So bekommst Du Vertrauen beim Springen

Du möchtest gern voller Vertrauen und sicher springen? Dann haben wir Tipps für Dich, die Dein Reiten deutlich verbessern können!

Springtrainerin Eva Deimel kennt sich damit aus, Reiter von Beginn an bis zur schweren Klasse zu schulen. Diese Schüler sind keineswegs alle Naturtalente. Angst und Respekt vor dem Springen ist auch in ihrem Alltag mit Schülern häufig ein Thema! Die Trainerin weiß, wie sie kleinschrittig vorgeht, damit die Reiter gute Erfahrungen sammeln. Denn diese guten Erlebnisse führen zur Sicherheit und ins Vertrauen.

Aber wir haben noch mehr! Ausbilder Wolfgang Marlie hat nochmal eine ganz andere Herangehensweise. Er steuert wertvolle Mentaltipps hinzu und erzählt, wie er mit der großen Angst einer Schülerin umging. Ermutigung ist für ihn besonders wichtig. Genauso wie das Beachten von persönlichen Grenzen, so dass seine Schüler mit vollem Vertrauen und Herzen reiten und mit dem Pferd umgehen.

Bereit für eine Portion Mut, Zuversicht und viele gute praktische Tipps? Dann los!

Zum Start haben wir zwei Beispiele für Dich, von Reitschülerinnen der beiden Ausbilder. Hier liest Du, wie sie ihre Angst vor dem Sprung überwinden konnten.

Schnee gegen Stangenangst

Wolfgang Marlie griff bei einer Reitschülerin zu ungewöhnlichen Mitteln:

„Für eine sehr ängstliche Reiterin mit einem sehr unsicheren Pferd, das viel stolperte, habe ich mal einen Eimer Schnee in die Halle geholt und damit Linien gelegt, über die sie erst im Schritt und dann im Trab geritten ist. Später ersetzte ich den Schnee durch weiche Geitner-Gassen und dann erst durch Stangen. Ich lasse meine Schüler in einem geschützten Rahmen ihre Selbstwirksamkeit erleben.

Sie sollen bewusst feststellen, was sie können und daraus Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ziehen.

Die Schülerin habe ich immer wieder ermuntert, bei der kleinsten Befürchtung abzusteigen und vom Boden aus weiterzuarbeiten. Gerade beim Springen kann man das Pferd hervorragend auch ohne Reiter auf den Weg bringen. Manchmal ist die Reiterin nach einer Weile Bodenarbeit wieder aufgestiegen, manchmal auch nicht. Ich rate heute jedem davon ab, gegen sein Bauchgefühl zu arbeiten, sich zu überwinden oder so etwas.

Nach meiner Erfahrung kann unterdrückte Angst einen Reiter so sehr lähmen, dass er genau die Fehler macht, die er unbedingt vermeiden möchte: Das Pferd ganz kurz vor dem Sprung nur halbherzig zu ermutigen oder es doch noch zurückzuhalten beispielsweise. Ich glaube, dass so die schlimmsten Unfälle passieren.“

Wenn der Körper vor Angst verspannt

Eva Deimel erinnert sich an eine Reitschülerin, deren Angst vor dem Sprung sich besonders stark im Reitersitz zeigte:

„Eine Schülerin hatte unglaubliche Angst. Als sie zu mir kam, war sie 13 Jahre alt. Sie hat sehr verkrampft gesessen und je näher der Sprung kam, desto mehr hat sie ihr Pferd zurückgehalten. Das Pferd war eine ganz tolle Stute, die zuvor auch schon L-Springen gegangen ist und zudem schön Dressur ging. Innerhalb von zwei Jahren haben wir es geschafft, dass das Mädchen immer mehr die Angst abbauen konnte. Sie wollte lernen und war immer sehr bemüht. Ich glaube, sie wollte in ihrer Altersklasse nicht außen vor stehen und in der Mannschaft reiten, das war denke ich die Motivation, trotz aller Angst dran zu bleiben. Der Ursprung der Angst lag in einem schweren Sturz. So etwas ist traumatisch, das dauert. Wir haben ganz viele kleine Sprünge gemacht und das langsam aufgebaut. Ich habe immer versucht, sie mit einem Gefühl aus der Stunde zu schicken, dass sie sich mehr zutraut und das auch schafft. Wenn sie zum Beispiel nach dem zehnten Sprung aufhören wollte, habe ich ihr gesagt: ‚Den elften Sprung schaffst Du auch noch!’ Das war dann auch so und die Reiterin konnte abspeichern, dass sie Fortschritte macht. Wir haben auf Turnieren ganz klein mit Springreiterwettbewerben angefangen. Es hat über zwei Jahre gedauert, bis sie ihr Ziel, eine A**-Prüfung zu reiten, erreichen konnte.“

Ideen für Dein Training

Auch wenn jeder Reiter anders tickt, es gibt ein paar Regeln, die bei ängstlichen Reitern gut helfen. Die Ausbildung fängt tatsächlich vor dem ersten Sprung an.

Vor dem tatsächlichen Springen:

  1. Ganz klein beginnen.
    Das meint: Nicht direkt mit Hindernissen starten! Darin sind sich unsere Fachleute einig. Das kann so kleinschrittig sein, wie es Wolfgang Marlie oben schildert. Oder auch direkt mit einzelnen Stangen, je nachdem, wie der Reiter tickt. Eva Deimel verwendet gern Stangen, die nicht wegrollen können, also auf Hölzern mit Mulden liegen oder an Cavaletti befestigt sind. Werden Cavaletti genutzt, dann auf jeden Fall zunächst die niedrigste Höhe verwenden!

  2. Stangen korrekt anreiten
    Eva Deimel lässt ängstliche Reiter zunächst über einzelne Stangen reiten. Dann legt sie die Stangen mit großen Abständen hintereinander hin: „Der Reiter soll nun aus einem bestimmten Rhythmus gleichmäßig über beide Stangen reiten.“

  3. Den Rhythmus finden
    Sie übt dies zunächst im Trab. Klappt das, wird es auch im Galopp geübt. Wichtig ist der Rhythmus. Hierfür ein Gefühl zu entwickeln und damit Sicherheit zu erlangen, darum geht es.

Zwei Galoppsprünge Abstand

Erst wenn diese Dinge sicher sind, kommt ein Sprung hinzu – „zum Beispiel ein kleines Kreuz mit einer Trabstange davor, so dass der Reiter erst mal im Trab darüber springen kann“, sagt Eva Deimel.

Dann folgt ein Kreuz mit Stange davor im Galopp. Wichtig: Die Bodenstange soll mindestens zwei Galoppsprünge vor dem Hindernis liegen. „Dann weiß der Reiter, dass er passend zum Sprung kommt und kann mit Vertrauen das Hindernis überwinden“, erklärt die Springausbilderin.

Erst wenn das gut funktioniert und der Rhythmus gehalten wird, geht’s weiter. Zum Beispiel mit mehreren Cavaletti, diesmal in einer Höhe, die für einen kleinen Sprung ausreicht. Diese werden so aufgebaut, dass sie mehrere Sprünge mit passenden Abständen ergeben.

So bekommst Du Gefühl für den Sprung

Diese Cavaletti kombiniert Eva Deimel gern mit vielen Handwechseln: „So dass der Reiter langsam aber sicher den Richtungswechsel mit bestimmt.“ Der nächste Schritt wäre ein kleiner Steilsprung oder auch ein Oxer in einer Kombination. Hier bitte ebenso vorsichtig einsteigen: Unterbauten, die Angst einflössen könnten, vermeidet die Trainerin. Wieder zählt der Rhythmus vor allem anderen:

„Ich möchte dem Reiter eine Idee vom Rhythmus mitgeben. Der Reiter soll sicher werden und das pferd soll Sicher bleiben!"

Eva Deimel erklärt weiter: „Das gilt auch, wenn es nur kleine Sprünge sind. Wenn ein Reiter den Rhythmus ins Vorwärts oder Rückwärts verlässt, dann findet das Pferd keine gute Situation am Sprung vor, die es lösen kann."

Was prägend ist und damit Sicherheit gibt: „Kleine Reihen springen!“, rät die Ausbilderin. „Zum Beispiel fünf Kreuze auf passenden Abstand hintereinander stellen.“ So kann der Reiter sich auf seinen Sitz und das Nachfühlen konzentrieren. 

Springen lernen braucht Zeit

Das Gefühl für den Rhythmus und das Springen stellt sich nicht bei jedem gleich schnell ein. Es gibt tatsächlich auch Reiter, da kommt es nie, sagt die Springtrainerin.

Grundsätzlich gilt aber: Viel ist erlernbar aber es braucht Regelmäßigkeit und Routine. Je älter der Einsteiger ist, desto mehr Zeit ist meist notwendig. Auch bei jungen Menschen gilt: „Das kann man nicht in zwei Monaten erlernen“, sagt die erfahrene Trainerin. Bei einer Gruppe jugendlicher Springeinsteiger, die sie seit drei Jahren jede Woche ein Mal trainiert, bemerkte sie zum Beispiel im zweiten Jahr der Ausbildung deutliche Fortschritte. Inzwischen sind diese alle auf gutem A-Niveau unterwegs.

Also: Geduld, Routine und lange Zeit schön klein unterwegs sein hilft!

Mehr Infos zum Springen

Wenn Du nachschauen willst, welche Abstände richtig sind für Stangen, Cavaletti und kleine Sprünge, dann schau mal in unser neues Lexikon Wissen2go!

Möchtest Du mehr Tipps von Eva Deimel kennenlernen?

In diesem Film mit der Ausbilderin siehst Du, wie sie eine Reiterin und ihr Pferd in der Aufwärmphase vor dem Springen unterrichtet. Der Film passt prima zu den Tipps hier im Magazin, denn Du kannst sehen, wie Eva Deimel die Bodenstangen genau mit ihrer Schülerin einsetzt und am Rhythmus arbeitet.

Hier in der Fortsetzung geht es dann weiter mit dem Üben über einzelne Cavaletti. Mit Distanzen von 22 Metern zwischen zwei Cavaletti und somit sechs Galoppsprüngen (Hättest Du gewusst, wie viele es sind? Die Reiterin im Film musste überlegen!) geht’s los.

Möchtest Du mehr Tipps von Wolfgang Marlie bekommen? 

Dann findest Du hier ein Video, das seinen besonderen Ansatz sehr gut widerspiegelt: "Eine schöne Zeit mit Pferden haben" heißt er. Hör' auch unbedingt mal in unseren Podcast hinein - Wolfgang Marlie hat uns ein super spannendes Interview gegeben!

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