Kann man zu früh oder zu spät loben?

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

An welchem Punkt der Ausbildung Du auf Korrektheit bestehen solltest und wann schon Ansätze gelobt werden sollten! Wenn ich mich auf eine Erkenntnis der letzten Jahre beschränken müsste, die mein Reiten und meinen Umgang mit den Pferden extrem verbessert hat, dann wäre es diese: Aufgaben ganz kleinschrittig anzugehen und den kleinsten Schritt in die richtige Richtung, in das gewünschte Verhalten, zu loben.

Motivation für das Pferd

Das ist der Motivations-Booster schlechthin. Denn dieses kleinschrittige Lernen erklärt dem Pferd genau, was es tun soll. Pferde, die so gearbeitet werden, bleiben motiviert und wollen mitmachen. Das gilt für Basics wie Rückwärtstreten lassen. Schon da kann man so gut verfeinern! Nicht der zweite, dritte Schritt rückwärts wird gelobt. Auch nicht der erste. Sondern schon die Gewichtsverlagerung nach hinten, auf ein anderes Bein, das Anspannen der Brustmuskulatur. Achtet mal darauf, wenn Ihr Euer Pferd an der Hand rückwärts treten lasst! Bevor ein Vorderbein nach hinten genommen wird, sieht man an der Brust, wie sich der Muskel bewegt.

Auf feine Signale achten

Es gilt aber auch für neue Aufgaben im Sattel: Lernt ein Pferd Schulterherein, also zunächst Schultervor und dann Schulterherein, dann wird ebenso jede Idee in die richtige Richtung gelobt. Beim Übertreten zuvor genauso – egal, wie die Abstellung ist (sie wird anfangs eh nicht wie gewünscht sein). Egal, wie hektisch die Antwort vom Pferd kommt. Das wichtige ist:  Ist der Ansatz erkennbar, wird gelobt. Der Feinschliff folgt später.

Nachgeben im richtigen Moment

Ein Pferd, das so gearbeitet ist, wird immer nach einer Antwort auf eine neue Aufgabe suchen. Ich finde das wahnsinnig wichtig, denn genau dieses Kleinschrittige und das Loben und Nachgeben im richtigen Moment wird so oft vergessen. Jetzt kommt das Aber! Das da oben, sofort loben, wenn es in die richtige Richtung geht, gilt nämlich nicht für immer und für jede Situation. Das da oben gilt, so lange das Pferd etwas Neues erlernt. Ist klar, worum es geht, dann geht es um Konsequenz und Genauigkeit. Abzuschätzen, wann das Pferd noch eine sofortige Bestätigung braucht und wann der Reiter doch weiterfragen kann nach einer präziseren Antwort: Das ist Teil der Kunst!

Ist das Pferd am Sitz?

Ein Beispiel für die Genauigkeit bei den Basics: Wird beim frisch angerittenen Pferd noch das Einspringen in den Galopp gelobt, soll es später am Punkt angaloppieren. Nicht aus sinnloser Pedanz, sondern um kontrollieren zu können, ob die Reiterhilfen gut durchkommen, ob das Pferd so gut am Sitz ist, dass eine punktgenaue Einwirkung möglich ist. Um sich selbst zu kontrollieren und nicht verschwommen vor sich hinzureiten. Klingt logisch. Finde ich selbst auch immer logisch - in der Theorie! In der Praxis passiert es mir, mit verschwommen Ergebnissen zufrieden zu sein. Das ist Betriebsblindheit. Ich glaube häufig ist das Pferd eigentlich schon weiter, ich jedoch packe es immer noch in Watte.

Typ Kamikaze oder Vorsicht hoch zehn?

Das ist totale Typsache übrigens! Ich bin eher der vorsichtige Typ, der auf sein Pferd manchmal auch zu viel Rücksicht nimmt. Ich bin nicht der Typ Kamikaze, der geneigt ist, alles mal sofort noch ein bisschen schwerer zu machen. Vielleicht kennt Ihr das in anderen Situationen – dass man jahrelang der Überzeugung sein kann „Ich habe ein junges Pferd“ und dann irgendwann erschrocken in die Papiere guckt und bemerkt: Ähhh, mit neun Jahren gilt das wohl kaum mehr, diese Aussage. So ungefähr geht mir das mit manchen Ausbildungsschritten. "Wie jetzt, ich lobe erst, wenn wir das spurgenau können, von Punkt zu Punkt wechseln?" Da denke ich: "Ist doch viel zu schwer für das Kleine!"  "Nein, ist es nicht", muss mir dann jemand sagen. "Kann die inzwischen. Mach mal." So jemanden, der mir dann den Weg zeigt und schon eher sieht, was wir können als ich, den brauche ich dann.

Welche Konsequenz brauchen Pferde?

So jemand ist für mich der Ausbilder vor Ort. Zuletzt war das Dressurausbilderin Claudia Butry.  Auf Instagram haben mich einige in den Kommentaren gefragt, ob ich den Hausaufgabenzettel, den ich von ihr bekommen habe, mal veröffentlichen kann. Damit man mal sehen kann, woran wir so basteln. Klar doch – hier auf www.alifewithhorses.de sind meine Hausaufgaben aufgeschrieben, die Kontrolle durch Claudia folgt im September beim nächsten Kurs!
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