So beschäftigst Du Dein Pferd bei Boxenruhe

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Für die Zeit alleine in der Box

Meine Reitponystute Chamonix hatte sich im März das Griffelbein gebrochen. Es musste herausoperiert werden. Folge: Boxenruhe. Was uns geholfen hat, um die Krankheitszeit zu überbrücken, habe ich Euch hier aufgeschrieben.

Die wichtigste Zeit ist die, in der ich nicht da bin! Selbst mit viel Engagement war mein Pferd mindestens 22 Stunden allein. Verschiedene Möglichkeiten, Heu zu fressen, haben definitiv am besten geholfen, diese Zeit erträglich zu machen.

  1. Ich habe eine Heutonne (Slowfeeder) genutzt, die immer gefüllt war. Das ist eine runde Plastiktonne, bei der das Heu von einem Plastikeinsatz abgedeckt ist. Dieser Einsatz hat Löcher, aus denen das Pferd das Heu herauszupfen muss. Vorteil: Eine hervorragende Fresshaltung, viel besser als an Heunetzen. Das Pferd frisst mit gesenktem Kopf und ohne diesen zu verdrehen. Kann ein Nachteil sein: Das Heu ist schwer rauszupfbar, da der Plastikeinsatz weniger nachgibt, als zum Beispiel ein Heunetz. Das Heu für die Tonne muss gut aufgeschüttelt und nicht zu kurzhalmig sein, damit es vom Pferd durch die Einlegeplatte gezupft werden kann. Da der Plastikeinsatz beschwert ist, rutscht er automatisch nach, wenn das Heu weniger wird. Die ersten zwei Tage wirkte Chamonix richtig genervt von ihrem Slowfeeder. Damit kann man eben nicht zwei Rippen Heu auf einmal inhalieren! Mit der Zeit hat sie ihn jedoch absolut bevorzugt und immer erst das Tonnenheu gefressen, bevor sie das Heunetz angerührt hat. Manchmal hat sie sogar auch das lose Heu liegen lassen und aus der Tonne gezupft.
  2. Um keinen Frust beim Pferd aufkommen zu lassen, gab es zur Fütterungszeit auch immer eine kleine Portion loses Heu. Wenn klar war, dass länger nicht gefüttert wird, hatte das Pony zudem noch ein Heunetz in der Box. Es ist trotz dieses Angebots dünner als je zuvor. In der Herde, bei 24/7 Heufütterung, neigt sie zum Rundwerden. Ich hatte erwartet, dass ich sie nach sechs Wochen Boxenhaft durch den Stall rollen kann. Aber nix da: Jetzt ist das Gewicht sogar besser als zuvor! Eine Möglichkeit, das Pferdegewicht zu bestimmen, kannst Du Dir übrigens hier bei wehorse ansehen.
  3. Knabberholz. Ab und zu hat sie Obstbaumäste bekommen. Ich habe die Äste auf den Boden gelegt, weil ich das ungefährlicher fand, als sie aufzuhängen. Meine Äste waren eher dünn. Hätte ich die aufgehängt, hätte ich dünne Spieße auf Augenhöhe in der Box gehabt. Das finde ich gefährlich. Denn in der Box kann das Pferd einfach nicht so gut ausweichen wie in der Natur. Ich hatte einfach zu viel Sorge, dass sie bei einer unbedachten schnellen Bewegung mit den Augen an die Äste kommt (zum Beispiel, wenn andere Pferde an der Box vorbeigehen). Obstbaumrinde ist übrigens sogar gesund für Pferde. Auch möglich: Knabberhölzer wie Weide (enthält eine schmerzstillende Substanz und auch Zink) oder Haselnuss anbieten. Die Rinde von nicht giftigen Bäumen und Sträuchern ist für Pferde ein natürlicher Spender für Spurenelemente und Mineralstoffe.
  4. Pferdefreunde. Unser Stall ist ein Paddocktrail, es gibt nur ein Pferd, das nachts in die Box kommt. Ansonsten werden die Boxen nur für kranke Pferde oder zum Füttern genutzt (oder für unsere Kurspferde!). Es hat Chamonix natürlich viel, viel besser gefallen, wenn ein anderes Pferd auch im Stall war.
  5. Menschliche Freunde. Jeder im Stall hat ihr Hallo gesagt. Ansprache tut gut und zum Glück war ich es nicht alleine, die mal an der Boxentüre angehalten hat.
  6. Spielball. Der obligatorische Ball für das Pferd durfte natürlich nicht fehlen. Den hat sie auch bekommen, aber ich kann nicht behaupten, dass ich einmal gesehen hätte, dass sie ihn benutzt hat. Das Pony ist eben eine Stute. Die spielen ja weniger, vielleicht wäre ein Wallach mit Boxenhaft sehr glücklich darüber.
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Für die Zeit mit Mensch

Ein paar Ideen, die eigentlich als längere Beschäftigung gedacht waren, haben sich schnell als 2-Minuten-Bespaßungen herausgestellt. Deshalb sind sie in diese Kategorie, anstatt in die obere gerutscht. Doch auch solche Aktionen munterten zumindest unser Pony sichtlich auf. Kopfbeschäftigung gegen Langeweile!

  1. Das Obst-Mobile: Möhren und Apfelstücke an einen Ast hängen. So dass sie baumeln und mit den Lippen gefangen werden müssen. Es hat mich sehr überrascht, wie flott unser toll gebasteltes Mobile leergefuttert war! Das ist definitiv keine Langzeitbespaßung, aber dennoch witzig (für alle). Achtung beim Auffädeln der Obststücke: Keine Schlingen bilden! Besser das Obst an geraden Schnüren festknoten. Das klappte gut mit einfachen Heukordeln.
  1. Apfelfischen: Einen Eimer mit Wasser füllen und Äpfel hineingeben. Wie schafft es Dein Pferd, sie herauszufischen? Es gibt die „Eimer-umwerfen“-Fraktion, die „Mit-der-Nase-untertauchen“-Fraktion und die „Wasser-leersaufen“-Fraktion. Chamonix hat tatsächlich so viel Wasser getrunken, bis sie die Äpfel auf den Boden des Eimers drücken und dadurch abbeißen konnte. 
  1. Clickern: Habe ich weniger gemacht, als ich zuerst dachte. Vielleicht, weil ich einfach keine wirkliche Clicker-Person bin. Aber wir haben zwei Sachen dadurch installiert, die ich wirklich sinnvoll finde: Futterdisziplin als erstes. Meint: Leckerli gibt es nur, wenn das Pferd höflich neben mir steht, ohne an den Taschen oder an den Händen zu schnüffeln oder mich gar zu bedrängen. Wie das genau geht, kann man hier in den Filmen von Nina Steigerwald bei wehorse sehen. Einen Anfängerfehler habe ich dadurch allerdings unabsichtlich eingebaut: Das Pony guckt jetzt definitiv von mir weg, wenn es Leckerli möchte. Es wendet den Kopf also nach außen. Muss ich wieder umpolen! Das zweite, was ich geclickert habe: Kopf senken. Das ist bei uns echt wichtig, damit es meiner kleinen Tochter das Trensen erleichtert.
  1. Massage und Akupressur: Einen Putzfimmel bei Pferden habe ich nun wahrlich nicht, ich bin eher der Typ: „Flott putzen und los, bewegen!“ Allerdings bin ich Kraul-Sessions gegenüber nicht abgeneigt. Das haben wir auch viel gemacht. Pony würde nämlich am liebsten auf den Schoß. Sobald es möglich war, sie bis zum Putzplatz zu führen, haben wir das genutzt. Akupressur ist übrigens eine schöne Möglichkeit, dem kranken Pferd etwas Gutes zu tun. Mir haben das Buch von Dr. Ina Gösmeier und ihre Filme dazu geholfen.

Was ich nicht genutzt habe:

  • Lecksteine mit Geschmacksrichtungen (Ich will weder Zucker noch Zuckerersatzstoffe bewusst füttern.)
  • Kuscheltiere (Nach dem Ballexperiment war klar: Dieses Pferd ist kein Spielkind!)
  • Schaf, Ziege oder Kaninchen als Gesellschafter in der Box (Diese Möglichkeit wurde mir von wirklich erfahrenen Pferdemenschen empfohlen, aber mir tut das andere Tier dann zu sehr leid.)
  • Radio anmachen (Geräuschmüll als Langeweilekiller? Leuchtet mir nicht ein.)

Die beste Nachricht ist: Auch wenn sechs Wochen Boxenhaft ewig klingen – die Zeit geht vorbei, definitiv! Ich war überrascht, wie gut Chamonix die Zeit weggesteckt hat. Wir durften nach ein paar Wochen mit 15 Minuten Schrittgehen die Rekonvaleszenz beginnen. Wie das gelingt und wie unser Trainingsplan genau aussah, lest Ihr nächstes Mal hier.