So gewöhnt man Pferde an Balance-Pads und Minipodeste

Training-mit-Clicker

Clicker-Expertin Nina Steigerwald erklärt, wie Pferde lernen, auf Minipodeste und Balancepads zu steigen und  dabei die eigenen Beine korrekt zu belasten. Diese Übungen sind nämlich ideal für die dunkle Jahreszeit, in der viele Pferdemenschen mit schlechten Reitmöglichkeiten, wenig Helligkeit und wenig Platz zu kämpfen haben! Innerhalb von 15 Minuten kann man so den ganzen Pferdekörper ansprechen - und Platz braucht man so gut wie gar nicht dafür.

Eine Übung, die auf kleinstem Raum möglich ist aber dennoch den ganzen Körper anspricht, ist das Training mit dem Minipodest. Ein Huf passt genau darauf, es ist ungefähr 10 Zentimeter hoch, und das, was Nina Steigerwald verwendet, ist aus Eiche gefertigt. „Entwickelt habe ich das Minipodest ursprünglich für ein Pferd mit Knieverletzung“, sagt Nina Steigerwald. „Die Strecker des Beins waren kaputt, und so konnte ich es auf kleinstem Raum trainieren.“ Fünf Minuten pro Bein auf diesem Gerät würden reichen, um den gesamten Körper anzusprechen. Jeder Huf des Pferdes kann nacheinander darauf gestellt werden.

Training für die rumpfnahe Muskulatur

So eine kleine Übung bringt erstaunlich viel. Wird die Übung ideal ausgeführt, dann soll zum Beispiel ein Vorderbein auf dem Podest stehen, und das andere Vorderbein auch den Boden berühren. „Wenn das Pferd ein Vorderbein auf das Minipodest stellt, verschiebt sich das Schulterblatt des aktiven Beins in Richtung Widerrist“, erklärt die Clicker-Expertin. „Beim gegenüberliegenden Bein, das locker hängen soll, erreicht man eine Längung in der Muskulatur.“ Doch das ist nicht alles: „Das Tolle daran ist, sobald ein Huf aufgestellt ist, entsteht eine leichte Rotation in der Wirbelsäule, deshalb muss die rumpfnahe Muskulatur stabilisieren. Dass nur die Beinmuskeln arbeiten, das reicht nicht, es muss der ganze Körper mitarbeiten!“

Balance-Pads-fuer-Pferde

Wie bringt man das bei?

„Zu Beginn empfiehlt sich die Technik des Modelns“, erklärt Nina Steigerwald. „Das bedeutet, dass das Tier passiv dorthin geführt wird, wo man es haben möchte.“ In diesem Fall hieße es: Man nimmt den Huf und setzt ihn auf das Minipodest, wie man ihn auf einen Hufbock setzen würde. Sobald das Pferd absetzt, wird es belohnt. Hierbei muss der Mensch unterscheiden: Ein Pferd, das bisher kaum Übung mit solchen Aufgaben hat, wird sofort belohnt, sobald es absetzt. Ein Pferd, das ähnliche Übungen kennt, wird erst belohnt, wenn es auch Last aufnimmt mit dem abgestellten Huf. Generell muss vor dieser Übung eingeübt werden, auf welche Weise überhaupt gefüttert wird. Das wird in diesem Film erklärt - und diese Höflichkeit in der Fütterung muss sitzen, bevor überhaupt weiter mit dem Clicker gearbeitet wird.

Idealerweise wird also geclickt und gefüttert, wenn der Huf abgesetzt wird und Last aufgenommen wird – also wenn das Pferd sich hochstützt, aber der andere Huf unten bleibt. „Das Pferd muss zunächst einfach die Idee bekommen, dass diese komische schiefe Position genau das Richtige ist!“ Wie lange das Pferd den Huf auf dem Podest halten soll, ist situationsabhängig. Generell sollte man darauf achten, selbst die Übung zu beenden und das Pferd rückwärts hinunter zu schicken, bevor es selbst herunter steigt. Merkt man, dass dem Pferd diese Position noch seltsam erscheint, sollte der Mensch die Übung früh beenden. „Wenn das Pferd hingegen den Anschein macht: „Super, schieb’ gern noch Futter herein!“, dann kann man die Dauer ein wenig ausdehnen.

Nina-Steigerwald-Minipodest

Wie lange darf die Übung dauern?

Für ein Pferd, das täglich eine Stunde normal geritten wird, sind zehn bis 15 Minuten Minipodest-Training täglich machbar, erklärt Nina Steigerwald. „Wenn die Pferde weniger gut trainiert sind, muss man es anpassen und weniger machen“, erklärt sie. „Dann langsam steigern, als Faustregel kann man sagen: nach zehn Mal Minipodest-Training darf man auch bei 10-15 Minuten Übungszeit angekommen sein.“

Wann ein Seitenwechsel sinnvoll ist

Wann ein Seitenwechsel angebracht ist, ist ebenfalls Abwägungssache. „Das Wechseln der Seite kann für das Pferd anfangs verwirrend sein. Daher ist es aus trainingstechnischer Sicht gut, die Übung zunächst auf einer Seite beizubehalten, damit auf einer Gehirnhälfte die Übung richtig abgespeichert wird“, erklärt Nina Steigerwald. Allerdings kann das für die Muskulatur genau falsch sein: „Aus muskulärer Sicht muss man den Trainingszustand des Pferdes beachten“, relativiert sie. „Ermüdet die Muskulatur schneller, dann kann es sinnvoll sein, die Seite zu wechseln, auch wenn das Pferd die Übung auf einer Seite noch nicht so gut verstanden hat.“ Generell zieht die Trainierin es vor, erst eine Seite ordentlich zu arbeiten, dann eine Pause zu machen, noch ein wenig Schritt gehen zu lassen, beispielsweise, und dann am nächsten Tag weiter zu üben.

Eine andere Lösung

Eine andere Technik, um dem Pferd das herauftreten und verbleiben auf dem Minipodest beizubringen, ist das Formen. „Das meint die schrittweise Annäherung an das Zielverhalten“, erklät Nina Steigerwald. Dabei wird nicht einfach der Huf auf das Minipodest gestellt, sondern der Mensch „stellt sich erwartungsvoll mit Clicker und Futter vor das Pferd und das Minipodest“. Nun wartet er, bis das Pferd von alleine testet, den Huf auf das Minipodest zu stellen. Berührt der Huf das Podest, wird geclickert und gefüttert. Diese Methode funktioniert vor allem gut für erfahrenere Pferde, „die schon kennen, dass sie irgendwo drauftreten sollen und daher beginnen zu testen“. Hat das Pferd wenig Vorerfahrung, wird jede Huf-trifft-Podest-Bewegung sofort gelobt. Hat es mehr Erfahrung, wird nur belohnt, wenn ein halber, dreiviertel oder ganzer Huf abgestellt wird – das ist vom Erfahrungsgrad abhängig. Der Nachteil dieser Methode liegt darin, dass die Pferde zum Scharren verleitet werden können. Vor allem dann, wenn dies aus Versehen dann auch noch belohnt wird durch clickern und füttern: „Bei solchen Turnkandidaten sollte man lieber die Technik des modelns anwenden“ sagt Nina Steigerwald.

Engagement erhöhen

„Die Methode funktioniert vielleicht nicht für einen ganz gelassenen Fjord ohne Vorerfahrung, der freundlich schauend vor dem Minipodest stehen bleibt und sonst nichts tut“, erzählt Nina Steigerwald in scherzendem Tonfall. „Dann sollte man umdisponieren und das Pferd eher durchs Modeln auf die Idee bringen, was gewünscht ist. Mit Futter kann auch die Bewegungsrichtung nach vorne und dann das Belasten gut herbeigeführt werden, indem das Pferd sich durch die Futtergabe tendenziell nach vorn bewegt.

Lastaufnahme hinten

Das ist doch mal schön: Bei dieser Übung wäre es erfahrungsgemäß so, dass es sogar einfacher sei, die Lastaufnahme eines Hinterbeins auf dem Minipodest zu erreichen, als bei den Vorderbeinen. Um die Übung auch für die Hinterbeine dem Pferd verständlich zu machen, ist es empfehlenswert, zu zweit zu arbeiten. Einer steht am Kopf, clickt und füttert. Der andere steht hinten. Er kann für das modeln den Huf auf das Podest setzen und aus dieser gut beobachtenden Position die Lastaufnahme clicken. Falls die Lastaufnahme nicht sofort gelingt, ist es auch möglich, dem Pferd die Idee körperlich etwas besser verständlich zu machen. Soll das Pferd zum Beispiel das linke Hinterbein auf dem Podest absetzen, setzt aber nur die Hufspitze ab, dann kann man mit der flachen Hand leicht gegen den rechten Hüfthocker drücken. Die meisten Pferde werden als Reaktion darauf den linken Huf absetzen und belasten. Hier ist dann gute Teamarbeit gefragt, denn der Mensch am Pferdekopf sollte im richtigen Moment clicken und füttern.

Auf die gleiche Art und Weise kann man übrigens Pferde an die momentan so beliebten Balancepads gewöhnen!