Wie mir ein westfälischer Bauer eine reiterliche Sternstunde bescherte

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Eine Sternstunde mit meiner Fee, die ich immer im Gedächtnis behalten werde, passierte, als ich Studentin war. Ich fuhr damals immer morgens mit dem Rad zum Stall, noch vor den Seminaren und Vorlesungen. Es war dunkel und wurde erst hell, als wir kurz vor 8 Uhr morgens in die Halle kamen. Ich stand bei einem westfälischen Bauern, der irgendwie Gefallen an uns beiden gefunden hatte, und uns morgens als erste am Tag unterrichtete.

Dieser Bauer hat mir gezeigt, wie man einem jungen Pferd den Außengalopp beibringt, wie man Tempiunterschiede reitet, wie ein Pferd im Galopp nur per Schenkelhilfe zurückkommt.

Als Studentin finanzierte ich mir Pony und Pferd zu großen Teilen selbst – das bedeutete, neben der Uni viel zu arbeiten. Reitstunden waren Luxus für mich. Gleichzeitig brauchte ich unbedingt welche. Mein Pferd war jung und mir in allem überlegen.

Sein Unterricht war jedes Mal verdammt anstrengend, eben alte Schule. Danach raste ich mit dem Fahrrad nach Hause, duschte und biss fast zitternd vor Anstrengung und Hunger in der Uni in mein erstes Brötchen des Tages. (Und ich weiss noch, dass ein Freund immer verwundert war, wie man bloß so viel Hunger morgens um 11 haben konnte! Sein morgendliches Programm sah wohl ein bisschen anders aus.)

In einer dieser Reitstunden passierte etwas, das ich nie vergessen werde. Wir begannen und nach ein paar Minuten, während ich ganz simpel nur durch die ganze Bahn wechselte, sagte er: „Aufhören. So gut war die noch nie. Sofort aufhören.“ Ich war total verwundert. Nix mit Schweiß und Tränen und so heute?

Fee war ebenso erstaunt, als wir danach noch eine Runde um das Wäldchen, das am Hof lag, ritten. Es war ein Herbstmorgen, daran erinnere ich mich noch genau, weil ich mit Decke da draußen herumritt.

Als ich das nächste Mal im Sattel saß, strengte sich meine Stute wahnsinnig an, es war sofort zu spüren.

Dieses einfach aufhören, wenn etwas absolut richtig war, ist das Superlob, was ich heute immer noch verwende. Bei einem Korrekturpony etwa, das keinen Schritt mehr machen wollte, so sauer war es. Als dieser seinen ersten Galopp geschenkt hat, habe ich danach sofort aufgehört, habe Sattel und Zaum abgenommen, kraulte ihn und erntete wieder dieses völlig überraschte Pferdegesicht und das wahnsinnige Anstrengen an den Tagen danach.

Die Pferde beginnen nach diesen Momenten zu suchen. Es ist perfekt.