Longieren am Gebiss oder am Kappzaum – wann ist was richtig?

Gebiss-Kappzaum-Longieren

Wer sich mit dem korrekten Longieren beschäftigt, trifft ganz schnell auf Glaubenskriege. Mit Hilfszügel oder ohne, am Gebiss oder nicht? Tatsächlich gibt es mehrere Schulen für das Longieren, und so unterschiedlich wie diese sind, so unterschiedlich sind auch die jeweilige Ausrüstung.

Wir stellen Euch vor:

  • Wie nach den Richtlinien der FN longiert wird
  • Wie klassische Reitkunst-Ausbilder longieren
  • Wie in der Schule der Légèreté longiert wird
  • Wie Horsemanship- und Westerntrainer die Longe nutzen
  • Wie in der Schiefentherapie nach Schöneich longiert wird

Natürlich ist so eine Aufstellung ziemlich generell, und jeder Ausbilder wird es vielleicht noch ein wenig anders machen. Aber: Ihr habt danach eine Idee, warum sich wer in der Pferdeszene für das ein oder andere Modell ausspricht!

So wird nach den Richtlinien der FN longiert:

  • Zäumung: Meist Trense, wobei die Longe in den inneren Gebissring eingehakt wird. Das Nutzen einer Longierbrille gilt inzwischen als veraltet und nicht wünschenswert.
  • Hilfszügel: Standard sind Ausbinder oder Laufferzügel. Dreieckszügel werden auch gern genutzt.
  • Linienführung: Auf dem Zirkel
  • Zielsetzung: Gymnastik und Bewegung. Das Pferd soll sich an den Hilfszügel herandehnen und dort eine Anlehnung finden. Der gymnastische Wert kann durch Stangen- und Cavalettiarbeit verstärkt werden.
  • Todsünde in diesem Konzept: Longieren am Halfter!
  • Bei pferdia hier zu sehen: Die korrekte Ausrüstung nach den Richtlinien der FN wird in diesem Film über Longenunterricht für Kinder gezeigt. Wie Rudolf Zeilinger junge Sportpferde anlongiert, ist in diesem Film zu sehen (der Film ist älter, hier wird noch eine Longierbrille genutzt). 

So wird bei klassischen Ausbildern longiert:

  • Zäumung: Die Longe wird am Kappzaum oder Cavecon befestigt, darunter kann eine Trense mit Gebiss zur Gewöhnung getragen werden. Je nach Ausbilder unterschiedlich in der Fortsetztung dieser Grundlage. In der Wiener Hofreitschule wird in der weiteren Longenausbildung z.B. die Longe weiterhin am Kappzaum eingehakt, zusätzlich werden in das Gebiss die Ausbinder eingeschnallt, wie es hier Klaus Krzisch demonstiert. 
  • Hilfszügel: Keine. Das Pferd soll von der zwanglosen Haltung aus durch die korrekt ausgeführte Longenarbeit zu einer Haltung, in der sich der Brustkorb hebt und das Hinterbein arbeitet, finden.
  • Linienführung: Meist auf den Zirkel beschränkt.
  • Zielsetzung: Vorbereitung in der Jungpferdeausbildung, Gymnastik und Bewegung.
  • Todsünde in diesem Konzept: Longieren am Gebissring!
  • Bei pferdia hier zu sehen: Hier im Film longiert Anja Beran ein junges Pferd an, genauso wie hier. 
Ingrid-Klimke-Longieren

So wird in der Schule der Légèreté longiert:

  • Zäumung: Die Longe wird am Kappzaum oder Cavecon befestigt, darunter kann eine Trense mit Gebiss zur Gewöhnung getragen werden.
  • Hilfszügel: Üblicherweise keine, diese Schule spricht sich extrem gegen Hilfszügel aus. Es gibt einen Hilfszügel, der in Ausnahmen verwendet wird, die Verschnallung ermöglicht aber, dass das Pferd nicht in eine Richtung fixiert wird (in Bild und Text bei Bea Borelles Ausbilder-Handout zu sehen).
  • Linienführung: Zahlreiche Linien, ganze Bahn, Volten, Handwechsel.
  • Zielsetzung: Gymnastik und Bewegung. Das Pferd wird vielschichtig auf das Reiten vorbereitet und durch Übungen dazu animiert, die eigene Schiefe zu korrigieren.
  • Todsünde in diesem Konzept: Am Gebiss und mit Ausbindern longieren!
  • Bei wehorse hier zu sehen: Wie Philippe Karl longiert
High-Noon-longieren-Philippe-Karl

Wie Western- und Horsemanshiptrainer die Longe nutzen:

  • Zäumung: Gern am Knotenhalfter, doch je nach Ausbilder und Zielsetzung gibt es große Unterschiede. Auch das Longieren am Gebiss gehört je nach Stil dazu.
  • Hilfszügel: Ohne Hilfszügel (im Idealfall, wie bei allen anderen Arbeitsweisen gibt es auch hier schwarze Schafe, die auf die wildesten Kombinationen kommen)
  • Linienführung: Vom voltengroßen Zirkel über die Arbeit im Roundpen bis zu freien Hufschlagfiguren je nach Ausbilder ist alles möglich
  • Zielsetzung: Hauptsächliches Augenmerk auf Grunderziehung und Verbindung zum Menschen.
  • Todsünde in diesem Konzept: Kommandos heraushauen und nicht auf die Körpersprache zwischen Pferd und Mensch achten.
  • Bei pferdia hier zu sehen: Die Leitseil-Arbeit zur Grunderziehung zeigt Pete Kreinberg in diesem Film, wichtig ist für ihn zur reiterlichen Vorbereitung auch die Arbeit an der Doppellonge. Bodenarbeit vor dem Longieren zeigt Stefan Schneider in diesem Film. 
longieren-Peer-Claasen

So wird in der Schiefentherapie longiert:

  • Zäumung: Kappzaum
  • Hilfszügel: Keine
  • Linienführung: Zirkel
  • Zielsetzung: Spezielles System, in dem die Longenarbeit die hauptsächliche Arbeit darstellt. Das Pferd wird durch Abstellen und gezieltes Treiben von der Schulter, auf die es durch die natürliche Schiefe fällt, geholt und dazu animiert, sich ausbalancierter zu bewegen. Es soll das Gewicht auf allen vier Beinen tragen, sich zu beiden Seiten biegen lassen und den Rumpf anheben, um einen Spannungsbogen nach oben bilden zu können.
  • Todsünde in diesem Konzept: Die Theorie zur natürlichen Schiefe nicht auf dem Kasten haben. Vorwärts-abwärts longieren, ohne dass der Rücken des Pferdes schon angehoben ist.
  • Bei wehorse hier zu sehen: Filme mit Klaus Schöneich zur Schiefentherapie