Königssee – das Interview

Ingrid-Klimke-und-Königssee

Königssee ist eines der sympathischen jungen Pferde von Ingrid Klimke. Der gekörte Hengst wurde 2014 Trakehner Geländepferdechampion (Züchter Dr. Elke Söchtig, Gestüt Elmarshausen, Besitzer: Marita Schreiber, Hof Nudow). Hier in der pferdiathek ist Königssee in seiner eigene Lehrvideo-Reihe zu sehen. Isabel Baumschäfer hat Ingrid Klimke beim Training besucht und mit ihr über Königssee und die Ausbildung junger Pferde generell gesprochen. 

Wir haben den Hengst Königssee im Training erleben dürfen. Es war auffällig wie locker und geschmeidig er war. Was ist Ihr Geheimnis?

Der Hengst bringt natürlich von sich aus alles mit. Aber dennoch, gerade mit so motivierten Pferden ist Ruhe und Zwanglosigkeit das oberste Gebot. Das heißt: fördern ohne zu überfordern. Da er schon angeritten war, haben wir ihn locker weitergearbeitet und ihn alsbald an neue Aufgaben herangeführt, damit er Abwechslung bekommt.

Und wie darf man sich das vorstellen?

Im Grunde so wie ich es mit ihm demonstriert habe. Kann man im Winter nicht raus, gestalten wir die Lösungsphase gerne so, dass wir Cavaletti mit einbauen. Erst im Trab auf dem Mittelzirkel, danach auch im Galopp auf der gegenüber liegenden Seite, um die Trab-Galopp-Arbeit interessanter zu machen und die Rückenmuskulatur noch besser zu lockern. Aber auch der frische vorwärts gerittene Galopp im leichten Sitz gehört natürlich dazu. Ohne das reiterliche Gewicht merkt das Pferd schnell, dass es sich entspannen kann. 

Die anschließende Arbeitsphase nimmt dann für Sie einen besonderen Stellenwert ein?

Ja, unbedingt. Ich unterscheide ganz klar Lösungsphase und Arbeitsphase voneinander, denn jetzt heißt es für das Pferd sich zu konzentrieren, sich zu sammeln und zu arbeiten. Während der Lösungsphase geht das Pferd in Dehnungshaltung. In der Arbeitsphase in relativer Aufrichtung, ganz klar mit der Stirnlinie vor der Senkrechten

Ingrid-Klimke-Schritt-reiten
Königssee-im-Schulterherein

Und im Falle Königssees?

Bei so einem jungen und im Muskelaufbau befindlichem Pferd beginne ich ganz in aller Ruhe und Konsequenz alle Lektionen zu entwickeln. Dass heißt: Übergänge vom Trab zum Schritt, leichtes schultervorartiges Geraderichten im Trab, große gebogene Linien in Form einer großen Acht zum Gymnastizieren und zur beginnenden Geraderichtung des Pferdes, sowie die konsequente Gewöhnung an die diagonalen Hilfengebung des treibenden inneren Schenkel an den äußeren Zügel. Natürlich gehören auch die halben Paraden, die Übergänge innerhalb einer jeden Gangart,  in leichter Form dazu, denn halbe und ganze Paraden sind die ersten Grundsteine, ohne die keine Lektion erarbeitet werden kann! Im Galopp wird an der langen Seite mal zugelegt, dann wieder eingefangen, durch die halbe Bahn ohne Galoppwechsel gewechselt und nach einem Übergang zum Schritt beim erneuten Angaloppieren der Zirkel, immer so wie sich das Pferd anbietet, verkleinert. Das bringt das Pferd immer wieder aufs Hinterbein und ist die Vorbereitung für spätere Galopppirouetten.

Sie haben mit Parmenides ja noch einen weiteren Trakehner im Stall, der nach seiner internationalen Vielseitigkeitskarriere nun in schweren Springen geht.

Ja, Parmenides ist ein ganz besonderes Pferd. Hellwach und nicht immer ganz einfach. Man muss sich total auf ihn einstellen, denn in seinem Übereifer macht er nach dem Sprung gerne mal einen Bocksprung. 

Ist das nicht schwierig, mit so einem Pferd große Springen zu reiten.

Ja und Nein. Er ist nicht guckig, einfach nur geladen und ich kenne ihn. Wenn es in die Prüfung geht, kämpft er wie ein Löwe. Er springt einfach immer und alles, da muss man ihm seine persönlichen Eigenarten schon lassen!

Ist das Ihr Geheimnis, nicht an den Pferden rumformen zu wollen?

Ich denke ja. Ich respektiere jede Pferdepersönlichkeit auch in ihren Eigenarten und versuche den Trainingsalltag so vielseitig wie möglich zu gestalten. Wir gehen mit allen Pferden ins Gelände. Wir springen sie und gymnastizieren sie dressurmäßig. Außerdem ist ein Hengst immer ein Hengst. Hengste sind häufig leichter abgelenkt als Wallache. Deswegen muss sich der Hengst so auf mich konzentrieren, dass meine halben Paraden interessanter sind als die Umwelt! Bei Stuten hingegen ist es eher so, dass sie ihren eigenen Kopf haben und ich in sie hineinhorchen muss, um sie besser zu verstehen.

Königssee-hat-Trakehnerblut

Also mit dem Pferd nicht gegen das Pferd.

Unbedingt. Wer versucht gegen Widerstände zu arbeiten, wird nie ein zufriedenes lockeres Pferd haben. Wer das Pferd auf seine Seite bekommt, ist der Sieger von morgen und wird erfahren, wie schön lockeres und entspanntes Reiten sein kann, in dem jeder seinen Teil zur Arbeit beiträgt. Wiederstände sollten immer Anlass zum Nachfragen sein.

Wie schaffen Sie es immer so entspannt alle ihre Aufgaben unter einen Hut zu bringen? Vorträge, Veranstaltungen, Turniere, Meisterschaften, Kinder und Familie?

Das geht nur mit viel Unterstützung. An erster Stelle steht natürlich die Familie, so wie meine Stallmanagerin Carmen, die ich aufgrund unserer engen Beziehung ebenfalls zur Familie zähle. Sie ist die gute Seele im Stall und keiner kennt die Pferde so gut wie sie. Ebenso hält mir der Rest des Teams den Rücken frei, sodass mir genügend Reitzeit bleibt. Da die Arbeit mit den Pferden im Vordergrund steht, ist die Zeit für Vorträge und Veranstaltungen leider knapp bemessen.

Reiten-in-Dehnungshaltung

Wie bereiten Sie sich auf diese großen Prüfungen vor?

Ein Saisonziel muss langfristig mit einem guten Plan erarbeitet werden. Der Weg ist das Ziel und die tägliche Freude mit den Pferden! Ob große oder kleine Prüfungen anstehen, die sinnvollen Schritte und Übungsritte, um Erfahrungen zu sammeln sind aufwendig und es ist harte Arbeit, die gut organisiert werden muss.

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Zum Saisonplan gibt es auch eine Videonachricht von Ingrid Klimke im pferdiathek-Magazin, sie ist HIER zu sehen. Hilfreich für die Trainingsplanung ist auch Ingrid Klimkes Trainings-App. Königsees bisherige Ausbildung bei Ingrid Klimke ist in der pferdiathek zu sehen. Regelmäßig fährt das Team von pferdia tv zu ihr nach Münster, um die nächsten Ausbildungsschritte von ihm und der Stute Soma Bay im Film festzuhalten.