Wie das Pferd die Langeweile los wird

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Das Pferd muss stehen. Seit Wochen. Natürlich ist das furchtbar langweilig, und wenn man dann auch noch einen Kandidaten hat, der Arbeit eigentlich auf die Stirn geschrieben trägt, wird es nicht einfacher. Wie man helfen kann. Und was diesbezüglich Humbug ist. 

 

Zunächst: das Foto da oben lügt.  Bei uns geht es gerade nicht ums Reiten. Wäre schön, wenn. Doch mein Pferd, das da oben im Bild, hat Auszeit. Das Pferd steht, oder genauer: darf Schritt gehen. Trauma auf dem Griffelbein bedeutet: es dauert Wochen. 

Ätzend. Ihre Laune ist schlecht, sie ist genervt, sie ist ein Arbeitstier, vom Gemüt her, kein Schmusepferd. Das macht es nicht leichter. 

Was kann man tun, wenn das Pferd so lange stehen muss? Ich habe einige Sachen gefunden, die funktionieren und andere, die ich für Humbug halte. Die funktionierenden: 

  1. Keine Box. Pferd hat einen Offenstall für sich alleine, vorzustellen wie eine XXL-Box mit einem XXL-Paddock dran. Der ist noch schön langgezogen, so dass sie auf und ab spazieren kann. Zum Glück nutzt sie es nicht als Rennpiste.

  2. Nachbarn. Da kann ich nur dem Winter danken, denn ansonsten ständen ihre Paddock-Freunde auf der Weide, und nicht Zaun an Zaun bei ihr. (Sie freut sich übrigens mehr über die Warmblüter rechts am Zaun als über die Islandstute links vom Zaun. Und klar, es wäre schöner, wenn sie mit anderen Pferden gemeinsam stünde, ohne einen Zaun dazwischen. Es gibt jedoch Gründe wie Fütterung zum Beispiel, die das nicht möglich machen, momentan.)
     
  3. Heunetz. Kleinmaschig, gut gefüllt. So dass sie immer was zu futtern hat.

So. und jetzt googlet mal alle Boxenruhe und Pferd beschäftigen. Man findet da sehr viele Ideen.  Ich könnte Clickern, ich könnte Möhrenstücke im Stall verstecken, ich könnte Äste zum Beknabbern aufhängen. Ich könnte Äpfel in eine Wasserwanne schmeissen, sie schwimmen lassen, und zuschauen, wie mein Pferd versucht, sie rauszufischen. Ich könnte ihr Obstgehölze und Haselnusszweige anbieten, zur Abwechslung. Ich könnte Bälle aufhängen. Ich könnte ihr eine Mineralbar bauen. 

Das wäre alles nett. 

Und würde sie 20-60 Minuten beschäftigen.

An den anderen 23 Stunden des Tages kämen wir wieder zu Punkt 1 bis 3. 

Fakt ist: Es ist langweilig und öde. Ich kann es kaum ändern. Alle Extras, die da oben aufgelistet sind, sind keine Langzeit-Zeittodschlager fürs Pferd. Sie befriedigen vielleicht meinen menschlichen Drang, ihr was Gutes zu tun. Aktionismus, wenn man es böse sagen will. Denn das, was sie am dringendsten braucht, das darf ich ihr gerade nicht zukommen lassen: tatsächliche Bewegung. 

Die Ideen mit den Beschäftigungsmöglichkeiten als puren Aktionismus abzustempeln - so weit würde ich nicht gehen. Ich finde das nicht total umsonst. Ich finde, es sind nette Ideen. Ein paar davon machen wir auch schon mal. Am besten finde ich noch, wenn ich es hinbekomme, dass sie zwei Mal am Tag besuchen kann. Sie freut sich immer, man sieht es ihr an, dass sie nach Abwechslung giert.

Nur, da darf Mensch sich nichts vormachen: Es ist langweilig, die meisten Stunden des Tages. Das ist Fakt, und ich kann dagegen nichts machen. Ist so. Erträglich machen die Wochen des Wartens nur die Grundbedingungen, die stimmen müssen: Licht, Luft, soviel Bewegung wie in ihrem Zustand möglich, Pferdefreunde, langsame Futteraufnahme. Punkt eins bis drei. 

Die Basics. Die wertvollen.

PS: Das Foto oben entstand im vergangenen Winter. Fee sollte für ein Foto mehrfach den gleichen Weg hoch und herunter traben, schön gesittet, und das fand sie nach mehreren Malen richtig doof. Dann wirft sie schon mal den Hintern hoch. Sie ist und bleibt eine grellige, arbeitssame Stute. Auch mit 24 Jahren (Huch! Ja, wirklich!). Mag ich. Und ich mag diesen Schnappschuss.