Kurzkehrt reiten – die vergessene Lektion

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Letztens sprachen wir über den Außengalopp, es gibt aber noch eine weitere Schlüssel-Lektion auf dem Weg von Klasse A zu Klasse L. Das Kurzkehrt, das sicherlich bei vielen ein wenig im Schatten steht und wenig Beachtung im Training bekommt. 

Dabei ist es wichtig, denn es ist eine die Seitengänge vorbereitende Lektion. Das Pferd muss dabei mit dem äußern Vorderbein vor das innere greifen, es dehnt bei einem sauber gerittenen Kurzkehrt seine jeweils äußere Seite sehr schön. Doch die häufigste Fehlerquelle liegt hinten: Die Hinterbeine müssen gut mittreten, und das Pferd darf nicht ins Rückwärts kommen. Sauber arbeiten ist hier also sehr wichtig.

Mit einer ordentlich gerittenen Kurzkehrt-Wendung kann der Reiter auf dem Turnier auf jeden Fall punkten! 

Die wichtigsten Fakten zum Kurzkehrt: 

- Es wird aus der Bewegung heraus geritten.

- Die Vorhand bewegt sich um die Hinterhand.

- Das äußere Vorderbein greift vors innere.

- Die Hinterbeine treten mit, kreuzen aber nicht.

- Das Pferd ist dabei in Bewegungsrichtung gestellt und leicht gebogen.

- Es erfolgt immer in der Vorwärtsbewegung, nie rückwärts!

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Schritt für Schritt mit Just Paul durchs Kurzkehrt: Das Pferd ist nach innen gestellt, der inner Schenkel fordert die Längsbiegung ein.
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Abgewendet wird mit dem äußeren Schenkel, hier sieht man, dass der innere Schenkel kurz pausiert. Die Reiterin sitzt in Bewegungsrichtung.
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Das äußere Vorderbein muss um das inner greifen, die Hinterbeine sollen mitschreiten.
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Die Konzentration von Pferd und Reiter ist gut zu erkennen.

Wenn die Hinterbeine nicht mittreten

Was zu tun ist, wenn die Hinterbeine nicht jeden Schritt mitgehen, sondern der  Huf im Stand einfach nur mitdreht, zeigt zum Beispiel hier Britta Schöffmann im Unterricht mit dem Tinker Trusty Harry. In diesem Film ab ungefähr 9.20 ist das zu sehen. „Fange den Schritt vor der Lektion ab und treibe dann in ihr wieder vor, damit er fleißig bleibt von hinten!“ sagt Britta Schöffmann. Dass Harry direkt auf die Schenkelhilfe reagiert, wird klargestellt, in dem die Reiterin mit einer zunächst Verstärkung der Hilfe dann die Hilfe verfeinern kann, weil das Pferd direkter darauf reagiert. „Nicht fünf Mal halbgar, lieber eine eindeutige Schenkelhilfe!“ sagt Britta Schöffmann dazu. In dieser Sequenz ist auch gut das miteinander von immer wieder das Pferd abfangen und parieren und es dann wieder nach vorn schicken zu erkennen. Der Reiter muss hier gut im Timing sein und auch zeitig genug die Hilfe geben. Konzentration und Koordination sind somit im Kurzkehrt von Reiter und Pferd verlangt.

Fehler, die passieren können:

  • Das Pferd versteht den äußeren, verwahrenden Schenkel als Hilfe zum Angaloppieren (Lösungsansätze: Halbe Paraden nutzen, vorab schauen, ob die Vorbereitung stimmig war)
  • Der Schritt leidet. (Lösungsansätze: zwischendurch immer wieder den korrekten, schreitenden Schritt reiten und mit wenigen Ansätzen die Lektion beginnen – eine Viertel-Kurzkehrt reicht anfangs!)
  • Das Pferd tritt hinten nicht mit (Lösungsansätze siehe Abschnitt oben mit Tinker Harry)
  • Das Pferd kommt ins Rückwärts (Lösungsansätze: Lektion größer anlegen und das Vorwärts als Priorität ansehen, im Schritt vorab darauf achten, dass das Pferd schreitet und vor dem Schenkel ist)  
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Beim jungen Pferd

Wie sie bei einem jungen Pferd das Kurzkehrt einbaut, erklärt Ingrid Klimke HIER ungefähr ab 18:10 mit der damals sechsjährigen Soma Bay. Sie legt das Üben des Kurzkehrts in die Phase zwischen Galopp- und Trabarbeit einer Trainingseinheit. Wichtig ist, dass nicht sofort eine komplette Wendung geübt wird, sondern zunächst eine Viertelwendung gelingen soll – das Pferd muss erst mal verstehen, in die Bewegungsrichtung zu treten. Vorab wird sichergestellt, dass das Pferd fleißig voran schreitet – der Reiter muss es vor dem Schenkel haben.

Die Gewichtshilfe

Kurz vor der Lektion wird der Schritt etwas eingefangen, Ingrid Klimke spricht davon, Soma Bays gewaltigen Schritt zu verkürzen. Sie beginnt zunächst auf der linken Hand, reitet davor schon in Stellung und achtet darauf, dass sie mit dem linken, inneren Schenkel gut durchkommt.  Das Pferd soll im Kurzkehrt nach innen treten, also in Richtung der Stellung, was in dieser Klasse zwischen A und L etwas Neues fürs Pferd ist. Die Gewichtshilfe des Reites („Bügel austreten!“) liegt dabei in Bewegungsrichtung und Stellung, also nach innen. Gelingen die wenigen Schritte des Viertel-Kurzkehrts, reitet die Ausbilderin wieder heraus, also einfach geradeaus. Im Filmbeispiel verlässt sie den Hufschlag und legt sehr flott danach das nächste Viertel-Kurzkehrt an, und diesmal ohne die Hilfe Hufschlag, sondern auf der freien Linie. 

Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Takt des Schritts erhalten bleibt – das Pferd soll nicht verzögern, also langsamer werden, oder aber durch die neue Lektion durcheilen. Ingrid Klimke wiederholt die Lektion einige Male, und stellt dazwischen sicher, dass Soma Bay gut voran schreitet.  Gern legt sie das Kurzkehrt auch vor der zweiten Ecke an der kurzen Seite an. 

Viel Erfolg beim Üben!