Sommernächte

sommernaechte

Letztens kam ich spät heim, und Körper und Gewissen sagten: „Bewegung!“ und „Das Pferd!“ Es war schon deutlich nach 21 Uhr und es war ein wunderschöner Sommertag mit gleißendem Abendlicht.

Irgendwie hatte ich dennoch keine Lust auf Reiten. Aber auf's Pferd und auf draußen. Ich packte meine Joggingschuhe und zog mit der Stute los. Und zack, war der ganze Stress weg, und ich konnte all die schönen Dinge um mich rum wieder bemerken:

Die im lauen Lüftchen flirrenden Blätter, deren Seiten mal grün, mal weiß aussehen, je nachdem, wie das Licht darauf fällt.

Wie die große Linde riecht.

Die Weite der Felder, die zu unserem Waldweg führen.

Die Wärme, wenn ich meine Hand auf dem Hals der Stute lege, während sie trabt.

Wie mühelos es isich anfühlt, mit Pferd zu laufen, ganz anders, als alleine.

Der Geruch von Waldboden, der abends intensiver ist.

Es wurde dämmerig, und ich dachte, wie toll, was für ein Vertrauen hat dieses Pferd, dass wir hier bei Dämmerung an der Hand joggen gehen, und sie maximal die Ohren spitzt, wenn rechts und links etwas knackt im Wald. Es fühlt sich an, als ob man abheben könnte, wenn man neben dem Pferd herläuft, ein Trabtritt, ein großer Joggingschritt. So als ob man nur ausholen müsste, und sich wie ein Super-Voltigierer einfach so raufschwingen könnte (was all meine sportlichen Fähigkeiten absolut übersteigt). Ich guckte ihr in die Augen, und mein Pferd sah so schön zufrieden und interessiert aus. Es schnaubte, es schien das auch zu mögen, dieses gemeinsam etwas Erleben. Das nebeneinander hergehen wirkt irgendwie noch einigender, als oben drauf zu sitzen. Und die neue Perspektive zeigt mir so viele Kleinigkeiten. Auf dem Weg nach Hause sprang zum Beispiel eine Kröte von rechts nach links auf dem Weg. Hätte ich vielleicht aus dem Sattel gar nicht gesehen.

Ich liebe lange Sommernächte. Zum Reiten. Zum Joggen. Zum Rumsitzen und auf Wiesen starren. Hach.

P.S.: Wir gehen immer mit Trense und Gerte joggen. Sicherlich würde es auch ein Knotenhalfter oder ein Kappzaum tun. Aber eine Notbremse muss dabei sein, zur Sicherheit, finde ich. Auch wenn mein Pferd hundertprozentig geländesicher ist. Kleiner Beweis: Sogar wenn die Alpakas unseres Nachbarns unseren Weg kreuzen, zuckt sie nicht. Die kann man bei uns tatsächlich im Wald treffen, weil sie für Spaziergänge gebucht werden können. Meint: acht Langhälse mit Puschelwolle ziehen den Weg entlang, am Strick je ein Mensch. Das sieht für Pferde aus wie eine Außerirdischen-Invasion! Aber, ja, auch das steckt mein kluges, weises Stütchen weg.