Warum im Gelände einfach ALLES einfacher ist

Ausreiten-und-Dressur-verbinden

Motivation für das Wochenende  

Frustriert über Deine Performance in der Halle? Auf dem Reitplatz? Nichts geht vorwärts, Du kennst Deine Fehler, hilft nichts, machst sie dennoch?

Übst Dich Deinem Pferd gegenüber in Geduld, und könntest dennoch ko...,  weil nichts so fluppt, wie Du es Dir wünschst?

Ask me, I am queen of this feeling. 

Wir werden besser in dem, was wir häufig tun, und an dem wir in Ruhe feilen. Kurze Analyse, ich zum Beispiel (den Tagesablauf kenne ich schließlich am besten): Meine Augen gucken häufiger auf den Computer als auf's Pferd. Worin steigt wohl meine Expertise?

Kann ich das umdrehen, rein zeitlich? Nö, als Nichtprofi nicht. Ich liebe meinen Job ja auch, und der bringt es eben mit sich, dass ich telefoniere, schreibe, Menschen und Pferde treffe, mich viel, viel, viel über das Reiten unterhalte und eben auf den Bildschirm gucke.

Im Sattel bin ich ein Feierabendtäter. Um mehr aufs Pferd zu kommen, steige schon mal um 23 Uhr in den Sattel (gestern erst – und was man dabei so mitbekommt, vom Tagesablauf der Pferde, ist wirklich überraschend! Während ich meine Fee ritt, diesmal natürlich in der Halle, ich geh nicht bei Dunkelheit raus, spielten die zwei Wallache, mit denen sie sich einen Offenstall teilt. Im Dunkeln! Mit sich umkreisen, sich in die Beine zwicken wollen, das ganze Programm. Um 23 Uhr! Hätte ich nie gedacht). 

Manchmal stehe ich Wochenende irre früh auf, um zu reiten, bevor der Rest wach ist (ungelogen: 5 Uhr 30 an dem Tag, an dem das Bild da oben gemacht ist. Das ist die HÖLLE für jemanden, dessen normaler Biorhythmus Wachzeiten von 10 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts gut finden würde. Denen sehnt mein Körper seit Studienende hinterher!)

Nettes Pensum, oder?  Wenn es dann trotz der ganzen Mühen nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, trotz des Unterrichts und des Rumturnens (wie ich Euch hier und hier beschrieben habe) – dann hilft bei mir eine Sache richtig gut: Ab ins Gelände. 

Nee, nicht bummeln dort. Sondern eine Mischung aus frisch voran reiten und die Dressurlektionen nach draußen verlegen. So richtig in den Sinn gekommen ist mir das noch mal bei den Vorbereitungen zu unserem Treffen mit Kurd Albrecht von Ziegner. Ausreiten gehe ich sowieso regelmäßig, aber sinnvoll draußen trainieren ist ja noch mal eine andere Nummer. 

In der von-Ziegner-Recherchezeit habe ich mir seinen Film über das Hangbahntraining noch mal angeschaut, und sein Buch gelesen. Jedes Mal, wenn ich mich in die Lehre eines Ausbilders vertiefe, macht das natürlich auch etwas mit mir. Ich stelle nicht sofort meine komplette Reitweise um, aber es hallt nach. Ich mache mehr Sport, wenn ich mich gerade frisch mit Benjamin Werndl und Jessica von Bredow-Werndl unterhalten habe (die das fest in ihr Reittraining integrieren). Ich achte auf jeden Muskel und jede meiner Gewichtsverlagerungen mehr, wenn ich mit Elaine Butlergesprochen habe. Ich bringe meinem Pferd einen Kleinkram wie „Guten Tag“ sagen bei (eine billige Übung, daher für Feierabendtäter wie mich sehr gut geeignet), wenn ich mit Nina Steigerwald über die hohen Weihen des Clickern und Agility gesprochen habe.

So. Und nun kam Herr von Ziegner mit seiner Hangbahn. Ich habe hier keine Hangbahn, aber ein wahnsinnig tolles Gelände. Reitwege ohne Ende, bergauf, bergab. Dressurmäßig verbessern wollte ich das Schulterherein und Schenkelweichen im Trab. Flüssiger, geschmeidiger sollte das sein. Kondition muss auch wieder her. 

Habe mir meine Fee geschnappt, und bin mit ihr abwechselnd Berge hochgaloppiert (für die Kondition), oder aber im Schritt hochgeklettert (das macht Rückenmukkis). Auf allen sanft hügeligen Wegen habe ich sie schön im Schenkelweichen seitlich geschickt: flupp, nach rechts, umstellen, flupp, nach links. Und auch Halt-Trab-Halt geübt. Eben ALLES nach draußen verlegt.

Den Weg, den ihr oben im Bild seht, ist wie eine Wellenbahn angelegt. Da kann man im Aussitzen wunderbar nachahmen, was von Kurd Albrecht von Ziegner für die Hangbahn beschreibt: Das Pferd soll zurückkommen, wenn es bergab geht, und sich dehnen, wenn es bergauf geht. Ein natürlicher Wechsel zwischen Schubkraft und Tragkraft. 

Und auf einmal war alles ganz leicht. Ich brauchte viel weniger Schenkelhilfe, und zack, meine Stute war schon seitlich unterwegs. Wir wechselten das Tempo beim Berg hoch galoppieren, zurücknehmen, zulegen, wieder ganz zurückkommen zu mir. Es war einfach nur eine Freude. Da war nichts mehr anstrengend. Durchlässigkeit da, Anlehnung da, Durchschwung da.

Herrlich. Reiten ist einfach. Hat irgendjemand etwas anderes behauptet?

Ich wünsch’ Euch allen, dass Ihr ein ebenso tolles Wochenend-Reiterlebnis habt!