Mein Bürostuhl, das Auto, und was das mit dem Pferd zu tun hat

Magazin-pferdia

Motivation für das Wochenende 

Ich habe mich der Realität gestellt. Und mich nach einem Jahr das erste Mal wieder beim Reiten filmen lassen. 

Wie es mir danach ging? Och. 

Ich erinnerte mich an eine gute Bekannte, die mir auf einem Kurs sagte: „Wenn Du mich filmst, schick mir das nicht. Ich kann mir das nie angucken.“ Sie ist eine gute Reiterin. Die sich regelmäßig fortbildet und ganz bestimmt nicht kritikresistent ist. Doch in den Spiegel gucken will sie selbst nicht. Das Feedback überlässt sie komplett ihren Ausbildern. 

Ich verstehe es vollkommen.

Sich selbst beim Reiten zuzugucken, ist schlimmer, als die eigene Stimme auf einem Anrufbeantworter anzuhören.

Es ist die Landung auf dem Boden mit Sand im Mund.

Bin ich das, die da so hübsch die Flügel spreizt, also die Ellbogen zur Seite streckt? Vor allem gern auf der äußeren Seite, wenn ich abwenden möchte? Ja. Bin ich das, die auf die Schulter des Pferdes starrt, so dass der Rücken rund wird (meiner) und der Kopf nach unten gehalten wird, als ob ich da in einem Buch lese? Ja, leider auch. Und wenn man genau hinguckt, verkürze ich gern auf der einen Seite meinen Körper und die andere ist immer lang. Abknicken in der Hüfte nennt man das. Aua. Das tun doch nur Anfänger. Nein, ich auch. Wenn auch nur minimal. Aber: der Fehler ist da. Kein Wunder, dass Seitengänge auf einer Hand besser fluppen als auf der anderen.

Ich hab' mir das Video so ungefähr zehn Mal angeguckt. Beim ersten Mal war es am Schlimmsten. Denn das, was ich von oben fühle und das, wie es von unten ausschaut, divergiert. Stellen und biegen, übertreten lassen – ich dachte von oben: wow, wie wahnsinnig stark das Pferd gebogen ist, also mehr wäre gaaanz falsch! Vor dem Bildschirm musste ich überlegen: war das jetzt wirklich die Situation, in der ich dachte, das Pferd sei stark gestellt und gebogen? Tatsächlich???? Öhhm... da geht noch was.  

Dann habe ich nachgedacht. Und mich selbst beobachtet. Im Alltag. Und siehe da: Wie sitze ich wohl am Schreibtisch? Rechte Seite Bein angewinkelt, rechter Ellbogen immer gewinkelt. Linkes Bein weggestreckt. Und im Auto? Es ist ein Automatik, also sitze ich genauso: linkes Bein abgestreckt, rechtes gewinkelt. Mmhh. Passt alles wunderbar zu meinem Sitz auf dem Pferd. 

Beim nächsten Supermarkteinkauf ist daraufhin ein aufblasbares Sitzkissen und ein Sitzball in den Wagen geplumpst. Die sind ins Büro eingezogen. Für beweglichere Reiterhüften und gegen Rücken- und Nackenstarre. Das hat sich kurz gut angefühlt. Hah, loslegen, nicht mit so etwas abfinden! (Besser-Fühl-Konsum: genauso, wie man Rezepthefte kauft, um mal gesünder zu essen). Doch es ist schon klar: alleine das wird nicht reichen. 

Viel zu wissen ist ja nur die eine Hälfte des Besser-Machens. Man muss es ja auch einfach tun, was man so weiß. Also habe ich habe gestern auf dem Pferd mal selbst geturnt. Und es nicht nur anderen im Unterricht empfohlen. Yoga steht von nun an auch wieder auf meiner wöchentlichen To-do-Liste. Weil ich weiß: wenn ich das häufig genug und langfristig genug mache, wird mein Reiten besser. Ich werde geschmeidiger, ausbalancierter und bin dann weniger schief. Habe ich nämlich mal für zwei, drei Jahre perfekt in den Alltag integriert. Irgendwie ist es mir entschwunden.

Mir hallt bei all diesen Aktionen stets der Satz von Jessica von Bredow-Werndl und Benjamin Werndl im Ohr, den wir hier in der pferdiathek auch schon oft erwähnt haben: „Wer möchte, dass sich das Pferd wie ein Gummiball bewegt, der muss selbst zu einem Gummiball werden.“ 

Da man aber nicht nur durch Turnen gut reitet, habe ich mich gleich noch mit einer Freundin verabredet, damit wir uns gegenseitig auf die Finger schauen beim Reiten. Und ja, die Sitzschulung ist auch schon anvisiert. Wird wieder mal Zeit, und zwar sowas von!

Genieß das Wochenende - Viel Freude mit Deinem Pferd!