Wie Pferde Spaß beim Reiten entwickeln

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Nachwuchstalent Lisa Röckener spricht im Interview über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Turniersport und Showreiten. Sie erklärt, wie wunderbar sich Leistungssport und Horsemanship ergänzen - und lebt das auch vor. 

Lisa Röckener, 22 Jahre alt, hat es in diesem Jahr mehrfach geschafft, mich zu beeindrucken. Sie reitet wunderbar fein, und das auf ganz unterschiedliche Weisen: Im Vielseitigkeitssport, auf Shows und daheim mit Halsring, und dazu macht sie auch noch Bodenarbeit, Horsemanship, ein bisschen Zirzensik und so verrückte Sachen, wie Geländesprünge mit Halsring und Pad zu überwinden. Das hier ist der Teil 2 eines Interviews mit der talentierten Reiterin. Teil 1 ist hier im wehorse-Magazin zu lesen.

Vor kurzem hast Du ein Video gepostet, darauf bist Du mit einer Stute zu sehen, die Du gerade mal drei Wochen zu dem Zeitpunkt in Beritt hattest. Du reitest sie auf Halsring einen Wirtschaftsweg entlang. Ich dachte, mir bleibt das Herz stehen! Ist das nicht etwas früh, nach drei Wochen? War das leichtsinnig?

(Lisa lacht.) Dieser Weg führt bei uns vom Springplatz zum Stall, den kennen die Pferde. Bei mir gilt die Regel: Gehe erst aus einem geschlossenen Raum heraus, wenn eine Notbremse da ist. Und das meint für mich, dass man aus dem Galopp nur über Gewichts- und Stimmhilfe anhalten kann. Alle meine Pferde, auch die Pferde von Schülern oder Kursteilnehmern, lernen erst mal, auf Stimme anzuhalten. Ich bringe den Pferden bei, auf meine Stimme zu achten. Ich sage „an“ für losgehen und „halt“ für Stoppen. Erst später wird das durch Körpersprache ersetzt. Das ist ja immer so eine Glaubensfrage, ob man mit Stimme arbeitet oder nicht. Ich finde, die Pferde lernen so prima, mir zuzuhören, also kann ich das auch einsetzen. Meine Pferde gehen übrigens auch auf ‚pssst’ zurück, das hat den Vorteil, dass ich da nirgendwo zu viel am Gebiss tun muss. 

Was ist eigentlich Dein reiterliches Ziel? Wo willst Du hin?

Ich möchte zeigen, dass nicht nur Valoo ein Ausnahmepferd ist, sondern dass man das Gleiche auch mit anderen Turnierpferden machen kann. 

Valoo ist Dein bekanntestes Showpferd, ein brauner Warmblutwallach. 

Ja. Bewusst zeige ich Warmblüter, auch auf den Shows, und keine Rassen die natürlicherweise schon viel Ausdruck haben, so wie Spanier. Ich will zeigen, was Warmblüter alles können.

Dein erster Erfolg im Showreiten war 2016 die Platzierung in der Cavallo Akademie.

Ja, allerdings war der erste öffentliche Auftritt die Equitana Open Air. Dann kam die Cavallo Akademie 2016, wo ich Dritte mit Valoo geworden bin. Danach habe ich auf der Baltic Horse Show gewonnen, damit fing dann alles an und die Uni rückte in den Hintergrund.

Neben dem Showreiten bist Du auch weiterhin auf Vielseitigkeitsturnieren unterwegs, richtig? 

Ich reite noch ganz normal Turnier, bin mit Valoo in Geländepferdeprüfungen der Klassen A und L unterwegs und in Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse A. Wir haben auch drei Qualis zum Bundeschampionat geholt, aber ich war froh, die Vierte nicht zu bekommen. Das wäre mir zu früh gewesen, wirklich hin zufahren, ich hätte Valoo nicht dort mit hingenommen.  Wir waren auch zum Reitpferdechampionat qualifiziert und starten in Dressur und Springen in der Klasse L. Mit meinem neuen Berittpferd Wally möchte ich in dieser Saison in Dressurprüfungen der Klasse M starten. 

Gibt es so etwas wie ein Ziel, eine Mission, die Du hast?

Ich möchte den Leuten die Augen öffnen: Turnierpferde sind keine reinen Sportpferde. Ich möchte die Grenze zwischen Horsemanship und Turnierleuten ändern. Die Horsemanshipleute sagen oft, Turnierleute seien böse. Und die Turnierleute sagen: „Die Horsemanshipleute stecken Leckerlis rein und das war’s.“ Dabei ergänzt sich beides so toll! Alle meine Berittpferde gehen durch die Horsemanship-Grundlagen. Das bespreche ich mit den Besitzern vorher, dass ich stets Turniersport und Horsemanship vereine. 

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Welches Vorurteil hält sich denn besonders hartnäckig?

Horsemanship-Arbeit wird generell im Turnierlager gern belächelt. So nach dem Motto: „Nett, mal so ein Kompliment, aber ich bin im Turniersport unterwegs und erwarte Leistung“. Ich kann das sogar verstehen, ich war mal genau der gleichen Meinung. Dabei schließt sich beides doch gar nicht aus! Ich bin auch im Turniersport unterwegs und erwarte dort Leistung. Aber ich möchte auch, dass mein Pferd Spaß hat. Wenn ich reite, frage ich mich alle 2 Minuten: Hat mein Pferd Spaß daran? Wenn nicht, muss ich etwas ändern!

Das ist ein super Motto! Was gibt Dir genau der Turniersport, was die Shows?

Ich möchte in der Öffentlichkeit zeigen: So sind diese Pferde trainiert und das können sie alles! Ich mag an Turnieren auch einfach den Ablauf: Früh aufstehen, von einem Pferd aufs andere. Ich bin ehrgeizig und möchte auch höher starten. Aber weiterhin immer in Verbindung mit Shows! Die Show ist die Belohnung für die Arbeit, die ich jeden Tag reinstecke. Für die Pferde ist es eine Abwechslung. Mir gefällt, dass ich meine Arbeit mit den Pferden nach außen tragen kann. Deshalb mache ich ja auch viel auf Instagram und facebook Ich will zeigen, was ich mache. Es ist total schön dann Rückmeldungen zu bekommen wie: Danke für die Inpiration, ich habe umgedacht und das und das geändert. 

>>>> Noch mehr Bilder zu Lisa gibt es auf dem Blog zu sehen, denn bald kommt sie zu uns, um einen Kurs zu geben! Wer Lust bekommen hat, in die Richtung zu arbeiten: Unten habe ich unsere wehorse-Alizée-Froment-Videos verlinkt.