Saskia Gunzer: So hört das Pferd zu

Handarbeit-mit-Saskia-Gunzer

Sie ist Spezialistin für die Arbeit am langen Zügel und für die Arbeit an der Hand. Saskia Gunzer ist jedoch ebenso ein Profi darin, Pferde zu motivieren. Wie man Pferde dazu bringt, auf die Signale ihres Menschen zu achten, das beschreibt sie hier.  

Soeben ist Saskia Gunzer aus Moskau gekommen. Einen Kurs in der Arbeit am langen Zügel und in der Arbeit in der Hand hat die Ausbilderin dort gegeben, und sie ist beeindruckt: „So wissbegierige tolle Schüler waren das!“ In diesem Monat war es Moskau, demnächst unterrichtet sie in Odessa. Saskia Gunzer ist schon länger kein Geheimtipp mehr, ihr Film zur Arbeit am langen Zügel, das Buch dazu und die Showauftritte mit ihrem Schimmel Dimitri haben sie bekannt gemacht. Zu dem Kurs in Moskau kamen Teilnehmer von weither angereist, zum Beispiel aus der Ukraine, und Zuschauer nahmen 1000 Kilometer Wegstrecke in Kauf. Doch egal ob sie in Deutschland oder in Osteuropa unterrichtet, eine Sache fällt ihr in vielen Seminaren auf: zu allererst muss jedes Reiter- Pferd- Paar sicherstellen, dass das Pferd dem Menschen zuhört. 

Rangfolge klären 

„In den Lehrgängen entdecke ich oft, dass die Pferde überhaupt nicht im Zuhör-Modus sind“, erzählt Saskia Gunzer. Meint: Wenn der Schüler mit dem Pferd an der Hand in die Bahn kommt, sich hinstellt und besprechen möchte, was gemacht werden soll, dann wartet das Pferd nicht selbstverständlich. „Stattdessen geht das Pferd um den Menschen herum, wiehert, guckt umher, ist führungslos und überhaupt nicht da.“ Das Pferd ist nicht auf den Menschen konzentriert. „Das Pferd braucht Führung, damit es sich sicher fühlen kann. Erst wenn die Rangordnung klar ist, und das Herdentier Pferd sich sicher fühlt, beginnt das Pferd den Menschen wahrzunehmen.“ 

Bevor eine Situation so unangenehm wird, dass das Pferd unaufmerksam herumwiehert, „hat das Pferd dem Menschen schon permanent Fragen gestellt“, erklärt Saskia Gunzer. „Diese Fragen wurden nicht erkannt und nicht passend beantwortet“. Kommunikation mit dem Pferd beginne nämlich in dem Moment, in dem der Mensch sich dem Pferd in seinem Stall oder auf der Weide annähere. Mit den Fragen des Pferdes meint sie Gesten wie Verringern der Distanz, dem Menschen nahe kommen, oder ihn mit der Nase berühren. Auch am Strick ziehen oder vor dem Menschen in die Box gehen gehört dazu. Das Pferd frage mit solchen Verhaltensweisen stets die Rangordnung ab. „Jede kleine Berührung ist eine Frage: bist Du jetzt der Chef? Wie kann ich Dich einordnen unter uns Zweien?“ 

Ausbilderin-Saskia-Gunzer

Warum nicht an der Brust touchieren?

Saskia Gunzer lässt ihre Schüler, bei denen sie diese Unaufmerksamkeiten feststellt, das Pferd rückwärtsrichten, bevor die eigentliche Einheit beginnt. Dazu tippt sie mit der Spitze der Gerte als verlängerter Zeigefinger auf die Nasenspitze, das meint: „Du berührst mich nicht, Du gehst auf Deine Position, ich bleibe stehen.“  Das Pferd wird deutlich unterhalb des Nasenriemens touchiert, und auch wirklich tippend und sanft. Sie findet das Touchieren der Nase idealer als das Touchieren der Brust. Die Gründe dafür sind vielschichtig: „Hengste, die man an der Brust touchiert, werden eher grellig, wenn sie nicht wissen, ob der Mensch sie  zum Spiel oder Kampf auffordert. Bei Pferden, die schon Spanischen Schritt oder Steigen als Lektion kennen ist es missverstänldich und die Körpersprache des Menschen bleibt aufrechter und damit in der Situation passender, als wenn der Mensch sich zum Touchieren der Brust leicht vorbeugen muss.“ 

Gesten erkennen

Die Aufgabe des Menschen ist nun, diese Fragen emotionslos und geduldig zu beantworten. Wichtig ist dabei, dass der Mensch lernt, seine eigene, unbewusste Körpersprache zu kontrollieren. Will er, dass das Pferd stehen bleibt, sollte er selbst ebenso ruhig und gelassen, wie er es sich vom Pferd wünscht, sein. "Es ist unbedingt notwendig, dass man lernt seine eigene Körpersprache zu kontrollieren, damit nicht permanent überflüssige und falsche Signale ausgesendet werden", erklärt Saskia Gunzer. "Im Bezug auf das Stillstehen wäre es sinnvoll, dass der Mensch ebenfalls versucht, sich runterzufahren und sich ruhig verhält." Ist das geklärt, dann beginnt die eigentlich Übungseinheit. Wie diese aussehen kann, finden Sie zum Beispiel hier in der pferdiathek. „Ich als Mensch muss diese kleinen Gesten erkennen und bin es meinem Pferd schuldig, sie auch zu beantworten“, sagt Saskia Gunzer. 

Wo stehst Du und wo steh ich? Das ist die zentrale Frage!

Bei pferdia tv ist Saskia Gunzers Film "Die Arbeit am langen Zügel"  erschienen, der Film kostet 34,99 Euro. Saskia Gunzers Lehrvideos in der pferdiathek sind hier zu finden