Wie Du Dir den Traum vom Reiten am Strand erfüllst

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Die Herbstsonne knallt heute, und man hat wieder eine Ahnung von Sommer. Das erinnert mich daran, dass ich Euch unbedingt noch davon erzählen wollte, dass ich mir diesen Sommer einen Traum erfüllt habe. Wie schön das war, und dass Ihr das auch mal unbedingt machen solltet! Denn: Wir waren mit den Ponies am Meer. 

Es war tatsächlich genauso wunderbar, wie es auf dem Bild aussieht. Schrittreiten im Abendlicht, durch Priele waten, wir sind sogar richtig mit den Pferden schwimmen gegangen und sind natürlich ganz, ganz oft am Strand entlang galoppiert. 

Für mich das Größte war, dass ich meine kleine Tochter dabei hatte. Ich glaube, ich habe seit ihrer Geburt mir herbeigesehnt, mit meinem Kind ausreiten zu können, und auch flott ausreiten zu können, und erst seit diesem Jahr geht das. 

Der Professor mit eingebautem Navi 

Dass sie das mit acht Jahren am Strand meistern konnte, ist allerdings einem Professor geschuldet. Bjarki heißt er, ist ein Isländer, von Beruf Therapiepferd. Nebenbei war er in jungen Jahren auch richtig erfolgreich im Islandpferdesport. Er hat zwei Menschen durch Trainierprüfungen begleitet, hat Deutsche Meistertitel gesammelt und kann einfach lesen und schreiben. Am Strand ist er jedes Jahr, denn meine Freundin, seine Besitzerin, fährt jedes Jahr mit einer Gruppe Jugendlicher an den Strand. Wir waren nämlich zu ganz vielen Leuten da, auch in diesem Jahr. Ein ganzes Ferienhaus voller Jugendlicher, und wir Erwachsenen plus unsere kleineren Kinder eben. Acht Pferde, vier Anhänger, und los ging es nach Holland.  Bjarki kennt dort jeden Weg, und kann quasi mit eingebautem Navi von der Weide am Urlaubsort über diverse Campingplatz- und Wohnhausstraßen alleine zum Strand laufen. 

Frühmorgens und abends waren wir am Strand. Es ist so wunderbar, durch Priele, diese flachen Wasserstellen, zu traben, oder durch den noch unberührten Sand am Morgen, wenn gerade Ebbe ist, und der Strand unendlich zu sein scheint. 

Meerluft und dahin jagen 

Am ersten Tag, beim ersten Galopp liefen mir die Tränen übers Gesicht, weil der Wind so stark war. Mein Pony war großartig – sie blieb schön bei mir, und legte nur zu, wenn ich das wollte. Aber dann auch richtig. Und ließ sich wunderbar wieder einfangen. Bjarki ist ja sowieso außer Konkurrenz genial, denn er ist fleißig und zuverlässig, und dabei niemals kopflos. Meine Tochter galoppierte also lässig wie ein kleiner Cowboy daher. 

Doch wir hatten noch so viele andere tolle Pferde dabei: Shannon, der ein Seepferdchen ist, weil er so gern und gut schwimmt. Freibergerin Dolly, die Bank, die eine Lebensversicherung ist und etwas langsam. Galopp ist nicht so ihr Ding. Sie wiehert, wenn sie möchte, dass die anderen auf sie warten. Das haben wir dann auch immer wieder getan. Die Sportstute Embla (typisch: da vorn weg, das Weiße). Als ich sie mal ritt, wusste ich zum ersten Mal, warum Menschen Isländern verfallen. Unglaublich fein, auf jedes Fitzelchen Muskelanspannung oder – entspannung reagierend, und so viel Energie. Dann noch der wahnsinnig gute Tölter Emil, und die Freibergerin Beauty, die einen so gutherzigen Charakter hat mit Fritz, ein Isländer mit dem angenehmsten Schaukelgalopp. 

Flamingos auf Gepäckträgern und andere Monster

Dass die anderen Pferde diese Strandurlaube kennen, ist übrigens ein großes Glück für Chamonix gewesen. Unsere Reitponystute war noch nie am Meer, und inmitten all der alten Hasen war es aber nur am ersten Tag gruselig für sie. Strand hat ja so einige Dinge, die es zu meistern gilt. Und das gilt nicht nur für die Weite, die die Pferde dort am Strand sehen (und lieben und manchmal reagieren), sondern auch für diverse Sachen drumherum. Ein kleiner Auszug von Sachen, die Pferde am Meer lernen müssen. Das erstes Hindernis: Die recht lange Hängerfahrt dorthin – für Turnierpferde sicher kein Ding. Ansonsten mit von uns aus dreieinhalb, vier Stunden finde ich schon recht ordentlich. Dann: den neuen Standort akzeptieren. In unserem Fall waren das abgesteckte Weiden – so schön das ist, das ist auch Stress für’s Pferd. Zumindest für mein Junges – die anderen haben sofort gechillt, weil sie den Ablauf ja schon kannten. Bis man am Strand ist, gilt es zudem so einige gruselige Sachen kennenzulernen: Hecken an Campingplätzen, hinter denen Kinder spielen und auch mal die Flüstertüte einfach anschmeißen. Etliche Fußgänger und Fahrradfahrer kommen einem entgegen. Manchmal sitzt auf dem Gepäckträger des Fahrrads auch noch ein Gummitier, zum Beispiel ein aufblasbarer Flamingo. Man muss Straßen überqueren, Zebrastreifen, und der Reitweg führt direkt an einem Tennisplatz vorbei. Auch lustig, wenn dann auf einmal ein Ball an das Absperrgitter 20 Zentimeter neben einem knallt. Und dann gab es da noch das Grundstück, auf dem eine Hängebauchsau Frischlinge hatte (die meisten Pferde finden Schweinegeruch total gruselig), und einen Bushalteplatz, und, und und. Die Liste ist lang. 

Mein Pony ist grundsätzlich cool, und hatte eben seine erfahrenen Kollegen, die Therapiepferde, dabei. So war all das überhaupt kein Thema (Du großartiges Pony Du!). Drachen am Strand, Hunde am Strand – wen juckt’s. Die meisten Pferde haben vor den Schaumkronen im Meer Angst. Es dauert, bis sie nicht mehr zurückweichen. Mein Pony stand am zweiten Tag bis zur Brust drin. Am dritten Tag sind wir schwimmen gegangen. Einfach, weil sie gesehen hat, dass die anderen das machen und sich keiner aufregt. 

Deshalb: Vielen Dank! Danke an diese tollen Pferde und an meine Freundin Kerstin vom Reittherapiezentrum Abenteuerland in Stolberg, dass sie solche Urlaube möglich macht. 

Tipps für Euren ersten Strandritt

Jedem, der plant ans Meer zu fahren, kann ich nur raten, ein erfahrenes Pferd mit zu nehmen. Oder sich am Strand an eine Gruppe dranzuhängen, die das Spiel kennt. Sonst kann es unschön werden – aufgerüstete Reiter und Pferde, die sich tierisch aufregen sieht man eben auch immer wieder dort. Was hilft, wenn nichts geht: Einfach eine andere Reitergruppe ansprechen. Unsere Therapiepferde haben zum Beispiel auch zwischendurch eine Gruppe Dressurpferdereiter ins Wasser geleitet. Führpferde sind Gold wert. 

Ansonsten kann ich nur sagen: Übt zuvor, was möglich ist (ins Wasser gehen, wie Nina Steigerwald das hier im Magazin beschreibt,  an fremden Orten übernachten, Schrecktraining, Verkehrstraining). Und dann fahrt! Macht es einfach. Es ist wunder, wunderschön.

 P.S.: Runtergefallen bin ich übrigens ein Mal. Beim Schwimmengehen. Es wird nämlich echt rutschig ohne Sattel auf einem klatschnassen Pferderücken. Meine unerfahrene Ponystute erschrak in dem Moment, als sie vom tiefem Waten im Wasser zum Schwimmen hätte wechseln müssen. Als sie spürte, dass sie keinen Bodenkontakt mehr hatte, versuchte sie auf und nieder zu springen, um wieder Halt zu finden. Zack, war ich unten. „Weg von den Hufen und Pony festhalten!“ schoss mir in dem Moment durch den Kopf. Hat geklappt. Daraufhin bin ich erst mal an der Hand mit ihr schwimmen gegangen, nebeneinander. Als sie verstanden hatte, dass sie das kann, und ihr nichts passiert, war die Welt wieder in Ordnung. Damit das nicht passiert: Mein Kind durfte mit Longiergurt schwimmen gehen – das ist auf jeden Fall die sicherere Variante!

 P.S. die Zweite: Mit Jugendlichen unterwegs zu sein war für mich neu. Ich habe gelernt:

  • die brauchen keine Hilfe beim Pferd fertig machen
  • die brauchen keine Hilfe beim Kochen
  • die brauchen keine Hilfe bei der Abendgestaltung 

Aber: Wer mit Jugendlichen arbeitet, macht in erster Linie Arbeit auf der Beziehungs- und emotionalen Ebene. Schlichtet, wägt ab, haut auf den Tisch, sieht über vieles hinweg oder hält mal aus. Kann aber auch mit denen Spaß haben, feiern, lachen, Gas geben. Meine Güte, was muss das emotional anstrengend sein, jung zu sein. Krasse Achterbahn der Emotionen. Mal mit sich, mal untereinander, mal mit uns Betreuern. Von einzeln zuckersüß bis zu gruppendynamisch kurz vor der Explosion. Sie sind manchmal erwachsener als ich (können kochen), haben mehr Ahnung von Styling als ich (geben sich jeden Tag Mühe mit der Kleiderauswahl), und dann gibt es diese kleinen Momente, wo Du sie am liebsten kurz wachrütteln möchtest (kann das?!). Und plötzlich, in kleinen Momenten, wo was schief geht, ist dann da doch noch ganz viel Kind, viel mehr, als gedacht. Und Du möchtest sie am liebsten auf den Arm nehmen (was sie höchstwahrscheinlich mega scheiße fänden, also habe ich es mal lieber gelassen, und mich aufs reden, schweigen, Anteil nehmen, je nachdem, beschränkt). 

Es ist anstrengend, weil intensiv.

Es ist schön, weil intensiv. 

Falls das jemand von Euch liest: Ich hab’ da was von Euch gelernt. Es war eine tolle Zeit!