Drei Disziplinen auf einem Turnier – Ingrid Klimke rockt Wiesbaden

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So sehen sie aus, die Früchte von vielseitiger Ausbildung: Ingrid Klimke startet in den Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit auf dem internationalen Pfingstturnier in Wiesbaden. Uns hat sie erzählt, wie auch ganz normale Reiter sich selbst (!) und die Pferde vielseitig ausbilden. 

Ingrid Klimke ist ja immer für eine Überraschung gut. Zudem hat sie eine schier endlos erscheinende Kondition. Wer sie mal auf einem Turnier beobachtet hat, wie sie von einem Pferd auf das nächste wechselt, weiß: das ist eine echte Sportlerin. 

An diesem Wochenende setzt sie aber noch einen drauf: Zum Turnier in Wiesbaden fährt sie mit Escada, Parmenides, Wolterra, Geraldine und Franziskus. Das bedeutet: Sie hat für jede Disziplin, die hier auf internationalem Parkett ausgetragen wird, ein oder zwei Pferde dabei.

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Escada, Geraldine und Parmenides

Mit Escada startet sie in der Drei-Sterne-Vielseitigkeit. Parmenides und Wolterra gehen das Vier-Sterne-Springen. Wolterra ist übrigens ein neues Pferd im Stall Klimke! (Kurzer Exkurs: Ganz besonders spannend ist ihre mütterliche Abstammung. Ihre Mutter D Troja ist nämlich auch Mutter der Geheimtipp-Hengste Alant und De Kooning.) Geraldine und Franziskus den Kurz-Grand-Prix für junge Pferde, den Louisdor-Preis. 

Ein mehr als beachtliches Pensum – und das stemmt Ingrid Klimke mit dem engsten Personenkreis: „Meine Stallmanagerin Carmen Thiemann fährt mit, und meine Frau fürs Management, Anne Barbrock – wir sind ein eingespieltes Team, das funktioniert!“, erzählt sie. 

Eine Premiere!

Zumindest in Wiesbaden ist es eine Premiere, dass eine Reiterin an einem Wochenende, auf einem Turnier, in allen drei Disziplinen in internationalen Prüfungen startet. Vermutlich ist diese Leistung überhaupt einmalig.

Ingrid Klimke ist sicherlich eine Ausnahme-Reiterin. Dennoch gilt ihr Anspruch, den Reiter und das Pferd möglichst vielseitig auszubilden, für jedermann. Das betont sie immer wieder, und sie setzt es sowohl bei ihren Töchtern als auch bei ihren Auszubildenden in die Tat um.

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So wird der Reiter vielseitig geschult

„Das wichtigste in der Reiterausbildung ist es, unterschiedliche Sachen zu machen! Mal einen kleinen Sprung, dann wieder ordentlichen Dressurunterricht, aber genauso voltigieren, das Pferd einfach nur tüddeln oder über eine Wiese galoppieren“, erzählt Ingrid Klimke. Frühzeitig all diese verschiedenen Bewegungen zu erspüren und zu erlernen, das ist ein wichtiger Punkt in der vielseitigen Ausbildung des Reiters. Sie selbst hat als Jugendliche auch voltigiert und kann heute noch im Galopp aufs Pferd springen und auch im Galopp vom Pferd springen.

Soweit das Ideal – die Realität sieht für viele Reiter und Reiterkinder jedoch anders aus. Ab wann kann man denn von einer vielseitigen Ausbildung sprechen? Wenn ein Mal die Woche die Springstunde besucht wird? „Das muss man natürlich dem Rahmen der Möglichkeiten anpassen“, sagt die Reitmeisterin. „Für den einen ist es schon ein Abenteuer, ein Cavaletti zu springen, für den nächsten ist es ganz normal, Geländesprünge zu nehmen.“ Wichtig wäre, vorsichtig anzufangen und dranzubleiben bei einem abwechslungsreichen Programm

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Das gilt übrigens genauso für die Pferde. Ihr aktuelles Jungpferd Firlefranz geht in dieser Saison zum Beispiel genauso eine Dressurpferdeprüfung der Klasse A wie eine Springpferdeprüfung der gleichen Klasse und eine Geländeeignungsprüfung. Auch eine Geraldine, deren Talent klar im Dressurbereich liegt, wird über Cavaletti trainiert und macht einen Gehorsamssprung – auch, wenn eine weiterführende Springausbildung nicht ideal für sie wäre. Für die Cavalettiarbeit haben wir übrigens ja ganz viele Inspirationen für das Training daheim in der pferdiathek, hier zum Beispiel.

Für Nector war die Galoppstrecke ein Heilmittel

Genau diese Vielseitigkeit tut den Pferden auch bezüglich der Motivation gut. Und manchmal sind es eben diese ganz unterschiedlichen Ausbildungswege, die erst eine Zusammenarbeit ermöglichen. Ingrid Klimkes Pferd Nector van het Carelshof, mit dem sie in den 90er Jahren erfolgreich war, ist ein gutes Beispiel dafür. Der Wallach war sehr schwierig, galt sogar als nicht reitbar. „Geholfen hat bei ihm zum Beispiel Galopptraining auf der Rennbahn“, erzählt sie. „Durch die vielseitige Arbeit wurde er motiviert, wir wurden ein Team und später konnte ich ihn auch in Grand Prix Prüfungen vorstellen.“ Die vielseitige Ausbildung ist aber nicht nur motivationsfördernd – sondern sie dient auch der Gesunderhaltung, indem die verschiedensten Muskelpartien angesprochen werden. Genau erklärt sie das übrigens auch in ihrem neuesten Buch "Reite zu Deiner Freude". 

Also: Die Reitmeisterin ist sicher eine Ausnahmesportlerin mit ihrer eigenen Vielseitigkeit. Aber im Kleinen ist dieses Rezept der Vielfältigkeit für jeden Reiter und jedes Pferd geeignet. Wer loslegen will, findet hier bei uns sicherlich genau das richtige Material, um Ideen für das Training daheim zu finden!