So baust Du Kondition und Muskeln bei Deinem Pferd auf

Jessica-Bredow-Wendl

Zum Saisonstart fit sein! Genau jetzt ist die richtige Zeit, um für die Saison an Muskel- und Konditionsaufbau zu denken. In sechs, acht Wochen lässt sich so einiges bewirken!

Wie lange dauert das Auftrainieren?

Beginnt man jedoch von Null, vielleicht durch eine richtige Winterpause oder durch Krankheit bedingt, muss mehr Zeit eingeplant werden. Ingrid Klimke rechnet bei ihren Pferden nach einer Zwangspause mit acht bis zwölf Wochen, bis sie wieder im vorherigen Trainingszustand sind. Anfangs ist Schritt die wichtigste Gangart für den Aufbau, und geradeaus zu reiten ist ebenso wichtig. Erst nach und nach nimmt sie gebogene Linien hinzu. Die Gangarten Trab und Galopp kommen erst etwas später hinzu. Das dann ebenfalls langsam aufbauend. Das kann zum Beispiel bedeuten: erst fünf Minuten Trab, dann konstant immer etwas mehr verlangen. Genau erklärt Ingrid Klimke Ihre Vorgehensweise hier in einer Videonachricht.

Wie baut man Pferdemuskeln auf?

Nur mit der Forderung nach ‚mehr’ bauen sich Muskeln auf. Vorstellen kann man sich Muskeln als kleine Kraftwerke, in denen viele biochemische Prozesse ablaufen. Sie bestehen aus lebendigen Zellen, die Energie und Sauerstoff benötigen. Muskulatur aufbauen bedeutet, dass die Muskelzellen wachsen – und nicht stagnieren oder gar schrumpfen. Durch die Kombination von Trainingsreiz und Pause sowie einer Konstanz in dieser Abfolge und der passenden Fütterung kann Muskulatur beim Pferd aufgebaut werden.

Muskel-und-Konditionstraining

Trainingsreize setzen

Mit dem Trainingsreiz ist gemeint, dass den Zellen in den Muskeln ein Anreiz geboten werden muss, damit sie das Signal zum Wachsen erhalten. Zellen im Muskel wachsen, wenn der Trainingsreiz bis zur oder leicht über die Leistungsgrenze gesetzt wird. Denn dann bemühen sich die Muskelzellen, vereinfacht ausgedrückt, für das nächste Mal gewappnet zu sein. Sie wachsen daher. Für diesen Prozess wird die Pause benötigt. Deshalb macht es überhaupt keinen Sinn, fünf Tage hintereinander das Gleiche in gleicher Intensität zu üben. Pause heißt aber auch nicht Stehtag!

Ein grobes Beispiel für eine solche Abfolge: Einen Tag intensives Training, dann einen Tag locker an der Longe oder ins Gelände und am nächsten Tag lockeres Stangentraining. Erst dann folgt wieder ein intensives Training.

Erst länger, dann schneller!

Geht es um Kondition, dann sind die Muskeltypen gefragt, die für Langzeitarbeit genutzt werden. Nicht diejenigen, die für die Kraft zuständig sind. Für Kraft oder Durchhaltevermögen, also Kondition, sind tatsächlich unterschiedliche Muskelfasertypen zuständig. Je nach Ziel muss der Reiter daher auch unterschiedlich arbeiten.

Ein Beispiel: Das Freizeitpferd, das im Winter eher mäßig trainiert wird, soll wieder auf längere Ausritte vorbereitet werden. Grundregel hier ist: Erst die Zeit, dann erst das Tempo erhöhen! Viel Schritt reiten, denn das gibt Kondition.

Ein anderes Beispiel: Das Dressurturnierpferd in privater Hand, das im Winter zwar regelmäßig, aber mit eher wenig intensiven Trainingsreizen geritten wurde. Ziel ist die nächste Saison, und es soll wieder mehr Konstanz und Kraft aufgebaut werden. Dann geht es um die Muskeln, die eher für Kraft zuständig sind. Viele Übergänge zwischen den Gangarten und in den Gangarten und je nach Ausbildungsstand auch die Seitengänge sind Beispiele für Übungsabläufe, die Kraft erfordern.

Gelände-Werndl

Die Rückenmuskulatur und Bauchmuskulatur des Pferdes trainieren

Ein häufiger Reiterwunsch ist es, die Rückenmuskulatur des Pferdes aufzubauen. Tatsächlich müssen für das funktionale Reiten Muskelgruppen zusammenarbeiten, nicht nur ein bestimmter Muskel besonders gekräftigt werden.

Vergessen wird beim Thema Rückenmuskulatur zum Beispiel gern, dass die Bauchmuskulatur als Gegenspieler für die Rückenmuskulatur sehr wichtig ist. Die Bauchmuskulatur kann auch zum Beispiel durch Seitengänge in der Bahn sehr gut angesprochen werden (wer das Schlagwort ‚Seitengänge’ in die Suchfunktion von pferdia eingibt, erhält viele Ideen für Trainingsmöglichkeiten).

Das Gelände ist außerdem ein toller Trainingsreiz. Draußen galoppieren hilft, um die Bauchmuskulatur des Pferdes zu aktivieren. Doch auch in den anderen Gangarten lässt sich im Gelände prima arbeiten. Wer Schrägen, kleine Kletterberge und Wälle im Ausreitgelände hat, kann noch viel mehr für den Körper des Pferdes tun. Wie Vielseitigkeitsausbilder Christopher Bartle das Auf und Ab im Gelände nutzt, um Schubkraft und Hinterhandaktivität zu verbessern, ist in diesem Film zu sehen.

Was der Reiter für seine eigene Fitness tun kann

Wenn wir Reiter möchten, dass unser Pferd in den nächsten Wochen fit wird, dann kann er das ganz stark durch seine eigene Fitness fördern – oder behindern. Neben dem Bewegungsgefühl ist Körperbeherrschung das Mittel, um besser zu reiten. Reiter brauchen für ihre Körperbeherrschung weit mehr Körperspannung, als die meisten glauben! Es lohnt sich, dem Aufmerksamkeit zu widmen. Denn Fitness und die Balance ist eine Stellschraube, an der jeder Reiter drehen kann! Je besser der Reiter diese schult, umso besser kann er den Pferdebewegungen folgen und diese kanalisieren.

Wie viel Training sollte es denn zusätzlich noch sein?

Für die Beweglichkeit würde Sportpädagoge Eckart Meyners uns Reiter am liebsten jeden Tag auf der Gymnastikmatte sehen. Doch effektiv wird es schon, wenn wir zwei Mal die Woche auf die Matte gehen. Seine Faustregel lautet: „Ein Mal die Woche Training erhält die Kondition, alles darüber steigert de Kondition!“ Das hat uns Eckart Meyners in diesem Interview erzählt. Darin gibt er noch mehr Tipps für die Fitness von Reitern, und auch seine Trainingsvideos auf pferdia.de findet ihr dort gesammelt. Natürlich baut man auch durchs Reiten selbst Muskulatur auf. Doch wer es schafft, zusätzlich Ausgleichssport zu betreiben, kann viel für den Reiterfolg tun!

Also legt los, viel Spaß und Erfolg dabei!