Uta Gräf – So baut man Pferde auf

Deliano-und-Uta-Graef

Wer eine kluge Übung für den Außengalopp kennen lernen will, wer Ideen sucht, wie das Pferd reel ans Gebiss tritt, wer am liebsten mal Mäuschen bei Uta Gräf wäre: Der sollte sich unsere DVDs "Direkt am Viereck" ansehen. Darin zeigt die Dressurausbilderin, wie sie Pferde über Jahre hinweg langsam aufbaut und gesund ausbildet. Wir verfolgen sie und ihre Schützlinge dabei mit der Kamera. Die besten Übungen und Tipps aus dem neuesten Film, Teil 3 namens "Talente entdecken und fördern!" verraten wir schon hier im Magazin. 

Lenny und Deliano sind diesmal die Hauptdarsteller. Ein Pferd, dass es nicht ganz so leicht hat und eins, dem alles zufliegt. Die „Direkt am Viereck“-Folgen mit Uta Gräf begeistern uns immer wieder, denn man kann die Entwicklung völlig unterschiedlicher Pferde über Jahre vergleichen und reitet dank der guten Kommentare von Uta Gräf quasi mit. Dazu gibt’s noch Trainingsideen, die man am liebsten sofort umsetzen möchte!

Das erste Mal mit Kandare

Das allererste Mal soll Lenny eine Kandare tragen. Sieben Jahre alt ist er mittlerweile, der Fuchs, der sich so gern verkroch, und bei dem Ausbilderin Uta Gräf deshalb besonders sorgfältig darauf achten musste, dass er sich reel dehnte und tatsächlich ans Gebiss herantrat. An diesem Sommertag, nach dem Training auf Trense, probiert sie zum erstem Mal aus, wie so einer denn auf Kandare geht. Seine Besitzerin assistiert beim Zaumzeugwechsel in der Bahn. Die Filmkamera von pferdia ist an, es wird alles dokumentiert.

„Ich könnte mir vorstellen, dass er dazu neigt, eng zu sein. Aber man kann es nie sagen!“, kommentiert Uta Gräf aus dem Sattel. Sie will nur ein paar Runden reiten, um zu sehen, was Lenny denn macht, wie er reagiert, mit diesen zwei Gebissen im Maul.

Trensenzügel nutzen

Sie geht im Schritt und im Trab einfach ein bisschen außen herum, auf dem ersten Hufschlag. „Ich will eine gleichmäßige Verbindung, und dass er ein bisschen an die Hand zieht“, sagt sie. Den Kandarenzügel nutzt sie kaum. Die Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul besteht vor allem aufgrund es Trensenzügels.

Uta-Graef-und-Lenny

Lenny spielt mit den Ohren, wirkt kaum irritiert. „Da habe ich gar keine Mühe, das ist genau wie auf Trense“, sagt Uta Gräf. Sie freut sich und lobt ihr Ausbildungspferd mit gewichtigen Worten: „So Lenny, ich glaube, dann bist Du jetzt erwachsen!“

Von der Weide zur Kandarenreife

Eine wichtige Stunde für Besitzerin und Ausbilderin des Pferdes! Und so schön, dass alle Fans von Lenny mit zusehen können. Denn dieser Moment ist auf der neu erhältlichen DVD „Direkt am Viereck Teil 3“ zu sehen. Hier im Streaming wird der Film auch ab Frühjahr abspielbar sein. Es rundet sich, der Eindruck und das Bild von Lennys Ausbildung. Denn begleitet wird der Wallach von unserem Team von Beginn seiner Ausbildung an (HIER gibt es eine ganze Folge zum Thema ‚Zu eng’ im Streaming, und HIER haben wir ausführlich über dieses Problem und Lösungsmöglichkeiten dazu im Magazin berichtet).

Im neuen Film, dem Teil 3, kommt auch seine Züchterin zu Wort, und auch das Anreiten, sein erstes Mal auf dem Außenplatz, vierjährig, ist zu sehen.

Da wirkt der sowieso schon hochgewachsene Wallach noch schlacksiger, ein paar Muskeln fehlen noch. Sehr groß war von Beginn an jedoch sein Vertrauen in den Menschen: Vor der ersten Reiteinheit in der Bahn, vierjährig, geht er gelassen mit seiner Reiterin die Bande ab. Die ganz jungen Pferde reiten nämlich die Mitarbeiterinnen bei Uta Gräf. Auch große weiße Schilder machen ihm keine Angst. Hier verrät die Bereiterin schon viele kleine Kniffe aus dem Alltag einer guten Bereiterin: Wie das junge Pferd zum Beispiel lernt, stillzustehen, wenn sie aufsteigt. Auch wenn keine Hilfe von anderen Menschen zur Hand ist. Oder welches Gebiss im Stall von Uta Gräf gern für die jungen Pferde genutzt wird – eine Schenkeltrense, die seitlich mehr Begrenzung bietet, als Wasser- oder Olivenkopftrensen.

Ein großes Pferd mit ganz viel Talent

Ein ganz anderes Pferd, und das macht den Vergleich innerhalb der einzelnen Folgen dieser Ausbildungsserie sehr interessant, ist Deliano. Auch er ist über mehrere Jahre von uns begleitet worden. Anfangs erklärt Uta Gräf im Sattel des großen, gangstarken Pferdes: „Ich reite vielleicht 60 oder 70 Prozent von dem heraus, was möglich wäre.“ Genauso möchte sie es haben, denn auch ein sehr talentiertes Pferd wie Deliano soll genug Zeit bekommen. Ihr Ausbildungsziel anfangs ist es, ihn schön in Takt und Balance zu halten und diese noch zu stärken. Er soll sich tragen, „schön vor mir sein und locker durch den Körper gehen.“ Aber auch ganz diffizile kleine Ausbildungsziele werden genau erklärt und begleitet, nicht nur das große Ziel genannt: So arbeitet sie im Teil 3 mit dem jungen Deliano daran, dass er sich in der Lösungsphase im Galopp zwar dehnt, aber hinten gleichzeitig auch geschlossen bleibt. Durch welche Abläufe ihr das immer besser gelingt ist in der DVD genau zu verfolgen.

Uta-Graef-und-Lenny

Fünfjährig: Außengalopp vorbereiten

Wer in unserem Streaming-Portal schon mal nachschauen möchte, was diese Reihe „Direkt am Viereck“ noch zu bieten hat, kann das in den unten verlinkten Filmen nachschauen. Interessant und ganz neu eingepflegt auf der Website ist der erste Teil aus „Direkt am Viereck Teil 2“, HIER. Hier kann man den fünfjährigen Feeling Good bei der Vorbereitung auf den Außengalopp beobachten. Bei Uta Gräf reitet der Zuschauer aber immer auch ein wenig mit - es bleibt nicht beim Anschauen! Denn sie vermag es, ihr Reitgefühl im Sattel in Worte zu fassen.

Praxistipp: Was oft vergessen wird

Uta Gräf achtet darauf, Feeling Good auch immer wieder mal mittig der langen Seite in den Handgalopp einspringen zu lassen und nicht nur in den Ecken. Ruhig mal „auf der Geraden angaloppieren, im Hinblick auf den Außengalopp“, gibt sie als Tipp mit, denn das wird ja beim Außengalopp abgefragt. „Da kann man sich anfangs auch mit der Stimme helfen!“, sagt sie und man hört und sieht, wie sie das auch mit Feeling Good macht. Zwei schöne Linienführungen erklärt sie außerdem, die beide jungen Pferden, die den Außengalopp erlernen, helfen: Öfter mal eine einfache Schlangenlinie im Galopp reiten, sowohl im Handgalopp wie später im Außengalopp, „Verpackt man den Außengalopp so schön, kommt gar kein Stress auf!“, sagt sie.

Eine Lieblingsübung für Jungpferde

Ein guter Tipp, um junge Pferde mit Ecken und Wendungen im Außengalopp vertraut zu machen, ist folgender Ablauf, „meine Lieblingsübung für junge Pferde!“: Nicht aus der Ecke kehrt reiten, sondern in die Ecke kehrt im Galopp reiten. Das geht so: Man beginnt zum Beispiel auf der linken Hand im Außengalopp, verlässt gut vor der Ecke den Hufschlag in Richtung A oder C und wendet davor aber dann in die Ecke hinein ab, so dass das Pferd auf der rechten Hand im Handgalopp dann wieder die lange Seite hinuntergaloppiert.

Erfahrung mitnehmen

Dass Uta Gräf schon viele Pferde ausgebildet hat, wird auch in ihren Erklärungen deutlich. Als Deliano siebenjährig ist (das ist in „Direkt am Viereck – Teil 3“ zu sehen), übt sie mit ihm das Zirkel verkleinern im Galopp. „Dabei merkt man, wie sein Galopp immer besser wird“, erklärt sie, und führt aus, dass dies nicht bei allen Pferden so sei, bei manchen würde die Gangart dadurch sogar schlechter.

Während sie reitet, kommentiert sie und lässt so den Zuschauer an ihrem Ritt noch mal auf einer ganz anderen Ebene teilhaben: „Jetzt trägt er sich ganz toll“, sagt sie, „er lässt mich super sitzen, ich habe innen nichts in der Hand“. Den verkleinerten Zirkel legt sie traversartig an. Dann vergrößert sie den Zirkel wieder, dabei vergrößert sie auch Delianos Rahmen, so dass er sich etwas im Galopp dehnt, bevor sie den Zirkel von neuem verkleinert.

Wiederholen, wenn noch mehr geht

Diesmal möchte sie dabei noch ein bisschen mehr Stellung abfragen. Als Deliano ihr dies gibt, ist die Übung beendet. Weshalb sie noch mal nachhakte, obwohl er sich zuvor schon gut anfühlte, erklärt sie dem Zuschauer: Das sei Abwägungssache bei jedem Pferd, und bei Deliano wusste sie einfach, dass da noch mehr ginge. Das Resultat von etwas mehr Stellung sei ein noch mal verbesserter Galopp gewesen. Das ist besonders bei Uta Gräf ein interessanter Kommentar, da sie stets betont, früh genug zu loben und früh genug aufzuhören, um das Pferd zu motivieren.

Gelingt beispielsweise eine Lektion perfekt, wird sie innerhalb einer Einheit nicht nochmals abgefragt. Doch die Erfahrung und vielleicht auch die Intuition der Ausbilderin sagen ihr, wann es doch wichtig ist, noch ein kleines bisschen mehr zu fordern.

>>> Die neue DVD "Direkt am Viereck - Teil 3 Talente erkennen und fördern!" gibt es für 34,90 Euro im pferdia-Shop. Im Streaming-Portal wird sie im Frühjahr zu sehen sein. Teil 1 und Teil 2 der Serie sind schon im Streaming zu sehen, sie sind hier unter dem Artikel verlinkt.