So arbeitet man junge Pferde – neue Ausbildungsserie mit Anja Beran

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Es gibt ein Aufbegehren unter den Reitern, das immer lauter wird: Den Menschen giert es danach, reell gearbeitete Pferde zu sehen. Keine zu jungen Pferde, die zusammengezogen strampeln, sondern vernünftige Arbeit. 

Und trotz dieser Sehnsucht der Basis bleiben Pferdeleute oft mit der Frage nach dem „Wie?“ allein zurück.

Genau da will die pferdiathek helfen, und eben gute Ausbilder ins Wohnzimmer holen. Ganz frisch in der pferdiathek ist zum Beispiel die Basisarbeit von Anja Beran mit ihren jungen Pferden zu sehen. Erste Schritte an der Longe und unter dem Reiter, die wir kürzlich in Süddeutschland bei Anja Beran gefilmt haben, und die zeigen, wie korrekte Jungpferdearbeit aussehen kann. 

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Was Sie davon konkret haben: Sie sehen, wie eine gute Ausbildung aussieht. Sie schulen ihr eigenes Auge und können daheim besser erkennen, in welche Richtung es gehen sollte oder auch nicht. Ein Beispiel: Beim Hengst Ballentines von Boston vom Landgestüt Schwaiganger zeigt Anja Beran, wie es denn genau aussehen soll, die zwanglose Haltung eines jungen Pferdes. Der Genickwinkel ist sehr offen, sie lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den Takt des Pferdes. Der sollte nämlich im Zentrum der Betrachtung stehen. Denn: von freier Haltung und Nase vor der Senkrechten reden viele bei der Ausbildung des jungen Pferdes. Doch was das konkret heißt, was der Reiter da auch an Maultätigkeit einfach akzeptieren soll, ist im Bewegtbild sehr gut zu erkennen. Zu sehen ist auch, wie der Hengst erst während einer Arbeitseinheit eine Verbindung zur Reiterhand entwickelt. Anja Beran betont zum Beispiel, dass der Hengst nicht diese Haltung einnimmt, weil er mit der Hand in diese Haltung manipuliert wurde, sondern weil er das Bedürfnis hatte, „das zeigt einem, dass die Arbeit richtig war“. 

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In jeder Einheit ist zu sehen, dass Anja Beran eine Ausbilderin mit Herz und Seele ist. So klingt es auch in ihrem Leitspruch, der auch in ihrem Autorenprofil auf wehorse.com ganz prominent zu lesen ist: 

„Mein einziges Bestreben ist es, in meinem Leben dafür zu sorgen, dass die mir so sehr ans Herz gewachsene Kunst der Reiterei mehr und mehr Verbreitung und Verständnis findet. Ich würde mir wünschen, dass sich viele Reiter für die klassische Reitkunst in ihrem ursprünglichen Sinne ernsthaft begeistern könnten.“

Doch: Nicht jedes Pferd ist gleich. Damit auch das dokumentiert wird, verfolgen wir in Anja Berans neuester Ausbildungsserie in der pferdiathek gleich drei ihrer Jungpferde: den Araber Malakil und Warmblüter Rüdiger und den oben genannten Ballentines. So entstehen langfristige, sorgfältige Arbeitsprotokolle, die jedem Zuschauer erklären, weshalb was wann für jedes Pferd ansteht. Das beginnt beim ersten Longieren, wie es bei Malakil zu sehen ist, und geht weiter damit, dass das junge Pferd mit Reiter an der Longe zu sehen ist. Im neuesten Lehrfilm mit Rüdiger ist zum Beispiel zu sehen, wie die Ausbilderin dem Pferd die Schenkelhilfe verständlich macht. Ganz immens wichtig ist es, dass die Schenkelhilfe nicht drückend wirkt, und dass die Reaktion des Pferdes immer prompt mit dem Aussetzen der Hilfen kommentiert wird, so dass das Pferd versteht, dass dies die richtige Reaktion war. Besonders schön: es ist die Arbeit im Werden zu sehen, und nicht etwa nur Ausbildungsschritte, die schon installiert sind. Das Anhalten an der Longe mit Reiter im Sattel ist zum Beispiel sehr schwierig für die Balance des jungen Pferdes. Anja Beran nimmt Stimme und die Bande zur Hilfe, die Reiterin hebt die Hände etwas an, um einen Kontakt herzustellen. Sofort wird gelobt, wenn das junge Pferd reagiert. Hier ist auch spannend zu sehen, was in diesen ersten Ausbildungsschritten wichtig ist, und was noch gar nicht. Toleriert wird zum Beispiel auf jeden Fall, dass das junge Pferd offen stehen bleibt. Wichtig ist einfach, dass es reagiert. 

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Die Idee: „Alles so vorbereiten, dass möglichst wenig schief gehen kann!“ Diese gute Vorbereitung kann der Zuschauer auf jeden Fall daheim ebenso übernehmen und erhält zahlreiche Anregungen, auf was alles zu achten ist. Das ersetzt sicherlich nicht den Ausbilder vor Ort, aber sensibilisiert und hilft mit, die richtigen Fragen zu stellen und Ausbildungsschritte korrekt einzuschätzen.