Interview: Zwei Araberhengste für Anja Beran

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Bei unseren Dreharbeiten staunten wir nicht schlecht, als zwischen den Lusitanos und P.R.E.s noch etwas ganz anders frisch im Stall stand: ein dreijähriger Araberhengst. Gekört, vom Landgestüt Marbach, das wiederum berühmt ist für seine Araberzucht. Seit drei Monaten ist Malakil ox hier bei Anja Beran – und es soll noch ein zweiter Araber hinzukommen. Im Interview erklärt die Dressurausbilderin, was sie an diesen Vollblütern so fasziniert.

Wir sind überrascht. Klären Sie uns auf: Was macht denn dieser Araberhengst hier?

Ich mag sehr gern Araber, mein erstes Pferd Shahin gehörte zu dieser Rasse. Sie sind mir ganz nah, und so habe ich immer wieder mal welche zum Anreiten da. 

Dieser hier kommt aus Marbach. Wie kam’s zu dazu?

Die Leiterin vom Haupt- und Landgestüt Marbach, Astrid von Velsen-Zerweck, kenne ich schon lange, wir haben uns bei der Gründung des Vereins Xenophon kennengelernt. Anfang dieses Jahres haben wir uns im Zirkus Krone getroffen. Seit vielen Jahren bin ich dem Zirkus verbunden, und es gibt dort 14 Araber aus Marbach. Ich ritt mit Jana Lacey-Krone, meiner Freundin und Leiterin des Zirkus, und schon im Training und während der Vorstellung schaute sich die Landstallmeisterin das an. Danach fragte Astrid von Velsen-Zerweck, ob ich zwei ihrer jungen Araberhengste ausbilden wollte.

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Wussten Sie da schon, welche Hengste genau in Frage kämen?

Ich bin später nach Marbach gefahren und habe die beiden ausgesucht. Wichtig war, dass es zwei Hengste sind, die sicher im Besitz des Landgestüts bleiben. 

Bis zu welcher Ausbildungsstufe ist die Zusammenarbeit denn geplant?

(Lachend) Naja, schon länger, schon so, dass es in eine höhere Ausbildung mündet und die Hengste nur ab und zu fürs Decken den Stall verlassen.

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Also heißt das Projekt, zwei Araber in die höheren Reitkünste einzuweisen, wie spannend! Was sind für Sie die prägnantesten Unterschiede in der Ausbildung eines Arabers im Vergleich zu einem Iberer oder einem Warmblut?

Das Gebäude ist natürlich unterschiedlich. Ein Araber kann genauso piaffieren oder passagieren erlernen, doch man muss sich bei solchen Rassen von dem typischen Bild dieser Lektionen frei machen. Die Kruppe des Arabers ist in der Piaffe horizontaler, der Schweif wird höher getragen, und die Vorhandbewegung in der Passage ist weniger ausgreifend. 

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Wie viel ist denn möglich, woran machen Sie das fest?

Ich muss immer schauen, was für diesen Pferdetyp im Verhältnis geht. Wenn es mir gelingt ihn etwas zu schließen, die Hinterhand zu aktivieren, das Gewicht gleichmäßig auf alle Pferdebeine zu verteilen, so dass das Pferd geschlossen und gerade ist, dann ist etwas erreicht. Zwar möchte ich eine starke Rückenmuskulatur aufbauen, aber ich kann die Rückenform nicht total verändern. Ich muss die Anatomie des Rückens sehen, ich kann nicht das Skelett umformen.

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Was beachten Sie denn bei diesem Pferdtyp besonders? 

Ich muss darauf achten, dass der Antritt von der Hinterhand nicht steckenbleibt, sondern durch den Körper fließt. Ganz viel bringen uns bei den Arabern die Seitengänge. Ihr Körper wird dadurch geschmeidiger. Schließlich sind sie fürs gerade vorwärtsgehen gezüchtet, im Gegensatz zum Beispiel zu den Iberern, die für engste Wendungen und geschmeidiges Drehen gezogen wurden.

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Gibt es etwas, das Sie als Dressurausbilderin besonders an der Ausbildung eines Arabers reizt? 

Ich finde toll, dass sie anders sind! Ich mag ihre Eleganz und Feinheit, ich mag es, dass sie handlich sind, ich bin ja selbst nicht so groß. Außerdem sind sie sehr menschenbezogen, Araber beobachten einen, sind sehr interessiert und auch sehr intelligent. Daher sollte man als Mensch lieber nicht so viel falsch machen mit ihnen!

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