Interview: Elaine Butlers Tipps für ein geschmeidiges Aussitzen

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Ausbilderin Elaine Butler ist relativ frisch in der pferdiathek vertreten. Sie lehrt seit den 90er Jahren nach Mary Wanless, einer Engländerin, die sich auf das Thema Sitz spezialisiert hat. Die Mary-Wanless-Systematik ist keine Reitlehre, sondern kann Reitern aller Systeme dabei helfen, besser zu sitzen und damit besser auf ihr Pferd einwirken zu können. 

Sie erklären die Hilfengebung für Reiter anders, als das gängig der Fall ist. Können Sie ein Beispiel nennen, welche übliche Formulierung den Reitschüler dazu bringt, etwas ganz Falsches im Sattel zu machen?

Ja, zum Beispiel: Zum Angaloppieren den äußeren Schenkel zurücklegen. Dadurch kippen viele das Gewicht auf die Innenseite des Sattels, und das Pferd wird durch das zusätzliche Gewicht auf der inneren Schulter gestört. Das trifft auch zu, wenn der Reiter das Bein aus der Hüfte heraus zurücknimmt. Auch dann habe ich keine Garantie, dass der Sitzbeinhöcker dabei nicht nach vorn rutscht und die Hüfte hoch geht.

Bandaga-um-Taille

Wie erklären Sie es stattdessen?

Wenn ich erkläre, dass die äußere Beckenhälfte etwas zurückgenommen werden soll zum Angaloppieren, dann geht der äußere Schenkel automatisch etwas zurück. 

Und das verstehen die Menschen sofort, wie sie ihre äußere Beckenhälfte nutzen sollen? Klingt nicht selbsterklärend. 

Das kann man trainieren. Der Schüler soll im Stand beide Hände unter das Gesäß schieben. Dabei soll er die Handinnenflächen so platzieren, dass der Sitzbeinhöcker genau auf dem Mittelfinger liegt, die Daumen zeigen nach vorn.  Wenn er dann den Sitzbeinhöcker vom Mittelfinger auf den Ringfinger verschiebt, dann erkennt er die gewünschte Bewegung. Dabei bleibt der zurückgenommene Sitzbeinhöcker belastet. 

Das Kreuz anspannen ist ja auch so ein gängiger Begriff, der viele Reiter ratlos zurücklässt. Wie erklären Sie diese Bewegung?

Die Aufforderung das Kreuz anzuspannen führt bei vielen weiblichen Reitern zu einem Hohlkreuz. Der Reiter soll die Bauchmuskeln anspannen, um sein Kreuz zu stabilisieren, aber im Kreuz gibt’s nichts anzuspannen. Wer seine langen Rückenmuskeln versucht anzuspannen, also die rechts und links von der Wirbelsäule, der trainiert sich einen steifen Sitz an.

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Wie schaut es denn damit aus, die Mittelpositur mitschwingen zu lassen? Das ist ja auch nicht so einfach für viele Reiter.

Genau, Mittelpositur mitschwingen lassen ist ebenso ein irreführender Begriff. Vor allem Frauen beginnen da oft so zu wackeln, das sieht manchmal eher nach Bauchtanz aus als nach Reiten. Der Reiter soll im Trab ja nicht irgendeine bestimmte Bewegung mit der Taille ausführen, die Bewegung findet in den Hüftgelenken, am Beinansatz, in den Knien und in den Fußgelenken statt. Der Reiter verändert die Winkelung seiner Gelenke, verkleinert oder vergrößert sie, um in der Bewegung mitzugehen. Dieser Gedanke hilft übrigens, damit Reiter diese bauchtanzähnliche Bewegung in eine effektive Bewegung umschulen können. Außerdem müssen wir Reiter die Taille stabilisieren, und da müssen Becken und Bauchmuskeln ihren Teil dazu beitragen, dass es nicht in der Mitte wackelt.

Und wie stabilisieren Sie die Mitte der Reiter?

Da gibt es verschiedene Übungen. Zum Beispiel soll der Reiter sich vorstellen, die Muskulatur des Bauchraums gegen die Bauchhaut zu pressen.  Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, biete ich den Reitern gern einen Neoprengurt an. Dagegen sollen sie mit den Seiten der Taille und den Bauchbereich muskulär drücken. Zusätzlich helfen auch bestimmte Laute: wer sich räuspert, spricht zum Beispiel die gesamte Muskulatur im Bauchraum an, ein Husten erzielt wiederum einen anderen Muskeltonus. 

Hört man ihre Schüler also ständig husten und sich räuspern, während sie reiten?

Nun ja, es ist eher so, dass sie mit solchen Lauten nachfühlen können, welche Muskulatur genutzt werden soll, das ist eine tolle Sache, um sich selbst zu überprüfen!