Wie ich mich online in ein Pferd verliebte

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Als ich anfing, diesen Text hier zu schreiben, war ich noch der festen Überzeugung, das ist online passiert. Wo findet man Pferde sonst? Aber: war gar nicht so. War noch Papier. Tut der Geschichte aber keinen Abbruch. Also hier, über das Verlieben bei Vierbeinern: 

Für dieses Pferd habe ich einen heftigen Beziehungsstreit, noch weniger Schlaf und noch mehr chronischen Zeitmangel riskiert. Und fand das goldrichtig. Ich war keine Spur vernünftig, und dennoch ist es anders, aber doch wunderbar ausgekommen. Wieso, weshalb, warum habe ich Euch hier aufgeschrieben.

Ich sah diese Anzeige von einer Stute, die einfach auf dem Reitplatz trabte, ein Fohlen bei Fuß. Und es machte klick. Einfach so. Dabei suchte ich gar kein Pferd, dieses Blättern in Anzeigen (ja, auf Papier!) war Teil meines Jobs.

Das ist ein paar Jahre her, fünf vielleicht. Damals habe ich sehr viel für den Pferdemarkt, dieses dicke gelbe Heft, geschrieben. Ich kann mich noch gut dran erinnern, dass oft ein Naserümpfen folgte, wenn ich das Magazin (das es heute nicht mehr gibt) damals so beschrieb. "Ihhh, das dicke Anzeigenblatt, das in jedem Reitsportgeschäft auf dem Tresen liegt, wirklich???" Völliger Blödsinn - denn in den letzten Jahren seiner Existenz haben wir da thematisch sehr gute Sachen drin gemacht (hat da anscheinend keiner mehr gemerkt, deshalb musste es sterben, schnief!). Mit einem meiner heute noch liebsten Kollegen und Chefs, der nun für andere Pferdemagazine arbeitet. Naja, egal, Nebenschauplatz.

Die oder keine

Also: Ich schrieb damals die Titelthemen und eine Rubrik, die „Mein Pferd aus dem Pferdemarkt“ hieß. Dort stellten wir Reiter vor, die ihr Pferd im Magazin gefunden hatten. Manchmal meldeten sich Reiter, manchmal mussten wir selbst die neuen Besitzer aufstöbern. Meinte: Anzeigen wälzen und Züchter und Verkäufer anrufen.

Genau bei einem solchen Stöbern stieß ich auf etliche Anzeigen einer bekannten Züchterin. Sie hatte auf einer ganzen Seite annonciert, das waren vielleicht acht Pferde, und darunter auch das Bild dieser einen Stute. Es war dieses „die oder keine“ Gefühl. Beste Abstammung, von Hotline aus dem Edoste-Stamm, ein imposantes Stutenmodell, tolles Auge (Fotos sind hier). Aber ich suchte damals kein Pferd. Ich hatte damals zwei eigene und ein sehr kleines Kind. Ich war völlig ausgelastet, schlief zu wenig, arbeitete zu viel und stahl mir schon die Zeit für die beiden Pferde, die ich hatte, aus den Rippen.

Angerufen habe ich da dennoch, das ist ja das Schöne an meinem Beruf, ich kann den Leuten Löcher in den Bauch fragen. Siehe da, sie hatte kürzlich einen Wallach an eine nette Frau verkauft, die wir für die Rubrik im Pferdemarkt kontaktieren konnten. Sehr gut. Haken dran am Beruflichen. Danach plauderten wir noch lange. Über unsere Idee vom Reiten, über schöne Bilder und hässliche, darüber, was sich ändern sollte im Reitsport und warum sie ihre etablierte Zucht auflösen wollte. Es war klar: da war eine Wellenlänge. Ich fragte sie nach dem Preis für diese Stute, die mir so gut gefiel, und der Preis, den sie mir nannte, war für ein Pferd dieser Qualität sehr verlockend. Ich wünschte mir schon lange eine gute Zuchtstute, und irgendwie schien das alles zu passen.

Die Vernunft verliert

Bis auf den klitzekleinen Punkt, dass ich zwei Pferde und ein Kleinkind hatte, und sowieso schon kein bisschen Zeit übrig. Dazu einen Mann, der meine Pferde tolerierte, aber im besten Fall sauer gewesen wäre, wenn ich Pferd Nummer 3 angeschafft hätte, im schlechtesten Fall die Scheidung eingereicht hätte. Also Vernunft. Zwei Wochen lang. In denen dieses Pferd, das ich noch nie gesehen hatte, mir nicht aus dem Kopf ging. Dann nahm ich den Hörer und dachte: Wenn sie Dir so lange nicht aus dem Kopf geht, ist die Vernunft egal. Du kaufst dieses Pferd.

Weg war sie

Doch es war zu spät. Die Stute war weg. Monate später googelte ich nach ihr und fand ihre neue Besitzerin. Absolut sympathisch schrieb sie über Edostina auf ihrer Homepage (HIER), und das ganze Hofkonzept, was sie dort auch vorstellte, gefiel mir. Viel Raum, viel Licht und Luft, Gruppenkontakt auch für Sportpferde. Auf ihrer Homepage wirkte sie interessiert daran, weiter zu lernen, reiterlich und haltungstechnisch. Finde ich ja immer sympathisch, egal, auf welchem Level sich jemand befindet. Ich schrieb ihr eine Mail aus einem Bauchgefühl heraus. Die begann ungefähr so: „Hallo, ich bin ebenso ein Fan ihrer Stute Edostina“. Ja, ziemlich bekloppt. Hat ihre Besitzerin aber nicht gestört. Ich weiß nicht mehr, wann wir zum ersten Mal telefoniert oder uns getroffen haben. Aber daraus ist eine wunderbare hippologische Freundschaft entstanden.

Wir merkten nämlich, dass es uns um genau das Gleiche ging. Das, was ich in der Pferdewelt durch meine Artikel versuche zu beleuchten, das gute Reiten, der artgerechte Umgang, die Verknüpfung von Sport und Pro-Pferd sein, die bewegungsorientierte Haltung – all das setzt Marita Schreiber in die Tat um. Sie hat einen wunderschönen Hof konzipiert, sie macht sich um jedes ihrer Jungpferde Gedanken und bestückt sie mit den besten Reitern, die sie in Deutschland finden kann.

Königsee und die Maschinerie

Ich weiß noch, als sie mir einen Katalog zeigte, ein brauner Hengst war mit Kugelschreiber eingekringelt, Preise standen daneben, und sie sagte mir: „Ich hab den gesehen und wollte einfach, dass der es gut hat und nicht in diese Maschinerie kommt.“ Das war ihr erster Kontakt mit Königssee. Ja, dem Trakehner Hengst, der in diesem Jahr der Bundeschampion der Geländepferde wurde. Sie kaufte Königssee, für den sie heute den perfekten Ausbildungsplatz bei Ingrid Klimke gefunden hat. So ist Marita.

Ein gutes Näschen

Und sie ist eine Schnüffelnase im besten Sinne: Bei ihr fand der erste Alizée-Froment-Kurs in Deutschland statt, und sie empfahl mir auch Falk Stankus. So sprach sich das per Flüsterkette weiter bis zu pferdia tv, und meine Chefs von der pferdiathek, Inge und Tom Vogel, schauten sich an, was die beiden so taten. Und das gefiel ihnen. Dass diese beiden Ausbilder heute zur pferdiathek gehören, und wir Filme über sie gedreht haben, das hatte seinen Ursprung dort bei Marita auf dem Hof Nudow. Also eigentlich ist es Edostina zu verdanken, dass es diese Filme gibt.

Wenn ich heute zu Marita nach Berlin fahre, ab und an, dann sehe ich auch diese schöne Schwarze wieder. Unsere letzten Mails drehten sich übrigens darum, welcher Hengst wohl zu dieser Stute passen könnte.

Gemeinsam freuen

Ich seh’ sie dann da, mit ausgeruhtem Auge stehen, auf den Weiden oder in ihrer Stammbox direkt gegenüber vom Wohnhaus. Ihr Ausbildungsweg war nicht so einfach, es gab immer wieder Stolpersteine, doch Marita hat nicht aufgegeben und der Stute Zeit, ein Zuhause und eine Bindung gegeben. Edostina hätte es auch bei mir schön gehabt. Aber so perfekt wie bei Marita – das ist schwer zu toppen!

So etwas ist mir übrigens schon zwei, drei Mal passiert. Dass die gemeinsame Begeisterung für ein Pferd eine Freundschaft auslöste. Finde ich wunderschön. Denn das gemeinsame Freuen, das kommt an manchen Ecken dieser Leidenschaft Pferd zu kurz, finde ich.

Danke für’s Zusammenführen, Edostina!