Dr. Britta Schöffmann: „Jedes Pferd ist es wert, sich mit ihm zu beschäftigen!“

Reitschülerin-bei-Britta-Schöffmann

Die Ausbilderin Dr. Britta Schöffmann hat selbst bis Grand Prix geritten, sich international einen Namen durch ihre Fachbücher gemacht und gerade zwei Lehrfilme mit pferdia tv abgedreht. Sie führt die Reihe „Reiten gut erklärt" fort und steigt als Autorin somit direkt mit Teil 3 der Serie ein. 

Das Thema des ersten Films lautet „Reiten gut erklärt, Teil 3: Geschmeidigkeit durch Stellung & Biegung“. Wenn Sie sich auf drei Tipps beschränken müssten, welche Gedankenstützen würden Sie Schülern zu dem Thema auf den Weg gebe? 

Stelle Dir in Wendungen Deinen inneren Schenkel als Pylone vor, um den Du herumreitest! Male Dir vor Deinem inneren Auge die Linie einer Wendung wie einen breiten Pinselstrich auf den Sandboden! Konzentriere Dich auf jede einzelne Ecke!

 „ICH FINDE ES SCHADE, DASS VIELE GUTE AUSBILDER

ALTERNATIVE RASSEN NICHT ERNST NEHMEN."

Im Film sind ganz unterschiedliche Pferderassen zu sehen – unterrichten Sie querbeet, was die Rassen betrifft?

Klar. Ich habe neben den Warmblütern auch Haflinger, Iberer, Dülmener, Friesen oder Tinker in meiner Kundschaft. Mich fesselt einfach die Ausbildung von unterschiedlichen Pferdetypen. Es geht mir nicht nur darum, beim talentierten normalem Warmblüter voran zu kommen, sondern aus jedem Pferdetyp das Beste rauszuholen. Ich finde es schade, dass viele gute Ausbilder alternative Rassen nicht ernst nehmen. Egal ob Friese oder Hafi – jedes Pferd ist es immer wert, sich damit zu beschäftigen und es in seinen Grenzen zu fördern.

Wonach suchen Sie Ihre Schüler denn aus?

Meine Schüler suchen mich aus.

(Sie lacht.)

Da ich ja nur nebenher, quasi in meiner Freizeit unterrichte, kann ich mir den Luxus erlauben, nur Reiter zu nehmen, die meine Einstellung zum Pferd teilen. Mir ist wichtig, dass die Leute ihre Pferde lieben, etwas lernen wollen und nett sind. Wenn dabei Turniererfolge herumkommen ist das schön, aber kein Muss.

Pferde-brauchen-Beschäftigung
ausgebildet-von-Britta-Schöffmann

Von wem haben Sie Ihr Handwerk gelernt?

Ich hatte das Glück, dass meine Eltern - mein Vater ist selbst geritten – mir auf jeder Ebene meines Reitens immer guten Unterricht ermöglichten. Prägende Ausbilder waren Ulla Schneider zu meinen Ponyzeiten, danach Waltraud Weingarten und Fritz Tempelmann, bei dem ich mehrere Jahre war. Auch Harry Boldt und Jean Bemelmans gehörten zu meinen Reitlehrern. Meine wichtigsten Lehrer waren aber sicher Fritz Tempelmann und später Klaus Balkenhol, zu dem ich auch oft mit meiner La Picolina, genannt Liese, zum Training gefahren bin.

Britta-Schöffmann-gibt-Reitunterricht

„ER STAND NEBEN MIR WIE EINE KUH 

UND DANN HABEN WIR HAUSHOCH GEWONNEN!"

Liese, inzwischen Rentnerin, ist ihre große Pferdeliebe, das sieht jeder, der Ihr facebook-Profil ein wenig verfolgt. Wer waren denn die wichtigsten Pferde zu Ihren Jugendzeiten?

Liese ist etwas ganz besonderes. Aber mir waren alle wichtig. Damit habe ich es meinen Eltern wohl auch nicht immer leicht gemacht, denn als zum Beispiel mein Pony Jeanny oder mein erstes Großpferd Solana qualitativ nicht mehr ausreichten, habe ich mich Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass sie verkauft wurden. Und so wurde damals unser Pferdebestand immer größer. Mit etwa 20 Jahren habe ich mir mein goldenes Reitabzeichen mit zwei Pferden erritten, nämlich mit Dominik und Vivance. Dominik war eher klein und unscheinbar, aber unglaublich leistungsbereit. So habe ich mit ihm vor gefühlten 100 Jahren zum Beispiel mal eine M-Kür mit Stechen geritten. Die Normalaufgabe hab ich damals gewonnen und während wir auf unseren anschließenden Kür-Einsatz warteten, stand er neben mir wie eine Kuh, hat gechillt und keine Energie verschwendet. Die anderen sind eifrig abgeritten, ich hingegen bin nur kurz getrabt und rein ins Viereck. Während die anderen Pferde müde waren, war Dominik voll da und wir haben haushoch gewonnen! Und Vivance war das erste Pferd, das ich selbst bis Grand Prix ausgebildet habe.

Sie führen einen Doktortitel  – worin eigentlich haben Sie den erworben?

Ich bin Sportwissenschaftlerin und habe meine Doktorarbeit zum Thema „Reitsport im subjektiven und sozialen Kontext“ geschrieben.

Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Ich habe zum Beispiel unter anderem herausgearbeitet, dass der Leistungsgedanke auch bei den reinen Freizeitreitern da ist, nur eben auf einer anderen Ebene als beim reinen Turnierreiter. Dieses Besser-Werden-Wollen, das haben beide.

Filmdrehbesprechung-mit-Britta-Schöffmann
Am-Set-bei-pferdia

Gibt’s eigentlich eine Leidenschaft in Ihrem Leben außer den Pferden?

Bücher. Ich bin so ein Leser, wenn ich anfange zu lesen, dann höre ich nicht auf. Wenn ich selbst Bücher schreibe, dann lese ich deshalb schon gar nichts anderes, weil ich weiß, dass ich nicht aufhören kann.

Ihre größte Schwäche?

Ich bin absolut jeck nach Tieren, obwohl ich das eigentlich nicht als Schwäche bezeichnen würde. Wenn es nach mir ginge hätte ich einen Zoo! Wir haben drei Hunde, Nico, Merlin und Mafou, und drei Langhaarkatzen zuhause. Wenn wir Freunde zu Besuch kommen, sag ich denen schon: Zieh’ bloß nix Schwarzes an!

Vielen Dank, Dr. Britta Schöffmann! Wir freuen uns sehr auf den Film. Er erscheint Ende November 2015. Als DVD und hier in der pferdiathek. Übrigens ist in der aktuellen Ausgabe der St. Georg auch eine Reportage zum Dreh von Dr. Britta Schöffmann und pferdia tv zu lesen!

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