Interview: Britta Schöffmann über Ihre Ausbildungsfilme

Reitunterricht-Britta-Schoeffmann

Dressurausbilderin Dr. Britta Schöffmann hat mit pferdia einige Lehrfilme veröffentlicht. „Reiten gut erklärt“ heißt die ausführlichste Reihe. Nun gibt es die ersten vier Folgen aus dieser Reihe auch in englischer Sprache. Die Folgen Drei und Vier, „Stellung und Biegung“ sowie „Seitengänge“, sind mit der Dressurausbilderin verfilmt, die ersten Folgen mit Reinhart Koblitz.

Im Interview erzählt Britta Schöffmann hier über Schüler aus England, Turniere in den USA und über das Vermeiden vom Fehlergucken und das Gleichgewicht des Pferdes.

Sie kommen quasi frisch aus der Sprecherkabine. Diesmal haben Sie sich selbst synchronisiert – ist Ihnen das Englische so vertraut?

Ich spreche nicht ganz schlecht Englisch, aber bin natürlich kein Muttersprachler. Manchmal möchte man etwas sagen, und statt der korrekten Ausdrücke kommt etwas ganz anderes heraus. Das war sehr lustig – dann haben wir gelacht und es nochmal gemacht!

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Warum haben Sie es selbst gesprochen?

Ich unterrichte ja viel in den Filmen, und spreche die Reiter direkt an, da fand ich es natürlicher, das selbst auch auf Englisch zu sprechen.

Haben Sie im Alltag Schüler, die sie auf Englisch unterrichten?

Ab und an. Eine Bekannte aus Jersey, England, ist mal für drei Wochen zu mir gekommen, um sich fortzubilden. Sie hat eine Lücke zwischen zwei Anstellungen genutzt, ihr Pferd nach Deutschland gebracht und für drei Wochen mit mir traininert. Das war immer auf Englisch. Ihr Pferd ist auf meinem Buch „Jedes Pferd ist anders“ auf dem Titel abgebildet. Und ich war zu Jugendzeiten mehrmals bei Reiterfreunden in den USA.

Oh, was haben Sie denn dort in den USA mit Pferden gemacht?

Ich habe da in meinen frühen 20ern Unterricht gegeben. Das war in Oregon und Idaho. Dem Pferd meiner Gasteltern in Oregon, dem Hannoveraner Prompt, habe ich in der Zeit damals die fliegenden Wechsel beigebracht.

Wie sah denn die Dressur-Turnierszene in den USA zu der Zeit aus?

Sie steckte noch ziemlich in den Kinderschuhen. Es gab zum Beispiel die Oregon Dressage Meisterschaften, die bin ich damals mit Promt geritten bin. Die Prüfungen waren auf L/M und M/S-Niveau. Die habe ich auch gewonnen, aber das war damals wirklich nicht so schwierig!

Ich könnte mir vorstellen, dass man beim Synchronisieren, wenn man ja alle eigenen Unterrichtssequenzen noch mal anguckt, manchmal denkt: „An dieser Stelle hättest Du aber noch das und jenes sagen können!“ Ist das so bei Ihnen? Würden Sie im nachhinein manchmal dem Schüler etwas anders vorschlagen?

Eigentlich nicht! Wenn ich unterrichte, kommt das einfach raus. Ich spüre intuitiv, was gerade das Wichtigste ist, und konzentriere mich darauf. Dabei lasse ich mich von Reiter und Pferd situationsbeding lenken. Im Großen und Ganzen hätte ich das genauso den Reitern wieder gesagt. Wenn man an allem herumpickt, dann verliert man sich in Fehlern.

Wie meinen Sie das, man verliert sich in Fehlern?

Nehmen wir mal ein Beispiel. Der Reiter soll anhalten. Der Übergang gelingt ihm, die Parade zum Halten ebenso. Doch das Pferd steht nicht ganz geschlossen. Dann kann man sagen: Dein Pferd steht nicht ganz geschlossen. Oder man sagt: Die Parade und der Übergang waren schön. Wenn etwas noch nicht perfekt ist, ist das nicht schlimm, dafür arbeitet man ja daran. Man muss nicht an jeder Kleinigkeit herumkritisieren.

In ihrem Film „Reiten gut erklärt: Stellung und Biegung“ ist ein vierjähriges Pferd zu sehen, dem es noch schwer fällt, die Zirkellinie einzuhalten. Was bedeutet es in dem Fall, das große Ganze zu sehen?

Es hilft immer, sich vorab zu fragen: Was habe ich hier eigentlich für ein Pferd vor mir? Es ist ganz natürlich für ein jüngeres Pferd, dass es in Wendungen sein Gleichgewicht verliert. Diesem hier auf der rechten Hand schwerer, als auf der linken Hand, die Zirkellinie oder die Voltenlinie einzuhalten. Daher drängelt es auf der rechten Hand innen gegen das Reiterbein. Wichtig ist in solchen Momenten aber, nicht 100 Mal das Gleiche zu reiten, in der Hoffnung, dadurch würde sich etwas bessern. Man muss das im Zusammenhang sehen: Das Gleichgewicht des jungen Pferdes bessert sich durch vieles, was es unter dem Reiter macht.

Was soll der Reiter stattdessen tun?

Erst mal einfach zur Kenntnis nehmen, dass das Pferd noch nicht im Gleichgewicht ist. Dann in der Kombination leichter Lektionen, die jedoch für junges Pferd schwer sind, daran arbeiten, dass es besser ins Gleichgewicht kommt. Stellen und Biegen gehört dazu. Das junge Pferd lernt über Stellungs- und Biegungsarbeit, sich auszubalancieren, seine vier Beine gleichmäßig in den Wendungen zu belasten.

Wie sieht es ohne Reiter denn aus, in dem Alter und Ausbildungsstand?

Beobachtet man junge oder unausgebildete Pferde im Freilauf in der Halle, kann man sehen, dass sie, vor allem beim schnellen Galoppieren, in den Ecken nach außen schauen. Sie balancieren sich so über ihren Hals aus und belasten dabei vermehrt ihr inneres Vorderbein. Wenn ich mit dem Pferd arbeite, möchte ich aber nicht, dass das Pferd immer das innere Vorderbein mehr belastet, denn das würde zu Verschleiß führen. Das ist eine hohe Belastung, die ich durchs dressurmäßige Arbeiten reduzieren beziehungsweise verhindern möchte.

Das ist eigentlich schon die Essenz der gesamten Ausbildung, oder? Das Vermeiden von gesundheitlichen Problemen unter dem Reiter.

Ja. Gute und richtige Ausbildung zielt darauf ab, dass das Pferd unter dem Reiter länger gesund bleibt.