Welche Pads sind wirklich gut?

Jeder Reiter möchte einen passenden Sattel, doch der Wunsch ist meist nicht ganz so einfach einzulösen. Also greifen viele Reiter zu Hilfsmitteln wie Pads. Doch die gibt es in so vielen unterschiedlichen Versionen, welche sind da überhaupt empfehlenswert? Sattlermeister Tom Büttner aus Dresden kennt sich aus und erklärt, worauf zu achten ist. 

Vorsicht, Pads machen den Sattel enger!


Grundsätzlich werden zu viele Pads einfach so unter die Sättel gelegt, das erklärt Tom Büttner gleich zu Beginn. Die wichtigste Regel lautet daher: Der Sattel und das Pad müssen zum Pferderücken passen! Sie müssen gemeinsam angepasst werden. Ansonsten kann man nämlich mit einem Pad einen gut sitzenden Sattel schlechter machen. Das ist wie mit einem gut passenden Schuh: Zieht man in diesem dicke Wollsocken an, wird der Schuh zu eng. „Die Weite des Sattels muss so angepasst sein, dass das Pad mit beachtet wird“, erklärt Tom Büttner.

Pads für Dressursättel und Springsättel

Aber ist ein Pad überhaupt von Nöten? Es gibt jede Menge Befürworter des Reitens ohne Pad, die sagen, dass ein gut angepasster Sattel ausreicht. Je nach Disziplin sind die Vorlieben für Pads unterschiedlich: Dressurreiter möchten so direkt am Pferd wie möglich sitzen, erklärt Tom Büttner, das gelte zumindest ab einem gewissen Leistungslevel. Daher würden sie im Idealfall gern ohne Pad reiten. „Wohingegen im Springpferdesport ein Sattel gern für mehrere Pferde genommen wird, in solchen Fällen ist ein ausgleichendes Pad eine gute Idee.“ (Wenn Dich diese Spezialisierung noch nicht betrifft und Du noch ganz am Anfang stehst, ist das hier übrigens ein gutes Lehrvideo zum Thema "Wie sattele ich richtig?". Es wird hier auch erklärt, woran man Vielseitigkeits-, Dressur- und Springsättel erkennt.)

Der Nutzen von Pads

Der große Vorteil von Pads ist generell, dass sie die Auflagefläche des Sattels vergrößern und damit den Druck verteilen. Druckspitzen werden durch die meisten Pads gemindert. Doch nicht bei allen. Vor allem die früher üblichen Gelkissen mit flüssigem Gel helfen hier nicht: „Bei den Gelpads, die mit flüssigem Gel gefüllt werden, läuft das Gel genau dort weg, wo Druck entsteht“, erklärt Tom Büttner. „Der Druck wird weitergegeben, der Vorteil ist lediglich, dass die Auflagefläche vergrößert wird.“ 

Große Unterschiede bei Gelpads

Bei der Wahl des richtigen Pads sind zwei Dinge wichtig: „Es sollte atmungsaktiv sein und keinen Hitzestau entstehen lassen“, so der Sattlermeister. Das ist dann leider wieder ein Minuspunkt für die durchgängigen, flüssigen Gelpads. Neuere Versionen haben Lochungen und sind weniger flüssig, wodurch der Druck absorbiert wird, „dadurch dass ihre Viskosität erhöht ist, sie stabiler sind, gibt es da keine Gefahr mehr, diese neuen Gelpads haben durch aus eine druckverteilende Wirkung.“

Die Vorteile von Memoryschaum

Besonders begehrt momentan sind Pads aus Memoryschaum. Die Pluspunkte sind: Die Atmungsaktivität ist gegeben,  Schweiß wird absorbiert, dadurch wird ein besserer Tragekomfort erreicht. Ein Schwitzen der Pferde wie bei den klassischen Geldpads wird vermieden. „Es gibt keinen Temperaturstau, die neuen Microfaserstoffe erreichen einen Tragekomfort der dem von Naturmaterialien sehr ähnlich ist."

Der Klassiker: Lammfellpads

Der Fellkranz vor und hinter dem Sattel ist für viele das Ideal und wird allein aus modischen Gründen genutzt. Das ist nicht ganz ungefährlich – denn wie oben schon erklärt, kann ein Pad unter einem Sattel, der diesen zusätzlichen Füllstoff nicht berücksichtigt, dazu führen, dass der Sattel zu eng wird für das Pferd. Sinn macht ein Lammfellpad, wenn es bewusst zum Ausgleich eingesetzt wird. „Ich empfehle Lammfellpads, wenn Pferde Muskulatur verloren haben, für die Rehabilitation in Übergangsphasen“, erklärt Sattler Tom Büttner aus Leipzig. So ein Lammfellpad hat viele gute Eigenschaften, wie Atmungsaktivität, Schweißabsorbation und gute Druckverteilung. Tom Büttner empfindet es auch sinnvoll, wenn Reiter noch nicht gut sitzen können, einfach, um den Pferderücken zu schonen. Denn es schafft eben noch mal ein zusätzliches Polster zwischen Pferderücken und Sattel.

Wirbelsäulenfreiheit bei Sattelunterlagen

Viele hochwertige Pads sind so gearbeitet, dass sie die Wirbelsäule des Pferdes frei lassen. Das hat den Sinn, dass kein Druck an die Wirbelsäule gegeben wird, denn das Reitergewicht soll ja nicht über diese getragen werden (wo ein Pferd das Gewicht des Reiters tragen sollte, das haben wir in einem Artikel hier im wehorse-Blog zum Thema "Passt Dein Sattel - der Selbsttest" genau beschrieben).

Kritisch: Pads aus Kunstfell

Optisch sehen sie aus wie Lammfellpads, sind aber aus synthetischen Materialien gearbeitet: Pads aus Kunstfell sind natürlich viel billiger als ein Lammfellpad. Nur tut man damit seinem Pferd überhaupt keinen Gefallen! Dieses Material erhitzt schnell und nimmt schlecht Feuchtigkeit auf. „Durch die Reibung in der Bewegung erwärmt sich ein Kunstfellpad stärker als natürliche oder hochwertige Materialien. Da entstehen Temperaturen, die man eigentlich vermeiden will!“, erklärt Tom Büttner, „unter Umständen kann das sogar entzündungsfördernd sein“, erklärt er weiter.  Die Vorsicht beim Material Kunstfell gilt übrigens nicht nur für Pads. Immer wenn Kunstfell eingesetzt wird, sollte man abwägen, ob es durch Reibung besonders erwärmt werden kann bei Gebrauch. Wenn ja, muss abgewogen werden, ob das im eingesetzten Bereich egal ist oder schaden könnte.

Schaumstoffe und Filze unter dem Sattel 

Lammfell ist nicht das einzig empfehlenswerte Material: Naturlatex erwähnt der Sattler ebenso als vorteilhaft. Die Varianten von Schaumstoffprodukten sind endlos. Viele zeichnen sich durch gute Druckverteilung aus, aber scheitern bei der Atmungsaktivität. Genau darauf sollte man beim Kauf jedoch achten. Bezüglich der Atmungsaktivität können Filzunterlagen punkten, die zum Beispiel im klassisch-barocken Pferdebereich weiterhin gern eingesetzt werden.

Vom Filz zum Lammfell 

Filze bestehen aus genadelter Schafswolle, haben also prinzipiell ähnliche Eigenschaften wie Lammfellpads. Wie fest ein Filz ist, kommt auf seine Verarbeitung an. „Das Manko von Filzunterlagen ist die Pflege“, erklärt Tom Büttner, „aus dem Grund sind sie überwiegend durch Lammfelle im Reitsport ersetzt worden“. Einfach nur lüften würde eben langfristig doch nicht helfen, so wie es meist empfohlen wird. „Irgendwann liegt die Talgschicht wie eine Speckschicht darauf und das ist nun wirklich nicht schön.“ Gleich ist bei jedem Pferd nämlich der Aufbau von Haut und Haar: Zu jedem Pferdehaar gehört eine Talg- und eine Schweißdrüse, und die produzierten Sekrete landen nun mal auf der Sattelunterlage.