Reitpferde im Paddocktrail – so geht’s!

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Geht das, Reitpferde im Paddocktrail zu halten? Ein Paddocktrail ist ja sozusagen die Weiterentwicklung der Offenstall- und Aktivstall-Idee.  Er wird so angelegt, dass die Pferde sich noch mehr bewegen. Erreicht wird das über abgezäunte Wege oder Auslauf-Bereiche, die in einander übergehen. Als Bewegungsanreiz dienen verschiedene Heustellen, Ruhebereiche und die Wasserstelle.

Paddocktrail bauen

Meine Meinung ist: Klar geht das! Sogar sehr gut. Seit anderthalb Jahren stehe ich in einem Paddocktrail-Stall. Der ist genial angelegt, vor allem, weil dieses System für viele Hofbesitzer gut nachbaubar wäre: Er verläuft rund um die Reithalle und die daran anschließenden Boxen. Was auch bedeutet: es sind verhältnismäßig kurze Wege für den Menschen, der sein Pferd holen möchte. Die Pferde jedoch legen einiges an Distanz täglich zurück. Vom Trail aus sind ein paar Weiden erreichbar, die stundenweise geöffnet werden. Bei uns gibt es das ganze Jahr über Heufütterung, und diese durchgehend, nicht rationiert. So ist unser Stall aufgebaut: Schaut man von außen auf die Halle, dann verläuft der Trail von der einen kurzen Seite (dort außen neben der Halle steht der meist genutzte Unterstand) hinten um die Reithalle herum über die lange Seite  (hier fressen sie an einer Heuraufe am liebsten) bis zur kurzen Seite, wo die frostsichere Wasserstelle angebracht ist. Es gibt noch zwei Ausläufer, das eine ist ein ehemaliger Außenreitplatz, das andere eine weitere Heustation. Insgesamt gibt es an drei Stellen Heu und an zwei Stellen Unterstände. Die Böden sind zu einem kleinen Teil gepflastert und geschottert, überwiegend aber sind es Sandböden. Es gibt keine Matschlandschaft, nirgends. Matsch im Offenstall ist hier kein Thema mehr. Der größte Teil des Trails ist ein ehemaliger Springplatz. Hier leben Warmblüter, Reitponies, Haflinger, Isländer und ein Welshpony gemeinsam. Es sind darunter viele Sportpferde-Rentner, der Rest wird ambitioniert freizeitmäßig geritten.

Glückliche Pferde

Das Hauptargument für so eine Haltung ist: Den Pferden geht es mental sehr gut! Sie haben Sozialkontakte und leben naturnah. Sie können sich ihre Freundschaften aussuchen und müssen sich nicht zwingend mit dem einen Partner, der ihre Weide teilt, verstehen. Das bedeutet nicht, dass sie keine Lust mehr auf Menschen und auf Reiten haben: All unsere Pferde sind offen, gehen auf den Menschen zu und möchten auch weiterhin etwas mit uns zu tun haben. Der zweite große Vorteil dieser Haltung: Sie erfüllen einen großen Teil ihres Bewegungsbedarfes selbst: Sie laufen nach unten zum Wasser, galoppieren abends den ehemaligen Springplatz entlang und ziehen sich zum Ruhen gern in den Offenstall auf der anderen Seite der Halle zurück. Das ersetzt natürlich kein Training – aber es hilft, dass das Pferd artgerecht lebt und sich regelmäßig die Füße vertritt. Es gibt sehr viel weniger Langeweile für's Pferd - vor allem verglichen mit Einzelhaltung oder Boxenhaltung mit stundenweisen Auslauf.

Die Umstellung vom Boxenpferd zum Paddocktrailpferd

Reitpony Chamonix kam im März 2017 zu uns. Sie hatte ein gutes Sozialverhalten, bestimmt auch, weil sie ein paar Jahre als Zuchtstute auch in Gruppen gelebt hatte. Genügend Pelz, um draußen zu leben, hatte sie ebenfalls, also war die Eingliederung sehr problemlos: Einige Zeit blieb sie in einem separaten Auslauf und lernte die anderen über den Zaun kennen. Nachts stand sie in dieser Zeit in der Box. Dann ließen wir einen sehr verträglichen aber ranghohen Wallach zu ihr. Das klappte sehr gut, so dass sie schnell in die komplette Herde durfte. Bis sie dort aber nicht von allen weg geschickt wurde, sondern ihre Position gefunden hatte – das dauerte. Und das ist nicht schön anzusehen als Besitzer. Selbst bei einer wie Chamonix, die Mensch und Pferd mit ihrer freundlichen, selbstbewussten Art gut um den Finger wickeln kann, dauerte es seine Zeit. Ailena, von der ich auch öfters erzähle, kam als Springpferd aus Boxenhaltung im Winter zu uns. Komplett geschoren. Sie brauchte also eine sehr dicke Decke, kam damit dann aber auch gut mit der Witterung zurecht. Die Eingliederung verlief ähnlich wie bei Chamonix, nur war es für sie noch leichter, da sie gemeinsam mit einem Wallach, den sie schon kannte, in die Gruppe kam. Schon im zweiten Winter war ihr Fell so gut gewachsen, dass sie nur noch eine dünne Decke brauchte. Wie sich das mit dem Training verträgt, erzähle ich später noch.  

Nachteile der Paddocktrail-Haltung

Es gibt natürlich auch Nachteile. Ganz klar: Ein so gehaltenes Pferd ist staubiger als ein Boxenpferd. Schwarze Pferde hellen in der Sonne auf, der Regen wäscht schon mal Glanz aus dem Fell (denn die Pferde stellen sich nicht immer unter bei Regen, selbst, wenn sie es könnten!). Die Schönheit leidet also schon. Doch ein so gehaltenes Pferd hat fast nie Mistflecken. Man braucht ein paar Minuten länger, um es zu holen. Das ist etwas anderes, als es mal eben aus der Box zu ziehen. Katschen im Fell gehören auch noch zu den Kleinigkeiten, die täglich wirklich doof sind. Das kommt immer wieder mal vor – vor allem bei den Wallach-Besitzern.

Scheren im Offenstall oder Paddocktrail

Im Sommer überwiegen die Vorteile absolut. Alle Pferde sind auch motiviert unter dem Sattel, es gibt in unserem Stall keines, dass müde wäre, nur weil es draußen lebt. Im Winter allerdings wird’s alles ein bisschen schwieriger. Ob man mit Pelz auf dem Pferd trainiert oder nicht ist die Frage. Ich habe jahrelang im Offenstall eine Jagdschur plus Decke favorisiert, weil ich kein nasses Pferd zurück in die Kälte stellen wollte. Das hat gut funktioniert. Im letzten Winter habe ich zum ersten Mal kein Pferd geschoren. Es klappte einfach auch so: Allerdings mit der Möglichkeit, nasse Pferde in der Box trocknen zu lassen mit einer Abschwitzdecke. Auch das Solarium hat geholfen. Leicht gefütterte Decken habe ich dennoch verwendet, und das aus zwei Gründen: 1. Wenn richtig kalter Wind wehte, und ich keine Lust hatte, dass die Rücken- und Kruppenmuskulatur zu viel Kälte abbekommt. Das würde ich nämlich unterm Sattel merken. 2. Wenn ich mir unsicher war, ob das Pferd sich wirklich unterstellt, wenn das Wetter richtig schlecht wird. Oder ob es aus sozialen Gründen oder weil es unbedingt an der Raufe Heu fressen will, wo der Wind am meisten zischt, draußen bleibt (Hallo Chamonix!). Grundsätzlich ist dieses Argument (Training verträgt sich nicht mit Gruppenhaltung) für mich keins mehr: Ich kann scheren, ich kann Decken nutzen, das geht alles auch in einer Gruppenhaltung. Ich schere allerdings hässlich: Ich lasse die Haare an Beinen und Bauch stehen, schließlich leben die Pferde ja draußen und brauchen diesen Schutz. Praktisch geht vor Schönheit. Damit muss man leben können.

Fütterung und Verletzungsgefahr

Die größte Herausforderung in dieser Haltungsform ist jedoch die bedarfsgerechte Fütterung - meiner Meinung nach. Warum auch automatische Fütterungsanlagen nicht uneingeschränkt empfehlenswert sind und welche Lösungen sich anbieten, habe ich Euch auf dem Blog A life with horses im zweiten Teil dieses Artikels aufgeschrieben. Das Thema Verletzungsgefahr in einer solchen Haltungsform spreche ich auch an -  ohne schlimme Folgen zu verschweigen.
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