Hufe richtig pflegen: Was wirklich Sinn macht.

Soll man Hufe fetten? Soll man sie wässern? Oder ist das ganz falsch und nur spezielle Cremes sind gut? Vielleicht besser gar nichts drauf tun? Zum Thema Hufpflege gibt es so viele Philosophien und Ratschläge! Wir erklären Dir die verschiedenen Theorien und worauf es ankommt bei der Hufpflege.

Text: Birgit van Damsen

 

Hufelastizität erhalten

Der richtige Feuchtigkeitsgehalt ist für eine stabile Hornsubstanz von elementarer Bedeutung.

Der Huf besteht aus Harthorn (äußere Hornwand, Sohle) und Weichhorn (Glasurschicht, weiße Linie, Verbindungsschichten, Strahl und Ballenhorn). Dabei kommt der Glasurschicht eine wichtige Funktion zu: Sie kann Wasser aufnehmen und an die Hufwand kontinuierlich abgeben, bei Trockenheit schützt sie aber auch vor Verdunstung. Eine stabile Glasurschicht ist für die Regulierung des Wassergehalts der Hufwand somit sehr wichtig. Strahl und Hufballen besitzen den höchsten Wassergehalt des Hufes. Nimmt er ab - was besonders im Hochsommer bei dauerhaft trockenen Böden passieren kann - nimmt auch die Hufelastizität ab.

Der ideale Feuchtigkeitsgehalt von Hufen

Einer Studie der britischen Molekularchemikerin Dr. Melinda Duer von der Universität Cambridge zufolge, liegt der ideale Feuchtigkeitsgehalt des Hufhorns bei etwa 25 Prozent. Dr. Duer stellte fest, dass die Hufstruktur bei diesem Wassergehalt die größten Zug-, Druck- und Scherkräfte aufnehmen kann. Hufe mit 25 Prozent Feuchtigkeit sehen äußerlich übrigens „trocken“ aus.

Keratin als Baustein des Hufhorns

Die dreijährige Forschungsarbeit von Dr. Melinda Duer ergab aber noch weitere Erkenntnisse: Labortests haben gezeigt, dass überschüssiges Wasser im Huf die Keratinstrukturen (Keratin = Hornsubstanz) schwächt und irreversibler Schaden entsteht, wenn das Wasser anschließend wieder schnell entzogen wird. Dadurch können Teile der Keratinstrukturen zerbrechen, was der Hauptgrund für Hufrisse sei.

Wasser kann Hufe schädigen

Auch der britische Hufschmied David Nicholls bestätigt aus seiner langjährigen praktischen Erfahrung die Erkenntnisse von Frau Dr. Duer. Im „American Farriers Journal“ wird Nicholls zitiert, dass die rapide Umstellung von nass zu trocken und umgekehrt massive Veränderungen im Huf entstehen lasse. „In Wirklichkeit ist es aber die Nässe, die die Schäden anrichtet“, so der Fachmann. Die meisten der molekularen Veränderungen und strukturellen Schäden ergeben sich, wenn nasses Horn zu schnell austrocknet. Um die Entstehung dieser Hufschäden zu verstehen, macht Nicholls folgenden Vergleich: „Es hilft, sich das Hufhorn als eine Wand aus Blöcken (Keratin-Molekülen) vorzustellen, die in ihren Fugen mit Zement (intermolekulare Bindungen) zusammengehalten werden. Wenn der Huf überschüssiges Wasser hat, zwingen die Wassermoleküle die Blöcke auseinander und strecken den Zement, sodass der Huf schwächer wird. Wenn der Huf wieder trocknet, sind die 'Bausteine' aus Keratin zwar wieder an ihrem Platz, der 'Zement' ist jetzt jedoch beschädigt und hinterlässt Lücken zwischen den Blöcken.“ Das ist zum Beispiel der Fall, wenn im Sommer Risse und Hornspalten entstehen „und der erste Gedanke ist, die Hufe in Wasser einzuweichen, um Feuchtigkeit einzuführen. Wir wissen jetzt, dass dies völlig kontraindiziert ist, weil es das ganze Problem nochmals verschärft."

Trockene Hufe nicht direkt wässern!

"Einweichen des bereits beschädigten Hufhorns an einem heißen Tag bewirkt, dass der Huf die Wassermoleküle aufnimmt und anschwillt und dann während der Hitze des Tages all dieses eingeführte Wasser wieder austrocknet und der Huf schrumpft, was zu weiteren Schäden an der molekularen Struktur führt." Das kurzfristige Nässen rissiger Hufe würde das Problem nur verschärfen und sei definitiv nicht zu empfehlen.

Möglichkeiten zur Feuchtigkeitsregulierung

Die ideale Umgebung für gesunde Hufe besteht in einem naturnahen Habitat mit wechselnden Bedingungen bezüglich der Feuchtigkeit. Im Sommer sind dies die nächtlichen und morgendlichen Begehungen einer Koppel (Nacht- und Morgentau), wo die Hufe auf langsame und natürliche Weise ihren Feuchtigkeitsspeicher für den bevorstehenden trockenheißen Tag auffüllen können.

Hufschuhe für das Wässern der Hufe

Zum Befeuchten trockener Hufe gibt es inzwischen auch spezielle Hufglocken, sogenannte „Water Boots“. Sie sind sowohl für die Anwendung auf dem Paddock und im Stall, als auch auf der Weide geeignet und sollten laut Hersteller bei sehr trockenem Wetter täglich 20-30 Minuten angebracht werden. Dabei wird die Innenseite des Fleece mit Wasser durchfeuchtet und mittels Klettverschluss am Huf befestigt. Es können aber auch Kühlglocken eingesetzt werden. Diese wurden zwar für die Kältetherapie entwickelt, aufgrund ihrer Funktionsweise geben sie aber ebenfalls Feuchtigkeit ab. Das darin enthaltene spezielle Granulat, das sich nach etwa zwanzigminütiger vorheriger Wässerung in einem kalten Wasserbehälter aktiviert, erzeugt neben dem Kühleffekt auf der Basis von Verdunstung auch eine Feuchtigkeitsabgabe auf den Kronrand und die darunter befindliche Oberfläche des Hufes.

Cremes und Gels für die Hufe

Zur Hufpflege in der trockenen Jahreszeit bietet der Markt spezielle Sommer-Gels auf der Basis feuchtigkeitsspendender Pflanzenextrakte, die laut Hersteller die Hufe elastisch halten und vor zu starker Austrocknung schützen sollen. Der Einsatz von Huffetten und -ölen zur Regulierung des Feuchtigkeitshaushaltes im Huf muss gut durchdacht sein. Die Grundidee besteht darin, Hufe in trockenen Zeiten kurz zu wässern (Wasserschlauch, Kunststoffbottich) und anschließend einzufetten, um die Poren zu schließen, damit sich die Feuchtigkeit in den Hufen länger hält. Die Gegner weisen allerdings auf einen häufig nicht fachgerechten Umgang mit Huffett hin: So würden Hufe ohne Überlegung nach dem Putzen und vor dem Reiten gefettet, unabhängig davon, ob sie nun feucht oder trocken sind.

Hufe erst wässern, dann fetten

Die Vertreter der Rheinischen Hufbeschlagschule unter Burkhard Rau (www.hufbeschlagschule.de) empfehlen: „Da Fett Wasser abstößt, ist der Feuchtigkeit sowohl der Weg aus dem Horn heraus als auch in es hinein erschwert. Zu trockene Hufe sollten deshalb zuerst gewässert und anschließend gefettet werden“. Ein weiterer Effekt des Huffettes sei, dass es auch das Eindringen unerwünschter Feuchtigkeit in den Huf wie beispielsweise bei urindurchtränkter Einstreu verhindere.

Mit freundlicher Genehmigung aus der PFERDE fit & vital 1-2018, Text: Birgit van Damsen.

Videos zum Thema Hufgesundheit

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Viel Spaß beim Lernen & alles Gute für Euer Pferd!