Traumpferde zu verkaufen: Eine Familienzucht löst sich auf

Ein Gastbeitrag vom Blog www.alifewithhorses.de

Vor einigen Tagen flatterte ein Brief in meinen Postkasten. Von der Familie Hölscher. Das sind Pferdeleute, die ich seit einigen Jahren kenne und die eine vorbildliche Familienzucht haben: Sie züchten seit Jahrzehnten, leben für die Pferde, haben richtig Ahnung und zum Beispiel acht gekörte Hengste gezogen, Demirel zum Beispiel, zwei weitere zudem aufgezogen. Jeder meiner Besuche bei ihnen war eine Weiterbildung in den Punkten: Wie paart man an, worauf achten, welches Pferd ist als Jungpferd schon als vielversprechend zu erkennen und wer vererbt sich wie. Dieser Brief war nicht so schön. Oder doch, auch, weil sie darin von ihrer Leidenschaft Pferdezucht erzählten, die ihr Leben geprägt hat. Aber er war auch traurig. Die Hölschers hören auf, nach vielen Zuchtjahren. Am 15. September verkaufen sie ihre Pferde. Eine Hofauktion wird es sein. In diesem Brief steht: „Dieser Schritt fällt uns nicht leicht und deshalb wenden wir uns an euch. Denn ihr kennt uns und unseren Betrieb und versteht, wie wichtig es ist, dass unsere Pferde in gute und kompetente Hände übergehen. Wir wünschen uns, dass Blutlinien und Stutenstämme unserer Zucht weitergeführt, Spring- und Dressurpferde weiter gefördert und ihren Reitern zuverlässige Partner werden und dass auch die Nachkommen unserer Pferde ihren Besitzern in Zukunf Freude und Erfolg bringen – so wie sie es bisher bei uns getan haben.“

Quebella von Quattro B

Dem folge ich gern. Denn die Pferde, die dort herkommen, sind mit Fachverstand aufgezogen. Es gibt einen formidablen Katalog, in dem alle Pferde inklusive Erklärung zu den Stutenstämmen in Bild und Text und mit allen Abstammungen zu sehen sind. Zudem ist jedoch das dahinter, die Persönlichkeiten der Pferde, sehr wichtig für jeden privaten Pferdekäufer. Deshalb hat mir Hermann Hölschers Frau, Katrin, die Seele des Stalls, die sich um jedes Pferd von klein auf kümmert, von einigen ihrer Verkaufspferde erzählt. Das erste davon kenne ich persönlich: Quebella von Quattro B (sie ist auf dem Foto oben zu sehen). Über diese Stute habe ich schon vor einigen Jahren geschrieben. Sie war ein herausstechendes Pferd bei einem meiner Besuche vor Ort.

Bestens veranlagt, aus dem Stutenstamm von Danzador und Bonifatius

Damals war die heute neunjährige Stute erst vier Jahre alt. Ich schrieb für das Magazin Pferdemarkt folgendes über sie: „Ein unheimlich veranlagtes Pferd, aber die braucht die richtigen Hände!“ sagt Hermann Hölscher über die hübsche vierjährige Stute. „Wird die falsch behandelt, dann hat man die in vier Wochen über die Uhr.“ Als seine Frau die Stute messen möchte, und mit der Messlatte zur Stute kommt, hebt die den Hals und macht große Augen. „Alles gut!“, sagt Katrin Hölscher, nähert sich ihr langsam und streichelt sie am Hals. Das wirkt,  Quebella entspannt sich und die Züchterin kann messen: 1 Meter 64 ist die Stute groß. Auch sie ist von Quattro, dem doppeltveranlagten Hengst, den die Hoelschers gern benutzt haben, mütterlicherseits geht es mit den Hengsten Feininger und Grannox weiter. Ganz dem Papier entsprechend macht sie auch einen guten Freisprung, sagt der Züchter. Die Stute heißt „Quebella“, und eine Schönheit ist sie wahrlich: Was für ein Hals, was für ein Köpfchen, ein abgedrehtes Pferd mit runden Partien. „Anfangs hatte die Stute sogar Angst vor ihrem eigenen Schatten“, erzählt Hermann Hölscher, „aber Ansätze hat die, die sind vom Allerfeinsten!“ Wach und munter sei sie, aber mit ganz hervorragender Bewegung im Trab und Galopp.

Die Vollschwester ist bei einer Blogleserin in den USA

Die  ein Jahr ältere Vollschwester zu Quebella ist über die Auktion in Verden in die USA verkauft worden. „Ihre neue Besitzerin hat mir Fotos geschickt, wie sie mit dem Pferd durch New York reitet“, erzählt Katrin Hölscher. Da habe sich selbst die Züchterin gewundert. So seien sie, die Quattro-Kinder: „Alle ein bisschen wacher, aber wenn die einem vertrauen, dann gehen sie für einen durchs Feuer.“ Die Besitzerin ist eine von Euch, eine meiner Blogleserinnen. Das ist wirklich unglaublich, aber wahr. Ich wusste das selbst nicht, sah nur häufig den Namen Gabriele Grunig auf meiner Facebookseite zum Blog. Sie ist seit langer Zeit unter den aktivsten Lesern. Und jetzt, als ich von den Hölschers erzählte und schon mal die Auktion auf meiner Facebookseite postete, da schrieb sie: „Ich habe auch ein Pferd von den Hölschers!“ Ich fragte nach, und heraus kam: Gabriele Grunig hat eben diese Vollschwester zu Quebella, in den USA, wo sie wohnt. Sie ist es, die mit ihrem Pferd durch den Central Park in New York ritt. Kleine Welt! Sandy heißt ihre Stute, benannt ist sie nach einer Wetterlage. „Sie ist so zuverlässig und lustig und immer einsatzbereit“, schreibt Gabriele Grunig. Sie reitet sie dressurmäßig ein wenig und geht gern ausreiten, dabei nimmt sie ihren Senior als Handpferd mit und genießt ihr Reitpferd. Ein kopfklares Pferd ist ihre Sandy also, das einfach nur Freude macht.

Welcher Mensch für dieses Pferd?

Für Quebella wünschen sich die Hölschers jemanden, der diesen Stutenstamm zu schätzen weiß – „Das ist ja ein hochaktueller Stamm, der der Nordenburg, aus dem auch Hengste wie Danzador, Bonifatius und Bentley hervorgegangen sind!“ Quebella ist tragend von Fidertanz. „Die kann ja traben und hat auch ein Fohlen aktuell bei Fuß, das so toll trabt!“

Der Einblick in den Charakter der weiteren  Auktionspferde

Ich fand die Stute immer schon toll – ein Flummipferd, dass einen Menschen und Vertrauen braucht. Bin gespannt, wer das Glück hat, sie übernehmen zu dürfen. Über weitere Perlen unter den Auktionspferden von Hölschers habe ich auf meinem Blog www.alifewithhorses.de geschrieben. Den Auktionskatalog findet ihr hier. Die Auktion findet am 15. September auf dem Hof Hölscher in Gehrde, Niedersachsen, statt.
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