verknüpft nutzen (Impuls! Nicht Schlag, Härte, irgendwas in der Art!).

Das klingt so so einfnach, ist es aber nicht! Ich weiß nicht, wie oft ich meinen Oberkörper in der Bewegung gestoppt habe (weil Körpersprache ja schon zur Verstärkung gehörte, also zum zusätzlichen Impuls) oder doch das Warnwort vergessen habe oder doch zu energisch gesprochen habe.

Danach ging es an körpersprachliches Kommunizieren, alles darauf angelegt, es irgendwann in der Freiarbeit zu können. Zum Beispiel, Volten mit dem Pferd zu gehen, die einfach durch eine Schulterdrehung eingeleitet werden. Das funktioniert recht flott, wenn alles glatt läuft.

Horsemanship braucht Vertrauen

Spannend wird es, wenn es mal nicht ganz glatt läuft: Was tue ich, wenn das Pferd nicht mitkommt? Wenn es doch in der Volte steckenbleibt? Das Einfachste war hier das Richtige, erklärte Lisa: Das Pferd einfach abholen. Es macht nichts, zu diesem sehr frühen Zeitpunkt einfach ins Halfter zu greifen oder den Halsriemen. Das geht!

Ein weiterer Lernschritt in dieser Übung war Vertrauen: Vertrau’ darauf, dass das Pferd mitkommt, und schaue nicht kontrollierend nach hinten. Vertrauen geben und nehmen, das ist auch ein so wichtiger Baustein.

Ian Benson: Menschen für Pferde schulen

Diese Dinge, die mir von Lisa so im Gedächtnis geblieben sind, fielen mir auch letztens wieder ein, als ich Anke und Ian Benson auf einem Kurs besuchte.

Die beiden sind großartige Pferdemenschen und gelten noch als Geheimtipp. Sie sind in Neuseeland daheim, und sind im Sommer auf Kurstour in Deutschland. Fast jeden Satz von Ian und Anke, der im Kurs fällt, könnte ich aufschreiben.

Energie und Horsemanship

„Über Körperspannung und Energie zu kommunizieren, das ist es, wie Pferde kommunizieren“, sagten die beiden zum Beispiel und das trifft ihre Art zu arbeiten ganz gut. Ich schreibe übrigens die beiden, weil Ian stets auf Englisch spricht und Anke es übersetzt, daher sagen sie es tatsächlich beide.

Ihr Konzept heißt übrigens Humanship, weil der Mensch eben lernen möchte, mit dem Pferd zu kommunizieren. Ihr Horsemanship-Konzept ist superfein, weil es geringe Abstufungen von Energieaufbau und – abbau nutzt und daher den Menschen zur Feinheit erzieht. Die Pferde reagieren so selbstverständlich darauf, das ist sehr schön anzusehen.

„He likes the softness as much as I like the softness“, sagte Ian Benson zum Beispiel über ein Pferd, das er arbeitete, als ich zuschaute. Denn der erst rüpelhafte Wallach reagierte bald auf kleinste Signale.

Fair sein und Grenzen setzen

Der Wallach bedrängte seine Besitzerin zu Beginn stark. Ian Benson übernahm. In dem Moment, in dem der Wallach ihn knuffen wollte, nahm der Ausbilder einfach seinen Ellbogen nach oben, und die Rüpelei des Wallachs ging ins Leere. Effekt: Der wie ein Hähnchenflügel hochgenommene Ellbogen war als Grenze da, das Pferd rannte quasi dort hinein. Da war kein Schlagen, Hauen oder Laut sein, sondern nur Zack, eine Grenze. Somit war klar, dass der Wallach diese engste Zone dieses Menschen nicht betreten durfte. Er sah kurz überrascht aus („Was, jemand sagt, ich darf das nicht?“) und war dann sehr kooperativ. Er bemühte sich sichtlich darum, zu gefallen.

Die Pferde schätzen es, wenn man zuverlässig (also berechenbar und konsequent, auch Grenzen gebend) ist. Und innerhalb dieser Grenzen fein mit ihnen umgeht.

Das geben sie dann auch zurück.

Mehr dazu

Interessiert Dich der Ansatz von Ausbilderin Lisa Röckener? Wir haben Sie im wehorse-Podcast interviewt! Hier kannst Du Dir das Interview anhören: Der wehorse-Podcast.

Einmal die Woche gibt's hier im pferdia-Magazin einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Hier spreche ich, Jeannette, über Motivation & Gedanken zu den Pferden, zum Reiten und zum Drumherum. 

Auf dem Blog findest Du noch mehr Texte zu Lisa Röckener (hier zum Beispiel) und Ian Benson. Im wehorse-Magazin geht es zum Thema zum Beispiel hier mit dem Halsringreiten weiter! 

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